24.07.26 - 11.08.26
Vor langer Zeit schrieb ich einen Text über dich, der „Zsófias Sommer” hieß. Jahre sind seitdem vergangen und ich musste mich gerade konzentrieren deinen Namen richtig zu schreiben; das richtige ungarische o zu setzen. Wie würde man das wohl deuten?
Jedenfalls sitze ich heute mal wieder im Zug zu einem sehr guten Freund, der genau weiß, welche Lücke du in meinem Leben hinterlassen hast. Während dessen liegt meine Oma im Sterben und ich bin nicht da. Es ist wirklich offensichtlich, dass ich seit dir keine Emotionen mehr zeigen kann. Die einzige Situation, in der ich sagen und ausdrücken kann, was wirklich in mir vorgeht, ist hier; wenn ich zwischen den Worten schwebe, mit Worten als Metapher Sommersprossen in Gesichtern zähle oder mich abends friedlich in deine Arme lege. Weil ich doch eigentlich heute, an genau diesem Tag, so viel mehr habe, mein Eigen nennen kann als es damals der Fall war. Aber es fühlt sich nicht so an. Weil nachts neben dir zu sein ein Highlight der Woche war, über dein Haar zu streicheln wichtiger als jeder persönliche Erfolg war. Damals war ich ein Niemand, höchstens ein jemand, auf den man nicht zählen konnte oder wollte, außer es ging um dich. Doch was davon ist heute noch da? Welche Begeisterung bringst Du heute noch für diesen Mann auf, den du früher als dein Ideal dargestellt hast? Und wie redest du über mich, jetzt wo ich nicht mehr im Raum bin, sondern ihn heimlich verlassen habe?
Irgendwie ist es doch ironisch, so zu tun, als hätte sich nicht auch bei mir was verändert für dich. Aber immer wenn ich Worte wie diese tippe, bei alten Sprachnachrichten oder Urlaubsvideos die Ohren spitze, merke ich: Überhaupt nicht ins Negative. Noch immer füllst du dieses gedanklich leere Blatt, bist das nahezu einzige, was mich bewegt und berühren kann, auch ganz ohne den alten Glanz. Weil es da auch ganz viel neuen Glanz gibt, wie ich jedes Mal sehe, wenn ich durch deine Instagram Story wisch.
Jedenfalls: Edi zu besuchen ist auch immer ein Stückchen intellektuelles Reifen. Und während ich aufstehen wollte, um mit ihm und Malé in die Stadt zu gehen, erfahre ich hunderte Kilometer entfernt vom Tod meiner Oma. So fühlt sich nicht da zu sein also endgültig an. Wie lange geht das nun schon, dass ich solche Gefühle einfach weglache? Wann habe ich es je mal mehr als ein paar Worte lang zugelassen, dass ich mich scheiße fühlen darf? Und jetzt knapp zwei Wochen nach Beginn dieses Eintrags, ist das Alles schon gewesen. Omas Beerdigung, das Zusammentreffen mit geliebten Menschen, die ich Jahre nicht gesehen habe und das Gefühl des Abschiednehmens. Wenn Jörg mir stolz von seinen kanarischen Palmen erzählt, sein Sohn dort einziehen wird, wo es nach Omas Ableben sonst leer geworden wäre. Oder ich Mama und meinen Bruder weinen sehe mit einer gleichzeitigen Herzlichkeit, für die Mamas Mutter immer gestanden hat. Einfach Zufriedensein, des Lebens nicht überdrüssig sein, sondern Erhabenheit teilen. Fast 29 Jahre hat es wohl gedauert, bis ich das endlich verstanden habe. Und während ich viel mehr darüber gerade gar nicht schreiben kann, denke ich vermehrt an eine behütete Kindheit in wechselndem Abendland unter Meeresrauschen oder Leichtigkeit unter Palmentang. Ironisch wenn es heute meine Reden sind, darüber, wie schön das Leben sein kann. Fortan wird es schwieriger Bedeutsames zu formulieren, wo ich negative Gefühle weniger zulasse. Aber wie erfüllt war die kleinste Existenz, als ich in Zsófia's Sommer über dich schrieb? Dazu fielen mir folgende Worte ein:
"Jede Erinnerung, jeder Moment, der an dir knüpft, ist in meinem Gedächtnis so einzigartig und lebensbejahend, dass ich mich an dich denkend fühle, als rannte ich in kindlicher Leichtigkeit über bunt-leuchtende Blumenwiesen. Die Nacktheit unter den Füßen, das Knistern der Natur, das Zirpen der Nächte. Zu zweit gehen auf in Abendluft getränkten Ästen. Dich zu lieben ist das gleichzeitig Schönste, Leichteste und Belebendste, was ich je erleben durfte. Dich zu lieben ist Goethes Sprache in reinster Form, das Fallen der Worte, dein Kopf an meiner Kani Jacke, deine Wimperntusche auf meiner Wange. Manchmal stelle ich mir vor, ich könnte die Welt durch deine Augen sehen. In all dieser Lebenslust, dieser Freiheit, dieser Sehnsucht danach 'ganz zu leben'. Durch deine Augen kann ich den Ozean sehen, die weißesten Strände dieser Welt, die grünsten Wälder, die buntesten Federn im Haar, die schönste Blume, die dein Ohr schmückt. Durch deine Augen ist jede leere Wand ein Gemälde, jeder Pinselstreich die schönste Malerei.
Durch deine Augen ist es jeder Baum, jede Hecke, jeder Strauch. Ein Strauß von Blüten."
Welch ein Wort würde dafür je genügen?













