Was ich früher als isolierte Elemente innerhalb einer halbwegs vernünftigen Welt als ungerecht und erschreckend empfand, fand ich artikuliert, bewusst gemacht und miteinander in Zusammenhang gebracht, dadurch jedoch nicht minder bedrohlich und anstrengend. Je deutlicher ich das, was ich las, mitdenkend und anderes selber zu durchdenken versuchend, die totale Negativität erkannte, desto weniger konnte ich verstehen, dass ich noch Hoffnung haben sollte. Ich kann die unendlich beglückende ‘Luft von anderen Planeten’ nur noch als Versprechen eines Unmöglichen empfinden; ich kann den letzten Satz der Minima Moralia nicht begreifen. Und ich finde niemanden, der mir irgendwie helfen könnte. Soweit die Menschen, die ich kenne, nicht in völlig positivistischer oder verlogen-idealistischer Denkweise befangen sind, sind sie für mich unverständlich gläubig oder flüchten sich in resignierenden Ästhetizismus. Weil ich es nicht ertragen konnte, so dahinzuleben und zu reden, als ob man ein unbeschwertes Privatleben führen könnte, habe ich persönliche Bindungen abgebrochen, die mir in meinem Suchen nach irgendeiner Möglichkeit zur Hoffnung nicht helfen konnten, sondern in ihrer geistigen Leere mich noch verzweifelter machten.
‘Fräulein A.’, Philosophiestudentin, resümiert ihre Adorno-Lektüre im Sommer 1966 in einem Brief an den Autor (- später, nach einem Treffen mit Adorno, schreibt sie ihm, dass sie nun erkannt habe, gar nicht Trost gesucht zu haben, sondern “Solidarität in der Trostlosigkeit”)