Roboter
Da stehen sie unerschĂŒttert zwischen Ăl, SchweiĂ, heiĂer Luft und schwarzen Rauchwolken, verrichten ihre Arbeit ohne Panne, ohne Pause. Denn genau dazu sind sie gemacht, diese kompliziert gebauten Maschinen. Ihre Schöpfer erwarten sich vollen Einsatz bei jener Arbeit, die sie selbst nicht verrichten wollen. Aber was wenn in diesen leblosen Maschinen doch etwas Lebendiges steckt, sie einen Groll hegen, sich erheben und die Macht ĂŒber uns ergreifen?
Dies ist nicht nur ein psychologisches Problem, fortlaufendes Horror-Szenario und beliebtes Science-Fiction Thema, sondern auch der grobe Inhalt eines tschechischen BĂŒhnenstĂŒcks in dessen Titel das Wort âRoboterâ erstmals verwendet wurde. Passend zur slawischen Abstammung (ârobotaâ bedeutet soviel wie Arbeit) geht es auch hier um Maschinen die uns selbstlos schwere Teile unserer Arbeit abnehmen, um sich dann doch noch gegen uns zu verschwören. (0)(1)
Solche Maschinen, wie menschlich sie uns auch erscheinen mögen, bewegen sich weil wir es ihnen aufgetragen haben. Ăhnlich ist es mit ihrem VorgĂ€nger dem âAutomatâ (aus dem griechischen âautomatosâ, sich selbst bewegend), ein GerĂ€tâŠ
â[...] das nach einem Auslöseimpuls einer vorgefertigten Mechanik Prozesse ablaufen lĂ€sst.â(Brillowski, Klaus 2004: EinfĂŒhrung in die Robotik, Aachen: Shaker Verlag GmbH, S.5).Â
Schon zwischen dem dritten und ersten Jahrhundert v.u.Z. gestaltete man âbewegliche Figurenâ in Alexandria (Griechenland), die nicht nur technische Prinzipien veranschaulichen, sondern vor allem Zuschauer und Zuschauerinnen begeistern sollten. Bis ins Mittelalter, verband man mit jenen Automaten also etwas sehr positives, beinahe verzauberndes. PrĂ€chtige, mechanische Vögel, hochwertig verziert, zwitscherten in PalĂ€sten Baghdadâs oder Konstantinopelâs und sahen der Natur zum verwechseln Ă€hnlich. Die damaligen Automaten schienen in mancher Hinsicht sogar besser zu sein als ihre natĂŒrlichen Vorbilder und wurden dafĂŒr bewundert.(2)
âFurther back, in the medieval period, robots were wondrous machines, representing the architecture of the universe and the human body, raising questions about Godâs creation and whether it could be replicated by human hands.â Robots, The 500-year quest to make machines human, Ben Russel, S.13
Mit dem feinen, mechanischen Uhrwerk entstanden ab dem 15.Jh. dann nicht nur detailreicher gestaltete Bewegungen der kĂŒnstlerischen Maschinen, sondern es kamen auch erste Bedenken auf.Â
â[âŠ] in the 18th century they seemed to adress deep concerns about selfhood, our real nature and what it meant to be human.â(3) S.58
Besonders Vaucasions Flötenspieler (1738) schien das Fass zum ĂŒberlaufen zu bringen. Die feinen, auffallend menschlichen Bewegungen wirkten abstoĂend auf die Betrachter und Betrachterinnen. Anders als bspw. bei âMerlinâs Schwanâ (1770), konnte der Flötenspieler nicht eindeutig als Kunst und damit als harmlos eingeordnet werden, verlor somit also seinen Zauber. (3)
âMerlinâs Swan, however, is pure wonder; it does not make us question the nature of swan-hood. It is the human form in apparent lifelike action that encourages the deepest reflection and the greatest sense of the uncanny.â (3) S.58
In Zeiten der Industrialisierung (ab zweite hĂ€lfte des 18. Jh), wo Maschinen in Fabriken einziehen, Prozesse beschleunigen und Menschen ersetzen, entsteht die Angst als Mensch nicht auszureichen. Auch hier stellen Maschinen in gewisser Hinsicht verbesserte Versionen der menschlichen Vorbilder dar. Sie werden nie mĂŒde, arbeiten prĂ€zise und stellen keine Fragen. Dennoch wurden die EinschrĂ€nkungen der Maschinen relativ schnell klar und sie schafften es dennoch als Mitarbeiter, ErgĂ€nzung oder auch VervollstĂ€ndigung der menschlichen Arbeitskraft akzeptiert zu werden. (5)
Trotz der anhaltenden Skepsis gegenĂŒber unseren mechanischen Abbildern, geht eine gewisse Faszination stets einher mit unserer Angst irgendwann ersetzt zu werden. Immer wieder sind Roboter ein Zeichen technischen Fortschritts und begeistern auf Ă€hnliche Art und Weise wie die mechanischen Vögel in den mittelalterlichen PalĂ€sten.Â
Eric (1928), der Star der âExhibition of the Society of Model Engineersâ in London ĂŒberzeugte nicht nur mit seinem ritterlichen Aussehen sondern beeindruckte auch mit passenden Gesten zu seiner Eröffnungsrede. Dennoch sollte er eindeutig die Rolle eines menschlichen Redners einnehmen und löste daher nicht nur Begeisterung beim Publikum aus. (4)
â[âŠ]Eric arose, bowed, looked to the right, to the left, and, with appropriate gestures, proceeded to give a four minute  opening address .â October 18th, 2009, http://cyberneticzoo.com/robots/1928-eric-robot-capt-richards-english/ (zuletzt aufgerufen am 06.05.)
â[âŠ] he seemed like a grotesque enlargement of the knights-in-armourâ (4) S.76
 WÀhrend mechanische Redner ihren Schöpfern zu Ruhm und Abenteuern verhelfen, analysierte man den menschlichen Körper ebenfalls anhand mechanischer Modelle. Ist der Mensch etwa auch nur eine Maschine? Und viel wichtiger, kann er unwillentlich kontrolliert werden? Es entsteht nicht nur eine Fragestellung, die spÀter in Science Fiction Romanen thematisiert wird, sondern auch eine psychische Störung bei der die Annahme besteht, selbst von einer Maschine kontrolliert zu werden (1930). Auch wenn es sich hier um ein komplexes Konstrukt des menschlichen Unterbewusstseins handelt, zeigen sich allgemeine Sorgen.(5)
âSo robots have played the vital role of mirrors for us humans, allowing us to look at ourselves and argue about what we are and what we might be.â Robots, The 500-year quest to make machines human, Ben Russel, S.12
1942 befasste sich der bekannte, amerikanische Biochemiker und Sachbuchautor Isaac Asimov (1920-1992) mit Richtlinien die ein genau solches Szenario verhindern sollten. Die bekannten âDrei Robotergesetzeâ sollen jene Maschinen stets unter uns Menschen stellen und uns den Platz als Ranghöhere sichern. Denn ein Roboter, oder âRobotâ wie Asimov ihn damals nannte, soll dienen ohne zu fordern. (0)
âDie drei Robotergesetze:
Ein Robot darf keinen Mensch verletzen oder durch UntÀtigkeit zu Schaden kommen lassen.
Ein Robot muĂ den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sein denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum Ersten Gesetz.
Ein Robot muĂ seine eigene Existenz schĂŒtzen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.â (Asimov, Isaac 2007: Alle Roboter-Geschichten, Bergisch Gladbach: Bastei LĂŒbbe, S.6)(0)
Wenn eine Toilette brav ihre Arbeit tut und spĂŒlt sobald der Knopf gedrĂŒckt wurde oder der surrende GetrĂ€nkeautomat mir meinen gekĂŒhlten Saft in die Hand drĂŒckt, entsteht selten die Sorge, dass dieser sich verselbststĂ€ndigt. Im Gegenteil, wenn eine Kaffeemaschine nett vor sich hin gluckert und tĂ€glich die lebenswichtige, heiĂe FlĂŒssigkeit ausspuckt, entstehen eher verliebte GefĂŒhle als Angst, die Maschine wird anthropomorphisiert (vermenschlicht).(0)
Anders als im industriellen Rahmen, hat man gegenĂŒber Robotern im Haushalt sehr viel höhere Erwartungen. Durch das stetige Verlangen nach uns untergebenen Dienern, die jeden Wunsch von den Augen ablesen, selbst keine Forderungen stellen und uns damit ungewollte Aufgaben abnehmen, entstehen autonome Helfer wie z.B. "Roombaâ. Der heute weltweit am meisten akzeptierte Roboter in HaushĂ€lten saugt nicht nur Staub sondern erhĂ€lt oftmals sogar Namen und einen Platz in der Familie. (6)(7)Â
âThe contemporary obsession with robots and automation more generally embodies the desire to save valuable time by delegating labour, freeing us for lifeâs important things.â (7) S.104
Wenn leblose Dinge wirklich intelligent werden gelangt man an eine spannende Wegscheide. In der einen Richtung liegen Akzeptanz, Anthropomorphismus und eine positive Benutzererfahrung, in der anderen genau das Gegenteil. Obwohl wir tĂ€glich mit Robotern interagieren ohne groĂ darĂŒber nachzudenken, besteht wie zu Zeiten der Industrialisierung noch die Angst ein von Technologie beherrschtes Leben zu fĂŒhren.(7) Versuche Roboter in den Haushalt der Masse zu bringen gibt es also schon lange, aber nur wenige Modelle schaffen es als vollwertiges Familienmitglied angenommen zu werden. Hier nur einige Beispiele: Furby und Tamagotchi â Durch die komplexen BedĂŒrfnisse werden diese Spielzeuge schnell zu harter Arbeit und durch Character-, Produkt-, und Sounddesign zu einem Companion fĂŒr Kinder.Â
Nao â Ein beliebter, sehr freundlicher Roboter der besonders fĂŒr Kinder und Studien mit Kindern eingesetzt wird.
Pepper â Pepper kann auf Emotionen reagieren und wird in Japan als Rezeptionist oder RestaurantfĂŒhrer eingesetzt.Â
Kuri â (Crowdfunding Projekt) Ăberzeugt durch sein ansprechendes Design. Hier wird bewusst auf ĂŒberwiegend menschliche Attribute verzichtet um die Illusion eines lebendigen Charakter zu erschaffen. Ăhnlich wie Hund oder Katze, soll Kuri nicht zu intelligent wirken um eine negative HRI zu bewirken. https://www.youtube.com/watch?v=QsxmZPRhlsc
Peeqo â (Crowdfunding) Peeqo kommuniziert nur ĂŒber Gifs und unterhĂ€lt mit seiner lustigen Persönlichkeit. https://www.youtube.com/watch?v=qzlc4grw9lo
Olly â (Crowdfunding) Kann seine Persönlichkeit der seines Besitzers anpassen um eine optimale Benutzererfahrung zu gewĂ€hrleisten. https://www.youtube.com/watch?v=SraNMzbi_G4
(0) (vgl.) Robotik und Ethik, Diplomarbeit vorgelegt von Hardy KrĂŒger, Fachhochschule Potsdam, Informationswissenschaften/Bibliothek, 2009 (1) vgl. Ichbiah, Daniel 2005: Roboter. Geschichte_Technik_Entwicklung, MĂŒnchen: Knesebek, S.40-42
(2) (vgl.) Robots, The 500-year quest to make machines human, edited by Ben Russel, E R Truitt (S.33-50)
(3) (vgl.) Robots, The 500-year quest to make machines human, edited by Ben Russel, Andrew Nahum (S.51-70)
(4) (vgl.) Robots, The 500-year quest to make machines human, edited by Ben Russel, Adriana Richards Lever and Deborah Richards (S.71-86)
(5) (vgl.) Robots, The 500-year quest to make machines human, edited by Ben Russel, Phil Loring and Helena Moosberg-Bustnes (S.19-32)
(6) (vgl.) https://www.youtube.com/watch?v=bg7-3A2zeyw (zuletzt aufgerufen am 14.05.2019)
(7) (vgl) Robots, The 500-year quest to make machines human, edited by Ben Russel, Judy Wajcman (S.103-115)








