Jugendvigilsgeschichte Juli 2018 (Frater Georg Maria)
Benedikt wollte eigentlich schon nach Hause gehen. Er kam gerade aus der Dusche im Sportheim und setzte sich mit einem um die Hüften gebundenen Handtuch auf die Holzbank. Er stützte seine Ellbogen auf die Knie und versenkte sein tiefrotes Gesicht in den feuchten Handtellern. Das war wieder einmal ein intensives Training. Benedikt schreckte auf, als einer seiner Kumpel ihm brutal, aber freundschaftlich auf den nackten Rücken klatschte. "Kommst eh noch mit zum Meci!?" Benedikt stöhnte laut auf und wollte seinem Kumpel schon absagen, weil er wegen des schmerzenden Rückens, den sein Freund verursacht hatte ein wenig trotzig und eingeschnappt war. Als er aber dann zu seinen anderen Mannschaftskollegen in die Runde schaute und hie und da einen Dackelblick zu vernehmen meinte, überwand er sich und sagte emotionslos zu. Unter dem goldenen M bestellte er sich ein Big Mac Menü und latschte dann seinen Freunden hinterher zum Tisch. Die anderen schlangen genusslos ein Pommes frites nach dem anderen herunter während Benedikt mit fadem Gesichtsausdruck seine geschlossene BigMac Schachtel anstarrte. "Jetzt kriegen sie es vielleicht nicht mit", dachte er sich und wollte schon ein Kreuzzeichen machen, um ein Tischgebet zu sprechen. Doch da traf ihn der Blick von Andreas, der schon fragend eine Augenbraue hob und Benedikts weiteres Vorhaben beobachten wollte. Geschickt konnte Benedikt die Handbewegung zu einem unauffälligen Kratzen an der Kopfhaut korrigieren und Andreas' Blick wandte sich wieder seinem Burger zu. Ängstlich schweifte Benedikts Blick von links nach rechts und kontrollierte die Situation, ob in den nächsten Sekunden einer seiner Freunde Grund hätte, ihn anzuschauen. Benedikt war sehr nervös. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Hilflos schaute er sich im Schnellrestaurant um, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, im Geheimen zu beten. "Ich könnte aufs Klo gehen", schoss es ihm durch den Kopf. Aber diese Idee verwarf er sofort. Vielleicht, wenn ich es ganz schnell mache. Man muss ja nicht die Schulter berühren. Benedikt machte ein paar zittrige Bewegungen vor seiner Brust, in der Hoffnung, ein gültiges, wenn auch nicht besonders schönes Kreuzzeichen zu machen. Aber das befriedigte ihn nicht. Seine Sportkollegen rümpften schon die Nase und überlegten, nachdem sie ihren ersten Hunger gestillt hatten, warum ihr Kumpel noch immer nichts angerührt hatte. Benedikt versuchte in Stille, ohne äußere Zeichen, ein Gebet zu verrichten. "Ich mach das immer innerlich.", gab ihm seine Schwester den Tipp, "Gott weiß doch, dass du betest, egal ob du deine Hände faltest, oder ein Kreuzzeichen machst." Benedikt war mit dieser Antwort nicht ganz zufrieden. Natürlich. Gott ist es nicht so wichtig, ob wir unsere Hände falten, ob wir Kreuzzeichen machen, ob wir knien, stehen oder sitzen. Ihm geht es um die Innerlichkeit, darum, ob der Mensch ein Gebet an Ihn richtet, das von Herzen kommt, nicht nur leere Worte, sondern zutiefst ernst gemeinte Hingabe. Aber das war nicht alles. Da fehlte noch etwas. Ja, wir Menschen brauchen diese äußeren Zeichen. Sie helfen uns, Zeugnis für Gott abzulegen. Benedikt überlegte: "Wenn ich jetzt kein Kreuzzeichen mache, dann ist doch mein Verhältnis zu Gott eingeschränkt. Dann will ich Gott doch verstecken aus meinem alltäglichen Leben. Dann stell ich Gott hintan und setze meine Freunde oder meinen Ruf oder meinen Stolz an erste Stelle..." Benedikt atmete tief ein, hob die Hand an seine Stirn und führte das schönste und ausdrucksstärkste Kreuzzeichen aus, das er je gemacht hatte. Seine Freunde schauten ihn mit offenen Mündern an, so dass man den Fleisch-Gurken-Käse Matsch darin gut sehen konnte. Einen kurzen Moment lang war alles still. Dann prustete einer nach dem anderen los. Die Menge machte geschmacklose Witze über Religion und Gebet über Gott und natürlich über Benedikt. Seine Fußballkumpels johlten und wollten gar nicht mehr aufhören. Lächerlich, dachte sich Benedikt. Er aß zufrieden seinen BigMac und hörte über den Lärm hinweg und als er genau hinhörte war das Gelächter ein Heulen. Ein Heulen über die Unfähigkeit, mit Gott umzugehen und über die Sinnlosigkeit, die in der Welt herrscht, weil man Gott aus ihr ausschließt. Herr Jesus Christus! Es fällt uns oftmals schwer, unseren Glauben an dich zu bekennen. Es droht uns Ausschluss und Verachtung. Aber genau das hat uns Dein Sohn schon verraten. Wenn sie mich verfolgten, werden sie auch euch verfolgen. Ich bitte dich, schenk uns den Mut dich trotzdem zu bekennen. Trotzdem unser ja zu Dir zu sagen und trotzdem Dich nicht zu verstecken. Damit sich durch dieses starke Zeugnis, das wir geben viele Menschen fragen, ob da nicht doch mehr dahinter steckt und im Glauben an Dich Sinn in dieser Welt erkennen.











