Gestern während der Wanderung haute ich den Satz heraus, dass ich mich als introvertiert identifiziere. Eine aus der Wandertruppe fragte, wie ich auf die Idee käme, auf sie würde ich eher extrovertiert wirken. Gestern konnte ich ihr keine Antwort darauf geben. Aber seit der Frage hab ich mehrere Male darüber nachgedacht. Ich mag es nicht so gerne, neue Menschen kennen zu lernen. In einer kleinen Gruppe kann ich mich, wenn ich mich sicher fühle, öffnen und aus mir heraus kommen. Aber die Teenagerzeit bleibt immer im Hinterkopf. Ich war immer die lustige Dicke, die immer gut genug war, wenn Plan A nicht klappte oder absagte. Die ignoriert wurde, wenn ich überflüssig war. Bei der man Treffen kurz vor knapp absagen konnte, weil ich doch so verständnisvoll bin. Als ich einen guten Kumpel hatte, der mich damals am Pfingstzelten am späten Abend abholte, weil ich mal wieder so naiv gewesen bin und dachte, ich gehöre jetzt dazu, waren sie auf einmal freundlich. Aber es hielt nichr lang. Sie wollten nur etwas über ihn erfahren. Ich war die Langweilerin, weil ich zu 98% am Wochenende nicht nach draußen durfte. Irgendwann hören sie auf zu fragen. Ich kann ihnen noch nichtmal böse sein. Ich versteh's ja leider. Das alles führte dazu, dass ich mich jahrelang daheim einigelte und gar nicht mehr aus mir heraus kam.
Zuhause? War ich die nervige. Ich habe mein wildes Ich abgelegt und wurde zum Overthinker. Hatte immer Angst, was falsches zu sagen/was falsches zu machen. War nie gut genug, bei einer drei durfte ich mir anhören, dass ich es doch hätte besser machen können, die nächste Arbeit aber doch besser sein soll. Als der Kontakt zu meiner Schwester abbrach, war ich wieder gut genug, aber nur stellenweise, nur öffentlich. Mein Professor ging es über die Lippen von meiner Mutter. Sie sei so stolz auf mich. Zuhause? Schreierei, wenn ich weinte, weil ich meinen Papa vermisste, hieß es, stell dich nicht so an. Alles was ich machte, machte ich falsch. Der Kontaktabbruch tat gut. Aber wieder Kontakt zu haben, der anders als vorher ist, tut auch wieder gut, aber irgendwie auch nicht. Letztens als sie ihren Teilzeitjob auf einen Vollzeitjob erhöhen konnte, rief sie zuerst meine Schwester an. Die ging nicht ran, weil sie am arbeiten war und das wusste meine Mutter. Sie wusste aber auch, dass ich an diesem Tag den ganzen Tag daheim bin. Nummer zwei bin ich. Denn dann wurde ich angerufen. Mitten im Telefonat rief meine Schwester zurück und was passierte? Sie beendete das Telefonat.
Und dann schwirrt da immer wieder die Frage im Kopf "Bin ich denn nie genug?"














