Weltwirtschaftliche Entwicklungen prägen unser Leben. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dies eindrucksvoll gezeigt. Hier werden Entwicklungen aufgezeigt, die typisch dafür sind. Länder, Regionen und internationale Wirtschaftspolitik werden kommentiert.
Nun muss ich mich doch mal zwischendurch melden. Nachdem die neue Regierung Griechenlands wie ein Elefant im Portelanladen durch Europa marschiert, treibt diese Land auf den Staatsbankrott zu. Möglich, dass diese Strategie sogar erfolgreich ist, weil die Staats- und Regierungschefs der übrigen EU-Staaten eine größere Krise für die Eurozone oder sogar der Europäischen Union verhindern wollen.
Fakt ist: Griechenland wird nur noch durch die Aussicht auf ELA-Kredite ausreichend Finanzmittel bekommen können (Emergency Liquidity Assistance; vgl. Sie auch meinem Beitrag bereits vom 19.08.2012:http://www.joachim-weeber.de/post/29763667176/stimmengewichtung). Dies kann aber keine langfristige Schuldenabbaustrategie sein. Die gerade von der neuen griechischen Regierung immer wieder zu hörenden Behauptung, Sparen würde keinen ökonomischen Sinn machen, wird durch die Erfolge anderer ehemaliger Problemstaaten (Irland, Portugal, Spanien) geradezu ad absurdum geführt. Hinzu kommt, dass die EZB griechische Staatsanleihen als Sicherheiten nicht mehr akzeptieren wird. (http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-02/ezb-draghi-notenbank-eurobonds-griechenland-staatsanleihen). Damit ist das Land de facto von ausländischem Kapital abgeschnitten. Und eine eigene Währung zum ‚Selberdrucken‘ existiert nicht. Ich hoffe, dessen sind sich alle Beteiligten bewusst. Und da nützt es auch nichts, wenn man sich als Wirtschaftswissenschaftler bezeichnet, aber dies bisher nur gelehrt hat. Und Kenntnisse in der Spieltheorie nützen gar nichts, wenn es um das Wohl eines ganzen Volkes geht.
Also eine Lösung muss her. Richtig ist aber, dies muss man der neuen Regierung zu Gute halten, dass ein wesentliches Manko in den mangelhaften Steuereinnahmen liegt. Hier muss angesetzt werden. Meine Grafik zur Schattenwirtschaft und mein Hinweise auf daraus resultierende unzureichende Steuereinnahmen müssten jedem Student/in noch bekannt sein. Also drücken wir Griechenland und uns die Daumen, dass es zu einer guten Einigung kommt.
Alles Gute – wo auch immer Sie dies lesen.
ich wünsche Ihnen für 2015 Alles Gute. Mögen Ihre Wünsche in Erfüllung gehen.
Damit Sie auch noch etwas inhaltliches aus diesem ersten diesjährigen Beitrag ziehen können: im letzten Quartal haben die Studentinnen und Studenten meines Wahlpflichtfaches unter meiner Anleitung als Projektarbeit ein gemeinsames Arbeistpapier zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA erstellt. Hier der Link:
ich verabschiede mich in die Feiertagspause. Wie in diesem Jahr muss ich auch in 2015 sehr auf meine Zeit achten. Ich werde daher zwar versuchen, mehr inhaltliche Tetxe wieder zu verfassen, aber versprechen kann ich nichts,
Trotzdem: Frohe Weihnachtstage und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.
Forex-Trading ist eigentlich nichts anderes als der Handel mit Devisen auf dem Devisenmarkt (Foreign Exchange Market). Insofern ist der Titel zwar modern gewählt, bezeichnet aber einen bereits schon bekannten Sachverhalt. Trotzdem ist das Buch von Jens Klatt interessant. Der Autor arbeitet als Marktanalyst des Devisenmarkets bei DailyFX, ist also ein Praktiker mit inzwischen langjähriger Berufserfahrung. Daher ist es auch kein Wunder, dass das Buch sehr technisch aufgebaut ist (was nicht wirklich schlimm ist).
Zunächst werden zum besseren Verständnis des Lesers die notwendigen Fachbegriffe erklärt. Danach erzählt Klatt zunächst die Geschichte des Devisenmarktes, um dann die Handelsplattformen zu erläutern. Richtig spannend ist dann das Kapitel zur Fundamentalanalyse: Carry-Trades, die Erläuterung der japanischen Geldpolitik und deren Auswirkungen auf den Yen, die Erläuterung von Bewegungen einzelner Währungspaare, die Rolle der amerikanischen Arbeitsmarktentwicklung für die Entwicklung des US-Dollar – das sind die wirklich interessanten Themen, die Klatt wirklich sehr gut erläutert. Schön sind auch die dazwischen gestreuten Anekdoten aus Vorträgen und dem täglichen Geschäft, die der Autor zur Auflockerung und Verbildlichung seiner Argumentation benutzt.
Nicht vergessen werden soll, dass Klatt auch das relativ neue Thema des Behavioral Finance aufgreift, also die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie. Hier gibt er zumindest Anregungen zum weiteren persönlichen Forschen nach tiefergehende Literatur. Auch der Hochfrequenzhandel wird angesprochen. Insgesamt also ein umfassendes und gut geschriebenes Buch. Nichts für das schnelle Lesen, aber das wird man bei diesem Thema wohl auch nicht erwarten.
bin zurück aus dem Urlaub. Der Horizont wurde im Oman erweitert. Wie versprochen bis Weihnachten noch einzelen Buchtipps - zu mehr reicht leider die Zeit nicht.
Heute: Die Geld Apokalypse
Wieder ein brillantes Buch von James Rickards. Nach „Währungskrieg: Der Kampf um die monetäre Weltherrschaft“ wieder ein Meisterwerk über das weltweite Finanzsystem. Natürlich ist der Titel zum Teil auf Effekthascherei abgestellt. Aber der Inhalt des Buches ist dann sehr sachlich geschrieben. Überhaupt schreibt Rickards, wie schon in ‚Währungskrieg‘, wieder sehr Fakten bezogen. Schon seine Einführung macht Lust aus mehr. Vor allem sind hier bereits seine Ausführungen zum Thema Deflation zu nennen, vor der er ausdrücklich warnt. Hinzu kommen bereits auch hier seine Ausführungen zum Thema Stresstests, die er vor dem Hintergrund exogener Schocks in ihrer Wirksamkeit zur Abbildung der Realität bezweifelt. Es sind ja gerade die schwarzen Schwäne die uns überraschen, oder?
Anschließend die inhaltlichen Kapitel: Zunächst greift Rickards noch einmal die Ereignisse des 11. September 2001 auf und zeigt die Aktivitäten zu dieser Zeit am Optionsmarkt auf. Mit Terror Geld verdienen? Rickards zeigt, wie Terroristen dies ausgenutzt haben. Zusätzlich werden in diesem Kapitel auch aktuelle Themen wie etwa die Auswirkungen der Devisenreserven Chinas behandelt oder auch die Auseinandersetzung mit dem Iran – Wirtschafts- und Währungspolitik als moderne Kriegsführung.
Besonders spannend für mich dann Teil II, in dem es um die verschiedenen Ländercluster geht, die sich in Akronymen zeigen, also die bekannten BRICS-Staaten oder auch BELL (für Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen). Das Denken in Einzelstaaten wird sich vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt überholen – so Rickards. Auch die Rolle des IWF wird ausführlich beleuchtet - wer die Bedeutung von Dr. Min Zhu noch nicht kannte, der wird hier aufgeklärt. Im letzten Teil des Buches geht es um den Ausblick des Weltfinanzsystems, die Rolle des Goldes und auch das Thema Deflation aus der Einführung wird nochmals aufgegriffen. Dieses letzte Kapitel fällt leicht in seiner Qualität ab, da das Thema Gold als Weltreservewährung etwas unsystematisch abgehandelt wird.
Zahlreiche Fußnoten, ein ausführliches Literaturverzeichnis und eine sehr lesbare Sprache runden dieses wertvolle Buch ab.
Eines derzeit in den wirtschaftswissenschaftlich orientierten Medien am intensivsten diskutierten Buch ist das von Marcel Fratzscher "Die Deutschland-Illusion". Es geht hier nicht um die wissenschaftliche Qualifikation des Autors, diese ist unstrittig – wie er u. a. als Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank gezeigt hat. Es geht um das Buch und was es an Zugewinn an Erkenntnis für den Leser bringt. Der Inhalt wird schon durch den ergänzenden Titel deutlich „Warum wir unsere Wirtschaft überschätzen und Europa brauchen“. Es geht zunächst um eine Bestandsaufnahme der heutigen und zukünftigen Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. An vielen Zahlenbeispielen zeigt Fratzscher, wie sich Deutschland als wirtschaftliche Lokomotive Europas seit der Jahrtausendwende entwickelt hat. Vom ‚kranken Mann Europas‘ zur wirtschaftlich stärksten Nation Europas. Auf Kosten der Anderen? Das nicht, und zwar nicht auf der Exportseite, sondern die zu niedrigen Importe und die unzureichenden inländischen Investitionen haben zu den beachtlichen Exportüberschüssen geführt, so der Autor. Und genau hier sieht er auch eine Möglichkeit Deutschland ein dauerhaft höheres Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. ‚Mehr Investitionen‘ ist eine seiner Schlüsselbotschaften. Auch um die zurückhaltende Reallohnentwicklung des letzten Jahrzehnts wieder auszugleichen.
Neben diesen eingängigen Botschaften, die der Autor auch regelmäßig in den Medien vertritt, finden sich im Buch leider auch zumindest diskussionswürdige Passagen. So ist es angesichts der tatsächlichen Entwicklungen der letzten Jahre mutig zu behaupten, dass der Fiskalpakt für die EU-Staaten als Nachbesserung des Maastrichter Vertrages mehr ‚Biss‘ bei der Durchsetzung der Schuldenstandskriterien hat (S. 67). Deutschland als Nutznießer, nicht Opfer der EZB-Geldpolitik (S. 182, ganzes Kapitel 13) darzustellen, dürfte eher Exklusivcharakter unter deutschen Ökonomen haben. Schließlich sind nicht nur die historisch niedrigen Zinssätze für deutsche Schulden zu beachten (was dem Finanzminister, seine schwarze Null zu erreichen, ermöglicht), sondern auch die langfristigen Folgen für die Stabilität der Währungsunion und des Euro. Und hier sind in jüngster Zeit die Ausweitung der Bilanzsumme und der Ankauf von fragwürdigen ABS Papieren nicht zur Beruhigung der Gemütslage geeignet. Gänzlich falsch sind aber Aussagen wie „Die EZB kontrolliert lediglich den kurzfristigen Zins über knappe Laufzeiten von maximal wenigen Monaten, aber nicht die langfristige Zinsen, die für Unternehmen und Sparer relevant sind“ (S. 191). Die Geldpolitik kann auch nicht die kurzfristigen Zinssätze am Finanzmarkt kontrollieren, über die entscheidet immer noch der Markt. Sie gibt lediglich den Rahmen vor. Sie hat allerdings auch Einfluss auf langfristige Zinssätze, wenn sie, wie geschehen, langlaufende Anleihen aufkauft oder auch nur den Ankauf ankündigt. Zudem gibt es auch seit Jahren herkömmliche geldpolitische Instrumente der EZB, die bis zu 3- Jahre laufen.
Fazit: Ein Buch, das man lesen kann. Aber es ist eher als eine Meinungsäußerung, denn als ein wissenschaftliches Werk zu verstehen.
Geldpolitik steht im Mittelpunkt der Krisenbekämpfung - das ist nicht neu. Aber während herkömmliche Geldpolitik an Zinsen oder den Ankauf von Unternehmensanleihen oder - sehr weitgehend - an der Finanzierung von Staaten ansetzt, geht das vorliegende Buch von Thomas Mayer viel weiter. Er will das herkömmliche Geldsystem vollständig ersetzen. Nun könnte man das als Spinnerei abtun, wenn der Autor nicht ein bekannter und profilierter Kenner der Materie wäre. Schließlich war er u.a. für Goldman Sachs und bis MItte des Jahres für die Deutsche Bank tätig. Gleichwohl sind die Vorschläge von Mayer natürlich sehr weitgehend. Im Kern geht es darum - überspitzt formuliert - den Einfluss der Banken so weit wie möglich abzubauen und die Vermehrung der Geldmenge an die Entwicklung der Realwirtschaft anzukoppeln. Dafür muss die Geldschöpfungsmöglichkeit der Banken vermieden und die Steuerung der Geld- und Kreditmenge in die Hand von Zentralbanken gelegt werden.
Nun will ich nicht den Vorschlag im Einzelnen kommentieren. Sie sollen ja auch noch das Buch lesen. Aber wie Thomas Mayer seinen Vorschlag präsentiert ist lesenswert. Und er baut seine Argumentation geschickt auf. Schließlich beschreibt er zunächst, was eigentlich Geld darstellt und wie seine Entwicklung in der Vergangenheit war. Und man merkt, dass er an der Schnittstelle von Wissenschaft und Medien gearbeitet hat. Denn man versteht was er meint. Anhand der jüngsten Krisentendenzen geht er dann etwa in der Mitte des Buches dazu über, sein Modell zu entwickeln. Zwar behauptet auch Mayer nicht, dass ein solches System vollständig krisenresistent wäre, aber das Risiko würde sich verringern. Nun will ich hier keine wissenschaftliche Deabtte dazu führen, aber die Umsetzung in die reale Welt dürfte sich eher schwierig gestalten. Seis drum. Das Buch ist aber uneingeschränkt zur Lektüre zu empfehlen.
ich melde mich zurück aus meiner arbeitsbedingten Abwesenheit. Zwar werde ich für den Rest des Jahres immer noch ziemlich beschäftigt sein, aber ich will hier ab und zu doch etwas zum Weltgeschehen schreiben. Bis Weihnachten bitte ich aber um Verständnis, dass es etwas langsamer geht. Wie im letzten Jahr werde ich deshalb an dieser Stelle vor allem Bücher vorstellen, die ich auf der Zugfahrt lese und die für das kleine Geschenk 'zwischendurch'. geeignet sind.
In dieser Woche: Silicon Valley von Christoph Keese
Selten hat mich ein Buch so zu einer veränderten Einschätzung gebracht wie das Buch ‚Silicon Valley‘ von Christoph Keese. Zum einen eine veränderte Einschätzung gegenüber dem Buch selbst. Denn zunächst schreibt der Autor doch ziemlich lange über seinen Aufenthalt (mit Familie) im Silicon Valley eher als Erzählung - was mich eigentlich nicht so interessiert. Aber nach diesen ersten 30-40 Seiten ändert sich die Darstellungsweise und geht über in einen Analyseteil und in der zweiten Hälfte in einen Ausblick über die Zukunft im Informationszeitalter. Und dieser Ausblick ist dann nicht mehr so lustig für die bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen. Und dieser Ausblick ist denn auch der zweite Teil der veränderten Einschätzung.
Bin ich persönlich zwar auch von einer sich weiter beschleunigenden verändernden Welt im Bereich Wirtschaft ausgegangen (das ist ja nun auch nicht so schwer, wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte anschaut), dann öffnet aber das Buch einen Blick auf die (möglicherweise nicht mehr so ferne) Zukunft, die unser bisheriges Gesellschaftssystem nicht nur nachhaltig, sondern vor allem radikal verändern wird. Keese beschreibt dies etwa sehr ausführlich für die Automobilindustrie, aber auch für den Bereich Dienstleistungen – wie z. B. das Bankgewerbe. Im Endeffekt, so seine Einschätzung, könnte dies durchaus zum Verschwinden dieser traditionellen Wirtschaftszweige führen. Technologie und Informationsverarbeitung machen es möglich. Ich will das alles nicht als Horrorvision bezeichnen, aber ich finde das nicht erstrebenswert.
Und wer meint, dies ginge ihn alles nichts an, der darf gerne das Kapitel zum Thema ‚Clickworkerin‘ (ab S. 228) lesen. Aber lässt es sich verhindern? Lesen Sie selbst. Das Buch ist wirklich lesenswert.
Das wichtigste wirtschaftspolitische Thema der Woche waren natürlich die Entscheidungen des EZB-Rates am Donnerstag. Inzwischen wurde das Für und Wider dieser Beschlüsse in den Medien ausreichend diskutiert. Was ich von der geldpolitischen Strategie der EZB halte, habe ich in den letzten Jahren ja hier mehrfach bereits beschrieben. An meiner Einstellung hat sich auch nichts geändert. Deshalb:
Meiner Meinung nach ist in der Eurozone ausreichend Liquidität vorhanden, sodass die Absenkung der Leitzinsen bis hin zum negativen Zinssatz für die Einlagefazilität eher aus optischen Gründen sinnvoll ist. Realwirtschaftliche Auswirkungen hieraus erwarte ich eigentlich nicht. Die Pressemeldung zu den Zinsen: https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2014/html/pr140605.de.html
Darüber hinaus gab es weitere Beschlüsse, die Sie unter https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2014/html/pr140605_1.de.html
finden. Diese stellen im Wesentlichen eine zur Verfügungsstellung von Liquidität über die Banken an den realen Sektor statt und dürften vor allem den Krisenstaaten helfen (hoffentlich). Ob der Vorwurf, der EZB-Rat betreibe damit Strukturpolitik, gerechtfertigt ist, wird sich noch zeigen. Fakt ist allerdings, dass das Gesamtvolumen an zusätzlich bereitgestellter Liquidität rd. eine halbe Billion Euro ausmachen dürfte. Ob dies tatsächlich der Realwirtschaft in den Mitgliedstaaten hilft, wage ich zu bezweifeln. Ich glaube eher, dass es zu weiteren Vermögenspreisanstiegen kommen wird und sich auch die Staaten letztendlich weiter billig refinanzieren können. Das eigentliche Problem der Krisenstaaten, nämlich sich über veränderte Strukturen Wettbewerbsfähigkeit zu erarbeiten, wird dadurch nicht gelöst.
Am Ende des Prozesses dürfte dann die monetäre Staatsfinanzierung stehen, und zwar ohne dass der Begriff Eurobonds verwendet wird.
Kleiner Tipp: Die Pressekonferenz von Herrn Draghi plus Fragestunde der Journalisten findet sich unter: https://www.ecb.europa.eu/press/tvservices/webcast/html/webcast_140605.en.html
China, Vietnam und die Europawahl (und als Bonus eine Rezension)
Derzeit sind meine Wochenenden vor allem zur Erholung dar, deshalb auch erst jetzt wieder ein kurzes Statement zu wirtschaftspolitisch wichtigen Ereignissen von mir. Neben dem Konflikt in der Ukraine, mit seinen auch wirtschaftlichen Auswirkungen – die ich hier ja schon mehrfach angesprochen habe –, haben mich vor allem zwei Ereignisse in den Nachrichten beschäftigt. Die sich verschärfende Situation in Südostasien und die Europawahl.
Zunächst zur Situation in Südostasien. Auf den ersten Blick scheint für viele diese Region weit weg zu sein. Stimmt natürlich auch, wenn man es geografisch sieht. Aber gilt das auch unter geopolitischen und damit wirtschaftlichen Aspekten? Im Konflikt geht es vordergründig um eine – ich will das nicht alles hier erzählen (wer sich dafür näher interessiert: http://www.tagesschau.de/ausland/china-vietnam100.html) – Bohrinsel, die China vor die vietnamesischen (?) Paracel-Inseln gesetzt hat. Geopolitisch geht es aber um die Vorherrschaft in der Region. Und nicht nur zwischen diesen beiden Staaten. Sondern zwischen China und den vielen „kleinen“ Staaten (die zum Teil deutlich größer und bevölkerungsreicher als Deutschland sind). Und im Hintergrund dürfte die USA hinter diesen Staaten stehen. Wirtschaftlich ist dies eine der Hauptrouten des internationalen Seeverkehrs. Kommt es hier zu einer militärischen Eskalation, werden die Weltwarenströme empfindlich getroffen. Und damit auch Europa und Deutschland im Besonderen. Also ist es auch in unserem Interesse, dass es dort wieder zu einer politischen Beruhigung zwischen den beteiligten Staaten kommt. ( Zum Thema auch: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fruehaufsteher/naechste-runde-im-ringen-um-das-suedchinesische-meer-12960242.html).
Zweites Ereignis: Europawahl und deren Ergebnisse. Ich will ja hier eigentlich keine politischen Kommentare abgeben. Schließlich ist dies hier bewusst kein politischer Blog. Und es gibt hier auch keine Zeile zu den Ergebnissen in Deutschland. Erschreckt haben mich jedoch die deutlichen Zuwächse der Europa Skeptiker in Großbritannien und Frankreich. Nun bin ich ja – das wissen meine ehemaligen und Noch-Studies – nicht blauäugig, vor allem was die Einführung und Ausgestaltung des gemeinsamen Währungsraumes betrifft. Immer wieder, auch hier, habe ich darauf hingewiesen, dass das Einhalten von Verträgen, und zwar Wortgenau und nicht irgendwie ausgelegt, und die konsequente Beachtung der wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten bei einer übermäßigen Verschuldung essentiell für die Stabilität der Währung und auch der Europäischen Union ist. Aber ich habe auch darauf hingewiesen, dass in einem sich immer schneller drehenden Globalisierungsprozess kleinere politische bzw. wirtschaftliche Einheiten nicht zu den Gewinnern zählen werden. Der Euro und auch die Europäische Union sind der Garant für politische und wirtschaftliche Stabilität (auch wenn derzeit vor allem die Europäische Zentralbank wohl als einzige Institution hier diese Stabilität garantieren kann). Und wenn meine Ansicht richtig ist, dann muss der erdrutschartige Gewinn von EU- bzw. Euroskeptikern in diesen großen Ländern erschrecken (auch wenn damit ansatzweise schon zu rechnen war).
Was hilft? Das wäre doch eine schöne Frage für eine allgemeine Diskussionsrunde, oder?
Mein Vorschlag ist ein radikaler: wenn Staaten wie Großbritannien aus der EU austreten wollen, dann lassen wir sie doch. Wenn Staaten den Euro nicht mehr haben wollen, dann entlassen wir sie doch wieder in eine eigene Währung. Auf die Turbulenzen an deren Kapitalmärkten, inkl. Aktienmärkten und Devisenmärkten wäre ich wirklich mal gespannt. Ich behaupte, dass dann andere EU- bzw. Euro-Staaten von solchen Experimenten ganz schnell die Finger lassen würden.
Rezension!!!!!!!!!!!!!
Daniel Stelter: "Die Krise ... ist vorbei ... macht Pause... kommt richtig"
Das ist mal ein innovatives Buch zur Erklärung der Finanzkrise und der daraus resultierenden Folgen. Mittels Grafiken geht Daniel Stelter auf Erklärungssuche für den Auslöser der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Jahre. So wird etwa in Kapitel „B“ unter dem Titel „Die Blase platzt“ mit Hilfe besonders langfristiger Zeitreihen (ab 1890!) der Anstieg der Immobilienpreise in den USA belegt. Und auch im weiteren Verlauf des Büchleins reichen Grafiken zum Beispiel zur Erklärung des Überschwappens der Krise auf Europa aus. Grafiken, die zum Teil neu sind, zum Teil aber auch bekannte Darstellungen, die im Gesamtkontext auch einen sehr überzeugenden Beleg für die Konsequenzen der Krise liefern. Auch wenn die ein oder andere Grafik leichte Schwächen aufweist (welche Schulden sind etwa in Grafik 2 gemeint; Private? Staatliche? Gesamt?), das Buch ist lesenswert. Und mit einem Preis von 7,50 Euro sehr erschwinglich.
Leider dominiert derzeit immer noch der Konflikt zwischen diesen Staaten das Weltgeschehen. Man würde sich dringend etwas Besinnung auf Frieden wünschen. Wirtschaftspoloitisches tritt deshalb in den Hintergrund. Da ich ziemlich beschäftigt bin, heute nur eine Rezension zum neuen Buch von Euro-Skeptiker Sinn, dem Präsidenten des ifo- Instituts.
Nein, viel NEUES enthält das Buch von Hans-Werner Sinn nicht. Bereits in früheren Veröffentlichungen zum Thema Euro, also nicht nur in Buchform, sondern auch in zahlreichen Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge, hat er seine skeptische Meinung zur Durchführung der Europäischen Währungsunion geäußert. Wohlgemerkt, zur Durchführung, nicht zum Euro als gemeinsame Währung an sich. Im vorliegenden Büchlein sind aber diese Argumente in gesammelter Form zu finden. Zudem hat er die Form der Darstellung, als Interview mit Jens Schadendorf, aus dem Vorgängerbuch „Verspielt nicht eure Zukunft“ aus dem letzten Jahr beibehalten, was auch dieses neue Buch wiederum sehr lesenswert macht. Auch wenn man nicht immer oder nur eingeschränkt mit den Meinungen von Sinn übereinstimmt, ist auch dieses Buch zur Lektüre empfohlen. Sinn argumentiert wieder aus der volkswirtschaftlichen Sicht. Politische Spitzfindigkeiten lässt er links (oder rechts?) liegen. Besonders gelungen ist der Aufbau der Argumentation: entwickelt aus der mangelhaften Durchführung der Währungsunion, oft mit den kritischen Kommentaren der Deutschen Bundesbank unterlegt, leitet er über zu Vorschlägen, wie man die Krise der Währungsunion, die ja eigentlich eine Schuldenkrise der Staaten ist, beilegen kann. Dabei hält er sich auch den temporären Austritt der Schuldenstaaten aus der Eurozone offen. Nicht ausformuliert sind leider seine Vorschläge zu den Regeln dazu sowie zur Konkursordnung von Staaten. Vielleicht hat er sich die Vorschläge dazu aber nur für das nächste Büchlein aus der Reihe aufgehoben. Man darf gespannt sein.
Nach meinem Urlaub heute nun die erste Wortmeldung zum aktuellen Wirtschaftsgeschehen. Natürlich fällt einem dazu zunächst der Ukraine-Russland-Westen-Konflikt ein. Leider haben sich meine ersten Befürchtungen dazu bestätigt, die ich im Rahmen meiner Vorlesungen bei den BWLern im ersten Quartal getätigt hatte. Angesichts der damals ersten Pressemeldungen, die Auswirkungen dürften sich in engen Grenzen halten, haben sich nunmehr die Einschätzungen deutlich gewandelt.
Inzwischen sind die wirtschaftlichen Folgen auch genauer abschätzbar. So haben sich jüngst Spitzvertreter deutscher Wirtschaftsverbände skeptisch über die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts geäußert, wie in einem informativen Handelsblatt-Artikel zu lesen war. Im selben Artikel äußert sich auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, skeptisch: „Ein größeres Risiko sind mögliche Verwerfungen in Finanzmärkten - vor allem durch Turbulenzen und Verluste für die noch immer angeschlagenen Banken in Europa … Dies würde die schwache und noch immer fragile Erholung der Wirtschaft der Euro-Zone gefährden.“ (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schaerfere-sanktionen-befuerchtet-ukraine-eskalation-alarmiert-deutsche-wirtschaft/9770034.html)
Wer an einer tiefergehenden Analyse interessiert ist, sollte dazu den Abschnitt in der neuen Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute lesen – erschienen Mitte April. Ab Seite 16 finden sich in einem Sonderkasten Ausführungen zu den Auswirkungen auf die unmittelbar betroffenen Staaten selbst, aber auch auf wichtige Handelspartner. Die Ökonomen kommen dabei u.a. hinsichtlich einer möglichen Rezession in Russland zu dem Ergebnis: „Die Ergebnisse … zeigen, dass von einer Rezession in Russland besonders die Länder betroffen sind, die enge Handelsbeziehungen mit der russischen Wirtschaft unterhalten. Das sind von den ausgewiesenen Ländern vor allem Finnland, Polen und Tschechien. Die deutsche Wirtschaft wäre stärker von einer Rezession in Russland betroffen als andere fortgeschrittene Volkswirtschaften wie die USA, Frankreich, Italien und Spanien.“ (http://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/diw_01.c.460643.de/2014_gd_druckfreigabe.pdf). Damit dürfte ein nicht unwesentlicher Teil unseres erwarteten Aufschwungs für das laufende Jahr und 2015 von jeweils +2% (bezogen auf das BIP) an einem dünnen Faden hängen.
Diese erste Rückmeldung aus dem Urlaub kann natürlich nicht enden, ohne dass ich zumindest noch kurz auf die jüngsten Ausführungen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Albig eingehe. Dieser hatte sich, wie in zahlreichen Medien berichtet, in einem Zeitungsartikel für eine Sonderabgabe der Autofahrer in Höhe von ca. 100 Euro pro Jahr ausgesprochen, um das deutsche Verkehrsnetz zu modernisieren. Dazu ist aus meiner Sicht zweierlei anzumerken – und ich will das mal als Ökonom tun (und nicht als Autofahrer). Erstens: Albigs Anmerkungen zum Zustand des deutschen Verkehrswegenetzes sind natürlich richtig, wenngleich keine neue Erkenntnis. Der Schreiber dieser Zeilen hat sich zu diesem Thema bereits früher geäußert und sein Unverständnis zur mangelnden Investitionstätigkeit in Deutschland zum Ausdruck gebracht. Zudem verweise ich hier nochmals gerne zum Nachlesen auf den DIW-Wochenbericht H.26 aus 2013, wo u. a. auf die in der Vergangenheit bestehende Investitionslücke bei Verkehrsinfrastrukturinvestitionen hingewiesen wurde. „Insgesamt lässt sich damit für den Verkehrssektor aus notwendigen Ersatzinvestitionen, dem Nachholbedarf für bisher unterlassene Ersatzmaßnahmen und den Neuinvestitionen über die bisherigen Investitionslinien hinaus ein begründeter Zusatzbedarf von jährlich mindestens zehn Milliarden Euro zur Werterhaltung und Verbesserung von Anlagen und Fahrzeugen abschätzen.“ Zusätzlich zu veranschlagten 4-6 Milliarden Euro jährlicher Investitionen, wären dann rd. 15 Milliarden Euro jährlich notwendig. http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.423532.de/13-26-6.pdf).
Was den Investitionsbedarf angeht hat Herr Albig natürlich Recht. Aber dafür eine Sonderabgabe? Laut den Schätzungen des Arbeitskreises Steuerschätzungen des Bundesministeriums der Finanzen vom November des letzten Jahres steigen die Einnahmen aus Steuern für alle Gebietskörperschaften von 640 Milliarden Euro für das laufende Jahr auf 731 Milliarden Euro in 2018. (http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen/Steuerschaetzung/2013-11-11-ergebnisse-143-sitzung-steuerschaetzung.html)
Was kommt davon von den Autofahrern – z.B. von der Mineralölsteuer und der Kfz-Steuer? Dazu das Statistische Bundesamt: Bereits „im Jahre 2012 beliefen sich die umweltbezogenen Steuereinnahmen auf rund 57,3 Milliarden Euro. Davon entfielen 39,3 Milliarden Euro auf die Energiesteuer (die frühere Mineralölsteuer), 8,4 Milliarden Euro auf die Kraftfahrzeugsteuer…“ (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Umwelt/UmweltoekonomischeGesamtrechnungen/Umweltschutzmassnahmen/Aktuell.html.)
Damit könnten die notwendigen Investitionsmaßnahmen locker aus dem bestehenden Steueraufwand (und das ist er ja für die Steuerzahler) bezahlt werden, den die Autofahrer bereits bisher entrichten. Eine Sonderabgabe ist also gar nicht notwendig. Aber wo bleibt dann das Geld aus der Mineralöl- bzw. Kfz-Steuer? Es geht in den allgemeinen Haushaltstopf, da hier eine Zweckbindung nicht vorgesehen ist. Soziale Leistungen werden z. B. so finanziert, die für ein Industrieland wie Deutschland notwendigen Infrastrukturinvestitionen unterbleiben dagegen. Es geht also nicht um die Frage, woher soll der Staat zusätzliche finanzielle Mittel nehmen, sondern es geht um die Umverteilung der bereits bestehenden Einnahmen. Aber das ist auch die für Politiker anspruchsvollerer Aufgabe. Dem stellt man sich aber nicht so gerne – auch wenn man der Ministerpräsident des schönsten Bundeslandes der Welt ist.
die Zeit wird knapp - nächste Woche gehe ich in Urlaub. Leider war es auch am Wochenende so stressig, dass ich hier nichts mehr kommentieren kann, was aus ökonomischer Sicht wichtig wäre. Und wenn man schon etwas dazu schreiben wollte, wäre es wohl wie auch in der letzten Woche zum Rußland/Ukraine/Westen-Konflikt. Allerdings bin ich hierzu sehr skeptisch. Ich hoffe, uns bleibt ein Rückfall in die Zeiten des Kalten Krieges erspart. Damit ich nicht ganz ohne letzte Tipps und Hinweise gehe, anbei zwei Buchtipps - ansonsten lesen Sie erst in vier Wochen wieder an dieser Stelle von mir. Bis dahin
Alles Gutes - wo auch immer Sie dies lesen.
Verzockte Freiheit: Wehrt euch! Politiker und Finanz-Eliten setzen unsere Zukunft aufs Spiel von Diogenes Rant
Diogenes Rant ist ein Pseudonym. Der Autor will nicht erkannt werden, da er als Berater für diejenigen arbeitet, die er im Buch kritisiert und deren Machenschaften er hier aufdeckt. Das ist der Anspruch des Autors. Das Buch erfüllt aus meiner Sicht diesen Anspruch voll, wenn es um die Aufarbeitung der Rollen dieser Gruppen in der aktuellen Krise der Eurozone und der Bankenkrise im Euroraum geht. Zunächst zum Aufbau des Buches. Dieser ist eher konservativ. Nach den Argumenten für die Entstehung der Krise, handelt der Autor die Rolle der Banken in diesem Gefüge ab. Anschließend geht er auf die Krise im Euroraum ein. Seine Überschrift für dieses Kapitel - „Die Eurokrise“ - halte ich aber für unglücklich, da der Euro sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis gar nicht in einer Krise steckt. Der Abschluss des Buches gilt der Erklärung, wie es aus der Motivation der Beteiligten überhaupt zu diesen Entwicklungen kommen konnte. Das ist der Inhalt. Eigentlich nichts Neues. Was das Buch aber wirklich lesenswert macht, ist die Aufarbeitung der einzelnen Themenfelder. So wird z. B. die Rolle der bankaufsichtlichen Regelwerke Basel II und Basel III in dieser Zeit prima erläutert. Auch der LIBOR-Skandal wird für Laien, aber auch Fachleute in leichter Sprache verständlich gemacht. Und selbst statistisch eher langweilige Begriffe, wie z.B. Konfidenzintervalle, werden zu einer greifbaren Größe. Das ist die eigentliche Stärke des Buches. Es ist durch seinen Schreibstil leicht und gut lesbar. Der Autor versteht es seine Leser zu interessieren. Und was will man von einem Buch für die Krisen der letzte Jahre mehr erwarten?
Wie würde Johnny Depp präsentieren?: Was Sie von Schauspielern für Ihren Vortrag lernen können
Schon alleine der Aufbau und die Gestaltung des Buches sind überzeugend – vom Titel mit Johnny Depp ganz zu schweigen. Wer häufig mit Präsentationen zu tun hat (egal, ob als aktiver oder passiver Teilnehmer), weiß, wie wichtig die Aufrechterhaltung der Spannung ist. Vor allem, wenn es mal etwas länger geht. Und Langeweile kommt auch bei der Lektüre des Buches nicht auf. Orientiert an bekannten Darstellern handelt der erfahrene Peter Lüder die wichtigsten m Merkmale für eine gelungene Präsentation ab. Ob Aufbau und Halten eines Spannungsbogens, ob Körpersprache, ob Fehrlervermeidungsstrategien, wie z.B. das Herumgeben der Unterlagen während des Vortrages. Es ist alles vorhanden, was man zu Beginn seiner Präsentationskarriere wissen muss. Aber auch für den erfahrenen Vortragenden sind die Ausführungen von Lüder nützlich. Denn wer ist schon perfekt.
Meine Zeit ist zwar knapp bemessen, aber einige Zeilen zur Thematik aus der Überschrift will ich natürlich schreiben. Auch wenn es zu diesem Thema wichtigere Punkte gibt – was sind die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Krisenlage für die Europäische Union bzw. Deutschland?
Natürlich ist eine endgültige, definitive Aussage dazu noch nicht möglich. Erste Analysen von Volkswirten beschäftigen sich deshalb auch sicherheitshalber mit dem, was man greifbar hat. Und dies sind vor allem die Daten zu Exporten und Importen. So wird etwa Holger Schmieding (Berenberg-Bank) in der Börsen-Zeitung („Ökonomen warnen vor Folgen der Krise, 4.3.2014) mit Daten zum Export zitiert, die bei rund 1-1 ½ % bezogen auf das deutsche BIP bzw. der EU liegen. Und zu Ukraine sei dies noch weniger. Und insgesamt: „Berenberg ist zuversichtlich, dass sich Krisenreaktionen als kurzfristig erweisen werde.“ Ich hoffe, er behält Recht. Fürchte aber, dass es auch anders kommen kann. Denn Handelsbilanzzahlen sind nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite heißt Unsicherheit, Spekulation und Übertragung auf andere Bereiche des Wirtschaftslebens. Hier sehe ich doch erhebliche Unsicherheiten und gebe eher den Skeptikern Recht, die in der WELT vor einem Aufflammen eines schädlichen Protektionismus warnen. Dabei werden beide Seiten zu den Verlieren zählen. Dies gilt zum einen beim Thema Rohstoffversorgung, zum anderen sind Verwerfungen an den Devisenmärkten zu befürchten. Daher würde ich eher die Aussage von Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, unterschreiben: „Bei einer deutlichen Ausweitung des Konflikts kann die Weltwirtschaft über gestörte Kapitalbewegungen und die Investitionszurückhaltung verunsicherter Unternehmen durchaus tiefere Spuren davontragen.“ (http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article125437953/Wiederkehr-des-Protektionismus.html)
Ich will wieder mal was schreiben zur aktuellen Lage. Trotz knapper Zeit. Interessant, aus meiner Sicht, ist z. B. die Frage, ob wir den Krisenmechanismus schon überwunden haben. Viele Ökonomen mahnen immer noch vor den Folgen der Euro-, Finanz-, Schulden- oder wie auch immer Krise.
Tatsächlich sind die Daten für die Realwirtschaft noch immer nicht vollumfänglich zufriedenstellend. Das Wachstum ist in zahlreichen Staaten der Eurozone noch nicht besonders ausgeprägt. Nach der Schätzung des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft, Eurostat, stieg das BIP in der Eurozone im vierten Quartal des letzten Jahres nur um 0,3% gegenüber dem Vorquartal an. Aber immerhin. Auch einzelne „Krisenstaaten“ hatten hierbei Zuwächse zu verzeichnen, wie z.B. Spanien und Portugal. Und auch Irland dürfte positive Daten aufweisen. Allerdings mangelt es hier noch an der Verfügbarkeit der Informationen. Wer Näheres wissen will, hier der Link zur Pressemeldung: (http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-14022014-AP/DE/2-14022014-AP-DE.PDF). Also mein Ergebnis: man sollte zwar wieder leicht positiv in die Zukunft schauen. Aber ganz ausgestanden ist es noch nicht. Ich darf hier zusätzlich auf meinen Beitrag vom 11. Januar verweisen.
Auf der Seite von Eurostat finden sich übrigens auch die Meldungen zur aktuellen Preissituation im Währungsgebiet, mit 0,7% Preissteigerung im Januar haben wir sicherlich einen außerordentlich niedrigen Stand erreicht. Aber Sonderfaktoren, wie z. B. ein Rückgang der Energiepreise – der nicht anhalten muss, haben hier zu diesem Ergebnis beigetragen. Auch sind die besonders häufig nachgefragten Waren aus den Bereichen Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak deutlich stärker im Preis angestiegen (+ 1,7%). Gleichwohl haben wir hier Werte unter dem offiziellen Inflationsziel der EZB, sodass hier Wachsamkeit angebracht ist. Und auch hier der Hinweis auf meinen Beitrag Anfang des Jahres. Auch die Preise von Vermögensanlagen sind zu beobachten. Einen aktuellen Überblick über die Wirtschaftslage in Deutschland zur Jahreswende 2013/2014 finden Sie übrigens im jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, in Heft Februar.
Und wenn wir schon bei Hinweisen auf Arbeiten des eigenen Hauses sind. Im Vorgängerheft, als Januar 2014, der Monatsberichte gibt es einen umfassenden Überblick über die Anpassungsprozesse in den Ländern der Wirtschafts- und Währungsunion. Sie finden dort in mehreren Abschnitten tiefgehende Analysen zu den Bereichen: Realwirtschaftliche Aspekte der Krise, Staatsfinanzen und Private Verschuldung, Aspekte zur grenzüberschreitenden finanziellen Verflechtung zwischen Staaten. Garniert werden die interessanten Beiträge durch Sonderthemen, wie z. B. den Vorschlag einer Vermögensabgabe in den Krisenstaaten. Dieser Vorschlag wurde ja in den Medien besonders gerne aufgegriffen. Also ein lohnenswerter Monatsbericht. (http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2014/2014_01_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile)
Das soll es in aller Kürze erst einmal gewesen sein.
Mittlerweile gehen die Arbeiten der großen Koalition (oder GroKo, das Wort des Jahres) voran. Das erste große „Reform“projekt ist das Rentenpaket. Wie ist es zu bewerten?
Ich will hier gar nicht ausführlich auf alle Komponenten eingehen. Man findet im Netz inzwischen eine Reihe von Beiträgen dazu. Auf der Seite der Bundesregierung sind in Kürze die wichtigsten Bestandteile dargestellt. Aus meiner Sicht sind dabei vor allem die bessere Anerkennung der Erziehungsleistungen für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, und der abschlagsfreie Renteneintritt mit 63 Jahren, nach 45 Versicherungsjahren, zu nennen. Was ist von diesen beiden Komponenten zu halten? Zunächst zur so genannten Mütterrente, also der besseren Anerkennung der Erziehungsleistung. Da ist zunächst der finanzielle Aspekt für die Mütter selbst (das gilt übrigens auch für die Väter, wenn sie die entsprechende Leistung erbracht haben – solls ja geben). Hier wird aus meiner Sicht endlich eine Gerechtigkeitslücke geschlossen. Denn schließlich wurde bereits mit der Rentenreform 2002 die Besserstellung für Erziehungsleitungen für Kinder beschlossen, die nach 1992 geboren wurden. Doch warum hat man damals 1992 als das entscheidende Jahr gewählt? Bereits damals war das Jahr willkürlich gewählt. Viel wichtiger ist aber die Frage, ob sich das Rentensystem die entsprechenden Leistungen überhaupt leisten kann? Es geht hier also vielmehr um den finanziellen Aspekt für die Allgemeinheit.
Und hier kommt der zweite wichtige Bestandteil des Reformprojektes hinzu. Durch die Einführung des früheren abschlagsfreien Renteneintritts haben wir hier eine Maßnahme, die der finanziellen Stabilität unseres Alterssicherungssystems entgegenwirkt. Oder wie es das Institut für Wirtschaftsforschung Halle in einer Publikation so treffend schreibt: „Auch vor dem Hintergrund demographiebedingt ohnehin steigender Ausgaben der Sozialversicherungen stellen dauerhafte Mehrbelastungen ein Problem dar. So wäre zur Sicherung der finanziellen Stabilität der gesetzlichen Rentenversicherung eigentlich eine schrittweise Erhöhung der Lebensarbeitszeit geboten.“.
Aber die Folgen dieser Fehlkonstruktion gehen sogar noch weiter. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist unsere Volkswirtschaft zur Aufrechterhaltung ihrer Produktionsleistung, mit der entsprechend hohen Qualität ihrer Produkte, gerade auf das Wissen der Generation über 50 angewiesen. Die Signale die mit der Möglichkeit einer abschlagsfreien Frühverrentung einhergehen sind deshalb fatal. Wichtiger wäre es, gleitende Übergänge zwischen dem Berufs- und dem Rentenleben zu ermöglichen. Wir brauchen mehr ältere Beschäftigte und nicht weniger.
Und was bleibt an finanziellen Belastungen in der Summe? Alles in allem dürften sich nach Schätzungen jährliche Mehrausgaben von ungefähr 10 Mrd. Euro ergeben. Zwar bleibt der Rentenbeitragssatz die nächsten Jahre wegen der guten Finanzlage stabil, allerdings hätte der Beitragssatz ohne diese Maßnahmen zwischen einem halben bis einen Prozentpunkt sinken können. Diesen Wachstumsimpuls hätten wir gut gebrauchen können.
Da die Bundesregierung mit ihren neuen wirtschaftspolitischen Entscheidungen immer noch in der Vorbereitungsphase steckt, bietet sich die Gelegenheit für eine kurze Bestandsaufnahme zur Krise im Euroraum.
Aktuelle Pressemeldungen lesen sich gut. Die Problemstaaten, damit meine ich nicht Deutschland, obwohl es ja in der Vergangenheit wegen seiner erfolgreichen Wirtschaftspolitik und seinen daraus erzielten Exporterfolgen angegriffen wurde, haben wieder leichteren Zugang zum Kapitalmarkt. Bereits seit einigen Wochen können sich die besonders hochverschuldeten Staaten der Eurozone wieder zu einem niedrigen Zinssatz Geld auf den Finanzmärkten leihen. Sogar Griechenland erwägt, nach eigener Aussage, den Zugang am Kapitalmarkt im Verlauf des Jahres zu testen. Ist also das Ende der Krise erreicht. Ich glaube: Nein. Denn ein wesentliches Element eines solchen Momentes ist noch nicht vorhanden. Zwar hat die expansive Geldpolitik, ich möchte hier eine solch milde Formulierung verwenden, der Europäischen Zentralbank überhaupt erst Kreditinstitute und andere Finanzakteure in die Lage versetzt, diese Staaten zu den niedrigen Konditionen zu refinanzieren. Ist aber dadurch das notwendige nachhaltige Vertrauen in die Solidität der Problemstaaten zurückgekehrt? Haben diese Staaten die unvermeidlichen Strukturreformen bereits umgesetzt? Was passiert, wenn sich die niedrigen Zinssätze wieder nach oben bewegen?
Und was passiert, wenn die Europäische Zentralbank zu einer veränderten Auffassung über ihren geldpolitischen Kurs kommt? Die amerikanische Zentralbank z. B. hat beschlossen, ihren Aufkauf von ‚eigenen‘ Staatsanleihen zu reduzieren. Damit wird es für die USA sukzessiv immer wichtiger werde, Interessenten für US-amerikanische Staatspapiere zu finden. Aus meiner Sicht stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Schließlich ist der US-Dollar nach wie vor die Weltwährung Nummer 1 und deshalb werden ausländische Besitzer von US-Dollar auch einen gewichtigen Teil in US-Staatspapieren anlegen. Einen solchen Automatismus gibt es freilich für die Staaten der Eurozone nicht. Hier muss viel stärker um das Vertrauen in- und ausländischer Investoren geworben werden.
Und die geldpolitische Auffassung der Europäischen Zentralbank muss und wird sich irgendwann ändern. Bundesbank Präsident Jens Weidmann hat Recht: „Dauerhaft niedrige Zinsen können dazu führen, dass die Politik nötige Reformen verschleppt. Sie können auch bewirken, dass Banken und Unternehmen ohne tragfähiges Geschäftsmodell künstlich am Leben gehalten werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Spekulationsblasen bilden, beispielsweise auf dem Immobilienmarkt.“ (http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Interviews/2013_12_30_weidmann_bild.html)
Es geht bei den derzeitigen Fragestellungen damit auch um mögliche zukünftige Risiken. Inzwischen, und dies ist eine Folge der derzeitigen Geldpolitik, richtet sich der Fokus bei der Analyse der Auswirkungen des vermehrten Geldangebots auch nicht auf die Beobachtung der Konsumentenpreise. Vielmehr geht es um die Auswirkungen auf Vermögenspreise, also Aktien, Anleihen und Immobilien. In diesen Segmenten könnten die neuen Risiken erwachsen, die zu krisenhaften Entwicklungen führen könnten.
Frohes, Neues Jahr – das wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.
Was bringt 2014 ökonomisch? Aus volkswirtschaftlicher Sicht, und jetzt setze ich mal die nationale Brille auf, dürfte sich die bundesdeutsche Wirtschaft positiv entwickeln. Die meisten Schätzer gehen von einem Wachstum zwischen 1 ½ % und 2 % aus. Eine schöne Zusammenstellung von Prognosen dazu findet sich auf der Internetseite der Tagesschau! https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunkturprognose114.html
Aus meiner Sicht ist das Eintreffen dieser positiven Prognosen allerdings besonders von einer stabilen Lage im Euro Wirtschaftsraum abhängig. Darüber hinaus ist auch die weiterhin außerordentlich hohe Konsumneigung der Privaten Haushalte eine Stütze der Aufwärtsbewegung. So ist seit 2010 die Ausgabenbereitschaft der privaten Konsumenten stark ausgeprägt. Mit Zuwachsraten im Vergleich zum Vorjahr (preisbereinigt) von 2010: 1,0%, 2011: 2,3% und 2012: 0,8% haben wir bereits eine außergewöhnlich lange und intensive Phase steigenden Konsums hinter uns und auch für das gerade abgelaufene Jahr dürfte der Zuwachs über der Schwelle von einem Prozent liegen. Vor allem die niedrigen Zinsen auf Spareinlagen (von mir bereits mehrfach angesprochen) dürften hier eine entscheidende Rolle spielen. Sollte sich zudem der Export stabil zeigen, könnte sich die Wachstumsrate beim Bruttoinlandsprodukt sogar am oberen Rand der Prognosen bewegen.
Für den an Statistik Interessierten hier ein Link zu wichtigen makroökonomischen Zeitreihen: http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makrooekonomische_Zeitreihen/makrooekonomische_zeitreihen_node.html
Was macht eigentlich die Bundesregierung? Ich wollte Ihnen ja eigentlich im ersten Beitrag des neuen Jahres einen kleinen Überblick über die ersten reformschritte liefern. Da war ich zu optimistisch. Bisher sind wichtige Gesetzesentwürfe noch nicht auf dem Weg. Und oft liegen Probleme bei den großen Themen (Mindestlohn, Rente, Gesundheit usw.) im Detail, sodass ich hier auch nicht spekulieren will. Also warten wir ein wenig. Ansonsten eine gute Nachricht für die Eurozone: Lettland ist dabei. Für die ehemalige lettische Währung, den Lat (LVL), gilt dabei folgender Umrechnungskurs 1 Euro = 0,702804LVL. Lettland hat in den letzten Jahren vor allem im Bereich der Öffentlichen Haushalte erstaunliches geleistet. Defizit und Schuldenstand haben sich nach einem schwierigen Jahr 2009 und einem umfangreichen internationalen Stützungsprogramm positiv entwickelt. Einen schönen, kurzen Überblick liefert die Kreditanstalt für Wiederaufbau (https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Volkswirtschaft-Kompakt/VK-Nr.-32-Lettland.pdf). Weitere Informationen dazu aus lettischer Sicht z. B. von der Zentralbank Lettlands: http://www.bank.lv/en/
So, dann warten wir also jetzt erst einmal schön auf die neue Bundesregierung.
Alles Gute - wo auch immer Sie dies lesen.
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