Meine alte Federkernmatratze ist so verbeult, dass sich beim Schlafen jede einzelne Feder in meine Haut bohrt. Da kriegt der Ausspruch “Ab in die Federn” eine ganz neue Bedeutung. Seit der Lattenrost zum vierten mal gekracht ist, habe ich ihn samt Bettgestell aus dem Fenster auf den Sperrmüll geworfen.
Nun liege ich im leeren Wohnzimmer in den Federn und schaue auf die lose aus den Löchern hängenden Kabel an der Decke, wo bis gestern die Lampe hing.
Es ist fünf Uhr. Die Vögel haben mich geweckt. Ich schaue aus dem Fenster auf unsere Einbauküche, meinen drehbarer Kleiderständer, der mir seit einem Jahr als Schrankersatz gedient hatte, unseren Spiegelschrank der, seit wir ihn von zu unserem Einzug geschenkt bekamen, den Flur vollgestellt hatte. Vollgestopft mit Sachen wie dm-Stofftaschen in Farben, die es vor mehreren Jahren gab, einer lila Perrücke, mit der ich mich mal an Fasching verkleiden wollte, Werkzeugzubehör, das ich beim Kinderschminken in Baumärkten beim Glücksrad drehen gewonnen habe und das eigentlich das dazu kaufen eines Akkubohrers erfordert hätte. Außerdem Tischtennisschläger und Bälle, Fahrradluftpumpen für die falsche Art von Ventil, angebrauchter Grillanzünder von vor zwei Jahren, mehrere ungenutzte Rouge Pinsel und ganz viel ungenutzter Nagellack.
Im Wohnzimmer befinden sich außer mir und meiner Matratze nur noch mein Couchtisch, der aus den aufgestapelten Sommerreifen meines Autos und einer daraufgelegten Holzplatte besteht, mein Gymnastikball und mein Wanderrucksack mit meinen Kleidern.
Im Bad stehen nur noch die Putzmittel und meine Sachen. Meine Mitbewohnerin wohnt schon bei ihrem Freund.
Ich mache gewohnheitsmäßig den Wasserkocher an und stecke zwei Scheiben Toast in den Toaster.
Dann streiche ich sanft über das glatte, dunkelbraune Holz meiner Kaffeemühle, die ich dieses Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, streue ein paar Kaffeebohnen aus meinem 1000 Gramm Sack vom Bioladen hinein, decke mich wieder zu und drehe auf der Matratze sitzend an der Kurbel, bis genug Kaffee in der kleinen Schublade liegt.
Ich kippe das Pulver in meine einzige, aber beste weil riesengroße Tasse. Dann öffne ich das Fenster und hole den Soja-Reisdrink von draußen herein, um ihn auf das Pulver zu gießen. Inzwischen blubbert das Wasser blau leuchtend im Wasserkocher. Ich stelle den Reisdrink zurück aufs Fensterbrett, mit Blick auf den Krähenbaum, auf dem im Frühling nur selten Krähen sitzen.
Dann gieße ich mir ‘türkischen’ Kaffee auf und nehme mir aufs Neue vor, mir demnächst mal einen Filter zu kaufen.
Morgen kann ich hier nicht mehr schlafen. Meine Möbel werden alle auf dem Schrottplatz landen.
Und ich werde ausziehen. Heute, So viel steht fest.