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Tirolerisch für Anfänger
Nach meiner Ankunft habe ich gemerkt, dass die Tiroler a bissl ondersch sprechen als die Norddeutsche, mit denen ich die meiste Erfahrung habe. Ich wurde von Barry gewarnt, aber ich habe nicht zugehört und wollte nichts davon wissen. Ich schaffe das sowieso, habe ich mir gedacht. Jetzt komme ich schon klar mit dem Dialekt, würde ich sagen, aber am Anfang war es gar nicht so leicht. Deswegen wollte ich eine kleine Anleitung schreiben, für diejenigen, die nichts über Tirolerisch wissen, damit ihr ein Gefühl dafür bekommen könnt, wie ich mich in den ersten Wochen gefühlt habe.
Die Begrüßung
Die Begrüßung in Österreich finde ich richtig süß aber in den ersten paar Wochen hatte ich keine Ahnung was mir gesagt würde und es passierte auch sehr oft, zum Beispiel im Zug oder mit Leuten die mir auf der Straße vorbeigingen. Ich wusste vom Kontext und Ton her, dass es eine Begrüßung sei, aber es hat nicht sehr viel Sinn gemacht, bis ich die aufgeschriebenen Wörter gesehen habe. Die Begrüßung zeigt auch, wie katholisch die Österreicher geblieben sind, da ‚Grias Gott‘ im Sinne von ‚Gott grüßt dich‘ auch sehr oft gesagt wird. Genauso religiös ist es mit ‚Pfiat-di‘ weil das für mich unverständliches Wort ‚Pfiat‘ ist eigentlich auf das Verb ‚behüten‘ zurückzuführen also ähnlicherweise bedeutet die Begrüßung, ‚Behüte dich Gott.‘
Grias-di, Griaß-enk, Griaß-eich = Grüße dich, Grüße euch
Pfiat-di, Pfiat-enk, Pfiat-eich = Auf Wiedersehen
Grüß Gott = Guten Tag
Wiederschaun = Auf Wiedersehen
Essen
Ich habe nicht erwartet, dass das Essen in Österreich anders als in Deutschland sein würde, was kurzsichtig von mir war. Zum Beispiel, ich habe immer gedacht, das Kaiserschmarren eine Deutsche Speise sei, weil ich es mehrmals in Deutschland gegessen habe. Ich habe dies in irgendeiner Unterhaltung erwähnt und meine Gesprächspartner waren völlig schockiert, dass ich so eine Sünde begehen könnte. Ich habe Kaiserschmarrn fälschlicherweise den Deutschen zuschreiben, wenn er tatsächlich zum österreichischen Kulturerbe gehört. Wenigstens habe ich von meinen Fehler gelernt.
Ich muss zugeben, die drei Österreichischen Sachen, die ich am meisten vermissen werde, sind Weißbier, Tiroler Gröstl und richtige Kaiserschmarren. Unten sind ein paar Tirolerisch—Deutsch Übersetzungen von typischen Speisen aus Tirol.
Kasspatzln = typisch, kleine Teigklösschen mit würzigem Käse und gerösteten Zwiebeln
Greaschtl, Gröstl = ebenfalls typisch, geröstete Kartoffel mit Zwiebel und Selchfleischstücken
Kaspressknedl = sehr lecker, zusammengepresste Brotklöße mit Zwiebel und Käse, in der Pfanne kurz abgebraten, in kräftiger Fleischsuppe oder mit Sauerkraut serviert
Fleischkas = Leberkäse
(Und Lebensmittel, die in Österreich allgemein anders als in Deutschland genannt werden)
Marille—Aprikose
Paradise—Tomate
Andere wichtige Tiroler Wendungen/ Wörter
Woher kimmschn du? = Du bist nicht von hier?
Als Ausländerin wird man öfters gefragt, ob man aus Österreich ist oder nicht, also an dieser Frage musste ich mich sehr schnell gewöhnen.
Oachkatzlschwoaf = Schweif des Eichhorns
Ich wurde häufig von Studenten in der Schule gefragt, ob ich dieses Wort vor der Klasse sagen könnte. Es ist ein beliebter Test, um nicht zu sagen Spiel, von den Einheimischen. Wer als Nicht-Tiroler dieses Wort akzent- und fehlerfrei aussprechen kann, dem ist ihrer tiefste Anerkennung gewiss. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Tests immer bestanden habe, aber meistens schienen die Studenten von meiner Bemühungen beeindruckt zu sein.
Isch des bärig!
Volle geil/ cool!
Also die sind beide Ausdrücke der Begeisterung und der erste wurde durch den Tiroler Skirenner, Sänger und Hausfrauenliebling Hansi Hinterseer bekannt gemacht und ich habe keine Ahnung, was es in der Tat bedeuten soll. Der zweite ist sehr häufig unter die Tiroler Jugend verwendet.
Es keat oanfach viel mehr geschmust! = People should kiss more!
Die Mode existiert nicht wirklich in der gleichen Art und Weise in Österreich, wie sie in England existiert. Tut mir leid, aber es musste gesagt werden. Trotzdem gab es in Innsbruck einen sehr ausgeprägten Modestil und es gab zwei wirklich coole Modegeschäfte in der Innenstadt, die echt teuer waren. Sie hießen Nowherestore (es gab ein Geschäft auf eine Seite der Straße und ein zweites auf die andere) und sie haben teure Vintage-Kleidung gekauft und gesammelt, um sie weiterzuverkaufen. Ich habe eine Tasche von diesen Geschäft gratis bekommen, weil ich da so viel Geld ausgegeben habe und ‚Es keat oanfach viel mehr geschmust‘ stand darauf. Ich musste nach einer Übersetzung von dem Verkäufer fragen.
Diverses
Mei schian! = Wie schön ist das denn!
Gehma? = sollen wir gehen?
Saufen = trinken
Saalbach-Hinterglemm, Salzburgerland
Österreich, erste Eindrücke
Meine erste Woche in Österreich ist schon einige Monate her, aber ich wollte trotzdem darüber posten, weil die ersten Eindrücke immer wichtig sind. Ich beginne mal mit meiner Ankunft in Hinterglemm, ein kleines schönes Skigebiet in Tirol, wo wir unser Einführungskurs für British Council hatten. Unsere Unterkunft war eine Jugendherberge und wir teilten ein Zimmer mit drei oder vier andere Personen. Meine Mitbewohnerinnen kamen aus Amerika und waren alle sehr nett aber wir wurden nicht beste Freundinnen sag ich mal. Es ist mir am ersten Tag eingefallen, dass die Amerikaner ein etwas andere Einstellung hatten, als die Briten, und dies lag darum, dass sie ihr Programm mit Fulbright machten und schon ihr Universitätsabschluss haben mussten. Dies bedeutet, dass sie ein bisschen alter als uns waren, und in der Regel wirklich Lehrer werden wollten. Für uns war es normalerweise nicht so, auch wenn wir glücklich mit unsere Entscheidung waren, als FLAs zu arbeiten.
Ich merkte, dass es eigentlich eine ziemlich große Kulturlücke zwischen den Amerikanern und den Briten gab, was ich nicht wirklich erwartet habe. Die Woche hat total Spaß gemacht, da wir in den ‘Teacher Training’ Stunden wirklich nur gespielt und gequatscht haben. Es fühlte sehr, als ob wir immer noch in der Schule waren, aber ich bin unglaublich froh, dass wir diese Woche hatten. Auch wenn ich nichts über die Lehrtätigkeit gelernt habe, habe ich so viele Leute kennengelernt, die auch in meiner Gegend wohnen würden, dass es wirklich wert war. Einmal haben sie die Woche nicht finanziert, so eine Lehrerin von dem Kurs, aber so viele FLAs haben gekündigt, dass die Betreuungslehrer die Wichtigkeit dieser Woche erkannt haben. Das ist wirklich das Beste am ‚British Council.‘ Ich habe so viele nette Mädels kennengelernt, dass ich ein Netzwerk aufbauen konnte. Ich bin sogar mit denen auch Europaweit gereist.
Es muss zugegeben werden, mein erstes Wochenende in Innsbruck war sehr stressig. Ich kam in Innsbruck an und es war super warm und das war mein erster Schock. Ich hatte ein Pullover und auch eine Jacke an, da wir direkt von einem Dorf in den Bergen gekommen sind wo es viel kälter war. Sehr verschwitzt stieg ich aus dem Zug und sagte ‚tschüss‘ zu meiner Freundin, die schon drei wochenlang in Innsbruck gewohnt hat und die mir sagte, dass man überall in Innsbruck laufen konnte und man fast nie einen Bus nehmen musste. Ich sah kurz nach, wie weit meiner Unterkunft auf Google Maps war, und sah 50 Minuten Laufzeit. Hmh. Trotzdem, was meine Freundin gesagt hatte, musste ich den Bus nehmen und dann habe ich zuerst dann gemerkt, dass meine Unterkunft eigentlich ziemlich weit vom Stadtzentrum entfernt war. Glücklicherweise habe ich mein Zimmer in dem Studentenwohnheim endlich gefunden mithilfe eines Junges, den ich seitdem nie wieder gesehen habe und der mir sehr nett angeboten hat, meinen Koffer drei Treppen hoch zu tragen. Mein Zimmer war super klein aber praktisch und komplett unmöbliert. Nach einer wirklich anstrengenden Woche, in der ich viele neue Leute kennengelernt hatte, viel gereist hatte, um 6 Uhr in der früh aufgestanden und um 2 Uhr nach dem Trinken ins Bett gegangen bin, wollte ich nichts mehr als mich ein Schläfchen, aber ich hatte weder Kissen noch Decke und beschloss mich, zu Ikea zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt verstand ich nicht wirklich wie die Busse oder Straßenbahnen funktionierten also ich also ging ich zu Ikea zu Fuß, nochmal verschwitzt und mit einer Bettdecke und Kissen, wofür ich 45 Minuten brauchte. Nur fürs Hinfahrt! Ich erfuhr einige Wochen später, dass ich alles, was ich an dem Tag brauchte, in Spar neben dem Studentenwohnheim kaufen konnte. Aber es muss alles charakterbildend sein, oder? Hoffen wir.
Frank Gehry // Le centre d’art // Komorebi
Südfrankreich
Also, vorgeblich habe ich schon mein Auslandsjahr begonnen. Zweieinhalb Monatelang war ich im Südfrankreich in Aix-en-Provence. Meine Erinnerungen davon sind fast alle gut aber es ist auch sicher, dass ich die Erfahrung durch rosarote Brille jetzt sehe, da das Auslandsjahr oft schwierig sein kann, egal wieviel Spaß es auch macht. Ich habe in einem sogenannten ‘Schloss’ gearbeitet (Château) aber der Name war eigentlich ein bisschen irreführend. Eine der von Kunden am häufigsten gestellten Fragen war ‘wo ist eigentlich das Schloss?’ Ich würde das Château als Kunstgalerie/ Luxushotel/ Michelin Stern Restaurant Komplex bezeichnen. Es war unglaublich schön und jeden Tag war ich erneut erstaunt, wie schön es war. Ich arbeitete meistens bei der Rezeption und dann einige Male pro Woche machte ich geführte Tours für die Gäste. Wir hatten zwei Arten Kunstgalerien; zwei Kunsthallen in einzelnen Gebäuden (eine dritte wurde auch fertiggebaut, als ich da war) und einen Pfad der modernen Kunst der sich draußen zwischen den Bäumen befand. In meinem ersten Monat waren die beiden Ausstellungen von Sophie Calle, eine moderne Künstlerin aus Paris. Die Ausstellungen basierten sich sehr auf Text und Fotografie und die Künstlerin hat viele ihrer eigenen Erfahrungen in ihrer Kunst genutzt. Die Hauptthemen waren Liebe, Verlust, Tod und Schmerz. Zum Beispiel, für eine Ausstellung die ‘Douleur Exquise’ (oder grob ins Deutsche übersetzt ‘exquisite Schmerzen’) hieß, hat sie verschiedene Menschen willkürlich gefragt, was der schmerzhafteste Moment ihres Lebens gewesen ist und hat danach alles aufgeschrieben und mit Fotos illustriert. Ich fand ihrer Ausstellungen in der Regel sehr schön und ich mag, dass sie verschiedene Medien genutzt hat, um sich auszudrücken. Ich habe sie aber einmal getroffen und fand sie in der Tat eine sehr unhöflich und auch zuversichtliche Person zu sein.