Das House of One besucht Georgien
Nachdem Bischof Malkhaz Songulashvili aus Tbilisi/Georgien letztes Jahr das House of One in Berlin besuchte und gemeinsam mit dem schiitischen Imam Ali Aliev zu internationalen Projektbotschaftern für das House of One ernannt wurde, besuchten Stiftungsratsmitglied Renate Franke und Pfarrer Eric Haußmann Ende März Georgien. Nicht nur regelmäßige Besuche, das Gebet mit- und füreinander sowie den Austausch über die Dialogarbeit gibt es inzwischen. Ebenfalls ist ein Austauschprogramm für Jugendliche aus Berlin und Georgien für Herbst 2017 in Planung. Renate Franke und Eric Haußmann wurden herzlich von den Bischöfen und der Bischöfin der Evangelisch-Baptistischen Kirche in Georgien und den Gemeinden empfangen. Sie lernten das interreligiöse Netzwerk der Gemeinde an der Peace Cathedral Tbilisi kennen. Sie begegneten sunnitischen und schiitischen Geistlichen aus Georgien und der Kaukasusregion und sprachen mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde. Gemeinsam feierten sie mit Bischof Malkhaz (Tbilisi), Bischof Ilia (Ostgeorgien), und Bischöfin Rusudan (Zentralgeorgien) in der Peace Cathedral Gottesdienst. Alle drei arbeiten seit Jahren an der interreligiösen Verständigung in ihrer Region und beten und gestalten das geistliche Leben stets in einer interreligiösen Perspektive.
In Georgien sind 88,5% der Menschen christlich und 10,7% muslimisch. Nach wie vor sind Muslime und Musliminnen sowie nicht orthodoxe Christinnen und Christen in Georgien teilweise gesellschaftlicher und religiöser Anfeindung ausgesetzt. Seit den 1990er Jahren ist die jüdische Gemeinschaft in Georgien durch Auswanderung auf einige tausend Menschen geschrumpft. Bischof Malkhaz Songulashvili spannt seit zwanzig Jahren ein interreligiöses Netzwerk in der Kaukasusregion, um die gemeinsame Friedensbotschaft der Religionen im Miteinander zu leben. Er stellt sich offen gegen jede Form von Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie.
Regelmäßig feiert und betet er gemeinsam mit Muslimen und Juden in Synagogen, Kirchen und Moscheen. Für seine vielfältige Arbeit für gegenseitigen Respekt zwischen den unterschiedlichen Religionen wurde er 2015 mit dem „Shabaz Bhatti Friedenspreis“ durch Hermann Gröhe ausgezeichnet. Bischöfin Rusudan lehrt u.a. Theologie in Tbilisi und initiiert regelmäßig Treffen von Christinnen und Musliminnen, um Gleichberechtigung und Gleichstellungsfragen religionsübergreifend zu diskutieren und zu beraten. 2014 wurde ihr der Woman of Courage Award von Michelle Obama übergeben. Bischof Ilia leitet u.a. die Peace Academy. Die Peace Acadamy organisiert regelmäßig Jugendfreizeiten zwischen muslimischen und christlichen Kindern und Jugendlichen in Georgien. Sie lernen und leben miteinander, um Vorurteile nicht entstehen zu lassen und bauen dabei Freundschaften und Beziehungen auf, die so vorher nicht existierten und die Grenzen der Religionen übersteigen.
Beispielhaft für liturgische und religiöse Gastfreundschaft der Projektbotschafter ist auch das Bauprojekt an der Peace Cathedral in Tbilisi. In der Apsis wird der christliche Altar stehen. In den Seitenschiffen, wo traditionell Kapellen vorzufinden sind, werden ein islamischer und ein jüdischer Gebetsraum entstehen. Hier wird wie beim House of One die interreligiöse Arbeit zur lebendigen Architektur des Friedens und des Miteinanders.








