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@heartnaivehvrt
Sun Kil Moon – Chili Lemon Peanuts
1:04 AM, Vdara Hotel Room 14015, April 9, 2016 Our day started today with many kisses. You were on your way out the door to Southern California 'til the fourteenth. And I was on my way to Las Vegas, then to New Orleans when you said bye and closed my apartment door behind you.
A heavy feeling fell upon me, it hit me in a very real way. That we'll live the rest of our lives together and that gives me so much happiness and comfort but it also hit me harder than ever before that one day we'll say goodbye for a final time. Every day we get closer and closer to death. I have no illusions of an afterlife. And have no idea how much longer I have on this planet or what my quality of life will be in five, ten, fifteen years. Where will our final goodbye be? What condition will I be in? And how will your health be? Are we even sure we'll be in the same place when one of us has to go?
I don't like goodbyes. I've had enough last goodbyes with people to know that it's the most painful emotion in the world. I don't want to live for eternity, life is filled with too much sorrow.
Military Position Interview and new track now online: http://noisey.vice.com/en_au/blog/producer-military-position-comes-out-swinging-with-her-chain-heavy-assault-on-the-boys-club
Marina Abramovic / Ulay: “Light / Dark”, 1977
Nattvardsgästerna (AKA Winter Light) | Ingmar Bergman | 1963
Ingrid Thulin
Der Elende: Über Hermes Phettberg
Hermes Phettberg war in den 90er Jahren einer der genialsten Talkmaster im deutschsprachigen Raum. Heute lebt er schwer krank und nahezu vergessen vom Rest der Welt in seiner Wohnung in Wien.
Um von Hermes Phettberg während seiner kurzen erfolgreichen Phase Mitte der 90er Jahre schon einmal gehört zu haben, bin ich schlicht zu jung. Daher bedurfte es erst zweier Artikel, die im letzten Jahr im Standard und der Zeit publiziert wurden, um mich auf den Namen Hermes Phettberg aufmerksam zu machen. Im Juni des vergangen Jahres wurde Hermes Phettberg – bürgerlich Joseph Fenz – der in den Jahren 94/95 als Talkmaster von „Phettbergs Nette Leit Show“ seinen größten und einzigen Erfolg feierte, 60 Jahre alt. Beide Artikel berichten derart nah und intim von der Genialität und dem Elend des Hermes Phettberg, dass man an seiner Person und seinem Schaffen fast nicht vorbei sehen kann.
In den letzten Monaten verlohr ich mich daher – dank der Vorzüge von Youtube, die darin bestehen, dass heute allerlei beinahe Vergessenes zur Wiederentdeckung bereitliegt – in Dutzenden Folgen der Talkshow von Hermes Phettberg.
Ein schwebender Geist, gefangen in einem monströsen Körper
Joseph Fenz war mit seiner Talkrunde zwei kurze Jahre lang der unangefochtene Star der linken Künsterbohème Wiens. In seiner Show, produziert in Tagungsräumen der KPÖ in Wien, erscheint Hermes Phettberg zu Anfang einer jeden Talkrunde auf einem Podest, das den Eindruck vermittelt, als hätte dort noch vor kurzem das ZK der Kommunistischen Partei Österreichs getagt. Erscheinen ist dabei wohl nicht das richtige Wort. Viel mehr hievt sich der Koloss Phettberg schnaufend und seufzend auf die Bühne. Hermes Phettberg ist exakt die Person, die sein Künstlername bereits andeutet: ein leichter, empfindlicher und schwebender Geist, gefangen in einem monströsen Körper. Und an diesem Umstand leidet er bis ins Unermessliche, das lässt er uns beinahe in jeder Folge wissen.
Nach der herrlich seltsamen Vorstellung und der Abhandlung der obligatorischen ersten Frage an jeden seiner Gäste – „Frucade (Organenlimonade) oder Eierlikör?“–, beginnt die Talkrunde. Mit einer nicht zu erschütternden Höflichkeit und Hochachtung stellt er seinen Talkgästen im Anschluss Fragen, die irgendwo zwischen absolut trivialen und hochintelligenten Konstruktionen hin und her pendeln. Eines sind diese Miniaturinquisitionen aber immer: unglaublich lustig. Es ist jener Humor, dem Hermes nachspürt, über den schon der Schriftsteller Ronald M. Schernikau wusste: „Lachen ist immer die gelungene Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt. Wir lachen, weil uns etwas auffällt: die Wirklichkeit.“
Wie das alles aussieht, zeigt etwa die Folge mit Valie Export:
Dreh- und Angelpunkt der „Nette Leit Show“ sind nicht primär die Talkgäste, sondern die Figur Hermes Phettberg selbst. So nah und interessiert er seinen Gästen auch manchmal kommen mag, in fast jeder Folge geht es um ihn und sein Leben: Um seine „Fresssucht“ und „schiaches Aussehen“; um Lebensumstände, die dazu führen, dass der vermeintliche Talk-Star allein in seiner verdreckten Wohnung und geplagt von Depressionen vor sich hin existiert. Hermes Phettberg macht sich in aller Öffentlichkeit nackt - und das nicht nur im übertragenden Sinn. Dabei darf nicht missverstanden werden: Hermes Phettberg ist alles andere als eine Ich-bezogenen Person, die sich in den Mittelpunkt drängen will. Er ist vielmehr ein Mensch, mitten in unserer Gesellschaft, der sich ernsthaft die Frage stellt: wie kann einer, für den in einer Welt wie der unseren kaum Platz ist, überhaupt existieren? Dies ist die zentrale Frage, die Hermes Phettberg öffentlich mit seinen Talkgästen und dem Rest der Welt diskutiert.
Die Talkshow als (Aus)-weg, lustvoll zu leben
Phettberg geht es in seiner schmerzhaft offenen Art auch um die Frage, wie ein Mensch, dem durch sein Aussehen und sein Schicksal die gängigen Wege des Lustgewinns, die unsere Gesellschaft üblicherweise bereithält (Sexualität, Familie, Erfolg im Job, Sozialkontakte, …) und die ihm beinahe gänzlich verwehrt bleiben, trotzdem lustvoll leben kann. Schwierige, zum Teil unangenehme Thesen und Gegenthesen werden dadurch aufgeworfen. Hermes Phettbergs durfte seinen Exibitionismus, sein Masochismus und seine offen zur Schau gestellte Sexualität als „nichtprakizierender Schwuler“ zwei Jahre lang öffentlich im Fernsehen zelebrieren. Dies führt bis heute (!) noch zu üblen Beschimpfungen seiner Person. Für ihn jedoch war dies ein, wenn nicht der einzige Weg lustvoll zu leben. Besonders in der Folge mit Psychotherapeutin Rotraud Perner wird dieses kniffelige Thema deutlich. Aus all diesen und weiteren Gründen war Phettbergs Nette Leit Show alles andere als seichte Abendunterhaltung, sondern im besten Sinne kritische Gesellschaftsanalyse im Gewand einer netten Plauderei:
Die erfolgreichen Zeiten sind für Hermes Phettberg lange vorbei. Nach mehreren Schlaganfällen Anfang der Nuller-Jahre ist Joseph Fenz heute ein Pflegefall. Sein Aktionsradius ist beinahe auf Null geschrumpft. Nur durch einige wenige Helfer und Freunde, die ihm geblieben sind, kann sich Phettberg über seinen Twitteraccount und die wöchentlich auf seine Webpage veröffentlichten Gestionen der Welt ein wenig verständlich machen. Beinahe verstummt und von der Welt vergessen, betreibt er mit einer unglaublichen Stärke immer noch Aufklärung: Über das Elend und die Schwierigkeit zu leben.
Alex & Bjoern
Rooftop Remodeling Falkestrasse
Architects: COOP HIMMELB(L)AU
Location/Year: Vienna, Austria / 1988
King Woman
Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt.
Antoine de Saint-Exupéry in Der kleine Prinz (via evangelinecooper)
Ich habe Lust wegzugehen, irgendwohin zu gehen, wo ich wirklich an meinem Platz wäre, wo ich mich einspinnen würde…aber mein Platz ist nirgendwo; ich bin zuviel.
Jean-Paul Sartre - Der Ekel