Als »Nichtgestalt des Berliner Kleinfeldfußballs« hat sich Sportdirektor Guggenberger schon häufiger bezeichnet, um seine Distanz zum Ligabetrieb zu unterstreichen. Peripheres Sehen und vertikale Spielöffnung nennt er als die wichtigsten Elemente des Selbstverständnisses des FC Südsee. Am liebsten sieht er sich im passiven Abseits, mit gemütlich über dem Tellerrand baumelnden Füßen. Und zuletzt verkündete er als Keynote-Speaker einer VFF-Tagung, dass er die großen Linien den Bulletpoints vorziehe.
Die grand récits über Wohl und Wehe des FC Südsee oder Spielfilme mit Überlänge haben wir ihm für diese neue Kolumne verboten. Guggenbergers Leistungsgedanken soll eine kurze, pointierte Spieltagsanalyse der etwas anderen Art sein. Alle zwei Wochen wird unser Kolumnist das Geschehen in Verein, Liga und Leistungsgesellschaft einordnen.
In dieser ersten Folge blickt er zurück und erläutert unter anderem, warum Traditionsvereine wie der FC Südsee keine Angst vor den neuen Teamhybriden haben müssen:
Liebe Leserinnen und Leser der Flaschenpost,
schon zwei Spieltage hat die neue Saison gesehen, und einige Überraschungen waren dabei! Die meisten allerdings haben wir bereits vor dem ersten Matchday erlebt. Man konnte den Eindruck gewinnen: Wer abgestiegen oder dem Abstieg knapp entronnen war, suchte Zuflucht in der großen Spielgemeinschaft, im Binde- oder Schrägstrich oder in der hybriden Neugründung.
An Teamnamen, die kaum noch auf den Spielberichtsbogen passen oder – siehe Britzer Legends – den Verlust an Vitalfunktionen in der Klub-DNA offensiv bekunden, müssen wir uns erst gewöhnen. Hinzu kommen das neue Phänomen der Werkself und mit Viktoria ein Parvenü aus Lichterfelde, der kaum weiß wohin mit all seinen Hoeneß-Millionen. Bei so viel Sponsorenrückhalt kann nicht mal Don Pallone mithalten! Die Ergebnisse und der Leistungswille des Retortenklubs aber stimmen – sechs Punkte gegen Ballcelona und RFA, die im vereinseigenen Liveticker bereits eine Onlinepetition für den Ligaausschluss Viktorias zu fordern schienen.
Dass in einem solchen Umfeld nun ausgerechnet Sporting Mutante ganz ohne Manipulation der Klubidentität den Wiederaufstieg geschafft und bereits die ersten Punkte gesammelt hat, dürfte Fußballromantikern Tränen der Rührung in die Augen treiben. Ich bin sehr gespannt, ob noch mehr Vereine ihr albicelestiales Wunder an der Wutzkyallee erleben werden!
Traditionsklubs wie Hajduk oder Raddatz (eine SG der Nullerjahre!) muss es also überhaupt nicht bange sein. Der FC Südsee konnte mit Nielsen und Warlich zwei polyvalente High Performer verpflichten, die anderswo mehr hätten verdienen können. Aber sie setzen ihr Vertrauen in die etablierte Marke FC Südsee, sie setzen auf bewährte Farbkombinationen, sie setzen auf den Schweißgeruch jahrelanger Arbeit und nicht auf den klinischen Duft der Labormannschaften.
Zwei Spiele haben auch wir hinter uns: ein Skandalspiel, zu dem das Hohe Gericht des VFF tagt, und ein 2:2 gegen den ewigen Angstgegner Raddatz – und das mit einer Rumpfmannschaft. Respekt vor Eurer Leistung!, möchte ich da unseren Spielern zurufen.
Am Wochenende erwartet uns mit Ü-100 II etc. der nächste Erzrivale und die Avantgarde des Vergemeinschaftungstrends. Die alte Dame vom Vorarlberger Damm gibt sich bisher wundertütig wie gewohnt. Da sie sich indes als treue Abonnentin der Flaschenpost geoutet hat, sei sie an dieser Stelle herzlich gegrüßt!
So viel für den Moment – und bitte: Bleiben Sie mir gewogen!
Der große FC-Südsee-Sommerpausen-Check, Folge 6: Kitan Günther
Etwas Erholung haben sich die Abstiegsghostbusters vom FC Südsee nach einer „Saison zum Abhaken“ (so die Sprachregelung von Präsident Binder im großen Flaschenpost-Sommerinterview, das hier bald seine Exklusiv-Veröffentlichung erlebt) trotz allem verdient. Und natürlich fahren die Stars von der Hanns-Eisler in den Privaturlaub, bevor der Klub Mitte August zu einer mehrtägigen Marketingtournee nach Indien aufbricht und anschließend sein Trainingslager im türkischen Belek abhält.
Die Flaschenpost hat die Spieler des FC Südsee nun befragt, wie sie ihren persönlichen Sommerurlaub genau verbringen und welche Tipps zu Sommerhits und Strandlektüre sie für ihre Fans parat haben.
In der neuesten Folge steht mit Kitan Günther der Mann Rede und Antwort, der beim FC Südsee die Zeit von City-Chicken-Ausflügen, Schawarma-Massakern und Burgerflatrates beenden und erstmals so etwas wie ein Fitnessregime einrichten soll. Zuvor aber lässt er sich’s noch mal gut gehen.
Cancún oder Caya Coco, Hauptsache Kuba! Kitan Günther will trotz Luxusurlaub auch weiterhin auf dem Teppich bleiben.
Kitan, wohin geht’s für Dich, und mit wem fährst Du?
Kuba! Ich genieße die Sonne, schlürfe Cocktails und rauche Zigarren – und das alles im wohligen Schatten des Che. So lässt sich’s leben!
Hast Du was zum Lesen im Gepäck?
Andreas Gläsers Der BFC war schuld am Mauerbau. Dieser Verein wird mir immer sympathischer!
Wie wohnst Du im Urlaub?
Wenn ich ehrlich bin, verschmähe ich einen gewissen Luxus nicht. Eine Hacienda mit Massagezentrum und Spa- bzw. Wellnessbereich ist für mich ein absolutes Muss.
Hast Du Dir ein spezielles Trainingsprogramm vorgenommen?
Ich fühle mich vor der neuen Saison so gut wie seit Jahren nicht mehr! Meine physischen Voraussetzungen sind optimal. Deshalb verlagere ich mein Training diesen Sommer mit gutem Gewissen an den Strand und kicke ein bisschen mit den Kids.
Wirst Du was an Deiner Ernährung verändern im Hinblick auf die kommende Saison?
Absolut nicht! An den Quatsch der SchlankDichFit-Ernährungsratgeber glaube ich nicht. Du bist mehr, als du isst! Adipositas-Chirurgie ist sicherlich nicht der letzte Ausweg.
Natürlich sollte man etwas für seine Fitness tun. Wer da Rat braucht, kann sich jederzeit bei mir melden, ich kenne da noch ein paar Übungen …
Hast Du einen Sommerhit?
Na sicher, papi chulo! DER Soundtrack für alle Sofa-Ronaldos.
Wer wird VFF-Verbandsligameister 2015/16?
Eine eiserne Südsee kann es packen: Hasta la victoria siempre!
Der große FC-Südsee-Sommerpausen-Check, Folge 5: Bafian Dingschmider
Etwas Erholung haben sich die Abstiegsghostbusters vom FC Südsee nach einer „Saison zum Abhaken“ (so die Sprachregelung von Präsident Binder im großen Flaschenpost-Sommerinterview, das hier bald seine Exklusiv-Veröffentlichung erlebt) trotz allem verdient. Und natürlich fahren die Stars von der Hanns-Eisler in den Privaturlaub, bevor der Klub Mitte August zu einer mehrtägigen Marketingtournee nach Indien aufbricht und anschließend sein Trainingslager im türkischen Belek abhält.
Die Flaschenpost hat die Spieler des FC Südsee nun befragt, wie sie ihren persönlichen Sommerurlaub genau verbringen und welche Tipps zu Sommerhits und Strandlektüre sie für ihre Fans parat haben.
Heute: Bafian Dingschmider, die selbsternannte “IG Mental” des FC Südsee, gibt sich kämpferisch und selbstbewusst wie nie. Er hat zum Interview sogar eigene Fragen mitgebracht.
Bereit für den großen Sprung: Bafian Dingschmider (beim Privattraining in einer Hotelanlage in Sotschi) hat die Socken schon ausgezogen.
Wie bekommt Ihnen die Hitze?
Sehr gut, mit steigenden Temperaturen hebt sich grundsätzlich auch mein Temperament.
Bafian, was legen Sie als Kabinen-DJ zum Saisonauftakt auf?
Ganz klar, das hier. Und wenn die Jungs dann nicht sagen: “Life’s a beach”, weiß ich auch nicht mehr.
Können Sie Ihre positive Einstellung denn auch auf den Platz transportieren?
Das hoffe ich, denn immerhin habe ich die Sommerpause genutzt, um mich mental zu stärken und vorzubereiten. Meine individuelle geistige Roadmap setzt nun auf kleine Etappen und große Meilensteine. Das ist die Startbahn für große Höhenflüge!
Wie definieren Sie Ihre Ziele in dieser Saison?
Natürlich wollen wir den Torerfolg haben, den wir selbst bei bestem Wetter gerne mal vermissen lassen. Ich denke, der Weg dahin ist das Ziel. Mit neuem Trainer setzen wir genau an der Stelle an, wo auch Jürgen Klopp bei Dortmund aufgehört hat: Selbstbewusstsein, Teamspirit, Zusammenhalt. Die Mannschaft muss sich dessen bewusst sein, was sie kann. Und was sie schon erreicht hat. Jedes Training zählt.
Der große FC-Südsee-Sommerpausen-Check, Folge 4: Simon Zirzow
Etwas Erholung haben sich die Abstiegsghostbusters vom FC Südsee nach einer „Saison zum Abhaken“ (so die Sprachregelung von Präsident Binder im großen Flaschenpost-Sommerinterview, das hier bald seine Exklusiv-Veröffentlichung erlebt) trotz allem verdient. Und natürlich fahren die Stars von der Hanns-Eisler in den Privaturlaub, bevor der Klub Mitte August zu einer mehrtägigen Marketingtournee nach Indien aufbricht und anschließend sein Trainingslager im türkischen Belek abhält.
Die Flaschenpost hat die Spieler des FC Südsee nun befragt, wie sie ihren persönlichen Sommerurlaub genau verbringen und welche Tipps zu Sommerhits und Strandlektüre sie für ihre Fans parat haben.
Heute: Simon „Zirzow Zirzow“ Zirzow.
Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei: Simon Zirzow, draußen.
Simon, wohin geht’s für dich, und mit wem fährst du?
Mit der Fähre von Italien nach Durres in Albanien, dann zu Fuß, vorbei an heiligen Seen, nach Mazedonien. Vielleicht kurz mal nach Czernowitz, sicherlich aber noch mal schnell in die Nähe von Thessaloniki. Da wohnt ein guter Freund, den ich gerne besuchen würde. Wenn’s die Reisekasse zulässt, weiter nach Istanbul. Dort gibt’s ein, zwei Diskotheken, die ich ausprobieren sollte, bevor das Training richtig losgeht. Hoffen wir, dass ich mich nicht erkälte (kreuzt die Finger).
Hast Du was zum Lesen im Gepäck?
Guggenberger hat mir Horcynus Orca von Stefano D’Arrigo geschenkt, da werde ich wohl reingucken müssen, bevor er in Indien ständig fragt. Ein bisschen Platz auf der Seite habe ich ja, oder? Also gut, eine kleine Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Erhart Kästner: Ölberge, Weinberge – wunderlicher Mann, wunderliches Buch? Der Kleine Prinz, in der Neuübersetzung von Sloterdijk; Joris-Karl Huysmans: À rebours; Leopold von Andrian: Das Fest der Jugend. Des Gartens der Erkenntnis erster Teil und die Jugendgedichte; Panait Istrati: Kyra Kyralina; Roberto Arlt: Das böse Spielzeug; Vogls Über das Zaudern; Gustav Meyrinks Golem in der bravourösen Neuausgabe; Daniel Paul Schreibers Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken; Greenblatts The Swerve, liegt seit Ewigkeiten auf dem Nachtisch. Und wenn dann in Indien noch Zeit bleibt, würde ich mir sehr gerne noch mal die Upanishaden vornehmen. Ja, wahrscheinlich ist dafür noch Zeit.
Wie wohnst Du im Urlaub?
Das wechselt. Am liebsten unter einem Olivenbaum.
Hast Du Dir ein spezielles Trainingsprogramm vorgenommen? Wirst Du was an Deiner Ernährung verändern im Hinblick auf die kommende Saison?
Der große FC-Südsee-Sommerpausen-Check, Folge 3: Maurice Pfeiffert
Etwas Erholung haben sich die Abstiegsghostbusters vom FC Südsee nach einer „Saison zum Abhaken“ (so die Sprachregelung von Präsident Binder im großen Flaschenpost-Sommerinterview, das hier bald seine Exklusiv-Veröffentlichung erlebt) trotz allem verdient. Und natürlich fahren die Stars von der Hanns-Eisler in den Privaturlaub, bevor der Klub Mitte August zu einer mehrtägigen Marketingtournee nach Indien aufbricht und anschließend sein Trainingslager im türkischen Belek abhält.
Die Flaschenpost hat die Spieler des FC Südsee nun befragt, wie sie ihren persönlichen Sommerurlaub genau verbringen und welche Tipps zu Sommerhits und Strandlektüre sie für ihre Fans parat haben.
Unsere Serie wird fortgesetzt mit einem etwas wortkargen „Hessenexpress“ Maurice Pfeiffert.
Bleibt lieber unerkannt: Maurice Pfeiffert kommt vielleicht auch in Ihr Gehölz.
Maurice, wohin geht’s für Dich, und mit wem fährst Du?
Kajaktour mit Freunden. Wo, wird nicht verraten.
Hast Du was zum Lesen im Gepäck?
Ja.
Wie wohnst Du im Urlaub?
Zelt.
Hast Du Dir ein spezielles Trainingsprogramm vorgenommen? Wirst Du was an Deiner Ernährung verändern im Hinblick auf die kommende Saison?
Der große FC Südsee-Sommerpausen-Check, Folge 2: Christoph Binder
Etwas Erholung haben sich die Abstiegsghostbusters vom FC Südsee nach einer „Saison zum Abhaken“ (so die Sprachregelung von Präsident Binder im großen Flaschenpost-Sommerinterview, das hier bald seine Exklusiv-Veröffentlichung erlebt) trotz allem verdient. Und natürlich fahren die Stars von der Hanns-Eisler in den Privaturlaub, bevor der Klub Mitte August zu einer mehrtägigen Marketingtournee nach Indien aufbricht und anschließend sein Trainingslager im türkischen Belek abhält.
Die Flaschenpost hat die Spieler des FC Südsee nun befragt, wie genau sie ihren persönlichen Sommerurlaub verbringen und welche Tipps zu Sommerhits und Strandlektüre sie für ihre Fans parat haben.
Weiter geht’s mit der „echten Neun“ Christoph Binder.
Was wir gewinnen, wenn wir älter werden: Christoph Binder sieht seinen Herausforderern im Sturm gelassen entgegen.
Christoph, wohin geht’s für Dich, und mit wem fährst Du?
Meine Freundin und ich haben unterm Jahr viel Zeit und Mühe in den Garten investiert, davon wollen wir jetzt auch mal was haben. Bei dem Grillwetter! Außerdem will ich frühzeitig wieder ins Training einsteigen. So richtig an Urlaub denken kann ich da nicht.
Was liest Du im Garten?
Als ich bei der Mitgliederversammlung die Zahlen beim FC Südsee sah, dachte ich nur: „Time for Change“! Deshalb lese ich das gleichnamige Buch von Yanis Varoufakis. Darin erklärt er seiner Tochter Wirtschaftszusammenhänge in allgemein verständlicher Sprache. Und weil ich verstehen will, wie ein Hype funktioniert: Fifty Shades of Grey. Wenn ich dann noch Zeit habe vor der Indienreise, werde ich einen Blick in Der Schneeleopard von Aimatow werfen. Ich hoffe, darin ein paar Ratschläge für meine aktuelle Situation als Spieler zu finden.
Wie wohnst Du im Urlaub?
So wie immer (lacht).
Hast Du Dir ein spezielles Trainingsprogramm vorgenommen? Wirst Du was an Deiner Ernährung verändern im Hinblick auf die kommende Saison?
Mir wird ja gern der Vorwurf gemacht, zu oft auf die Flügel auszuweichen. Ein Rulebreaker wie ich hört das nicht gerne. Es ist wichtig für die persönliche Entwicklung, neue Reize zu setzen. Im Sommer hat man Zeit dazu. Kleine Spielformen auf einem diamantförmigen Feld, dessen Ecken also abgeschnitten sind, helfen mir sehr. Wenn meine Raumdeutungen griffiger werden, darf’s abends auch ein Würstchen sein.
Was ist Dein Sommerhit?
Ein echter Klassiker, der mir die Gelassenheit gibt, auch nächstes Jahr wieder vorne drin zu stehen: Paolo Conte – Sparring Partner
Wer wird VFF-Verbandsligameister 2015/16?
Derjenige, der nach dem letzten Spieltag am meisten Punkte hat – oder am wenigsten am grünen Tisch verloren hat.
Der große FC Südsee-Sommerpausen-Check, Folge 1: Urs Klein
Etwas Erholung haben sich die Abstiegsghostbusters vom FC Südsee nach einer „Saison zum Abhaken“ (so die Sprachregelung von Präsident Binder im großen Flaschenpost-Sommerinterview, das hier bald seine Exklusiv-Veröffentlichung erlebt) trotz allem verdient. Und natürlich fahren die Stars von der Hanns-Eisler in den Privaturlaub, bevor der Klub Mitte August zu einer mehrtägigen Marketingtournee nach Indien aufbricht und anschließend sein Trainingslager im türkischen Belek abhält.
Die Flaschenpost hat die Spieler des FC Südsee nun befragt, wie genau sie ihren persönlichen Sommerurlaub verbringen und welche Tipps zu Sommerhits und Strandlektüre sie für ihre Fans parat haben.
Den Anfang macht Flügelflitzer Urs Klein.
Hat auch im Urlaub die nächste Saison im Blick: Urs Klein bei der Jagd im Riesengebirge.
Urs, wohin geht’s für Dich, und mit wem fährst Du?
Wie in den letzten Jahren habe ich mich gegen eine Fernreise entschieden und fahre stattdessen für einige Tage alleine ins Riesengebirge: Vielleicht ein bisschen Jagen, Wandern, Kraft tanken. Wenn man oben auf der Schneekoppe steht, relativiert sich vieles.
Hast Du was zum Lesen im Gepäck?
Ich lese sehr gerne die Biographien von großen Staatsmännern oder Sportlern. Dieses Mal habe ich mir Jag är Zlatan Ibrahimović im Original vorgenommen. In meiner langen Verletzungspause habe ich einen Schwedisch-Kurs besucht, das wird jetzt der Härtetest. Zlatan ist ein großartiger Fußballer und ein echter Typ, bin sehr gespannt.
Wie wohnst Du im Urlaub?
In einer hübschen, urigen Pension in Špindlerův Mlýn. Da kocht die Großmutter abends noch selbst!
Passend dazu: Hast Du Dir ein spezielles Trainingsprogramm vorgenommen? Wirst Du was an Deiner Ernährung verändern im Hinblick auf die kommende Saison?
Da ich seit Längerem auf fettige Soßen verzichte und ganz auf Vollkornpasta und Leinöl vertraue, gibt’s da keine Neuerungen. Aber ich werde viel Lauftraining machen. Gerade im letzten Drittel der Saison hatte ich häufiger den Eindruck, nach der 75. Minute breche ich läuferisch ein.
Was ist Dein Sommerhit?
Ganz klar: Frank Nitt feat. Illa J & T3 – Money On My Mind
(Anm. d. Red.: Auf die Rückfrage, ob das eine verdeckte Botschaft bezüglich der kursierenden Wechselgerüchte sei, reagiert Klein mit „Kein Kommentar“)
Wer wird VFF-Verbandsligameister 2015/16?
Mein Herz sagt, wir sind mal an der Reihe. Der Kopf sagt: Bei dem Sponsorenrückhalt kann’s nur Ballcelona werden …
Der FC Südsee hat beim 2. Berliner Fußballfest – früher bekannt unter dem Namen „Inkl-Int-In-Turnier-Turnier“ – den ersten Titel der noch jungen Saison gewonnen, dank kompromissloser Kompaktheit in der Defensive und optimaler Anpassung an die Urkräfte des Tempelhofer Feldes. Eingefleischte Fans monieren den Verrat an der Tradition des ästhetischen Untergangs.
Hunter S. Thompson hätte wohl den Weg der Reduktion gewählt. Deshalb also in aller gebotenen Kürze: Der FC Südsee gewann nach holpriger Vorrunde und nervenaufreibendem Neunmeterschießen im Viertelfinale souverän das Finale gegen Cosmos United mit 5:1, musste sich danach aber vorwerfen lassen, die eigene Philosophie des gepflegten Flachpassspiels zugunsten des nackten Erfolgs verraten zu haben. Trainer Urs Klein war’s herzlich egal, er schwärmte von den „Arschloch-Qualitäten, die wir heute gezeigt haben“. Werbung für den Fußball solle ruhig der VFF machen, der FC Südsee spiele nur noch im Hinblick auf Trophäen.
Die ungeschminkte Einzelkritik:
Katze Johnson: Wenn’s denn mal was zu tun gab, immer sicher unter der schiefhängenden Torlatte, hielt zudem in einer Kahn-Reminiszenz den entscheidenden Neunmeter im Viertelfinale. Dass er danach aber wie Lehmann 2006 überrannt wurde, deutet schon darauf hin, dass sein Torwartspiel nicht vom Käfig des Strafraums begrenzt wird. Im Laufe des Turniers nominierte er sich – eigenmächtig und entgegen den Kurzpassvorgaben von Trainer Klein – als Quarterback und schleuderte fortan jeden Ball vors gegnerische Tor. Sein platzbegehungs-geschulter Realismus zahlte sich aus.
Mens sana in corpore sano, dachte sich Nils Wagner, und ergänzte den Bibliotheksbesuch um ein Engagement als verlässliches Kopfballmonster. Seinen eindrücklich vorgetragenen Anweisungen, die einen plastischer als jedes Museum oder irgendein Hollywoodfilm die Schlacht bei den Thermopylen nacherleben lassen, leisteten die umstehenden Spieler in grün-rot-gelb widerspruchslos Folge. Wer sich für die Nebenerwerbszweige der polyvalenten Ich-AG interessiert, ist hier genau richtig: http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/kreuzberg-blog/firma-paprcuts-aus-kreuzberg-solides-geschaeftsmodell-aus-papier/10660578.html
Anselm Kühnel: Verbrachte laut eigener Aussage die Nacht vor dem Turnier in unmittelbarer Nähe einer Nebelmaschine. Die so zustande gekommenen Blind Dates waren wohl die perfekte Spielvorbereitung, denn auf dem Platz kam an Kühnel niemand mehr vorbei. Ähnlich wie Wagner mit Lufthoheit in Turnierlänge, einem Neunmeter wie ein Donnerhall und mit genügend Zeit, um sich Gedanken über die verheerende Ökobilanz des 2. Berliner Fußballfests zu machen. Plant mit dem Sportgerichtsausschuss des VFF einen gemeinsamen Besuch der Degrowth-Konferenz 2015, kauft sich morgen die neueste Scheibe des Partykanzlers (http://www.martinmartini.net).
Als „widerliche Angelegenheit“ bezeichnete es Urs Klein, dem am Spielfeldrand viel Zeit zur Reflexion blieb, gegen André Hoffmann spielen zu müssen. Und in der Tat ist dessen giftige, unnachgiebige Zweikampfführung, enger am Mann als Thomas und Heinrich, wenngleich meistens fair, ein Horror für jeden Offensivspieler. Darf als Prototyp der Turniertaktik des FC Südsee gelten. Nur vor dem Tor verließ ihn seine Bärbeißigkeit, Sanftmut legte sich auf seine Seele und zart streichelte er dem Torhüter den Ball in die dankbar empfangenden Arme.
Max Simons: War nur als Kurzarbeiter im Einsatz, denn Fußball ist nur sein halbes Leben. Während also seine Kollegen in der Sonne herumgingen, nach Turnierende am Herrfurthplatz herumäugelten und Süßkartoffel-Pommes verzehrten, schuftete Simons am Sonntagnachmittag (!). Zuvor hatte er genauso diszipliniert seinen Dienst rechts und links der Maulwurfshügel verrichtet, sich ähnlich heroisch wie die Lanzenkämpfer des Trendsports Jugger (http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/werbinich/neuer-trendsport-kampf-um-den-hundeschaedel/7093624.html) in den Infight geworfen und zu dynamischen Sprints angesetzt, die nicht einmal der Schwung eines Morgensterns hätte aufhalten können.
Maurice Pfeiffert: Die gute Nachricht vorneweg, er hat sich nicht verletzt. Nicht einmal, als er filigran wie Uwe Bein einen Neunmeter unter die Hängelatte nagelte. Sammelte beim Gang vorbei an Infoständen, Hüpfburgen und Jugger-Matches viele wertvolle Eindrücke für den Aufbau künftiger Schulstunden, warf sich ansonsten furchtlos in jeden Maulwurfshügel, klebte an den Gegenspielern wie sonst nur das Schusspech an den eigenen Füßen und narrte die Verteidigung von Cosmos United im Finale mit einem angetäuschten Torschuss, den Christoph Binder unnachahmlich einköpfte.
Bafian Dingschmider: Hatte sich am Vorabend aus wilden Kräutern, Jam Session und Alkohol seine eigene Nebelmaschine gebaut, dank der Gnade der späten Geburt trotzdem wieselflink beim Hindernislauf zwischen Erdlöchern und Grätschen wie Lanzenstößen. Manchmal hätte er sich wohl gewünscht, man möge doch auf dem glatten Untergrund der Landebahn spielen, lief aber beherzt weiter. Ein Tor wollte ihm nicht glücken, dank der Gnade der späten Geburt wird er das jedoch bei noch ca. 25 Berliner Fußballfesten nachholen können.
Linus Guggenberger: Spielte wie schon beim Saisonauftakt gegen SV Stern Britz den unermüdlichen Knüppel aus dem Sack, „klärte“ fast alle Bälle, die an ihm vorbeikamen, wahlweise ins Tor- oder Seitenaus. Man mag das Abgeklärtheit des Alters nennen, Wut-Schöngeister fordern in Online-Petitionen aber schon, ihm das Trikot mit der „10“ wegzunehmen. Hatte deshalb Glück, dass Bafian Dingschmider die Trickkiste auf dem holprigen Tempelhofer Geläuf immer wieder aus den Fingern glitt … und dann machte Guggenberger im Finale halt doch noch zwei Tore, mit denen er sich götzemäßig in die Bildarchive der Berliner Fußballfeste schoss.
Lange Bälle auf Friedrich Kirchner, der macht sie fest, dreht sich und trifft. So ungefähr darf man sich die Turniertaktik des FC Südsee vorstellen, und dass Kirchner dabei eine zentrale Rolle spielte, hatte seinen Grund. Beeindruckend stellte er seinen Körper gegen die heranstürmenden Verteidiger und ließ sie abprallen wie Morgensterne an Ritterrüstungen. Lewandowskianisch seine Strafraumpräsenz, gepaart mit technischer Eleganz wie beim Volleytor im Finale. Dazu eloquent jenseits des Platzes (Urs Klein: „Ob Grabenkampf oder Galadinner, den Kirchner kannst du überall hinschicken!“), seine Schmähgesänge über die Rückenleiden gegnerischer Mannschaften seien ihm verziehen.
Christoph Binder: Nahm später den Pokal mit nach Hause, und das hatte er sich verdient. Geplagt von Rückenschmerzen, die jeden Kreuzritter trotz ausdauernder „Forza la chiesa!“-Rufe vom Heeresrand ausgebremst hätten, ging Binder wieder und wieder dorthin, wo es wehtut und wo er sonst auch eher nicht hingeht. Gewohnt unkonventionelle Laufwege zwischen Raumdeutung und Raumfehlinterpretation. Belohnte sich im Finale mit einem Tor durch Hechtkopfball und einem uneigennützigen Assist auf André Hoffmann. Studierte außerdem ausdauernd Gegner und Spielplan, was dem FC Südsee nur zugute kam.
Die energetische Pausenperformance der Powergirls scheint ihre Wirkung auf Flö Reher nicht verfehlt zu haben. In den engen Räumen des kleinen Platzes fühlte er sich pudelwohl, lief, flankte und traf nach Herzenslust. Wurde kurz vor dem interreligiösen Benefizspiel gar gefragt, ob er nicht zufällig Seminarist sei, entschied sich aber gegen einen Einsatz, weil er seine beige Cargohose nicht gegen die Sportsoutane eintauschen wollte. Gelobte, euphorisiert von der neu gewonnenen Treffsicherheit, vermehrte Trainingsbeteiligung und einen geordneten Lebenswandel.
Das Gerücht, dass bei der Südsee zu hart trainiert wird, macht spätestens seit Urs Kleins Oberschenkelverletzung die Runde. Klein wollte sich dazu nicht äußern, dafür war er als Coach am Spielfeldrand umso beredter. Mit ihm kann man ja ohnehin stundenlang kontrovers über Spielideen, Laufwege, Passquoten, Laktattests und anderes diskutieren, am Sonntag aber lief er fast über vor Enthusiasmus über den „Kleinfeld-Catenaccio“ des FC Südsee, über die pragmatische Reife seiner Spieler, das hilfreiche Einbauen von Jugger-Spielformen ins Mannschaftstraining, die „Super-Super-Organisation“ des 2. Berliner Fußballfests („Muss sich vor dem DonPallone-Cup nicht verstecken!“), den Spätsommer nach dem Hochsommer, den es nie gab, die tolle neue Platte des Partykanzlers, Lino Modicas begeisternder Auftritt („Das hat uns noch mal richtig gepushed!“), etc. pp. Nur über eines wollte er nicht sprechen: ob er nun wechselt oder nicht.
In der VFF-Verbandsliga Kleinfeld steht offenbar der Transferhammer des Sommers an. Wie die Flaschenpost heute exklusiv vermelden kann, wird Urs Klein – wie bereits im Winter angekündigt – mit sofortiger Wirkung seine Zelte beim FC Südsee abbrechen und sein neues Domizil in Eastgate-Nähe beziehen. Im Gegenzug wechselt ein Gigant des Berliner Kleinfeldfußballs an die Hanns-Eisler-Straße. Die „Flaschenpost" kennt den Namen des bisher geheimgehaltenen Neuzugangs.
"Stolz und überglücklich“: Urs Klein (rechts) und der Megatransfer des FC Südsee (links) posieren vor der Geschäftsstelle in der Hanns-Eisler-Straße.
Urs Klein ist derweil „stolz und überglücklich“ über den geglückten Wechsel: „Ich bedanke mich beim FC Südsee, dass er mir diese Chance eröffnet hat. Ich bedanke mich auch für tolle Jahre, aber jetzt ist es an der Zeit für den nächsten Schritt!“ Sportdirektor Guggenberger lobte gegenüber der Flaschenpost zwar Kleins langjähriges Engagement, wies jedoch darauf hin, dass des Spielers Drängen auf einen Wechsel ihm nicht besonders viel Verständnis abringt: „Er verlässt den FC Südsee in einem Moment, in dem alle Weichen in Richtung Meisterschaft gestellt sind."
Verhalten reagierte Guggenberger auf den spektakulären Deal, der vor allem auf die Initiative von Spielervermarkter Charles Binsky zurückgehen soll: „Mit diesem Neuzugang können wir eventuell eine Ära begründen, das ist sicher. Aber bis nicht alle Vertragsdetails klar sind, bestätigen wir nichts.“
Doch der Transfer dürfte fast in trockenen Tüchern sein, es soll lediglich noch um Details gehen wie zum Beispiel die Frage, ob der Neuling seinen Sponsorenvertrag mit einem Berliner Sportartikelhersteller behalten darf. Schließlich konnte die Flaschenpost die beiden wechselwilligen Spieler heute morgen gemeinsam vor der Südsee-Geschäftsstelle ablichten. Der geheimnisumwitterte Star ließ das Foto zwar freundlich zu, schwieg aber zum Stand der Verhandlungen.
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Trikotzupfer: Kuehnel randaliert in Herrenboutique
Spielfrei heißt nicht skandalfrei, schon gar nicht beim FC Südsee. Erst heute wurde bekannt, dass Kapitän Kuehnel am vergangenen Samstag in einem Geschäft für Herrenoberbekleidung einen Angestellten bedroht haben soll, weil dieser Kuehnels Payback-Karte nicht akzeptierte. Laut Angaben des betroffenen Verkäufers kam es zum Eklat, als Kuehnel für einen dunkelgrauen Nadelstreifenanzug nicht den ausgeschriebenen Preis bezahlen wollte. Mit den Worten „Wer bist du überhaupt? Der Scholl kriegt hier auch Rabatt!“ soll der extrovertierte Abwehrspieler den Angestellten am Kragen gepackt und leicht verletzt haben. Eine Anzeige lehnt das aus Funk und Fernsehen bekannte Modehaus aber aus Image-Gründen ab.
Beim heutigen Training wollte sich Kuehnel, der laut Modebloggern bisher nicht in Anzügen des betroffenen Labels aufgetreten ist, nicht zu den Vorwürfen äußern. Vom FC Südsee gab es bislang noch keine Stellungnahme. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Nicht die feine englische Art: Kuehnel will Rabatt um jeden Preis (Symbolfoto).
Trippelschritte auf dem Stoppelfeld: Pfeifert wieder am Ball
Gute Nachrichten für den FC Südsee und Jogi Löw: Maurice Pfeifert steht kurz vor seinem Comeback! Gestern trat der Topscorer der vergangenen Spielzeiten, der seit mehr als einem halben Jahr an einer mysteriösen Verletzung laboriert, zum ersten Mal wieder öffentlich gegen den Ball – und er kann es noch!
Im Rahmen eines internationalen Kubb-Turniers auf dem Tempelhofer Feld feierte Pfeifert im hochkarätig besetzten Fußball-Promimatch – dabei waren unter anderem Mola Adebisi, der DSDS-Viertelfinalist John B. sowie Ailton – ein fünfminütiges Comeback. Gleich mit der dritten Ballberührung konnte er einen Treffer erzielen. Für mehr reichte die Luft dann aber doch noch nicht. Pfeifert erklärte nach dem unterhaltsamen Kick bei schönstem Frühlingswetter, er sei „zuversichtlich“: „Es geht jeden Tag mit Trippelschritten voran. Natürlich will ich spielen, aber wenn man so eine Verletzungsgeschichte hinter sich hat wie ich, muss man vorsichtig sein. Mit dem Schambein ist nicht zu spaßen.“ Mit ernstem Blick in Richtung der Flugzeughangars betonte Pfeifert: „Ich darf nicht zu schnell abheben."
Zur von Christoph Binder angezettelten Debatte um die Echtheit der falschen Neun wollte sich Pfeifert nicht äußern, fügte aber süffisant hinzu, in Zeiten eines fitten Pfeifert habe man solche Diskussionen aus gutem Grund nicht führen müssen. Kritisch äußerte er sich hingegen über die Vereinsführung des FC Südsee: „Mit Sportdirektor Guggenberger hatte ich vor Weihnachten das letzte Mal Kontakt. Neujahrswünsche? Fehlanzeige. Eine Einladung zu den Spielen? Fehlanzeige. Mir macht das nichts aus, aber ich merke es mir."
Kapitän Anselm Kühnel begrüßte im Sport 1 – Doppelpass die Genesung Pfeiferts: „Er kann unheimlich wichtig für uns werden. Wir haben kaum einen Spieler, der mit einem solchen Punch in den Strafraum geht. Die von ihm betreute Statistik spricht da eine deutliche Sprache.“ In der Sendung erneuerte Kühnel jedoch auch seine Kritik am Teamkollegen Binder: „Mich stört vor allem die Sprache. Halbwesen geht gar nicht. Er weiß selbst am besten, dass solche Gedanken nichts bei der Südsee verloren haben. Ich erwarte nach wie vor eine Entschuldigung.“ Kontra gab ihm in der launigen Runde Trainer-Ikone Udo Lattek, der Binder mit einer hohen Auszeichnung danken will: „Binder hat vollkommen recht. Germanen sehe ich schon seit längerem keine mehr auf unseren Plätzen. Ich muss ja die Leute immer wieder daran erinnern, dass wir Deutschen den Libero erfunden haben. Seine Wurzeln so aus den Augen zu verlieren, halte ich für sehr gefährlich!“ Lattek vermutet ohnehin andere Motive als ideologische hinter der harschen Reaktion vonseiten der Südsee-Spieler gegenüber ihrem Kollegen: „Jeder weiß, dass er zu den Topverdienern gehört. Die Spieler vergleichen sehr stark untereinander, wer verdient mehr, wer hat das größere Auto, die schöneren Frauen? Da wird natürlich geguckt, wie treten wir dem auf die Füße? Ich sehe bei der Südsee ein Klima von Neid und Missgunst – und ich habe gesehen, wie schnell so ein Klima einen Klub kaputt machen kann. Da muss man aufpassen.“ Kühnel widersprach harsch, musste aber zugeben, dass Ex-Manager Felix Schmid in puncto Gehaltshygiene kein bestelltes Haus hinterlassen habe. Die neue Vereinsführung arbeite jedoch, da sehe er eine positiv Entwicklung, an einer Harmonisierung der Spielergehälter.
Christoph Binder selbst meldet sich unterdessen weiterhin nur über Twitter. Diesmal mit Foto und dem Kommentar „Trainieren um es allen zu zeigen!!! Getting in shape to show all the haters!!! #Everythingispossible rise and shine …"
Skandal: Binder bezeichnet falsche Neuner als "abscheuliche Halbwesen"
Im Anschluss an die zahnlosen Offensivbemühungen des FC Südsee bei der 2:3-Niederlage gegen Hajduk Berlin geht Mittelstürmer Christoph Binder mit seinen Kollegen und den taktischen Entscheidungen des Trainerstabs hart ins Gericht. Einmal in Rage, wird Binder aber grundsätzlich. Es kommt zum Eklat, als er vor laufenden Kameras bestimmte Entwicklungen des modernen Fußballs als „widerwärtig" und „gottlos" bezeichnet.
Warnt vor "gefährlichen Machinationen des Konzeptfußballs" und tritt für ein Verbot indirekter Freistöße ein: Christoph Binder (Mitte). Schmidinger (l.) und Guggenberger (r.) sehen der verbalen Steilvorlage vorerst tatenlos hinterher.
Mit beängstigender Hingabe, gleichwohl so kontrolliert, als lese er ein vorbereitetes Statement ab, geißelt Binder dann eben diese taktische Neuerung:
Hören Sie denn nicht schon am Namen, dass der falschen Neun die Echtheit, die Seele fehlt? Ich kann mir nicht helfen. Wenn ich denen beim Spielen zusehe, ihre Bewegungen, ihr Abdrehen an der Strafraumkante, ihre merkwürdig zum Mitspieler verdrehten Augen, da sehe ich keine Stürmer, sondern abscheuliche Halbwesen, Kurzpassroboter. Ich weiß, das ist nicht fair, sie werden ja so auf- und eingestellt. Aber man muss doch sagen dürfen, dass wir da Männer ohne Mumm auf dem Platz haben, Schwächlinge, die erst nach dem 2:0 aufleben. Wir erleben da gefährliche Machinationen des Konzeptfußballs wie die flache Vier, die sich offenbar niemand zu kritisieren traut, da gibt es ein vorauseilendes Redeverbot. Die Typen leiden ja selbst darunter, dass sie weder Fisch noch Fleisch sind. Um meine Skepsis vielleicht zu erklären: Mein Vater war Trainer, der hat das nicht verkraftet, dass er plötzlich mit Viererkette spielen sollte. Da vermischt sich ja alles, da werden retortenhafte Mischungen aus Iniestas und Gomez zusammengebastelt. Das erinnert mich an Züchtungsvorgänge aus der deutschen Vergangenheit, die wir nicht wieder aufleben lassen sollten.
Die Verantwortlichen des FC Südsee erklärten bisher nur: "Die Haltung, die im Interview von Christoph Binder zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Vereins zu verwechseln." Deutlicher wurden da schon Mitspieler wie Simon Zirzow: "Mich betrifft das nicht. Aber ich bin mit Menschen wie Flö Reher befreundet, die das auf sich beziehen müssen, und ich finde die Aussagen gefährlich. Sie eröffnen einen Diskurs, der doch niemandem hilft, und mit bloßem Alterskonservatismus nicht zu erklären ist." In eine ähnliche Kerbe schlug Kapitän Kühnel: "Mit solchen Sätzen macht er sich zum Türsteher gefährlichen Gedankengutes, das dem Sport nur schaden kann." Der selbst zuletzt in Skandale verwickelte Urs Klein: "Das sind die Worte eines alten weißen Mannes, der sich selbst am Ende sieht."
Nun droht dem FC Südsee neben der sportlichen Baisse auch noch Ärger mit Menschenrechtsorganisationen und Mario Götzes Management. Der VFF hat derweil Christoph Binder aufgefordert, seinen Fairplay-Preis aus der Saison 2009/2010 zurückzugeben. Beifall kommt hingegen von der AfD, die dem Altinternationalen einen Listenplatz für die Europawahl anträgt. Auch Ex-Angreifer Olaf Marschall begrüßt Binders Vorstoß: "Das ist ein ernstzunehmender Debattenbeitrag. Darüber muss man reden dürfen, auch wenn der verpeppte Mainstream so was direkt in die konservative Ecke zu drängen versucht!"
Christoph Binder hat sich Interview-Anfragen bisher verweigert. Gerüchten zufolge soll er sich im südeuropäischen Ausland aufhalten. Über seinen Twitter-Account verkündete er aber: "Egal wie sehr der Mob schreit ich komme wieder!!!1"
Kulturkampf um Klein – Versenkt die Südsee sich selbst?
Das Ende der Winterpause ist in Sichtweite, und die Verantwortlichen sämtlicher Meisterschaftsaspiranten in der VFF-Verbandsliga KF Herren streiten sich lediglich darüber, wer nun die beste Vorbereitung aller Zeiten hingelegt hat. Nur der FC Südsee streitet da nicht mit, doch nicht etwa, weil man sich ohne medialen Radau dem Nachholspiel gegen Ü-100 Berlin I annähern wollte. Ganz im Gegenteil. Wo Trainer und Spieler anderer Clubs der Liga in Harmonie gegen die Rivalen keilen, herrschen beim FC Südsee wieder einmal fast bürgerkriegsähnliche Zustände – oder besser: es tobt ein vereinsinterner Kulturkampf.
Götzenhafte Traineranbetung, verzauberte Spieler: Solche Bilder soll es beim FC Südsee künftig nicht mehr geben. Mit der kontemplativen Ruhe ist es bereits vorbei.
Schon der Auslöser des Eklats hatte FC Hollywood-Format. Vor zwei Wochen hatte sich der Vater von Verteidiger Urs Klein, zum 1.1.2014 vermeintlich freiwillig als Berater des Sohns zurückgetreten, in einem Interview mit La Pluma TV nach wenigen Minuten des Vorgeplänkels über die sportliche Entwicklung Urs Kleins in Rage geredet und schwere Vorwürfe erhoben. Anlass war der umstrittene Vorvertrag, den Urs Klein in der Winterpause beim FC Ballcelona I unterschrieben haben soll. Gegenüber der Flaschenpost bestätigte der Manager des FC Ballcelona, Maik Ü., den Transfer. Mit Klein habe man einen „ablösefreien laufstarken Spieler geholt, der den laufstarken Kader des FCB komplettiert“. Zu den Konditionen des neuen Vertrags, der zum 01.07.2014 wirksam werden soll, schweigt Maik Ü. allerdings.
Auf seiner Website hatte der FC Südsee diese Meldung schnell dementiert, auch um einem Shitstorm (#kleinscheiss) entgegenzuwirken. Sportchef Guggenberger ließ sich in der Pressemitteilung mit den Worten zitieren: „Urs Klein hat Vertrag bis 2016. Wir planen mit ihm, und er plant mit uns. Wenn der FC Ballcelona seine neureiche Strategie des Konkurrentenshoppings fortsetzen will, um schottische Verhältnisse zu etablieren, können sie uns gerne ein Angebot machen. Meine Telefonnummer steht im Briefkopf dieser Pressemitteilung.“
Kernige Worte, die wohl nur zur kurzfristigen Beruhigung des Cybermobs ausgesprochen wurden. Denn nach Informationen der Flaschenpost besitzt Urs Klein beim FC Südsee eine Ausstiegsklausel. Ihr Inhalt: Ein ablösefreier Wechsel, sollte der FC Südsee bis zur Saison 2013/14 nicht Verbandsligameister geworden sein. Offenbar fühlt sich der FC Ballcelona angesichts der Tabellensituation (Südsee mit sechs Punkten Rückstand auf Platz drei) äußerst sicher, Klein verpflichten zu können. Klein selbst soll sich bereits nach einer Wohnung in Eastgate-Nähe umsehen. Guggenberger hierzu: „Über konkrete Vertragsinhalte rede ich grundsätzlich nicht mit Journalisten.“ Und zur Wohnungssuche Kleins: „Er schätzt die Nähe zur Landluft. Wenn sie daraus eine Geschichte konstruieren wollen, bitte.“
Doch dieses unwürdige Geschacher um die begehrtesten Waden der Liga war es nicht, was Vater Klein so in Rage versetzte. Vielmehr ging es ihm um die Frage, wie Maik Ü. und Co. von der Ausstiegsklausel erfahren haben. Ihn selbst verbindet ein freundschaftliches Verhältnis zur Südsee-Vorstandsetage, unter seiner Berater-Ägide war von Wechselabsichten nichts zu hören. Trotzdem muss er sich fragen lassen, wieso es die Ausstiegsklausel überhaupt gibt.
Vater Klein hat jedenfalls eine sehr spezielle Theorie zum Zustandekommen des Transfers. Denn, dass er stattfinden wird, ist kaum noch zu leugnen.
Der Sohn, der die Zeit zwischen den Jahren nach eigenen Angaben auf einer Studienreise in Zentralafrika verbracht hatte, sei wie „verzaubert und mit Flausen im Kopf“ zurückgekehrt. Klein, auf dem Platz durchaus für wenig zielführende Mätzchen bekannt, habe ihm wörtlich eine „Neu-Aufstellung des Beratergremiums“ angekündigt und ihm den ehemaligen kamerunischen Südsee-Profi Mola F. (Name von der Redaktion geändert) als neuen Chefberater vorgestellt. Dieser, so Vater Klein bei La Pluma TV, habe seinen Sohn unter Einsatz von „afrikanischer Magie“ zur Vertragsunterschrift beim FC Ballcelona genötigt.
Südsee-Manager Derma Nager schloss sich dieser Lesart sofort an und erklärte den Vertrag, dessen Existenz zwei Tage vorher Sportchef Guggenberger noch bestritten hatte, für unwirksam. Klein wurde aus Schutz vor Übergriffen militanter Fangruppen, die am vergangenen Sonntag die Reifen seines Rennrads zerstochen hatten, aus dem Training genommen. Er soll sich im europäischen Ausland mit Individualtraining fithalten. Der Afrika-Experte des FC Südsee Maurice Pfeifert nannte die Vorwürfe Kleins und Nagers „getragen von gefährlichen Stereotypen. Der kolonial-rassistische Diskurs innerhalb des Vereins steht erst am Anfang. Aber führen müssen wir ihn.“
Als ob diese Posse nicht genug der Winterpausenunterhaltung gewesen wäre, ging Südsee-Sportchef Guggenberger vorgestern mit einem Schritt an die Öffentlichkeit, der seinen Kritikern im Aufsichtsrat neue Munition liefern dürfte. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz stellte er die sogenannte „Atheismusklausel“ vor, zu der sich künftig alle Spieler und Spielerberater beim FC Südsee bekennen müssen. Sie verpflichtet die Unterzeichner, für die Zeit ihres Engagements beim FC Südsee auf jedwede Form der Religionsausübung zu verzichten. Damit wolle man erreichen, dass es bei Vertragsverhandlungen wirklich immer „mit rechten Dingen zugeht. Es soll sportlich und wirtschaftlich rational verhandelt werden. Für religiöse Eiferer und Geisterbeschwörer ist beim FC Südsee kein Platz. Wir waren, sind und werden auch weiterhin ein laizistischer Klub sein“, so Guggenberger weiter. Der Vorstand habe den Vorschlag einstimmig beschlossen. Das sei auch keine „geistig-moralische Wende“, sondern erhebe nur zur Formel, was ohnehin mehrheitlich im Verein praktiziert werde.
Anderswo hätten Spieler und Trainer angesichts solcher Symbolpolitik den Kopf geschüttelt und weitergemacht wie bisher auch. Zumal Guggenberger nicht befriedigend erklären konnte, wie der Verein die Einhaltung der Atheismusklausel kontrollieren will. Gestern aber folgte dann der vorerst letzte Akt des Südsee-Theaters.
Am Nachmittag trat Spielerratsmitglied Simon Zirzow nach dem Training vor die Mikrofone und berichtete frohen Mutes, er habe im vereinsinternen Moodle eine Petition gegen die Atheismusklausel eingestellt. Mehr als zehn Unterzeichner will Zirzow nun schon für seine Petition unter dem Titel „Wir glauben an den Fußballgott – Gegen einen Klub unter der Ideologie des leeren Himmels“ gesammelt haben. Inhalt dieser Petition ist nicht nur die Abschaffung der von Guggenberger forcierten Klausel, sondern auch ihre Ersetzung durch die „Polytheismusklausel“, da nur eine solche ein friedvolles Miteinander in einem multikulturellen Verein ermögliche.
Wenig Interesse an einer Fortführung dieses Kulturkampfes in den Wochen vor dem Rückrundenstart hat indes Mannschaftskapitän Anselm Kühnel. Auf die Frage, wie er sich zu dem ganzen Trubel verhalte, erklärte er: „Beten, dass es aufhört. Wir wollen doch nur spielen.“
Am Abend verkündete dann Präsident Binder, dass Kühnel wegen dieses Verstoßes gegen die Atheismusklausel nicht suspendiert werde: „Die Spieler sind nach der besten Winter-Vorbereitung aller Zeiten natürlich erschöpft. Da rutscht einem gerne mal ein falscher Satz raus. Damit können wir umgehen.“
Der FC Südsee sucht neue Mitspieler: technisch versiert wie Maradona, mit dem Auge Gündogans, der Lunge Landgrafs, dem Lebenswandel Balotellis und dem Sachverstand Mehmet Scholls. Spiel mit uns um die Berliner Meisterschaft im Kleinfeldfußball!
Neue Hochkaräter wurden verpflichtet, doch den Transitverkehr konnten auch sie nicht stoppen. So aber ist der FC Südsee bis heute das große, nicht eingelöste Versprechen des Berliner Kleinfeldfußballs.
Nach einer durchwachsenen Saison soll sich das ändern - und deshalb suchen wir Dich, wenn ...
... Du ein technisch guter, einigermaßen erfahrener Spieler bist
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Bringst Du all das - oder auch nur eine hübsche Auswahl dessen - mit, komm einfach mal beim Training vorbei und lern uns kennen.
Ab dem 5. August 2013 trainieren wir immer von 19 bis 21 Uhr und zwar hier: Hanns-Eisler-Sportplatz, Hanns-Eisler-Straße 91, 10409 Berlin
(Bis August findet das Training freitags ab 18 Uhr auf dem gleichen Platz statt.)
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Mit freundlichen Grüßen,
Anselm, Christoph, Linus, Urs & der Rest des FC Südsee