Ich weiß, es ist wieder eins dieser typischen Themen: Sozialbetreuungsberufe
Bitte versteht mich nicht falsch. Ich lebe in Österreich und wie wahrscheinlich den meisten Österreichern bekannt ist, wurde für die Dauer von 3 Jahren ein Sozialbetreuungsstipendium von 600€ für Auszubildende in Sozialbetreuungsberufen versprochen; Und über nichts habe ich mich mehr gefreut!
Trotzdem habe ich wieder einmal in einem Praktikum feststellen dürfen, wie ungerecht wir im Sozialbereich behandelt werden
Zu meiner Situation:
Ich bin ein Schüler, der knapp 42 Stunden in der Woche im Praktikum arbeitet, um meine Praktikumsstunden rechtzeitig abzuleisten. Wenn ich das nicht tue, kann ich die Ausbildung nicht, wie geplant, im Sommer beenden, sondern darf erst im Herbst zu meinen Prüfungen antreten. Das gilt übrigend auch im Krankheitsfall. Wenn ich mehr als 2 Tage im Praktikum krank werde, dann kann ich auch in diesem Fall meine Ausbildung nicht, wie geplant, abschließen.
Neben den 42 Stunden arbeite ich 10 Stunden pro Woche in einer Organisation und nehme alle Überstunden an, denn meine Bank erlaubt durch meine Situation als Schüler weder eine Überziehung des Rahmens, noch einen Studentenkredit (denn ich bin ja "Schüler"). Ich muss mir aber Wohnung und Leben alleine leisten können, denn:
- Meine Eltern haben nicht das Geld, um mich unterstützen zu können
- Beihilfen bekomme ich keine, denn "meine Eltern verdienen zu viel" (haben aber auch noch 4 andere Kinder) und da ich ja offiziell Schüler bin, wird das Einkommen der Eltern gerechnet
- Förderungen bekomme ich (abgesehen von dem Sozialbetreuungsstipendium) nicht, denn "dafür sind die 600€ Sozialbetreuungsstipendium da" (Das bekomme ich aber auch erst seit zwei Monaten. Davor hatte ich meine 40h/Woche Praktikum und 30h/Woche Arbeit, um Geld zu verdienen) Vor den 600€ Stipendium war auch hier die Begründung: "Deine Eltern verdienen zu viel"
Nun zu dem Vergleich, den ich im Praktikum aufgestellt habe (Ich möchte gleich betonen: DAS IST KEIN HATE GEGEN ZIVILDIENER. Und ich finde es auch super, dass Zivildienern so entgegen gekommen wird, denn sie haben es auch nicht leicht.):
In der Einrichtung, die ich für das Praktikum besuche, gibt es zwei 'externe' Helferlein. Das sind ein Zivildiener und ich. Der Zivildiener lebt noch bei seinen Eltern (und das finde ich super, denn sonst hätte er es wirklich schwer mit seinem Verdienst). Er verdient knapp 700€ bekommt das Essen in der Einrichtung gratis und (unübertrieben) die dreifache Portion von allen anderen). Außerdem bekommt er eine vollständige Helfer-Ausbildung vom Land bezahlt, damit er alle Tätigkeiten durchführen kann, die die Angestellten auch machen. Diese Ausbildungzeit wird ihm als Arbeitszeit angerechnet.
Der Vergleich zu mir: Ich bekomme 600€ durch das Stipendium, den Rest muss ich mir dazu verdienen. Ich wohne, wie gesagt, in einer Wohnung, die ich bezahlen muss (Ich wohne deswegen nicht mehr bei den Eltern, weil diese 120 km von der Schule entfernt wohnen). Ich bekomme das Essen nicht bezahlt, sondern muss es mir kaufen oder Essen von Zuhause mitnehmen und wenn ich zahle, bekomme ich die reguläre Portion. Ich bekomme auch meine Ausbildung nicht vom Land bezahlt, sondern muss ~100€/Monat selbst zahlen. Egal, ob ich in der Schule oder im Praktikum bin. Außerdem muss ich meine abzulegenden Prüfungen, logischerweise, auch selbst bezahlen.
Ich möchte noch einmal wiederholen: Ich finde es super, dass Zivildiener hier so toll unterstützt werden. Sie haben es sich verdient.
Ich bin jemand, der niemandem Geld oder Boni abschlagen möchte. Ich möchte nicht, dass es Zivildienern so schwer gemacht wird, wie mir. Ich möchte auch generell nicht, dass irgendjemand herabgesetzt wird, weil es anderen auch nicht leichter gemacht wird. Das Einzige, was ich mich frage ist: Wieso haben wir es nicht verdient, eine solche Unterstützung zu bekommen? Es wäre so viel einfacher für uns. Stattdessen werden wir mit 600€ abgespeist, die, wie erwähnt, nur die nächsten 3 Jahre lang als Hilfe ausbezahlt werden. Für alle nachfolgenden Auszubildenden wird die Ausbildungsdauer wieder schwerer sein. Und das tut mir leid für alle nachfolgenden Sozialbetreuer.








