Das windige und regnerische Wetter hält an. Zwei Tage in Folge hat die Fähre auf die Insel Mousa, wo wir einen sehr gut erhaltenen Broch besichtigen wollen, den Betrieb eingestellt, weil sie wegen des Wetters am Pier der Insel Mousa nicht anlegen kann. Unsere Hoffnung, dass wir morgen, an unserem letzten Tag auf Shetland, noch hinkommen, hat der Wetterbericht eher zunichte gemacht - und die Tatsache, dass man nur bar bezahlen kann. Das würde nun einen weiteren Trip nach Lerwick am Abend oder früh morgens bedeuten.
Da bei dem Wetter natürlich auch nicht an Strand oder Wandern zu denken war, fuhren wir ins Shetland Textile Museum. Hört sich grandios an, ist aber nur ein Steincottage mit drei kleinen Ausstellungsräumen. Drei Strickerinnen und Wollspinnerinnen konnte man hier bei der Arbeit beobachten und Fragen stellen, daneben wurden Shetland Lace (Spitze), Shetland Tweed und Fair Isle-Stricksachen ausgestellt. Heute haben diese Techniken ein Comeback: Auf Yell gibt es ein Zentrum für Kunsthandwerker, die mit Wolle und Textilien arbeiten.
Nach Wollekauf in Lerwicks Stadtzentrum (die vielen Stricksachen haben mich dazu animiert, mir eine Mütze in Fair-Isle-Technik zu häkeln) machten wir uns dann noch auf den Weg zum Clickimin Broch, der am Rande eines Lochs ins Lerwick liegt.
Der Broch ist zwischen 2100 und 2400 Jahre alt - damals nahm der See noch mehr Raum ein, und man erreichte den Turm nur über einen Dammweg. Er ist nochmals von einer Verteidigungsmauer und kleineren Steingebäuden umgeben. Nach ein paar Jahrhunderten wurde die Höhe des Turms verringert und man hat ihn innen umgebaut. Aus dieser Zeit stammen Funde wie römische Glasfragmente, die auf einen hohen Lebensstil hinweisen.
Ein Stein weist Vertiefungen auf, die wie Fußabdrücke aussehen. Möglicherweise wurden die benutzt, wenn ein neuer Anführer ins Amt kam. In Dunadd, Argyll gab es im 8. Jahrhundert eine solche Sitte. Sofern ich vor dem richtigen Stein stand, sind die Vertiefungen heute kaum noch sichtbar.
Und danach buchten wir spontan nochmal einen Tisch in der Fjara Bar, weil Harry hungrig wurde (und dann wird er unausstehlich). Diesmal durften wir auch am Fenster sitzen und die tolle Aussicht bewundern!
Auf dem Rückweg statteten wir dann noch Barbara Isbister, einer örtlichen Strickerin, einen Besuch ab und sahen uns ihre Werke an. Die dachte, als sie uns kommen sah, jemand hätte ein Feuer in ihrem Haus gemeldet :)












