Ever thought about making your writing English? I don't want sound rude I'm so so sorry if I offended you >.<
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Ankündigung
Es tut mir wahnsinnig leid, dass ihr so lange auf den letzten Teil warten musstet und ihr müsst es auch wieder tun... Ich komme zur Zeit gar nicht mehr zum Schreiben, die Schule beschlagtnahmt mich gerade völlig. Ich habe bis zu den Ferien noch so viele Prüfungen, für die ich lernen muss und dazu kommen natürlich noch die Hausaufgaben.. Ich habe schon eine ungefähre Vorstellung, wie es in der Geschichte weitergehen wird, aber bis ich das alles aufschreiben kann, müsst ihr noch ein wenig Geduld haben. Aber ich verspreche euch, dass ich mich in den Sommerferien auf jeden Fall ransetzen werde und dann kommen möglicherweise auch mehr als zwei Teile. (Sowie eure gewünschten One Shots, die ich natürlich nicht vergessen habe)
Marco Reus Part 23
Mittlerweile war schon eine ganze Woche vergangen, in der sich Marco nicht ein einziges Mal gemeldet hatte. Immer wieder kamen in mir Zweifel hoch. Vielleicht will er mich ja gar nicht treffen. Vielleicht will er mich nie wieder sehen!
Aber so viel Zeit zum Nachdenken hatte ich dann doch wieder nicht. Wenn ich nicht gerade bei meiner Therapeutin war oder in der Fahrschule meinen Führerschein wiederholte, saß ich vor meinen Büchern und lernte. Obwohl ich mein Gedächtnis verloren hatte, waren Begriffe und ihre Bedeutung des menschlichen Körpers weiterhin vorhanden. Ich konnte mich nicht daran entsinnen, sie gelernt zu haben, trotzdem blieben sie Bestandteil meines Erinnerungsvermögens. Wenigstens etwas, was ich konnte. Auch wenn es ziemlich dämlich war, dass ich mich daran erinnerte, jedoch nicht an meine Familie oder mein Leben.
Ich hatte mich verändert. Der Meinung war meine Mutter. "Aber zum Teil bist du auch immer noch ganz die 'alte Emma'. Zielstrebig, perfektionistisch, ordentlich."
Nicht nur mein Vater war stolz auf mich, sondern auch ich war mit mir zur Zeit ganz zufrieden. Es machte mir wirklich Spaß, die zahlreichen Aufgaben zu lösen, zu lesen, zu lernen. Selbst mit meiner Therapeutin kam ich inzwischen klar. Trotzdem fehlte noch immer Marco, der diesen Neuanfang komplett machen könnte. Die Hoffnung auf seinen Anruf, auf den ich schon so lange wartete, hatte ich schon aufgegeben. Bis heute.
Das Haus war leer, da meine Eltern arbeiten waren; nichts Neues für mich. Mit einem Roman und einer Tasse heißem Tee machte ich auf der Couch eine kleine Pause vom Lernen. Bereit in eine Welt einzutauchen, in der vieles einfach makellos ist und die Männer ein unvergesslicher Traum sind, schlug ich das Buch auf und begann mit dem ersten Satz des zehnten Kapitels, als plötzlich das Telefon zu klingeln begann, wobei dies mir so einen Schrecken einjagte, dass sich der Tee in meiner Hand über mein frisch gewaschenes Shirt ergoss. Fantastisch..!
Genervt legte ich das Buch zur Seite, schälte mich aus meiner kuschligen rosa Decke und lief in den Flur. Nummer unterdrückt teilte mir das Telefon mit.
"Huber?", meldete ich mich so nett wie möglich. 'Wer stört mich dabei, mich in einen Mann zu verlieben, der nicht existiert?' dachte ich währenddessen. (Jeder, der viel liest, weiß genau, was ich meine :D )
Am anderen Ende war zuerst nur ein unangenehmes Rauschen zu vernehmen, bevor sich jemand räusperte. "Hey Emmchen! Hier ist Marco."
Aufgrund des Kosenamens, den er mir gerade verpasst hatte, spürte ich, wie meine Wangen sich rot färbten. Am liebsten hätte ich mich in einer Ecke verkrochen und wäre nie wieder herausgekommen. Emmchen. Ich hasste den Namen jetzt schon. Er ließ mich klein wirken, hilflos. Aber das war ich nicht! Dann erst realisierte ich, wer mit mir sprach. Marco! Er hatte wirklich angerufen!
Schlagartig raste mein Puls von ungefähr 60 auf mindestens 130! Mein Hals wurde trocken, hinderte mich am Sprechen. Er hat sich tatsächlich gemeldet! "Hey Marco, wie geht's dir?", versuchte ich so gelassen wie nur möglich zu fragen, obwohl ich am liebsten vor Freude hätte quietschen können.
"Gut, danke. Tut mir leid, dass ich mich nicht eher gemeldet habe. Ich kam leider nicht dazu. Hast du heute schon irgendwas vor?"
Ich soll für die Uni und die Fahrschule lernen, nachher muss ich wegen meiner Psycho- und Physiotherapie ins Krankenhaus und heute Abend wollten wohl meine Großeltern vorbeikommen. "Nein, gar nichts."
"Perfekt! Dann könnten wir doch was unternehmen. Zum Phönixsee oder in der Stadt bummeln. Hast du Lust?"
"Der Phönixsee klingt sehr verlockend. Aber ich habe wirklich keine Ahnung, wo der ist. Ich kenn mich hier überhaupt nicht aus." Mir war es schon irgendwie peinlich nicht zu wissen, wo der See lag. Schließlich war das meine Heimat, und obwohl ich schon länger wieder das Haus verließ, kannte ich diese durchaus wunderschöne Stadt noch immer nicht.
Ich hörte Marco lachen. "Kein Problem. Wenn du mir deine Adresse verrätst, hol ich dich gerne ab." Nachdem er sich alles notiert hatte, verabschiedeten wir uns und Marco versprach, in spätestens zwanzig Minuten hier zu sein.
Gleich nachdem ich das Telefon wieder auf der Basis abgestellt hatte, stürmte ich nach oben in mein Ankleidezimmer und schmiss alle Outfits, die in Frage kommen könnten auf das kleine Sofa. Kleid? Rock? Oder doch lieber Hose? Ich wollte Marco auf jeden Fall gefallen.
Am Ende wählte ich einen Rock mit Blumenmuster, den ich mit einer schlichten Bluse und einer Strumpfhose kombinierte. Da ich meine Haare immer noch zu lang fand, steckte ich sie kurzerhand hoch und setzte zusätzlich noch eine Mütze auf. Aus einem der Schränke zog ich eine kleine Tasche heraus, stopfte das Wichtigste hinein und verließ das Zimmer wieder. Kurz bevor ich die Treppe erreichen konnte, erhaschte ich einen Blick in den Spiegel. "Verdammt!" Ich ließ die Tasche fallen, trottete zurück in mein Zimmer. Ohne Schminke würde ich Marco garantiert nicht gegenübertreten! Ich zog meinen Schminkkasten aus dem Schrank und setzte mich vor den Spiegel.
Es klingelte, als ich gerade mit einem Auge fertig war. Und jetzt? Entweder ließ ich Marco einfach warten und schminkte mich noch zu Ende oder ich öffnete ihm die Tür mit nur einem bemalten Auge.
Natürlich ließ ich Marco nicht einfach draußen in der Kälte stehen und hastete schnell nach unten, um ihm die Tür zu öffnen.
"Hi Emmchen", begrüßte er mich mit einem angenehmen Lächeln auf den Lippen und zog mich in eine liebevolle Umarmung. Ich vergrub mein Gesicht an seiner Brust, knurrte genervt wegen dem Spitznamen.
Marco löste sich langsam von mir und schob mich ein Stück nach hinten, um dann mein Gesicht unter die Lupe zu nehmen. Sein linker Mundwinkel schnellte nach oben, als er den Fehler an meinen Augen sah. "So willst du aber nicht rausgehen, oder?"
Ich stemmte meine Hände gegen die Hüften und starrte ihn gespielt empört an. "Gefalle ich dir etwa nicht?!"
"Du siehst wunderschön aus. Es sieht nur ein wenig unvollständig aus."
Zustimmend nickte ich. "Na schön. Dann werde ich mich mal zu Ende schminken."
"Ich warte im Auto." Mit diesen Worten und seinem Lächeln, welches mich jedes Mal total durcheinander brachte, drehte er sich um und ging nach draußen in die Kälte.
Nachdem ich dann endlich komplett fertig war, schlüpfte ich in meine Stiefel und griff nach meiner Jacke, zog sie jedoch nicht an. Ich schaffte es immer noch nicht.
Mit der Jacke auf dem Arm eilte ich zu dem schwarzen Sportwagen in unserer Einfahrt.
"Jetzt siehst du nicht mehr so unvollständig aus." Für diese Bemerkung streckte ich ihm meine Zunge raus, worüber Marco nur lachen konnte und das Auto startete ohne darauf einzugehen. "Na dann, machen wir uns einen schönen Tag."
"Liebend gern, hast du denn wieder irgendwas geplant? Neue Früchte, die ich kosten könnte? In Kombination mit anderen süßen Beilagen?"
"Nein dieses Mal nicht. Ich hab ganz spontan entschieden, dich heute anzurufen, aber ich kann mir gerne noch etwas ausdenken."
"Nein schon gut. Wir... gehen einfach spazieren und unterhalten uns. Ich kenn dich ja immer noch nicht."
Wir hielten an einer roten Ampel, worauf Marco mich endlich ansah und mir sein warmes Lächeln schenkte, dann legte er seine rechte Hand auf meinen Oberschenkel. "Du kannst mich fragen, was immer du willst. Ich werde dir jede Frage beantworten." Langsam beugte er sich zu mir rüber.
"Das solltest du jetzt nicht tun", hauchte ich ihm entgegen, als unsere Gesichter nur noch wenige Millimeter voneinander entfernt waren.
"Warum denn nicht?", flüsterte Marco zurück.
"Die Ampel ist grün." Ich versucht mir mein Grinsen zu verkneifen, um die bis gerade noch knisternde Stimmung ohne jegliches Geräusch verfliegen zu lassen, doch Marco kniff die Augen zusammen und stöhnte gespielt enttäuscht, dass ich einfach anfing zu kichern. Marco begabt sich wieder in seine aufrechte Postion und fuhr weiter. "Das war ganz schön scheiße von dir. Das hätte ein perfekter Moment werden können und du hast ihn zerstört."
"Wenn wir einmal Klartext reden würden, wirst du bestimmt noch mehrere Möglichkeiten für einen perfekten Moment bekommen", rutschte es mir raus. Fantastisch. Erst denken, dann reden, Emma. Nicht anders herum!
So schnell wie Marcos Mundwinkel oben waren, schnellten sie auch schon wieder nach unten. Er erwiderte nichts mehr und wir fuhren die letzten Minuten ohne etwas zu sagen.
Auf dem Parkplatz angekommen, schaute Marco mich endlich wieder an. "Du hast recht, wir sollten wirklich einmal Klartext reden."
Marco Reus Part 22
In diesem Moment konnte ich einfach nicht anders. Ich musste ihn einfach küssen! Mit Tränen in den Augen fiel ich Marco um den Hals und drückte meine Lippen auf seine.
Er reagierte schnell. Indem Marco seine Arme um meine Taille schlang und mich näher an sich zog, ließ er mich wissen, dass ich nichts falsch machte. Ich hatte mit einer Abfuhr gerechnet. Dass er den Kuss nicht erwidern würde und mich wegschieben würde. Aber das tat er nicht. Marco erwiderte den Kuss völlig überrascht.
Das hatte mir so gefehlt! Sein Geruch und seine weichen warmen Lippen auf meinen. Die Schmetterlinge in meinem Bauch tanzten, ich hatte das Gefühl sie könnten jeden Augenblick platzen. Ich könnte jeden Moment platzen. Vor Freude! 'Ich fass es nicht. Du küsst ihn wirklich. Du küsst Marco...- Ja, wie heißt er überhaupt mit Nachnamen?' Egal! Jetzt zählte nur, dass meine Lippen auf Marcos lagen und er mich nicht von sich wies.
Langsam löste er sich von mir, ließ mich aber nicht los. Ein glückliches Strahlen war ihm ins Gesicht geschrieben, während er mir tief in die Augen sah. "Jetzt weiß ich wieder, was mir in den letzten Wochen so sehr gefehlt hat."
Ich erwiderte sein Grinsen. "Ach ja? Was denn?"
"Deine Lippen." Marco legte eine Hand an mein Kinn und fuhr sachte meine Lippen nach. "Sie haben eine so schöne Form und können unglaublich gut küssen." Zögernd beugte er sich zu mir hinunter, ich spürte seinen warmen Atem auf meinem Gesicht. 'Küss mich endlich!' Und als hätte er es gehört, küsste Marco mich wirklich erneut.
Am liebsten hätte ich ewig dort gestanden, hätte Marco in die Augen gesehen und ihn immer wieder geküsst.
"Du hast mir im Ganzen gefehlt", murmelte ich grinsend und löste mich schließlich aus seiner Umarmung.
Es blieb eine Weile still. Wir standen uns schweigend gegenüber, starrten uns mit genau dem selben Strahlen im Gesicht an, während sich hinter uns die Leute vorbeidrängten. "Gehen wir noch ein Stück?"
Ich kam gar nicht dazu zu antworten, denn plötzlich tauchte Matthias neben uns auf und legte einen Arm um meine Schulter. "Liebend gern", antwortete er für mich, "aber wir müssen jetzt gehen."
Meine gute Laune sank innerhalb von Sekunden von 100 auf 0. Enttäuscht löste ich mich aus Matthias seinem Griff, lehnte mich bei Marco an und ergriff seine Hand. Es geschah wie von selbst, als hätte ich das schon ewig getan. Leicht drückte Marco meine Hand und lächelte mir zu.
"Warum?", erkundigte ich mich nun bei Matthias schon jetzt ziemlich schlecht gelaunt.
"Deine Eltern haben mich gerade angerufen. Sie wollen mit dir noch einige Dinge besprechen, die wohl sehr wichtig sind und nicht bis morgen warten können. Also werden wir jetzt gehen."
"Du hörst dich an, als wäre ich ein sechs jähriges Mädchen, das noch nicht über sich selbst bestimmen darf! Und nein, ich werde jetzt nicht wieder nach Hause gehen." Sofort bereute ich diesen Satz. Jetzt hatte ich mich wirklich wie ein sechs jähriges Mädchen angehört.. 'Peinlich!'
"Das klang jetzt aber wirklich nach einem kleinen Mädchen", flüsterte Marco mir kichernd ins Ohr, worauf ich ihm meinen Ellbogen in die Seite stieß.
"Na schön", murrte ich. Zögernd drehte ich mich zu Marco. "Danke für diesen schönen Abend. Deine Worte bedeuten mir wirklich viel."
Er sah auf das Lebkuchenherz, das er immer noch in der Hand hielt, bevor er es mir um den Hals legte und mir einen warmen Kuss auf die Wange drückte.
"Warte, ich geb dir noch meine Nummer. Zwar hab ich immer noch kein Handy, aber unser Haustelefon funktioniert." Hektisch suchte ich in meiner Tasche nach einem Stift und zog letztendlich einen roten Kugelschreiber heraus. Keine Ahnung, von wo ich plötzlich dieses Selbstbewusstsein nahm, aber es fühlte sich echt gut an. Ich griff also nach Marcos Hand, kritzelte die Zahlen auf seinen Handrücken und grinste ihn ununterbrochen an, während ich meine Tasche wieder öffnete und den Stift dort verschwinden ließ. "Ruf mich an, ja?"
Marco nickte. "Gute Nacht Emma." Dann verschwand er in der Menge.
"Lass uns gehen. Ich bin gespannt, um was es geht", murmelte ich nur.
"Dein Vater sagte irgendetwas von der Uni und deinen Prüfungen."
"Warum redet mein Vater eigentlich mit dir? Bist du jetzt etwa ein Held, weil du mich aus meinem Komazustand holen konntest?!" Überrascht wegen solch einer Reaktion, hielt ich meinen Blick starr auf den Boden. 'Warum meckerst du ihn so an? Er hat doch gar nichts getan..' "Tut mir leid, ich wollte dich nicht so anschnautzen."
"Schon in Ordnung. Du bist eben verliebt."
Darauf konnte ich nichts mehr erwidern. 'Ja, dann ist es vielleicht so. Vielleicht bin ich in Marco verliebt.'
Als wir vor dem Haus meiner Eltern ankamen, sah ich meinen Vater bereits im Arbeitszimmer vor dem Fenster stehen, also verabschiedete ich mich im Vorgarten schon von Matthias, bevor hinter ihm auch schon die Haustür aufging und meine Eltern mich erwartungsvoll ansahen.
Ich schloss die Tür hinter mir, entledigte mich meiner Jacke und Schuhe, ehe ich ihnen ins Wohnzimmer folgte.
"Was ist denn los?", fragte ich, nachdem ich auf der Couch Platz genommen hatte.
"Es geht um die Uni", entgegnete mir meine Mutter, die nun gegenüber von mir auf dem Sessel saß und mich unsicher anlächelte. Mein Vater hatte den Raum verlassen, kam aber nach ein paar Minuten mit einigen Mappen in der Hand zurück. "Bevor du Anfang Februar wieder zur Uni gehen wirst, habe ich dich für freitags bei unserer Psychotherapeutin angemeldet."
Erschrocken fuhr ich zusammen. "Warum soll ich zu einer Therapeutin gehen? Denkt ihr etwa ich bin verrückt?!"
"Nein, natürlich nicht Liebling." Meine Mutter erhob sich aus dem Sessel, setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm. "Wir-"
"Du hattest einen üblen Autounfall Emma. Außerdem kannst du dich weder daran, noch an sonst etwas davor erinnern. Ein Schicksalsschlag wie diesen verarbeitet man nicht einfach so. Dazu braucht man fachmännische Hilfe und die biete ich dir an", unterbrach mein Vater sie und reichte mir einen kleinen Zettel. Jetzt war er wieder der professionelle Arzt, der seine Gefühle hinter einer dicken Mauer versteckte. "Die ersten Wochen kann ich dich mitnehmen, später, wenn du grünes Licht zum Fahren erhältst, wirst du alleine hinkommen müssen."
Skeptisch betrachtete ich das Kärtchen in meiner Hand. 'Psychotherapeutin Dr. Katharina Berning' Unter dem Namen waren einige Uhrzeiten aufgelistet, von denen 'freitags von 14Uhr - 15Uhr' angekreuzt worden war.
"Es geht mir gut", zischte ich. "Ich muss da nicht hin." Davon war ich überzeugt. Zwar war ich anfangs ja nicht einmal ansprechbar, aber jetzt ging es mir doch wieder gut! Mein Vater aber sah das völlig anders.
Nach langem Hin und Her gab ich schließlich nach und versprach den Termin einzuhalten. Aber das war noch nicht alles. Außerdem verdonnerte mein Vater mich zu extra Fahrstunden an jedem Dienstag und Donnerstag. Zu dem sollte ich schon jetzt wieder mit dem Lernen beginnen, damit ich fit für das nächste Semester war.
Während mein Vater mir einen Vortrag über meine Zukunft hielt, hatte sich meine Mutter bereits zurückgezogen, also saß ich nun alleine mit meinem Vater dem Doktor im Wohnzimmer.
Gerade war er dabei über meine Prüfungen zu reden, als ein kleines Gerät an seinem Gürtel anfing zu piepsen. Genervt stöhnte er auf und sah auf den Pieper hinab. "Ich muss noch mal weg. Wir sehen uns morgen. Gute Nacht." Mit einem kalten Kuss auf der Wange verabschiedete er sich von mir und verließ das Haus.
Ich wurde von diesem Abend ziemlich aus der Bahn geworfen. Natürlich war klar, dass ich bald wieder anfangen müsste zu lernen und zu 'leben', aber mir war nicht bewusst, dass es meinem Vater so wichtig sein würde.
Mit der Terminkarte in der einen Hand und einer Tasse Tee, die mir meine Mutter zwischendurch gebracht hatte, schleppte ich mich nach oben in mein Zimmer. Ich kontrollierte jetzt schon das Telefon, doch natürlich wurden keine Anrufe in Abwesenheit angezeigt.
Immer noch trug ich das Lebkuchenherz, das Marco mir geschenkt hatte um den Hals und immer noch konnte ich den leichten Druck seiner Lippen auf meinen spüren. Er hatte mir eindeutig den Kopf verdreht, doch was war das zwischen uns? Wir hatten uns einfach so geküsst, mehrmals. Aber hatte ich nicht einen Freund? Bei dem Gedanken an Tobias wurde mir übel. Ein Glück blieb er mir die letzten Wochen erspart! Und wer war diese schwarzhaarige Frau an Marcos Seite?
Da ich viel zu müde war um mich umzuziehen, legte ich mich in meinen Klamotten ins Bett, bevor mich die Müdigkeit auch schon überrumpelte und ins Land der Träume beförderte.
100 Follower! *-* ich danke euch♡♡
Marco Reus Part 21
Meine Augen fixierten seine. Voller Sehnsucht versank ich in der Mischung aus grün und braun. Ich wollte mich von seinem Blick losreißen, aber auch nicht. Ich wollte die Scherben der Tasse aufsammeln, aber ich konnte nicht. Marco zog mich völlig in seinen Bann. Es kribbelte in jeder Zelle meines Körpers, ohne dass Marco überhaupt etwas gemacht hatte. Seine Anwesenheit reichte vollkommen aus, um mich verrückt zu machen. Ich wollte auf ihn zueilen, ihn in meine Arme schließen und ihn küssen wie an meinem letzten Tag im Krankenhaus.
Gerade setzte ich zum Laufen an, als die schwarzhaarige Frau von damals neben Marco auftauchte und an seinem Arm zog. Wie die Scherben nun unter meinen Füßen zerbrach auch in mir etwas. Ich spürte einen Stich, der meinen kompletten Körper durchzog und mir die Luft zum Atmen nahm. Eifersucht? Ich wehrte mich dagegen, aber es war offensichtlich. Marco hatte mir gesagt, es sei nur seine Schwester, aber ich glaubte ihm nicht.
Etwas zog an meinem Hosenbein, worauf ich nach unten schaute. Matthias kroch auf dem Boden herum und sammelte die großen Scherben ein. "Kannst du mir mal erklären, was das sollte?" Er war mir nicht böse. Ein amüsiertes Grinsen umspielte seine Lippen, so lockerte er die Stimmung auf. Matthias machte sich über mich lustig.
"Marco steht dort drüben", erklärte ich angespannt, ehe Matthias sich hektisch umsah. "Nicht so auffällig! Soll er denn sofort wissen, dass wir über ihn reden?", zischte ich, aber Matthias hörte mir gar nicht zu, sondern ließ seinen Blick weiter zügig durch die Menge schweifen, bis er Marco schließlich fand. "Geh hin und rede mit ihm." Inzwischen stand Matthias wieder neben mir und grinste mich weiter an.
"Was?! Spinnst du? Nein, ich kann das nicht. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Mein Herz schlug gefährlich schnell, was mich dazu zwang, mich an Matthias zu stützen, denn ich hatte wirklich das Gefühl gleich umzufallen.
"Natürlich kannst du das. Frag ihn doch einfach, wie es ihm so geht." Und mit diesem Ratschlag schubste er in Marcos Richtung. Ich stolperte natürlich über meinen Schnürsenkel und es kam, wie es kommen musste.. Anstatt mit einem nervösen Lächeln vor Marco stehen zu bleiben, machte ich mich völlig lächerlich. Wegen meines Schnürsenkels fiel ich Marco ungewollt in die Arme. Bevor ich also auf dem kalten, dreckigen Boden landen konnte, packte Marco mich an den Oberarmen und half mir wieder auf die Beine. "Hoppla! Emma, nicht so stürmisch. Will das Bein immer noch nicht so ganz?" Er grinste mich mit seinem typischen Marco-Lächeln an, was mir sofort eine Gänsehaut verpasste.
"Danke. Äh.. Nein, n-nicht wirklich. Ich- ... Hi!" 'Wow... Wirklich sehr selbstbewusst!'
"Hi, schön dich zu sehen Emma. Wie geht's dir?"
'Das wollte ich ihn doch fragen!' "Gut, danke. Und dir?" Es war wirklich unglaublich dämlich, wie sehr mich seine bloße Anwesenheit durcheinander brachte. War das überhaupt noch normal? Marco tat rein gar nichts und ich starb hier beinahe?
"Mir geht es auch gut. Ich bin wieder Zuhause und meinem Körper geht es schon so gut, dass ich bald wieder mit dem Training anfangen kann!"
Das Strahlen in seinen Augen lenkte mich so sehr ab, dass mir gar nicht auffiel, dass ich gar nicht wusste, von welchem Training er sprach. Es freute mich, dass er so glücklich war, er sprudelte vor Gefühlen. Ich wollte zu einer Antwort ansetzen, als Marco den letzten Meter zwischen uns überwand und mich in seine Arme schloss. Seine gesamte Wärme umgab mich, sein scharfer, männlicher Geruch vernebelte mein Hirn!
Unsicher lehnte ich meinen Kopf gegen seine Brust und genoss diesen mehr als perfekten Moment. Erst jetzt hörte ich sein Herz in einem schnellen Rhythmus schlagen. 'Ist er etwa genau so nervös wie ich?' Das wäre wirklich schön, dann würden mir meine inneren Reaktionen nicht so peinlich sein.
"Ich hab dich so vermisst", flüsterte Marco mir ins Ohr, ehe er mir einen sanften Kuss auf meine Stirn drückte. Hätte Marco mich nicht so fest an sich gedrückt, wäre ich spätestens jetzt ohnmächtig geworden. "Ich hab dich auch vermisst." Meine Stimme war nicht mehr als ein zittriges Flüstern.
Viel zu schnell beendete Marco die Umarmung. Mit einem genervten Stöhnen löste er sich von mir und drehte sich zur Seite. Neben ihn stand mit verschränkten Armen vor der Brust die schwarzhaarige Frau, fragend sah sie ihn an. "Wirklich schön, dass ihr euch wiedergesehen habt. Können wir dann weitergehen?" Man konnte nicht das geringste Fünkchen Freude in ihrer Stimme hören.. Hatte Marco wirklich eine so unsympathische Schwester? Für mich war das unvorstellbar.
Marco schüttelte den Kopf. "Marcel ist auch noch da. Geh doch mit ihm weiter. Ihr versteht euch doch super." Die Ironie war nicht zu überhören und ich fragte mich, was zwischen 'Marcel' und der schwarzhaarigen Frau passiert sein könnte.
Nun drehte sich Marco wieder zu mir. "Hast du Lust mit mir über den Weihnachtsmarkt zu schlendern? Du... Du hast mir wirklich gefehlt."
'JA! Nichts lieber als das!' In meinen Gedanken hüpfte ich vor Freude. Es war schwer, diesen Gefühlsausbruch zurückzuhalten und ihn in meinen Gedanken zu lassen. "Gerne. Ich sag Matthias nur eben Bescheid." Ich schenkte ihm ein kurzes Lächeln, bevor ich zu Matthias lief und ihn über den Verlauf informierte.
"Viel Spaß! Ihr habt meinen Segen." Verschmitzt lächelte er mich an, worauf ich nur den Kopf schütteln konnte. Schnell bedankte ich mich bei ihm für diesen Tag, verabschiedete mich und begab mich zu Marco zurück.
Als ob es völlig normal wäre, griff er nach meiner Hand, während wir unseren Weg antraten. Durch diese Geste erschrak ich so sehr, dass ich meine Hand zurückzog. Überrascht blieb Marco stehen. "Tut mir leid. Ich wollte dich nicht- War das zu viel?"
Ich versuchte meinen Puls ein wenig zu senken, doch natürlich funktionierte das nicht. "Nein nein. Es ist schön. Ich hab mich nur erschrocken, weil das so plötzlich kam." Ich lachte über mich selbst. Wegen Marcos Berührungen würde mein Herz noch aufhören zu schlagen! Warum war ich denn so schreckhaft in seiner Gegenwart?
Marco schloss sich meinem Lachen an, dann umschloss er meine Hand mit seiner erneut, natürlich nicht ohne mich prüfend anzuschauen. "Mit geht es gut. Wirklich", beruhigte ich ihn.
"Dann erzähl mal", wechselte er das Thema, "Wie waren deine ersten Wochen Zuhause?"
'Ich hab weder gegessen, noch geredet, weil ich dich furchtbar vermisst habe. Ich habe mir in jeder Situation vorgestellt, wie es wäre, wenn du dabei sein würdest. Jeden Tag habe ich mir gewünscht, dass du vor der Tür stehst und mich aufheitern kannst. Aber du warst nicht da und ich hatte das Gefühl nicht mehr zu leben. Um so glücklicher bin ich jetzt. Du gehst neben mir her, hältst meine Hand und redest mit mir. Es kommt mir vor wie ein Traum!' "Gut. Vorübergehend wohne ich wieder bei meinen Eltern, weil ich nicht direkt alleine sein wollte. Ich mache zur Zeit gar nichts. Eigentlich sollte ich wieder studieren, aber irgendwie bin ich dazu noch nicht bereit. Außerdem hab ich immer noch hin und wieder Probleme mit meinem Bein. Und wie ist es mit dir?"
"Mir geht es genauso. Ich hab wirklich gar nichts getan! Die Tage verbringe ich die meiste Zeit auf der Couch, während ich fernsehe oder mir überlege, wann ich dich wiedersehen könnte." Bei dem letzten Teil seines Satzes sah er zu mir hinunter und lächelte mich zufrieden an.
"Du irrst aber nicht jeden Abend auf dem Weihnachtsmarkt herum und suchst mich, oder?"
"Wer weiß?" Er zwinkerte mir zu, ließ dann seinen Blick über die Stände huschen. Zielstrebig steuerte er ein Häuschen mit verschiedenen Süßigkeiten an. Ein paar Meter davor befahl er mir hier zu warten.
Während Marco zwischen den Lebkuchenherzen verschwand, starrte ich ihm lange verträumt hinterher. 'Er hat meine Hand gehalten und er hat gesagt, dass er sich über unser Wiedersehen Gedanken gemacht hat!' Nach einer Weile kam Marco wieder, die Hände hinter seinem Rücken versteckt, auf seinem Gesicht zeichnete sich ein Strahlen ab. "Ich bin wirklich unglaublich froh, dass wir uns wiedergesehen haben. Du musst wissen, ich bin kein großartiger Redner, aber ich kann dir sagen, dass ich dich wirklich gern hab. 'Schön dass es dich gibt'." Mit diesen Worten zog er seine Hände hervor und präsentierte mir ein Lebkuchenherz, auf dem genau das stand, was Marco gerade gesagte hatte. Schön, dass es dich gibt!
Schön, dass es euch gibt, meine lieben Leser :D Ich wünsche euch frohe Weihnachten und ich hoffe ihr habt schöne Festtage!
Was sagt ihr zum Kapitel? :)
Frohe Weihnachten♥️♥️ Ich hoffe ihr habt einen schönen Abend!
Morgen gibt es dann den nächsten Reus Teil :)
Marco Reus Part 20
Seit Tagen - nein, seit Wochen dachte ich nur an eine Person. Marco. Marco Marco Marco. Nur er schwirrte mir ununterbrochen im Kopf herum. 'Warum ist er nicht hier? Werden wir uns je wiedersehen? Vermisst er mich auch so sehr wie ich ihn?'
Meine Gedanken der letzten Wochen waren mir schon beinahe peinlich, als ich sah, wer vor mir stand. 'Du bist wirklich undankbar, du dumme Nuss!' meckerte meine innere Stimme. Das war ich wirklich. Genau genommen war Marco nur ein Teil meines neuen Lebens. Nicht nur mit ihm überstand ich die Zeit ohne Familie. Nicht nur er brachte mich zum Lachen und nicht nur mit Marco konnte ich über meine Anliegen sprechen. Schließlich wäre es ziemlich dämlich, mit Marco von Marco zuschwärmen, nicht wahr? 'Schon wieder redest du nur von ihm!' Unglaublich, dass ich alle anderen vergessen hatte. Ich schämte mich gerade wirklich dafür.
Das war wahrscheinlich ein Grund für mein folgendes Verhalten.
Andere würden einer Person, die sie lange nicht mehr gesehen haben überglücklich um den Hals fallen. Ich jedoch brach in Tränen aus, vergrub mein Gesicht in meinen Händen und klappte zusammen. Meine Beine gaben einfach nach, bevor ich spürte, wie meine Knie unsanft auf den Boden knallten. Ich hab ihn vergessen! Ihn aus meinem Gedächtnis gelöscht..!
Wisst ihr, wen ich meine?
"Luisa!", hörte ich seine erschrockene Stimme, kurz danach kniete er schon neben mir und drückte mich an sich. "Mit so einer Begrüßung hatte ich jetzt gerechnet", flüsterte er mir ins Ohr und gab mir einen Kuss auf den Kopf. Sanft drückte er meine Arme hinunter, lächelte mich aufmunternd an.
Immer noch rollten mir einzelne Tränen über die Wangen, aber ich schaffte es, ihm ein ehrliches Lächeln zu schenken.
"Dein Vater hat nicht übertrieben, als er sagte, dass es dir grässlich geht. Magst du mir erzählen, was los ist?"
Mehr als ein Nicken brachte ich nicht zu Stande. Es würde gut tun, mir alles von der Seele zureden. Mit ihm konnte ich das. Er verstand mich.
Nachdem ich mich wieder ein wenig beruhigt hatte, holte ich zwei Löffel aus der Küche und wir kuschelten uns mit einer Decke auf die Couch im Wohnzimmer.
"Es tut mir so leid", wimmerte ich.
Er runzelte die Stirn. "Was tut dir leid?"
"Dass ich dich vergessen habe! Mein Gott, Matthias, du glaubst nicht wie furchtbar es mir geht. Du weißt, wie viel Marco mir bedeutet und jetzt ist er einfach nicht mehr da. Ich hab mir seit Wochen über nichts Anderes den Kopf zerbrochen. Ständig geht es hier oben um Marco." Ich zeigte auf meinen Kopf. "Und plötzlich stehst du hier vor der Tür und mir fällt auf, dass ich mich nicht ein einziges Mal gefragt habe, wie es dir geht. Oder Vroni! Ich schäme mich dafür. Das tu ich wirklich.." Frustriert stach ich mit dem Löffel ins Eis und stopfte mir eine ziemlich große Portion in den Mund. Nebenbei fing ich erneut an zu weinen, während ich auch noch versuchte Matthias zu erzählen, wie die letzten Wochen verliefen.
Ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen. Matthias hörte mir gespannt zu, währenddessen knabberte er an einem Keks, der aussah wie ein Tannenbaum.
Ich redete und redete, wischte mir zwischendurch Tränen von den Wangen, löffelte die Eispackung halbleer. "Und jetzt überfresse ich mich auch noch mit Schokoladeneis",schluchzte ich aufgebracht und warf die Packung auf den Tisch.
"Ist schon okay. Und dass du Vroni und mich vergessen hast, ist auch nicht schlimm. So ist das eben, wenn man verliebt ist. Du musst dich wirklich nicht schlecht fühlen."
'Wie war das eben? Wenn man verliebt ist?!'
Ihm musste das riesige Fragezeichen in meinem Gesicht aufgefallen sein, denn aus dem amüsierten Lächeln wurde ein noch mehr belustigtes Grinsen.
"I-Ich... Ich bin doch nicht verliebt!", stotterte ich, doch Matthias nickte. "Doch. Du kannst dich nicht daran erinnern, soetwas je empfunden zu haben. Noch nie hat dir jemand erzählt, wie es sich anfühlt, Gefühle für jemanden zu haben. Aber du bist verliebt, Luisa, glaub mir."
Ich musste grinsen. Matthias wusste, dass mein richtiger Name Emma lautete, trotzdem nannte er mich weiterhin Luisa. "Woher willst du das denn wissen?", konfrontierte ich ihn bewusst.
"Ich weiß wie es ist, verliebt zu sein."
"Aha. Bist du gerade verliebt?"
Als er verlegen nickte, schob ich ein "In wen denn?" hinterher und wartete nun auf die Antwort, die ich hören wollte.
Tatsächlich beichtete Matthias mir, dass er sich in Vroni verguckt hatte und kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Ich erinnerte mich an meine ersten Tage im Krankenhaus, wie Vroni mir begeistert von Matthias erzählt hatte.
"Ihr seid immer noch nicht zusammen?!", rutschte es mir plötzlich heraus, als Matthias davon redete, wie sie sich einmal beinahe geküsst hätten. Deutlich verwirrt schaute Matthias mich an und ich wollte mich gerade aus der Situation reden, als die Haustür aufging und meine Eltern ins Haus kamen. Von dem plötzlichen Temperaturenwechsel färbten sich ihre Wangen leicht rot, die Augen weiteten sich, als sie mich lächelnd auf der Couch sitzen sahen. Ohne sich Schuhe oder Jacke auszuziehen, stürzte mein Vater auf mich zu und nahm mich in den Arm. "Gott sei Dank! Ich dachte schon, dich könnte nichts mehr retten.."
Ich schmunzelte, vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. "Mir geht's gut", flüsterte ich.
Ich war immer noch überrascht, dass mein Vater so viele Gefühle zeigen konnte.
Nicht nur meine Mutter, sondern auch Matthias schloss sich unserer innigen Umarmung an. Es war so viel Liebe und Zuneigung, die gezeigt wurden, dass ich still anfing zu weinen. Freudentränen, die ich zeigte.
"Och Süße..", lächelte meine Mutter und strich mir liebevoll die Tränen von den Wangen.
"Tut mir leid", schluchzte ich lachend. "Ich weiß nicht, warum ich weine, aber ich bin gerade wirklich überrascht. So viel Zuneigung wurde mir noch nie gezeigt."
Wir standen wirklich noch ein paar Minuten einfach so da, bevor meine Mutter ankündigte, für alle Essen zu machen.
Da das Essen noch eine Weile brauchte, schnappte ich mir die Eispackung, die Plätzchen und zog Matthias mit nach oben.
"Ach du Scheiße", platzte es ihm heraus, als wir mein Zimmer betraten.
"Was ist?"
"Ach nichts. Dein Zimmer ist nur... ein bisschen vollgestellt?"
Ich sah mich um. Das Zimmer war groß, aber durch die Kisten und Taschen, die sich verteilten, gab es kaum noch Möglichkeiten, sich im Raum zu bewegen. Meine Eltern hatten den größten Teil meiner Klamotten und Bücher hierher gebracht, da ich noch nicht in meine eigene Wohnung zurück wollte.
Ich senkte den Kopf. "Ich war leider nicht in der Lage irgendetwas zu tun.."
Matthias legte seine Hand auf meine Schulter und ließ seinen Blick über das Chaos fliegen. "Kann ich verstehen. Wir-"
"Wir könnten das jetzt zusammen machen!", schlug ich begeistert vor, doch Matthias schüttelte grinsend den Kopf. Okay, er hatte also andere Pläne. "Du warst seit Monaten nicht mehr draußen, das kann so nicht weitergehen. Also habe ich mir überlegt, dass wir heute etwas zusammen unternehmen könnten, damit du hier rauskommst und damit du auf andere Gedanken kommst."
Enttäuscht ließ ich meine Schultern sinken. Ich wollte hier nicht raus! 'Lieber verschanzt du dich Zuhause, als die Gegend zu entdecken, wo du möglicherweise Marco begegnen könntest?' "An was hast du denn gedacht?", fragte ich zögerlich.
"Bald ist Weihnachten, also was gibt es Besseres als den Weihnachtsmarkt?"
Damit wir nach dem Essen direkt los konnten, bestand Matthias darauf, jetzt schon nach einem Outfit für mich zusuchen. Vergeblich sah er sich in meinem Zimmer nach einem Kleiderschrank um. Vorsichtig stieg ich über die Kartons im Weg und öffnete die Türen zu meinem "Kleiderschrank". Matthias betrachtete mit aufgerissenen Augen den Raum erst einmal von außen, dann ging er an mir vorbei, wobei er etwas murmelte, was sich wie "Bonze" anhörte.
Als er nach einem pinken Pullover griff, erinnerte ich mich an meinen ersten Tag im Krankenhaus. Mein Outfit zum Sport würde ich nie vergessen! "Stop!", rief ich also, worauf er sofort den Pullover losließ. "Du suchst mir keine Klamotten mehr aus! Einmal reicht mir." Auf meinem Gesicht bildete sich ein kleines Lächeln. Es tat mir wirklich gut, mal eine Zeit nicht an Marco zu denken.
Ohne zu protestieren, zog Matthias sich zurück und überließ mir die Wahl.
Ich entschied mich für eine einfache Jeans und einen kuscheligen grauen Pullover. Gerade wollte ich Matthias rausschicken, damit ich mich umziehen konnte, während ich meine Mutter rufen hörte.
"Essen!", grinste Matthias und zog mich aus dem Zimmer.
Der Tisch war bereits gedeckt, meine Mutter stellte den letzten Topf ab, als wir ins Esszimmer kamen.
Das Tischgespräch fiel eher mager aus. 'Mit Marco wäre es nicht so gewesen... Er hätte lustige Geschichten erzählt, meiner Mutter Komplimente für das Essen gemacht und mit meinem Vater hätte er garantiert über alles Mögliche reden können.' Aber er war nicht hier...
Meine Mutter fragte lediglich, was wir heute vorhatten, worauf Matthias ihr vom Weihnachtsmarkt erzählte. Das war alles.
Ich konnte spüren, wie meine Mundwinkel auf Grund meiner immer weiter sinkenden Laune tiefer und tiefer rutschten.
Nach dem Essen scheuchte Matthias mich nach oben, damit ich mich fertig machen konnte. Er selbst blieb unten und half netterweise meiner Mutter beim Abwasch. Schnell zog ich mich um, anschließend bürstete ich meine langen Haare durch. Ich klemmte mir eine Strähne zwischen zwei Finger und betrachtete sie. Meine Haare waren mir eindeutig zu lang und braun stand mir auch nicht! Ich nahm mir vor, in den nächsten Tagen zum Friseur zu gehen, bevor ich mit Mütze und Schal bewaffnet wieder nach unten lief und mir dort meine Schuhe anzog. Mit meiner Jacke hatte ich allerdings noch Probleme, da ich meinen linken Arm noch nicht ganz so bewegen konnte. Völlig verzweifelt fuchtelte ich mit meinen Armen herum, um mir die Jacke anzuziehen.
"Warte, ich helf dir", ertönte die Stimme meines Vaters. Er zog mir die Jacke noch einmal aus, damit ich dann ohne jegliche Probleme hinein schlüpfen konnte. "Danke", murmelte ich.
"Wie geht's dir, Emma? Ist es besser geworden?", erkundigte er sich.
"Ja, sehr besser sogar. Danke." Ich schenkte ihm ein zufriedenes Lächeln, als Matthias aus der Küche kam. Nachdem auch er sich Jacke und Schuhe angezogen hatte, verabschiedeten wir uns von meinen Eltern und verließen das Haus.
"Denkst du, wir könnten Marco begegnen?", nuschelte ich in meinen Schal und spürte, wie ich errötete.
"Soweit ich weiß, wohnt er hier irgendwo. Möglicherweise ja. Ich hätte nicht gedacht, dass er dir so viel bedeutet. Was findest du überhaupt an ihm? Er hat sich seinen eigenen Vornamen tätowieren lassen und er ist ein arroganter-" Augenblicklich verstummte Matthias.
"Ein arroganter was?"
"Nichts. Nein, er ist nicht arrogant. Tut mir leid, ich muss ihm mit jemandem verwechselt haben."
"Hast du nicht. Du weißt was, was ich nicht weiß, oder?" Ich war mir ziemlich sicher. Immer wieder hatte jemand eine Bemerkung über Marco gemacht, es dann aber wieder zurückgenommen. 'Warum? Was ist denn mit Marco?' Selbst Giulia kannte ihn!
"Ist nicht weiter wichtig. Komm jetzt, wir sind gleich da."
Ich beließ es einfach dabei und folgte Matthias weiter.
Schon vom Weiten konnte ich den riesigen Weihnachtsbaum sehen. Festlich geschmückt und mit so vielen Lichtern verziert. Ein Nichts war dagegen mein Zimmer!
"Okay, auf was hast du Lust? Crêpe? Glühwein?"
"Ich weiß es nicht. Können wir nicht einfach ein wenig herumlaufen?"
Matthias nickte nur und zog mich in die riesige Masse von Menschen.
Während er mir versuchte zu zeigen, was es hier alles gab, konzentrierte ich mich nur auf die Menschen. Ich suchte nach einem blonden Kopf, und wenn ich einen fand, schlug mein Herz schneller, doch dann drehten sich die Männer ein wenig in meine Richtung und ich sah, dass es nicht Marco war.
Wir standen an einem Häuschen mit kleinen Holzfiguren, als Matthias sich zu mir drehte. "Willst du was trinken?", fragte er, worauf ich als Antwort nickte. Wir entfernten uns von den Figuren und schlenderten weiter.
"Warte hier", befahl er mir, als er einen Glühweinstand entdeckt hatte und ließ mich stehen.
Während ich wartete, beobachtete ich natürlich all die Menschen, die an mir vorbei liefen. Darunter auch viele Paare. Sie kuschelten sich aneinander, küssten sich, lachten. 'Wie schön wäre es, das mit Marco erleben zu können?'
Matthias tauchte nach kurzer Zeit wieder auf und reichte mir eine Tasse mit dampfender Flüssigkeit.
Gerade nahm ich die Tasse an mich, zeitgleich achtete ich natürlich immer noch auf die Menschen, als ich plötzlich blonde Haare entdeckte. Es war Marcos Blond und es war Marcos Frisur. Ganz sicher! Vor Schreck ließ ich die Tasse fallen, was alle Menschen um mich herum dazu brachte mich anzustarren. Auch der blonde Mann drehte sich zu mir um und ich hatte Recht. Es war wirklich Marco!
Hat irgendjemand von euch mit Matthias gerechnet? :D Und was glaubt ihr passiert jetzt?
Feedback?
Oh schaffst du heute noch einen Teil? ♥
Nein leider nicht :( Aber vielleicht kommt morgen noch einer
Marco Reus Part 19
Versetzt euch einmal in meine Situation.
Stellt euch vor, ihr wacht in einem Krankenhaus auf ohne zu wissen, warum. Und stellt euch einmal vor, ihr erinnert euch an nichts. Ihr habt keine Ahnung, wie euer Name lautet, ihr wisst nicht, wo ihr wohnt, ihr erinnert euch an nichts.
Im Laufe der Tage lernt ihr einen netten jungen Mann kennen und ihr vertraut ihm. Warum? Er weiß, warum ihr hier seid. Er hat es miterlebt. Dieser Mann weiß mehr über euch als ihr selbst. Gruselig, oder nicht? Stellt euch vor, ihr unternehmt viel mit diesem Mann. Vom ersten Moment an spürt ihr eine gewisse Spannung zwischen dem Mann und euch. Plötzlich ist er euch nicht mehr egal und es tut euch unendlich leid, dass ihr ihn bei dem Unfall so schwer verletzt habt, dass er in diesem Krankenhaus festsitzt. Aber andererseits findet ihr den Verlauf eures Lebens fantastisch! Wäre der Unfall nicht gewesen, hättet ihr diesen Mann nie kennen gelernt.
Ihr habt keine Ahnung,was Liebe ist. Schließlich könnt ihr euch nicht daran erinnern, je geliebt zu haben. Aber ihr spürt, dass ihr mehr für diesen Mann empfindet, als einfache Freundschaft. Es ihm sagen? Um Gottes Willen! Erst letztens haben euch eure Eltern besucht und diese sagten euch, dass ihr in einer festen Beziehung steckt! Oh je oh je wie sehr ihr davor Angst hattet. Und jetzt stimmt es auch noch. Ihr wollt es euch nicht eingestehen, aber euer Herz hat schon nach dem ersten Zusammentreffen mit dem Mann aus dem Krankenhaus beschlossen, sich für ihn zu entscheiden.
Beim ersten Treffen mit eurem festen Freund kämpft euer Verstand gegen euer Herz. 'Verlieb dich wieder in diesen Typen! Er ist dein Freund, du kannst ihm doch nicht einfach so das Herz brechen!' Aber euer Herz hört nicht auf euren Verstand. Es denkt durchgehend an den anderen Mann. Wie schön wäre es, wenn er hier wäre!
Wie verabredet, besucht ihr diesen Mann am nächsten Tag in seinem Zimmer, um ihm vom vergangenen Abend Bericht zu erstatten. So wie man das eben unter Freunden macht, obwohl euer Herz will, dass da mehr ist.
Ooh.. und wie es blutet, als ihr den Raum betretet und seht, wie eine andere Frau so vertraut mit ihm umgeht. Sie umfasst sein Handgelenk, streichelt ihm über den Arm. Wie neidisch ihr auf sie seid! Der Mann erlöst euch und erzählt, es sei seine Schwester. Kurzzeitig entspannt ihr euch, aber dann beginnt euer Gehrin zu arbeiten, wie schon oft in den vergangenen Wochen. 'Das soll seine Schwester sein? Nie im Leben!' Und das schmerzliche Gefühl in der Brust lässt nicht mehr los.
Heute ist euer letzter Tag im Krankenhaus. 'Endlich weg!' würden andere denken, aber ihr wollt nicht weg, denn hier hattet ihr alles, was ihr braucht. Freunde! Mehr ist gar nicht nötig.
Und all die Rituale, die ihr mit diesem Mann geteilt habt, wie zum Beispiel zusammen zu frühstücken oder gemeinsam zur Physio zu gehen, sind futsch. Sie werden nie wieder stattfinden und den netten jungen Mann, der sich in dieser langen Zeit hier zu eurem aller besten Freund entwickelt hat, werdet ihr wahrscheinlich nie wieder sehen. Es fühlt sich an, als würde man euch das Herz aus der Brust reißen und drauf treten, es zerfetzen und durch die Luft werfen. Obwohl... Nein, das beschreibt es nicht mal annähernd. Diesen Mann nie wieder zu sehen, zerbricht euch im Ganzen. Es zerstört euch, ihr zweifelt an Allem.
Eure Eltern haben euch zu sich nach Hause gebracht. Eigentlich habt ihr eine eigene Wohnung, aber sie wollten euch nicht gleich ins kalte Wasser schmeißen. Das Haus eurer Eltern ist groß. Natürlich. Euer Vater ist ein großartiger, angesehener Arzt mit vielen Auszeichnungen.
Euer Zimmer ist der Traum aller Frauen! Ein Kleiderschrank so groß wie eine Wohnung! Dazu natürlich begehbar. Schuhe? Meine Güte es sind über fünfzig Paare im Schuhschrank. T-Shirts, Pullover und Tops können zigmal mit hunderten von Hosen kombiniert werden! Auf eurer Matratze fühlt ihr euch wie auf einer Wolke. Ihr studiert Medizin, und wenn alles glatt läuft, werdet ihr die Stelle eures Vaters übernehmen, sobald er in Rente geht. Hört sich das nicht nach einem wunderbaren, erfüllten Leben an? Es könnte perfekt sein! Aber das ist es nicht, denn da fehlt jemand. Jemand, der euer Leben komplett machen könnte, doch ihr musstet ihn im Krankenhaus zurücklassen. Und deswegen setzt ihr, seit dem ersten Tag im Haus eurer Eltern, keinen Fuß mehr vor die Tür. Sich bewegen? Nein, das tut in der Brust weh. Essen? Auch nicht, ihr würdet sowieso nichts runter bekommen. Reden? Keine Ahnung, ob ihr das überhaupt noch könnt.
Und das war mittlerweile mein Leben. Ich tat wirklich nichts mehr. Ich konnte nicht! Das schmerzliche Gefühl in der Brust verließ mich nicht, hinderte mich daran, zu leben. Marco fehlte mir einfach zu sehr! Ein Leben ohne ihn war wirklich unvorstellbar. Ich wollte seine Witze hören, den Klang seiner Stimme. Und ich wollte seine Lippen auf meinen spüren.
Seit drei Wochen verreckte ich in diesem Bett. Annäherungsversuche meiner Eltern waren zwecklos. Meine Mutter drohte mir, mich in eine Klinik einzuweisen, damit ich wenigstens etwas aß, aber das ignorierte ich. Vielleicht würde ich in das Krankenhaus kommen, in dem ich aufgewacht war? Ich könnte Marco begegnen!
Meine Mutter wies mich nicht ein. Stattdessen rief sie Giulia an und bat diese herzukommen, doch auch meine beste Freundin konnte meinen Zustand nicht ändern. Selbst als Giulia als eine Art Verstärkung die drei Mädchen mitbrachte, zwischen denen ich Marcos blonden Haarschopf gesehen hatte, scheiterte sie. Sie redeten mit mir, lachten, erzählten mir Geschichten, aber ich hörte gar nicht zu. Ich bekam nichts mehr mit. Es war seltsam, dass ich mich zu so einem Wrack entwickeln konnte.
Eigentlich sollte ich wieder zur Uni gehen. Ich sollte lernen, um mir endlich meinen "sehnlichsten Wunsch" erfüllen, wie mein Vater es bezeichnete, aber der einzige Wunsch, den ich hatte und den ich mir erfüllen wollte, war, Marco wieder zu sehen! Damit wären wir wieder beim Thema. Marco, Marco, Marco. In meinem Kopf gab es kein anderes Thema mehr, was wirklich nicht vorteilhaft war.
Inzwischen waren wirklich schon zwei Monate vergangen und ich hatte mich kein Stück bewegt.
Gerade schleppte meine Mutter einen Karton in mein Zimmer und stellte ihn vor meinem Fenster ab. In meinem großen Spiegel konnte ich sehen, wie sie mich traurig musterte, dann seufzte sie kaum hörbar. Sie widmete sich der Kiste und kramte nach kurzem Suchen jede Menge Lichterketten und kleine Pappsterne heraus, während ich sie beobachtete. Kurz verschwand sie aus dem Zimmer. Die Lichterkette lag zusammengerollt auf der Fensterbank. Zuerst dachte ich, meine Mutter wollte mich damit aus dem Bett locken. Ich war ein Perfektionist, außerdem hasste ich es, wenn angefangene Sachen nicht zu Ende gebracht wurden. Doch da kam meine Mutter mit einer kleinen Leiter wieder, stellte sie vors Fenster. Mit dem Kabelsalat in der Hand stieg sie auf die Leiter, bevor sie sorgfältig die Kette am Rand des Glases befästigte, sodass es am Ende wie ein leuchtender Rahmen aussah. Anschließend schnappte sie sich die kleinen Pappsterne, sah zur Decke, an der ich jetzt winzige Hacken erkennen konnte, und hing nacheinander die Sterne an der Decke auf. Am Ende hatte ich einen warmleuchteten Sternenhimmel, was in mir für einen knappen Moment ein Kribbeln verursachte.
Meine Mutter steuerte wieder die Kiste an, kramte ein wenig drin herum, zog schlussendlich eine schmale aber längliche Box heraus und öffnete diese. Behutsam hob sie einen Weihnachtsbaum aus Glas heraus und stellte ihn auf meinem Tisch ab.
Hier und da legte sie den einen oder anderen Kranz ab, stellte Teelichter auf, die sie auch anzündete, griff nach dem großen Karton und verließ den Raum, ohne mit mir ein Wort gesprochen zu haben.
Allmählich wurde es draußen dunkel, die vielen Lichter in meinem Zimmer kamen nun richtig zur Geltung.
Gerade war ich dabei Stern für Stern durchzugehen, als die Zimmertür geöffnet wurde. Meine Matratze senkte sich an einer Seite, jemand strich mir liebevoll über den Arm. "Emma? Schläfst du schon?", ertönte die Stimme meines Vaters. Es war das erste Mal seit... Wochen, das er in meinem Zimmer auftauchte. "Er muss viel arbeiten und dein Zustand macht ihm große Sorgen", hatte meine Mutter letztens gesagt.
Als Antwort schüttelte ich den Kopf. "Gut. Emma, hör zu. Morgen ist bereits der zweite Advent, und da du schon am ersten nicht teilgenommen hast, möchte ich, dass du wenigstens morgen aus diesem Zimmer rauskommst. Ich weiß, ich bin nicht oft Zuhause, aber gerade in der Weihnachtszeit bemühe ich mich, öfter hier zu sein. Ich möchte Weihnachten gerne mit meinen Liebsten verbringen, aber das geht nicht, wenn du hier oben liegst und weder redest noch dich bewegst. Das wäre das Eine. Die andere Sache: Morgen Vormittag bin ich mit deiner Mutter bei einem Meeting, und da ich für später jemanden hier her eingeladen habe, möchte ich, dass du aufmachst, wenn es morgen an der Tür klingelt, hörst du? Es ist wirklich wichtig, dass dieser Gast nicht draußen in der Kälte erfrieren muss. Okay?"
Fast hätte ich den Kopf geschüttelt. 'Ist mir doch egal! Das ist nicht meine Angelegenheit. Kümmert euch doch selbst drum!' Aber ich nickte leicht.
"Prima. Gute Nacht. Ich hab dich lieb, Maus." Mein Vater beugte sich zu mir hinunter und gab mir einen leichten Kuss auf die Schläfe.
'Maus?!' Es war eine völlig andere Seite von meinem Vater, als ich sie kannte. Während meiner Zeit im Krankenhaus war er eher zurückhaltend, nicht sehr offen. Gefühle zu zeigen, war nicht sein Ding. Um so überraschter war ich über diese Geste und die Wortwahl. Vielleicht machte er sich wirklich ernsthaft Sorgen, so wie es meine Mutter gesagt hatte.
Am nächsten Morgen kam mein Vater erneut ins Zimmer, um mich daran zu erinnern, die Tür zu öffnen. Schließlich verabschiedete er sich von mir und ich hörte nur noch, wie das Auto den Hof verließ. Meine Mutter war seit gestern Nachmittag nicht mehr hier gewesen.
Ich rührte mich weiterhin nicht. Mein Blick lag auf der großen Uhr an der Wand, ich verfolgte den Sekundenzeiger.
Tick Tack Tick Tack Tick Tack
Erinnerungen erwachten in mir. "Ich will einen Kuss." Das Kribbeln in meinem Bauch setzte wieder ein, das schmerzliche Gefühl in der Brust wurde schlimmer.
Und dann hatte ich ihn tatsächlich geküsst, ohne überhaupt nachzudenken, was das anrichten könnte. Ich wolle seine Lippen wieder spüren! Seine weichen, warmen Lippen, die leicht auf meinen lagen und mich alles vergessen ließen. Und ich wollte wieder in diese grünen Augen blicken, die mich so in ihren Bann zogen! Ich vermisste Marco so sehr, trotzdem hatte ich Zuhause noch keine einzige Träne vergossen. Ich war einfach leer.
Plötzlich hörte ich deutlich die Türklingel, was mich kurz zusammenfahren ließ. 'Nein nein nein ich will nicht aufstehen! Ich will hier liegen bleiben und einfach sterben!' Kurz dachte ich wirklich darüber nach, einfach liegen zu bleiben, aber ich erinnerte mich an die Worte meines Vaters. "Es ist wirklich wichtig, dass dieser Gast nicht draußen in der Kälte erfrieren muss." Wenn dieser Gast möglicherweise sein Chef ist oder irgend eine andere wichtige Person, könnte ich daran Schuld sein, wenn mein Vater Probleme auf der Arbeit bekommt.
Mühsam schälte ich mich aus dem Bett und stand langsam auf. Kurzzeitig wurde mir schwindelig, meine Beine drohten nachzugeben, doch ich schaffte es, mich zu halten. Durch den Blick in den Spiegel erschrack ich vor mir selbst. Meine Haare standen in alle Richtungen ab, tiefe Augenringe zierten mein Gesicht, meine Wangenknochen stachen stark hervor. 'Egal!' dachte ich dennoch und trat den Weg zur Haustür an. Die Treppe bereitete mir wirklich Probleme, aber ich kam heile unten an.
Völlig erledigt schleppte ich mich die letzten Meter, lehnte mich kurz an der Wand an, um letzte Kräfte zu sammeln und öffnete schlussendlich die Tür.
"Normalerweise macht das die beste Freundin, aber selbst die konnte dir nicht helfen, wie ich gehört hab. Also, ich hab Schokoeis und Plätzchen dabei. Lässt du mich rein?"
Wer könnte vor der Tür stehen? :D
Feedback? :)
Darf ich fragen wie du heißt?:)
Ihr könnt mich alles fragen :) aber meinen Namen verrate ich nicht :D
Marco Reus Part 18
Über meine folgenden Gedanken war ich völlig geschockt.
Am liebsten hätte ich meine Mutter angeschrien. Ich könnte Wände hochlaufen, ich wollte diese Plakate runterreißen und zerfetzen. Einfach nur, weil ich so wütend war. Weil meine beste Freundin mir eine Freude bereiten wollte? Irgendwie krank.. In mir saß tiefer Hass, obwohl ich wusste, dass weder meine Mutter noch Giulia Schuld trugen. Sie meinten es doch nur nett... Nicht mal ich wusste, dass es mir so weh tun würde, wenn ich mich von Marco verabschieden musste. Sofort spürte ich wieder diesen leichten Druck seiner Lippen auf meinen.
Die Aufzugtüren gingen auf, als mich der nächste Schmerz durchzog. 'Seine Nummer! Du hast seine Nummer nicht!' schrie es in mir. Verdammt! Da ich nach wie vor kein Handy hatte, kam keiner von uns beiden auf die Idee, die Nummern auszutauschen. Eine nächste Flut an Tränen sammelte sich in mir und war bereit zu fließen. "Können wir nicht einfach nach Hause fahren? Wir könnten durch den Hintereingang verschwinden."
"Nein!", antwortete meine Mutter entsetzt. "Emma, das wäre wirklich unhöfflich. Außerdem freuen sich deine Freunde schon so auf dich."
"Natürlich. Deswegen waren sie auch fast jeden Tag hier und haben sich nach mir erkundigt." Die Ironie war nicht zu überhören.
Ich hörte meine Mutter nur enttäuscht seufzen.
Schon vom Weiten sah ich orangene Luftballons und eine Menge Leute, die angeregt tuschelten. In mir wuchs die Nervosität und ich wünschte mir gerade nichts sehnlicher, als dass Marco jetzt bei mir sein könnte. Er würde meine Hand drücken und mir zuflüstern, dass alles gut werden würde. Aber er war nunmal nicht hier und das tat mir unglaublich weh. Eine einzelne Träne kroch über meine Wange und tropfte lautlos auf meine Hose.
Ich ballte meine Hände zu Fäusten, krallte meine Nägel in meine Handfläche. Ich biss mir auf die Zunge, ich hielt die Luft an. Und das nur, damit ich nicht losheulte.
Für einige Sekunden klappte das auch ganz gut, doch als meine Mutter mich aus dem Krankenhaus schob und all meine Freunde zu klatschen und zu pfeifen begannen, während einige auch noch "Auf ein neues Leben, Emma" riefen, brach der Damm endgültig und die Welle an Tränen schwappte über meine Wangen.
Alle ließen sie ihre Luftballons in die Luft fliegen und kamen auf mich zugerannt. Sie kuschelten sich an mich. Ein Haufen von mindestens zwanzig Leuten erdrückte mich. Einige kletterten auf die Rücken der anderen, grinsten mich von dort oben an. "Na, Eimerchen? Wie geht's dir?", fragte ein rothaariger Typ und alle anderen brachen in schallendem Gelächter aus. "Hör auf, sie so zu nennen! Du weißt ganz genau, dass sie das nicht mag", mischte sich ein Mädchen mit blonden Haaren und grüner Mütze ein.
"Das weiß sie doch gar nicht mehr!", rief ein anderer und wieder begannen alle zu lachen. Dass ich nach wie vor weinte, schien anscheinend keinem aufgefallen zu sein.
"Leute, seid nicht so gemein zu ihr.." Die Stimme erkannte ich sofort. Auf einmal wurde ich herumgedreht und sah Giulia direkt ins Gesicht. Sie strahlte mich glücklich an, aber als sie meine feuchten Wangen sah, fielen ihre Mundwinkel glatt zu Boden. "Oh.. Süße, warum weinst du denn?" Sanft nahm sie mich in den Arm, worauf ich mein Kinn auf ihre Schulter legte. Hinter ihr standen noch drei weitere Mädchen, die mich mitleidig ansahen, doch auf sie achtete ich nicht wirklich, denn plötzlich sah ich zwischen ihren Köpfen einen Blondschopf hervorblitzen.
Schnell schob ich Giulia von mir. Ich schwang mich aus dem Rollstuhl, drückte die Mädchen zur Seite, aber so schnell er da war, war er schon wieder verschwunden.. Hatte ich mir das nur eingebildet? Nein! Ich war mir sicher, dass es Marco gewesen war.
"Um Gottes Willen, Liebling! Setz dich sofort wieder hin!" Meine Mutter war es, die mich aus meinen Gedanken riss und in den Rollstuhl zurück drückte. 'Kann dieser Tag eigentlich noch schlimmer werden?' Und ob er das konnte, denn genau in diesem Moment tat sich eine Lücke in dem Kreis um mich auf und ich spürte eine gewisse Übelkeit. In meinem Kopf gingen die Warnsignale los, ich wollte nur noch hier weg! Aber seine Hände lagen schon auf den Armlehnen und nahmen mir jede Gelegenheit zu fliehen. Sein Gesicht war mir so nah wie noch nie zu vor. "Hallo, mein Schatz", säuselte Tobias und küsste meine Nase. Die klebrige Flüssigkeit heftete sich an meine Haut. Seine Spucke war mir fremd, und widerlich!
Inzwischen war mir klar, dass das zwischen Tobias und mir nichts mehr werden könnte. Ich hatte keinerlei Hoffnungen, dass meine Gefühle für ihn noch einmal auftauchen könnten. Ich hatte ihn hier keine Minute vermisst. Dieses Date vor einigen Wochen war wirklich toll. Die Aktion, dass ich es nicht wissen sollte, war süß, aber Gefühle waren von meiner Seite aus keine mehr vorhanden. Mittlerweile fragte ich mich wirklich, wie ich ihn überhaupt je lieben konnte. Und daraus schloss ich, dass ich durch den Unfall und dem Gedächtnisverlust zu einem anderen Menschen geworden war. Man kann sich doch schlagartig so verändern, oder nicht?
Ich lächelte ihn nur schwach an. Vorsichtig nahm Tobias eine meiner Haarsträhnen zwischen seine Finger und spielte mit ihr.
"Ey Tobi, solche Spielchen hebst du dir lieber für Zuhause auf", rief einer der Jungs, worauf Tobias leicht rot wurde und beschämt lächelte. Er zwinkerte mir, bevor ihn jemand unsanft zur Seite schob.
"Luisa!" Ich hätte die Augen zu machen können und hätte auch so gewusst, wer vor mir stand, denn nur zwei Personen nannten mich so. Matthias und Vroni fielen mir gleichzeitig in die Arme und ich drückte sie ganz fest an mich. "Wir dachten schon du gehst, ohne dich von uns zu verabschieden", murmelte Vroni. Wieder schossen mir Tränen in die Augen und wieder konnte ich sie nicht zurückhalten. "Ich will hier nicht weg. Ihr werdet mir so sehr fehlen!", schluchzte ich.
Beide lösten sich von mir. "Na hör mal! So schnell wirst du uns aber nicht los. Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt." Matthias lächelte mich aufmunternd an, während er mir eine Träne von der Wange wischte. Jeder andere ist wahrscheinlich froh, aus dem Krankenhaus entlassen zu werden, aber bei mir war es was ganz anderes. Denn ich kannte nur das Leben im Krankenhaus und ich hatte Angst vor dem, was mich nun erwarten würde.
Hektisch kramte Vroni aus ihrer Jackentasche einen Notizblock, so wie einen Kugelschreiber und notierte etwas. Dann reichte sie beides weiter an Matthias. Auch er kritzelte etwas auf das Blatt, bevor er den Zettel abriss und mir in die Hand drückte. "Meld dich, wenn du Langeweile hast oder jemanden zum Reden brauchst."
"Danke", flüsterte ich.
Meine Mutter tauchte hinter mir auf und bückte sich zu mir hinunter. "Können wir fahren?"
Ich nickte nur. Sachte schob sie mich aus der Menge raus und half mir ins Auto. Matthias nahm den Rollstuhl an sich, winkte mir lächelnd zu und verschwand mit Vroni wieder im Krankenhaus.
Nachdem sich auch meine Eltern ins Auto gesetzt hatten, startete mein Vater den Wagen und rollte langsam vom Krankenhausparkplatz.
Ich hörte, wie meine Freunde klatschten und pfiffen, was mich für kurze Zeit sogar zum Lächeln brachte. Die Aktion war wirklich extrem süß! Aber einer hatte in der Menge gefehlt, obwohl ich mir ziemlich sicher war, Marco vorhin hinter den drei Mädchen gesehen zu haben! Dennoch machte ich mir darüber nicht all zu viele Gedanken, da Matthias mir ein wenig Hoffnung gemacht hatte. Wenn ich mir in nächster Zeit ein Handy besorgt hatte, würde ich ihn auf jeden Fall anrufen und fragen, ob er mir eventuell Marcos Nummer geben könnte und dann wird vielleicht alles ganz wunderbar sein! Ich vermisste Marco schon jetzt unglaublich doll, aber vielleicht ist das Wiedersehen gar nicht so weit entfernt!
Was ich in diesem Moment jedoch nicht wusste, war, dass die folgenden Wochen für mich die Hölle auf Erden sein sollten.
Also meine süßen Schnittchen! Zu erst einmal wünsche ich euch allen einen wunderbaren ersten Advent! Ich liebe die Weihnachtszeit *-* Habt ihr schon irgendwelche Adventskalender? Ich find die Dinger ja immer noch besonders toll xD vor allem den vom BVB mit den kleinen Bildern der Spieler *-* Hat den sonst noch jemand? Oder den von Bayern? Na ja wie auch immer.. Zweitens: Die drei Mädchen, von denen ich geschrieben habe, sollen im weiteren Verlauf eine wichtige Rolle spielen, also wenn jemand in dieser Geschichte mitspielen möchte, lasst es mich wissen :) Drittens: Zur Adventszeit werde ich versuche jeden Samstag oder Sonntag einen neuen Teil reinzustellen und falls ich in Schreibstimmung sein sollte, gibt es zu Weihnachten ein kleines Special :D Und viertens: Feedback? :)
Omg dein yannick one shot war voll süß!♡
Oh es freut mich, dass er dir gefallen hat :)
Yannick Gerhardt (3/3)
Ich verlasse die Küche und tapse mit leisen Schritten auf Yannick zu. Er schläft immer noch. Vorsichtig stelle ich das Tablett auf dem Wohnzimmertisch ab und knie mich vor die Couch. Ich streiche ihm mit meiner Hand sanft über die rechte Wange und küsse seine Nase. "Wach auf, mein Prinz", hauche ich Yanick grinsend ins Ohr. Tatsächlich bewegt er sich, vergräbt sein Gesicht noch tiefer in meinen Pullover. "Noch fünf Minuten", murmelt er.
"Nein, jetzt. Wir haben heute viel vor." Meine Hand erkundet sein ganzes Gesicht. Ich kitzle seine Nase, streiche über seine Augenbrauen und male seine Lippen nach, doch Yannick reagiert nicht. Dann eben anders. Ich beuge mich noch weiter vor und küsse erneut seine Nase. Nichts. Meine Lippen berühren seine Stirn. Keine Reaktion. Ich beginne an seinem Ohr zu knabbern, aber auch das lässt meinen Freund völlig kalt.
Mein Blick fällt auf seine vollen Lippen. Schon seit Stunden sehne ich mich nach ihnen. Ohne weiter nachzudenken, lege ich meine Lippen auf seine. Yannick erwidert den Kuss sofort und ich merke, dass er nun hellwach ist. Er setzt sich auf dem Sofa auf, unsere Lippen trennen sich dabei kein Stück. "Wie mir das gefehlt hat", nuschelt er und löst sich dann von mir.
"Mir auch." Eine Weile sehen wir uns einfach nur an, dann fällt mir das Frühstück wieder ein. "Ich hab Frühstück gemacht. Außerdem wollte ich mich für gestern entschuldigen. Das war total dämlich von mir. Tut mir leid..."
"Ich liebe dich", antwortet Yannick nur und ich erwidere es.
Ich kuschle mich zu ihm auf die Couch, nehme das Tablett auf meinen Schoß und wir frühstücken. Den Briefumschlag lege ich erst einmal zur Seite.
Wir füttern uns, beschmieren uns gegenseitig mit Nutella und Frischkäse. Der kleine Streit von gestern ist völlig vergessen. Die Stimmung ist gut, wir können uns benehmen wie immer. Wir lachen, haben einfach Spaß.
Bevor Yannick den ersten Hinweis lesen darf, gehen wir ins Badezimmer und waschen uns die Gesichter. Zärtlich küsse ich meinen Freund, dann ziehe ich ihn zurück ins Wohnzimmer und drücke ihm den Umschlag in die Hand. "Lassen wir den Tag beginnen!"
Yannick holt den Zettel raus und liest laut vor. "'1. FC Köln! Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du das hörst? Vielleicht denkst du an deine Karriere, an Fußball. Aber weißt du auch, an was ich denke? Der FC verbindet uns. Und hier hin hast du mich zu unserem zweiten Date mitgenommen.' Redest du vom Stadion?"
Als Antwort nicke ich. Yannick greift nach unseren Jacken, schmeißt mir meine zu und zieht sich schnell die Schuhe an. Ich mache es ihm gleich, dabei grinse ich ununterbrochen. Er ist unglaublich süß, wenn er so neugierig ist.
Ich schließe noch meine Wohnung ab, dann renne ich meinem Freund, der inzwischen zu einem Fünfjährigen mutiert ist, hinterher. "Yannick, jetzt warte doch mal!", rufe ich ihm hinterher und Yannick bleibt wirklich stehen.
"Was ist denn?"
Ich grinse immer noch. "Wir haben den ganzen Tag Zeit, okay? Es soll dunkel sein, wenn wir am Ziel sind. Mach mir das bitte nicht kaputt." Während ich rede, schlinge ich meine Arme um seinen Nacken und schaue Yannick in die Augen.
"Aber es ist schon vierzehn Uhr. Und von hier aus dauert es noch eine halbe Stunde bis zum Stadion."
"Ich weiß, aber wenn du so rennst, sind wir in zehn Minuten schon da, und wenn wir am Ziel sind, ist es noch hell. Lieber sind wir etwas später da als zu früh."
Yannick seufzt enttäuscht aber nickt. Liebevoll drückt er mir einen Kuss auf die Lippen, greift dann nach meiner Hand. "Lass uns zum Stadion spazieren", schlägt er lächelnd vor.
Es sind ungefähr vierzig Minuten, die wir zum Stadion laufen. Na ja, kein Wunder bei dem Quatsch, den wir unterwegs gemacht haben. Nicht nur, dass Yannick mich in eine Mülltonne stecken wollte, sondern auch das Tricksen mit einer Kastanie hat uns in der Zeit ein wenig zurückgeworfen.
Als wir vor dem Stadion stehen bleiben, blickt Yannick hilflos zu mir runter. "Und wo soll ich hier den nächsten Hinweis finden?"
"Auf der Rückseite des ersten Zettels steht auch noch was:"
Hektisch kramt er in seiner Hosentasche und zieht das zerknüllte Blatt raus. "'Hier hast du mich ganz stolz deinen Freunden vorgestellt, die mich übrigens sehr herzlich aufgenommen haben. Während du ihnen von unserem Zusammentreffen erzählt hast, lag deine Hand auf meiner Hüfte, du hast gestrahlt und dieses glückliche Lächeln konnte dir an diesem Tag niemand mehr nehmen.' Der Eingang Süd West", erinnert sich Yannick und zieht mich weiter.
Ich bin etwas erleichtert, als ich den roten Briefumschlag am Zaun hängen sehe. Meinen Freund kann nun nichts mehr stoppen. Er lässt meine Hand los und rennt auf die Absperrung zu. Ein bisschen erinnert mich diese Szene an meinen kleinen Bruder, der jedes Mal genauso begeistert auf den Spielplatz rennt, wenn ich mit ihm unterwegs bin. Mit diesem Gedanken wird mein Grinsen noch breiter.
Mit dem Papier in der Hand kommt Yannick zu mir zurück und liest erneut laut vor: "'1) A: "Es ist der Wert der Überzeugungen, der den Erfolg ausmacht. Nicht die Anzahl der Anhänger." B: "Von wem ist das?" A: "Von mir." 2) A: "Wieso lebst du noch?" B: "Weil ich etwas habe, für das es sich zu leben lohnt." 3) "Ich habe Dein Herz gesehen und es gehört mir."' " Yannick hebt seinen Blick und sieht mich verunsichert an. "Sind das Zitate aus Harry Potter?"
Ich versuche ihn etwas zu beirren, also blicke ich ihn so verletzt, wie ich kann, an. "Bist du dir da ganz sicher?"
Ein weiteres Mal liest sich Yannick die Zeilen durch, er scheint jedoch kein Stück irritierter. Nein, er ist sich diesmal wirklich sicher. "Hey natürlich! Verarsch mich nicht", lacht er. "Es sind Zitate aus dem Film. Also... also müssen wir zum Kino!" Ich bin ernsthaft überrascht, dass Yannick so schnell und gut kombinieren kann. Der Zettel ist im Nu in seiner Hosentasche verschwunden und wir sind auf dem Weg zum Kino.
Ich fühle mich ein wenig so, wie bei einem Stadtrundgang. Meine Wohnung, das Stadion, das Kino, so wie der Park liegen wirklich überhaupt nicht in der Nähe. Die Orte verteilen sich über halb Köln, aber für meinen Plan passt es mir.
Als wir vor dem Kino stehen, spüre ich leichte Panik in mir aufkeimen. Yannick hatte mir damals neben der Bushaltestelle zum ersten Mal ein "Ich liebe Dich" zugesäuselt und dort sollte auch der letzte Hinweis kleben. Doch weit und breit war kein roter Fleck zu sehen.
Verwirrt drehe ich mich nach links, nach rechts. Panisch schweift mein Blick über die Umgebung.
Wir sind alleine. Vor dem Kino steht keine einzige Menschenseele und auch an der Bushaltestelle wartet niemand. Yannick scheint meine Verunsicherung noch nicht aufgefallen zu sein. Freudig dreht er sich zu mir und lächelt. "Sag schon, wo ist der nächste Hinweis?"
Ich merke, wie mir eine kleine Träne über die Wange rollt. 'Nein nein nein! Das kann doch nicht wahr sein! Warum?!' Vor Wut kullern noch mehr Tränen, meine Hände ballen sich wie von selbst zu Fäusten. 'Es sollte doch alles perfekt sein! Es sollte wie am Schnürchen laufen!'
"Hey Baby... Was ist denn los?" Yannick will nach meinen Händen greifen, aber ich entreiße ihm diese sofort wieder und kehre ihm den Rücken zu. "Er ist nicht mehr da..!", antworte ich gekränkt. "Der Umschlag sollte da an der Haltestelle kleben. Dort hast du mir zum ersten Mal gesagt, dass du mich liebst. Aber der Hinweis hängt dort nicht mehr!"
"Und deswegen weinst du jetzt?" Es klingt, als würde er lachen. 'Macht er sich etwa über mich lustig?!' Ich drehe mich zu ihm hin und sehe tatsächlich, wie ein amüsiertes Grinsen seine Lippen umspielt. So wütend ich gerade auch bin, bei diesem Strahlen spüre ich das bekannte Kribbeln in meinem Bauch wieder. Automatsich beginne auch ich zu lächeln. "Lach mich nicht aus", schmolle ich. "Ich wollte, dass alles glatt läuft, und dass dieser Umschlag nicht mehr da ist, verdirbt gerade alles."
Sanft umfasst Yannick meine Handgelenke und zieht mich zur Haltestelle. Jetzt stehen wir genau da, wo wir vor drei Jahren auch standen. "Ich liebe dich", flüstert Yannick und drückt mir einen Kuss auf die Lippen. Ich mache einen Schritt auf ihn zu, um ihn noch einmal zu küssen, als ich merke, wie der Grund unter meinem linken Fuß etwas weicher wird als unter dem rechten.
Verdutzt schaue ich nach unten und erkenne das rote Papier sofort. Schnell hebe ich den Brief auf, dann reiche ich Yannick das klatschnasse Papier. "Hab ihn gefunden."
"'Dort sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Ich war mit meinem Hund unterwegs und du mit deinen Freunden. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, in dem mein Hund sich an deine Hose geworfen hat. Und ich weiß auch noch, wie peinlich mir das alles war. Schließlich habe ich es doch geschafft, meinen Hund von deiner Hose zu lösen, mein Kopf war dann genauso rot wie mein Kölntrikot. Eigentlich war das nichts Neues für mich. Mein Hund neigt dazu, Hosenbeine anderer anzuknabbern und doch war es bei dir irgendwie anders. Du weißt, dass ich meine Gefühle nicht wirklich gut zeigen kann, aber ich versuche es sooft wie möglich. Yannick, ich liebe dich wirklich vom ganzen Herzen. Die Zeit mit dir macht mich unglaublich glücklich. Wenn du diesen Hinweis liest, ist es nicht mehr weit bis zum Ziel. Natürlich nur, wenn du weißt, wo wir hin müssen.'" Yannick sieht auf und schaut mir direkt in die Augen. "Wow! Ich hätte nicht gedacht, dass du dich für so einen Text zusammenreißen kannst. Ich liebe dich auch. Und jetzt komm, wir müssen zum Park."
Hand in Hand schlendern wir die letzten Meter zum Ziel.
Schon vom Weiten sehe ich die Teelichter, die meine Freundinnen für mich aufgestellt haben und dann sehe ich auch die Picknickdecke, so wie den mit Eiswürfel gefüllten Eimer, in dem eine Flasche Sekt steht. Die Gläser liegen daneben.
"Ich wusste gar nicht, dass mein Mädchen so romantisch sein kann. Aber wäre sowas nicht eher die Aufgabe des Typens?"
Ich boxe Yannick gegen den Oberarm und schaue ihn gespielt entsetzt an. "Na hör mal! Freu dich lieber, dass ich überhaupt was getan habe. Du weißt, wie schwer mir sowas fällt."
"Du hast ja recht. Ich liebe dich."
Zufrieden lächle ich und küsse Yannick kurz, anschließend schiebe ich ihn zu der Decke.
Eng aneinander gekuschelt liegen wir da, genießen den Sekt und starren in den Himmel. Plötzlich sehe ich eine Sternschnuppe vorbeisausen. "Yannick! Hast du sie gesehen? Schnell, wünsch dir was!" Ich schließe meine Augen und wünsche mir was. Dann blicke ich grinsend zu Yannick herüber. "Hast du?", erkundige ich mich. Yannick schüttelt den Kopf. "Ich bin wunschlos glücklich." Darauf verschmelzen unsere Lippen zu einem langen, liebevollen Kuss. "Obwohl...", nuschelt er,"eine Sache gibt es da doch noch."
"Aber jetzt ist es zu spät. Die Sternschnuppe ist schon weg."
"Dann musst du mir wohl diesen Wunsch erfüllen." Seine Stimme ist nicht mehr, als ein Flüstern.
Ich liege auf der Decke, Yannick beugt sich über mich. Er kramt in seiner Jackentasche und zieht den Schlüssel mit der roten Schleife heraus. "Willst du mit mir zusammen ziehen?"
Mein Puls rast, mein Grinsen reicht von Ohr zu Ohr. Dieser Mann macht mich einfach so glücklich! Wir haben schon oft darüber geredet, aber nie über uns speziell. Um so hingerissener bin ich von dieser Überraschung.
Vor purer Freude steigen mir Tränen in die Augen. Ich lege meine Hände sanft an Yannicks Wangen. "Ja, sehr gerne." Meine Stimme geht nach diesen Worten schon im Schluchzen unter. Ich küsse Yannick auf die rechte Wange, auf die linke, auf die Nase, zum Schluss finden sich unsere Lippen. Wir grinsen beide in den Kuss hinein. "Ich liebe dich über alles", murmelt Yannick.
"Ich dich auch", antworte ich, dann küssen wir uns wieder.
Ende :)
Über Feedback würde ich mich sehr freuen
Kleine Ankündigung :3 (falls das überhaupt jemand liest xD)
Alsooooo.. Ich habe den letzten Teil von Yannick Gerhardt halb geschrieben. Wenn ich Glück habe, kann ich morgen an den PC und stelle den Part dann rein. Am Wochenende wird vermutlich der nächste Reus Teil kommen und ich versuche auch den Durm sowie den zweiten Yannick Gerhardt One shot endlich zu schreiben :3 Es tut mir wirklich so unglaublich leid, dass das alles so lange dauert. Ich bin in letzter Zeit oft ziemlich müde und unmotiviert.. Keine Ahnung woran das liegt :/ ich hoffe ihr könnt mir verzeihen xo
wann geht Reus weiter? :)
Ich hoffe, dass ich bis zum nächsten Wochenende den nächsten Teil fertig habe :)
Mit viel Glück kommt morgen der letzte Yannick Teil ^-^