Vor rund 40 Stunden bin ich am Meer angekommen. Zwei intensive Wochen auf dem #Natischerweg, die zweite emotional kaum zu überbieten. No, è una cosa sportiva, sagte ich allen, die einen Link zum Jakobsweg machen wollten. Nun, religiös wurde es tatsächlich nicht. Aber essentiell. Von dieser Reise werde ich sehr lange zehren, und ich hoffe, dass ich sie minerläbtag nicht vergessen werde.
Wo läufst du nächstes Jahr hin?, werde ich gern gefragt. Nun, ich werde früher oder später die Lücke von meinem Wohnort nach Domodossola schliessen. Und klar, ich hab da 2-3 Ideen, aber genauso klar ist, dass es nie mehr so sein wird wie dieses mal. Ich mein, wie hiessen die Astronauten der 2. Mondlandung? Eben.
Was würde ich anders machen?
Hmm. Wenig. Ich würde andere Schuhe benutzen. Den Strassen entlang zu laufen war schon ok, einfach mit weicheren Schuhen. Und nicht mehr so verbissen im Takt von San Salvatore Monferrato hinunter nach Alessandria traben. Vermutlich war das ursächlich für die anschliessenden Lämpen am Schienbein. Ein Ruhetag zur Rennhälfte wär wohl auch eine gute Idee, und Baumwolle-T-Shirts kann man getrost zuhause lassen.
Meine Top-5 auf den Playlists?
Ganz klar: „Gente di mare“ von Tozzi/Raf. Auf allen drei Podestplätzen. Dieses Stück werde ich nie mehr hören können ohne gleichzeitig die Bilder v.a. des letzten Tages vor Augen zu haben. Dann „My Dear“ von Katzenjammer. Das lief an den letzten Tagen immer beim Loslaufen am Morgen. Den Gedanken, jemandes Neck zu kissen, klingt sympa. Und dann dieses „... and may all your favorite Bands stay together“ von den Road Hammers. Sowas wünscht man echten FreundInnen!
Der schlimmste Moment? Der Nachmittag zwischen Alessandria und Bosco Marengo.
Der schönste Moment? Mehrere. Ach, was. VIELE!!
Der breite Support, den ich wegen meines Beins erhielt. Auch von gänzlich unerwarteter Seite.
Und klar, die Ankunft am letzten Tag. Und dass ich dabei anschl. ein paar liebe Menschen umarmen konnte. Und sie danach gleich zutexten durfte.
Und mehrere *sehr* herzliche Begegnungen und Gastgebende. Vielleicht ist die Menschheit doch noch nicht endgültig verloren. ;)
Und die immer wieder überraschenden positiven Wendungen und manchmal schon unheimlichen Zufälle. Inkl. Hopfendolden. Und Autostop. Und Lagunitas IPA. Und Pink Floyd.
Und ein paar wirklich aussergewöhnlich hervorragende Mahlzeiten. Und dieser perfekte Caffè an jeder Strassenecke, immer für 1€. Und die Brioches mit Aprikosenkonfitüre. Oder die mit Vanille-Crème. Und diese Bonet piemontese. 🤗
DANKE!, dass Ihr mich begleitet habt!
PS: Zurück? In machina. Wohl mehrheitlich meiner Wanderroute entlang. Und an voraussichtlich jeder Kurve werd ich was zu erzählen haben! In Ovada holen wir meine dort zurückgelassenen Utensilien ab, und in der Villa Magnolia und bei Anna & Mauro in Bosco will ich mich bedanken gehen.
PPS: Emilia? Ja, die gabs wirklich. Aber da halte ichs glaubs einfach mit den Toten Hosen ...
Bei der Tour de France ist die Schlussetappe immer eher gemütlich, mit Champagner unterwegs und halbherzig spannendem Schlussspurt. Das war bei mir ... kaum ... anders.
Zum obligatorischen Cappuccio mit Brioche gabs heute gleich auch noch eine Focaccia. Ich rechnete wieder mit Medi-Einsatz, und es gibt Magenweh, wenn man nichts in selbigem hat. Hier in Ligurien machen sie u.a. Focacce con Patate und so eine liess ich mir dann grad auch noch einpacken für unterwegs, weil eben, siehe vorher.
Um 10.15Uhr lief ich also los Richtung Bahnhof Campo Ligure. Dort verschwindet die Eisenbahn im Tunnel und vermeidet so weitere Höhenmeter. Ich hingegen würde zum Dessert meiner Wanderung auch noch den 532m hohen Passo del Turchino überqueren dürfen. Zum ersten Mal fielen mir herbstlich verfärbte Wälder auf. Der Sommer geht also nun auch hier dem Ende zu.
Auf Empfehlung von Frau K. lief ich heute ohne Musik los. Ich wollte noch bewusster auf das Drumherum hören und auch mal noch ausprobieren, wohin einen die Gedanken tragen, wenn sie nicht durch Musik, deren Texte oder von Erinnerungen in deren Zusammenhang geleitet werden. Neben dem zeitweisen Plätschern des Baches gabs jedoch ausschliesslich Verkehrslärm zu hören. Entweder von der schwach befahrenen Strada Statale, auf der ich lief, und noch viel mehr von der meist nicht weit entfernten Autostrada. Die Gedanken hatten also viel Platz ...
„Deine schicken, orangen Schuhe würden auch gut an den GP Bern passen!“, hatte mir Arbeitskollege F. drüben auf Facebook geschrieben. Woher wusste der, wie meine neuen Schuhe aussehen?, fragte ich mich ... und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war hier eindeutig Teil eines Remakes der „Truman Show“! Das war alles nur für mich inszeniert! All das Gute, das mir unterwegs widerfahren war, die immer wieder positiven Wendungen und die manchmal schon unheimlichen Zufälle - das war alles nur Teil eines Drehbuchs! Zuhause an den Bildschirmen amüsierten sich die Zusehenden über meine „Abenteuer“ und machten Witze über meine naive Gutmenschen-Interpretationen! Hatten Freunde auf Twitter nicht viel zu früh schon von einer „Verfilmung“ meiner Wanderung gesprochen? Waren all diese derenweg hilfsbereiten und freundlich gesinnten Leute nur Schauspieler und Komparsen in einem grossen Social-Media-Story-Telling-Experiment? Und: Wie würde dann die Story enden...? Hollywoodmässiges HappyEnd am Meer, inkl. romantisch-sülzigem Trähnendüsen-Drücker? Und wenn ja, mit wem eigentlich...?
So. Fertig. Das ging so ja nicht weiter. Und die Schuhe hatte ich ja in einem Bericht beschreiben. Also bekamen in Masone die Road Hammers eine zweite Chance. Mit denen hatte damals vor der Bar Emily der „spezielle Teil“ meiner Reise ja begonnen. Ja, das half! Und bei den Outtakes gibt’s eine Szene, wo dem Sänger nach einem üblen Versinger empfohlen wird „Check your pants!“, und ich lachte laut heraus.
Nach einem Boxenstopp in Masone entschied ich mich dafür, weiter der Strasse zu folgen, statt den a) landschaftlich deutlich schöneren und b) auch noch 3 km kürzeren - aber halt auch steileren - Weg durch den Parco Nazionale zu nehmen. Ich wollte nicht weitab vom Schuss sein, falls mein Bein plötzlich gar nicht mehr mitmachte. (Sorry, Tante T., aber das war einfach nur vernünftig so. ;)
Auf dem Weg zum Passo überholten mich dann nur noch ein paar Velo- und Töfffahrer, und auch die Autobahn verabschiedete sich in einen Tunnel. Bergauf fiel mir das Laufen ziemlich leicht. Völlig überraschend stand ich etwas später hinter einer Rechtskurve plötzlich vor dem Tunnelportal. Ich wusste, dass ich nach diesem Tunnel das Meer erblicken würde. Ich begann, laut und fast ebiz hysterisch zu lachen ... beruhigte mich aber rasch wieder. Musikwechsel. Road Hammers raus, Tozzi & Raf rein. Und hinein in den Tunnel ... gut 200 m lang ... gut beleuchtet, kein Verkehr ... und als ob die Strasse genau für solche Vorhaben gebaut worden wäre, musste ich auf der anderen Tunnelseite zuerst auch noch an einem Gebüsch vorbei ... und dann - BÄM! - Panorama! Und dort ganz unten: Il Mare! Zwar nur ein relativ schmaler Spickel und es war etwas dunstig, aber ich konnte sogar Wellen erkennen. Mit stattlich Pipi in den Augen setzte ich mich auf die Leitplanke und genoss den Augenblick. Ein Moment zum niemals mehr vergessen ...
Das war zweifelsohne ein erster Champagner-Moment, aber nun - es war grad Mittag durch - folgte der über 10 km lange Abstieg nach Voltri. Dort würde ich nun nämlich ankommen und nicht direkt in Arenzano. 532 M.ü.M. sind für uns Alpenpässe-gewohnten Schweizer zwar keine Höhe, aber wenn man ans Meer will, sind’s halt trotzdem auch 532 Höhenmeter, und mein Schienbein zeigte sofort, was es vom Bergab-Laufen hielt: Nichts. Meine Hits-Italia-Playlist spielte nun wieder ein paar überaus passende Canzoni - Il ragazzo della via Glück, Azzurro, Gli Anni ... und ich wollte, nachdem ich nachgedopt hatte, auf die Zähne beissen. Und ich biss. Fest. Bergab-Laufen geht aber direkt aufs Schienbein - Remember letzter Muskelkater? - und die Medis halfen wenig bis nichts. Ich machte nur noch so 40cm-Schrittli, um dem Bein vorzuspielen, dass es gar nicht so nitschi ginge. Lief rückwärts - was deutlich besser gegangen wäre - aber auf einer nun stärker befahrenen Strasse guckt man besser, wo man läuft. Also kleine Schritte, beidhändig am Stock. Wenn es mal vorübergehend flach war, ging’s fast problemlos, aber es war nur selten flach.
Nein, den Bus würde ich nicht nehmen. Und auch kein Autostop. Nicht auf der Schlussetappe.
Aber vielleicht lag ja irgendwo ein altes Velo im Gebüsch...? Nein. Lag nicht. Und es ging immer noch gut 9 km ...
Wenn ich stehen blieb, war der Schmerz sofort wieder weg. Also machte ich in Fado mal wieder eine Pause und ass die zwei besten Pfirsiche nördlich des Äquators. Und dann wieder weiter. Aua. Kleine Schritte. Noch 7 km.
Ok, den Streckenrekord konnte ich wohl vergessen. Ich informierte Fam. Natischer, dass es wohl etwas später würde, und hinkte weiter. Schrubb-schrubb-Küdermusik im Ohr um abzulenken. *nach-spick*. Und wieder Hopfendolden. Ich grinste.
Das steilste Stück, dass mich dann quasi auf Meereshöhe hinter Voltri hinunterbrachte, lief ich dann unter verwunderten Blicken von einigen Einheimischen wirklich rückwärts runter. Dank dem Stock gings. Phu! Unten. Noch 3,5 km.
Eine Frau mit Kinderwagen überholte mich, leicht irritiert blickend, also stellte ich die Musik wieder ab und rief ihr hinterher, dass ich seit Domodossola laufe. Sie staunte sehr, wollte umgehend ein Foto von mir zusammen mit Matteo (der Kleine in der Poussette) machen und lud mich danach zu einem Caffè in der nächsten Bar ein. Volentieri, grazie! Wir also rein in die Bar, da stand eine Dame hinterm Tresen und ein Gast davor und sie erklärte kurz, wer ich war und was ich machte. Da rief der Gast „POTZHEILANTONNER!“. (Ehrlich. Ungelogen.) Ich hielt mir den Bauch vor Lachen. Vincenzo hatte in seiner Jugend in den 1970ern ein paar Jahre in Herzogenbuchsee gelebt, bei einer Firma Kilchenmann auf dem Bau gearbeitet und ein paar Worte Deutsch behalten. Die Pause dauerte dann drei Deziliter länger als geplant, und es war fast 17 Uhr.
Jetzt einfach noch die letzten 2.5 km auf dem Trottoir dem Bach entlang ... Aua! Nicht zu schnell, musste ich mich immer wieder bremsen.
Da vorne war die letzte Querstrasse ... Kopfhörer wieder rein ... 🎶 ... il mare ci fa sempre un po‘ paura ... 🎶 ... über die Strasse ... die Leute guckten schon ... quer über den Parkplatz ... rauf auf die Holzbretter des Lido ... bis an dessen vorderes Ende ... rein ins Kies ... 🎶 Gente di Mare ... 🎶 Tränen abwischen ... oder zumindest für weitere Platz schaffen ... alle Schmerzen verschwunden ... Stock weg, Rucksack weg, InEars raus, Schuhe aus ...
HECHTSPRUNG!!
Ich war da. Ich war drin. Nach zwei Wochen. Nach DIESEN zwei Wochen. Freudenschreie. Keine Worte. Un-be-schreiblich ...
Erster Gratulant war dann ein baskischer Tourist, der mich beobachtet hatte. Wenig später Mutter, Schweschter und Schwager Natischer, die drüben an der Strandbar achon eine Stunde auf mich gewartet hatten.
Erst ein Wasser, dann ein Bier. Auch ex. Und dann ein Negroni ...
Und ich hatte also alle drei erwarteten Reaktionen kombiniert.
Hollywood, my ass! Das hier war gerade HappyEndestmöglich!! 😍
https://youtu.be/k-3KecdyOZU
Lyrics: http://easylyrics.org/?artist=Umberto+Tozzi&title=Gente+Di+Mare Thanks for checking out our videos and site!
Bei einer Dopingkontrolle wär ich heute wohl hängen geblieben ...
Weil wir zu lange miteinander gequatscht hatten, war der Milchschaum meines Cappuccinos zusammengefallen. Ich hatte dies noch nicht einmal bemerkt, als Giancarla schon aufgestanden war, um diesen aufzufrischen. Mit hausgemachtem Komfitür und Kuchen, sowie Brioche (ja, mit Aprikosenmarmellata gefüllt! 😋), Müesli, Joghurt, Saft und Foccaccia konnte ich erneut perfekt in den Tag starten.
Und nach einem kurzen Abstecher auf den Mercato, der in Ovada übrigens jeden MI und SA stattfindet, ging’s dann auch wieder los. Ja, klar, zu Fuss! Gut, so klar war das natürlich nicht, mein Schienbein tat nämlich weiterhin weh, allerdings nur beim Laufen: Stehen, Sitzen und Liegen gehen gänzlich problemlos. Also hatte ich nach dem Frühstück erst mal vom guten Paracetamol reingeschmissen, aber ich blieb skeptisch. V.a., als es ausgangs des Centros ebiz nitschi ging und das Schienbein damit wirklich nicht glücklich war. Zum Glück ging’s heute grossmehrheitlich obschi.
Erst ging es wieder mit diesem tollen „My Dear“ von Katzenjammer im Ohr weiter, aber ich hatte mir aufgrund der Hintergrundmusik bei Giancarla vorgenommen, heute mal Klassik zu versuchen. Nein, das tu ich sonst auch gar nie, aber der olle Vivaldi hat die eine oder andere Komposition schon ganz ordeli gepreicht, findi, und ausserdem find ich Cembalos geradezu wunderbarstmögliche Instrumente. Einfach wenn jemand zu singen begann, skippte ich umgehend weiter.
Nachdem ich dem weltbesten Gettibüeb zum 15. Geburi gratuliert hatte, begann dann der lange und stetig steigende Weg hinauf Richtung Campo. Mein Bein ... nun ja. Es war weiterhin präsent. Erst begann ich den Wanderstock als Entlastung bei jedem Schritt einzusetzen, dann musste ich mit beiden Armen auf dem Stock abstützen - da half jetzt auch kein Hopfen am Strassenrand mehr ...
Inzwischen hatte ich von Vivaldi auf Smetena (Moldau!) und dann auf Jack Johnson (der Musik gewordene Roadtrip) gewechselt, aber wenn einem jeder Schritt wehtut, nervt jede Musik. Dann gabs plötzlich auch kein Netz mehr und ergo gar keine Musik mehr. Und auf dem Strassenschild stand, dass ich gerade die Hälfte geschafft hätte.
Es wurde wirklich Zeit, zusätzliche Chemie einzusetzen! 💊
Das half dann auch. In Rossiglione kehrte ich in einer Bar ein um etwas zu essen. Die beiden Typen hinter der Bar erinnerten optisch und auch sonst stark an Herrn F. von den Pampers, und wir hattens 1/2 Std sehr spassig miteinander. Es gab als Primo das weltbesteste (Bitter-)Orangina, zum Hauptgang ein Snickers - sie hatten sonst wirklich rein gar nichts mehr - und dann als Dolce noch hausgemachtes Glace: Lecker Prugna und Zabaione.
Danach war mir auf den verbleibenden gut 5 km nach Schabernack zu Mute und so wechselte ich via deutschen Punkrock zuerst zu JBO und dann sogar zu QL. Ich bin nicht stolz darauf, aber mir war nach Schrub-Schrub und Mitsingen zumute!
Ganzkörpergänsehaut gabs dann, als ich aus dem schon den ganzen Tag wild hin-und-her-mäandernden Tal heraus nach Campo Ligure kam - im Wissen, dass das die letzte Übernachtung vor dem Meer sein würde ...
Meine heutige Bleibe ist wieder von der Sorte, die ich nicht so lange ihn Erinnerung behalten werde. Aber, hey, chi se ne frega: Morgen bin ich am Meer!! 🎉😎🤗
Znacht fiel heute aus, weils zum Apéro reichlich Häppchen gab.
Und jetzt entschuldigt mich bitte - meine Mannschaft spielt gleich Champions Leaguel 💛🖤
Nach einem für italienische Verhältnisse geradezu feudalen Frühstück ging die Reise heute wieder um 10.30 Uhr weiter.
Quasi ans Grundstück der Villa Magnolia grenzte der tropische Urwald. Mit einer Machete schlug ich mir und meinem treuen Begleiter, dem Wallach Heinz-Isidor, der unser Gepäck trägt, einen Weg durch den Dschungel. Immer wieder blieben wir in meterweiten Spinnennetzen hängen, köpften hier und da eine Boa, kämpften mit Tigern, schlugen Bären und Menschenfresser in die Flucht, und zum Zmittag erlegten wir einige Wasserbüffel. Ich war untröstlich, aber dann im Treibsand konnte ich nichts mehr für Heinz-Isidor tun. Mit seinem letzten Aufbäumen konnte er mir gerade noch so meinen Rucksack hinüberreichen; er spürte instinktiv, dass ich einerseits die darin befindlichen Wasservorräte für die nun folgende Wüstendurchquerung und andererseits Ritterrüstung und Zweihänder für die anschliessende Bekämpfung der örtlichen Drachen ....
Moment. Ich komm nochmal rein. ;)
Die Medikamente, die mir die Dame des Hauses gegeben hatte, verfingen ganz ordentlich. Ruhm, Ehre und ewiger Reichtum dem Erfinder des Paracetamols! (Und danke der MMuse für obigen Schabernack.)
Um den Erfolg meiner Mission nicht so kurz vor dem Ende unnötig zu gefährden, sagte ich trotzdem „Ja, gerne...“, als mir ein Auto-Transfer nach Ovada angeboten wurde. So könnte ich mich mit neuem Schuhwerk und der nötigen Medizin ausrüsten und meinen weiterhin entzündeten Schienbein-Sehnen noch etwas Erholung gönnen, bevor es auf die beiden Schlussetappen über die ligurischen Alpen geht. Das gibt dann nämlich noch einige Höhen- und andere Meter rauf und runter...!
Das B&B La Corte in Ovada ist ein überaus charmantes Haus mit gerade mal 3 Gästezimmern, aber es ist mit dermassen viel Liebe zum Detail eingerichtet, dass man grad mehrere Instagramm-Stories befüllen könnte. Ich glaub, Frau K. würde sich hier sehr, sehr wohl fühlen!
Apropos Wohlfühlen: Ich bin schwer beeindruckt von der Gastfreund- und Hilfsbereitschaft, die ich hier erlebe! Ich bin mir nicht sicher, wie meine Geschichte im umgekehrten Fall in der Schweiz verlaufen wäre ... Und jetzt nicht nur wegen der Lämpen mit dem Bein. Ich war immer und überall herzlich willkommen. Zahlender Gast, klar, aber man gab mir immer das Gefühl, wirklich willkommen zu sein und war behilflich, wann, wo und wobei es auch immer war. Das möchte ich umbedingt mit nach Hause nehmen: Ein bisschen mehr „Wir“ und weniger „Ich, ich, ich“! Siehe auch Foto oben. Bin ja mal gespannt, ob, und wenn ja, wie lange mir dies gelingt ...
Ovada ist übrigens immer einen Stopover wert, wenn Ihr hier mal durchfahrt. Piccola, ma carina! Und neben Apotheken hats in den engen Gassen u.a. auch ein Sportgeschäft, in dem ich vorhin nagelneue Turnschuhe gekauft habe für die verbleibende Strecke. Chnätsch-Orange und mit weichen Sohlen, ich gehe damit fast wie auf Wolken. Verbunden mit einem weniger aggressiven Stechschritt hoffe ich, den morgigen 16km-/250hm-Aufstieg nach Campo Ligure wieder per pedes zu schaffen. Und dabei rieche und sehe ich dann glaubs das erste Mal das Meer ...
Aber jetzt geht’s zwecks Stärkung und Auffüllens der Kohlenhyd ... ach, ich geh essen. Drüben im Archivolto. En Güete!
Zugegebenermassen bin ich diese nicht alle gelaufen. 😇
Ich schlief ganz prächtig in dem riesigen Zimmer. Auch dank der Oropax. Auf dem nächsten Grundstück wohnte nämlich ein Hund, der aus welchen Gründen auch immer quasi durchbellte. Oropax sind imfall auch so ein Must-Have für solche Reisen, weil bellende Hunde gibts auf dem Land fast immer und überall. Den Wecker um 8 hörte ich aber trotzdem, und da die Wunderheilung über Nacht erwartungsgemäss ausblieb, drehte ich mich nochmal um und schlief weiter. Später gabs 2 Caffè und 1 Brioche, ich packte meine Sachen und hinkte Punkt 11 Uhr los, zurück ins Dorf und dann Richtung Predosa.
Mir war klar, dass ich die 14km heute niemals schaffen würde und machte einen kleinen Umweg um Verpflegung einzukaufen. Wer weiss, wie lange ich am Strassenrand beim Autostop würde warten müssen...? Für gut 4 € bekam ich Wasser, Powerade, 2 Joghurt und je 1 Pfirsich und Apfel. Ich verstaute dann alles im Rucksack und stellte mich am Ortsausgang an den Strassenrand.
Mit ziemlich Abstand fuhr nadisna gut 1 Dutzend Autos vorbei ... bis ein roter Minibus anhielt. Am Steuer sass ein rotbärtiger Hipster, daneben sein dunkelhäutiger Mitfahrer. Ja, sie führen in meine Richtung, und klar, ich könnte mitreiten. Die beiden unterhielten sich in gebrochenem Englisch, und ich wunderte mich sehr, wie die beiden zu einer gemeinsamen Autofahrt kämen. Natürlich hat man beim Stoppen auch ein paar üble Fantasien im Kopf, was denn alles passieren könnte, inkl. Ausrauben und/oder Übleres. (Überhaupt hätt ich in den letzten Tagen ein paar krude Roman-/Filmideen für Stephan King oder Quentin Tarantino ersonnen ...)
Wir plauderten jedoch nett über dies und das, und es stellte sich heraus, dass er halb Calabrese und halb Engländer ist, und er überhaupt nicht nach Predosa musste, aber, hey, kein Problem, er fahre mich schnell hin! (Schon wieder so ein unverschämtes Glück - so langsam wird mir das noch unheimlich...!)
Nein, sagte er beim Aussteigen bestimmt, er nehme kein Geld von mir, auch nicht für ein Bier. „E buona Fortuna!“
(Ich mein, das gibt’s doch alles gar nicht!?! 😳)
Die letzten paar hundert Meter unterstützte dann #Katzenjammer, die heutige Musikempfehlung von Frau MM. meine eh schon prächtige Laune. Morgen werde ich grad da bei diesem Schere-Stein-Papier-Song weiterfahren, wo ich heute aufhören musste. Ich stand also wider Erwarten schon um 12 Uhr in der Villa Magnolia, wo ich wiederum herzlich empfangen wurde und sogar schon mein Zimmer beziehen konnte. Heute würde es nun einen richtigen Giorno di riposo geben und fürs Znacht haben sie mir schon una tavola im sardischen Ristorante prenotiert. Bis jetzt bin ich offenbar der einzige Gast. Wenn jemand von Euch also grad in der Nähe ist: Um 20 Uhr gibt’s Cena! 😋
Jetzt lungere ich in der Pergola hinterm Haus, lese, internettle und schreibe offensichtlich gerade diesen Bericht. Die beiden Katzen ignorieren mich jedoch hartnäckig. Der Chef meinte, er gebe mir erst mal Eis und zum Znacht noch etwas besseres als Ibuprofen, weil er kenne das genau, und das sei jetzt ganz sicher eine Sehnenentzündung. Weil zu harte Schuhe fürs Asphaltwandern. Das hat Cousine M., quasi meine Fernphysiotherapeutin, auch schon vermutet. Morgen gehe es mir dann deutlich besser.
Rundherum sieht’s nach Gewitter aus, aber ich freue mich aufs Znacht und eine weitere Verbesserung im Scheichen. Am Freitag sei der Sommer vorbei, sagte gestern Mauro, inkl. Temperatursturz und Regen, aber bis dahin werde ich wohl schon am/im Meer angekommen (worden) sein! 🤗
Nachtrag:
Entweder ist damit die „Paëlla des Jahres“ auch schon durch - oder ich hab’s heuer mit dem Essen einfach untertrieben...! 😋
Resp. es wären grundsätzlich 15 km gewesen, aber heute kam alles anders ...
Weil ich in Alessandria keine geöffnete Bar fand, hätte ich beinah noch zu McDo gehen müssen. Immerhin gibt’s in italienischen McCaffè ebensolchen aus einer Cimbali-Maschine für wie überall 1€. Auch aufgrund der Warteschlange verzichtete ich aber, schliesslich hatte ich schon 3 aus der Nespresso-Maschine in der Unterkunft. Google-Maps schickte mich nach Osten, und da lag dann auch der Grund, warum alle Bars geschlossen sind und kaum Leute zu sehen waren: Offenbar wurde da grad letzti ein Shoppingcenter eröffnet, das Rundum-Service bietet. Der Parkplatz war schon um 11 Uhr brätschvoll.
Die Strasse, der ich nun folgen sollte, verwandelte sich aber plötzlich in die Autostrada! Statt umzudrehen wollte ich dem Weg dem Fluss entlang finden, aber dieser wird offenbar nicht unterhalten. Nach etwas im Gaggo herum Laufens - also ziemlich ebiz - fand ich schliesslich zurück in die Stadt, aber da hatte mein Schrittzähler das Erreichen des 10‘000-Schritte-Tagessolls bereits infovibriert, und Herr Googles Alternativroute sollte ja nochmal 14km dauern. Ein eher suboptimaler Start in den Tag...!
Die Musikempfehlungen von Herrn D., Herrn R.-A. und Frau B. - in dieser Hörreihenfolge - machten mich heute nicht glücklich, also musste Jovanotti wieder herhalten. Noch viel unglücklicher machte mich aber v.a. der stärker werdende Schmerz rechts vorne am Schienbein ... Nein, ich war weder gestürzt, noch falsch aufgetreten, und eine Massage der dortigen Muskeln brachte auch gar nichts. Schnell hyperchonderte ich eine Restanz des Wadenbeinbruchs von vor Jahren, aber das ergab keinen Sinn. Oder vielleicht eine Blutvergiftung wegen des üblen Kratzers, den ich mir vorgestern geholt hatte? Auch Quatsch, weil sehen konnte man nichts. Sie eingelegte Pause führte nur dazu, dass der erkaltete Muskel noch mehr weh tat, und ich begann zu überlegen, wie ich es jemals die verbleibenden 10km nach Bosco schaffen sollte - und wen umgotswillu ich anrufen könnte, um mich notfalls abzuholen ...
Irgendwann ging es wirklich gar nicht mehr, und ich hielt wie früher den Daumen raus um per Autostopp wenigstens ein Stück abzukürzen. Ja, die Bereitschaft, Autostopper mitzunehmen ist in Italien ganz ähnlich wie in der Schweiz: Eher übersichtlich. Leichte Panik ergriff mich. Umso froher war ich, als dann trotzdem einer anhielt! Ich hinkte dank des Wanderstocks einigermassen zu dem Auto, in dessen Kofferraum ich ein Mountainbike entdeckte. Auch so ein Hobbysportler, Gozeidank!
Es stellte sich heraus, dass er früher bis ins Juniorenalter national erfolgreich Tennis spielte, jetzt aber wegen einer kaputten Hüfte nur noch im Flachen ebiz velofahren kann. Aber er kannte meine Symptome und tippte auf eine Muskelentzündung. Also vermutlich, weil mein Italienisch deckt den medizinischen Bereich nicht ab. Er empfahl Eis und Voltaren, andrerseits rief er umgehend seine Frau an und sagte, dass er ebiz später nach Hause komme, weil er da noch einen angeschlagenen Schweizer Wanderer nach Bosco fahre. Nun, er fuhr nicht nur einen Umweg, er stellte mich bis vors Eingangstor der Cascina Crocefisso und half beim Check-In.
GRAZIE 100‘000!! Und alles Gute für die anstehende Operation der Hüfte!
Anna nahm mich wie einen alten Freund in Empfang, versorgte mich umgehend mit Wasser und Ibuprofen und schickte mich sofort ins Bett. (An dieser Stelle ein Grüess an Mutter Natischer, die das haargenau gleich gemacht hätte, und wo ich mich intensiv dagegen gewehrt hätte, weil ich ja schliesslich schon erwachsen bin. 😘)
Heute bewohne ich ein für 1 Person geradezu riesiges Zimmer, und im Untergeschoss hats noch ein genauso grosses Wohnzimmer. U.a. steht auch ein Schlagzeug drin. Ja, ein richtiges. Vorhin sass ich dann noch fast eine Stunde - über Reisen, Familie, Italien, Schweiz, Essen und natürlich Calcio plaudernd - mit Mauro drunten im Garten, weil Anna musste in die Stadt oder so. (Er ist Tifoso dr US Alessandria Calcio in der Serie C und tippt auf eine 6:0-Niederlage der Young Boys in Turin.) Es hat hier ums Haus mehrere Kater (NB: maschi, nicht uomini...), die eigentlich den Nachbarn gehörten, aber zum Fressen und Faulenzen hier rüber kämen. Ein bisschen wie ich auch, eigentlich.
Medizin und Ruhe helfen bis jetzt teilweise, aber ob und wie es weitergeht, werde ich bestenfalls morgen früh wissen. Drückt mir bitte die Daumen!
Nachtrag:
„Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ... eine halbe Flutlichtanlage!“
Mit dem entliehenen Bici von Anna fuhr ich um 19.30 Uhr rüber ins Dorf. Ich musste schliesslich etwas essen, sonst gibt’s Magenweh von den Medis. Einige hundert Meter, aber das war schon kein Vergnügen. Es habe eine Pizzeria dort, hatte mir Mauro gesagt. Aber natürlich wusste ich nicht genau wo und fuhr einfach mal auf den Dorfplatz. „Locanda dell‘Olmo“ war zwar keine Pizzeria, sah aber sehr nett aus, und der Chef sagte, ich könne ja schon was trinken, bevor die Cucina ab 20 Uhr parat sei. „Una birra e un‘aqua gasata“. Und dann bringt der mir ohne rückzufragen oder mich anderweitig zu kennen ausgerechnet ein Lagunitas Double IPA, von einer Craft Beer Brewery, die zwar inzwischen zu Häinecken gehört, aber das Bier schmeckt mir trotzdem noch sehr gut.
Dann gabs Tartar vom Fassone-Rind, ein Peperono mit Kräutern und so ein Spinat(?)-Küchlein mit Rahmsösseli, danach Linguine mit Steinpilzen und dann wieder so ein Schokolade-Flan wie neulich in Momo schon mal. 😋🤗
Ausserdem freute ich mich über Eure zahlreichen guten Wünsche und v.a. auch über die Tipps von Cousine M., die notabene vom Fach ist.
Es wird langsam inflationär, ich weiss, aber: Danke!
Zurück zu meiner Bleibe ging’s dann auf dem Velo dank iPhone-Taschenlampe problemlos. Nur die Maus auf dem Feldweg war sichtlich irritiert.
Anna hat mir weitere Ibuprofen überlassen - morgen gehts also definitiv weiter! 🎉Wenn auch nicht (nur) a piedi. Predosa ist nicht so weit. Da wir einander morgen nicht mehr antreffen, haben Anna und ich uns schon sehr herzlich voneinander verabschiedet. Wenn Ihr mal in der Nähe sein solltet, berücksichtigt bitte umbedingt das B&B Cascina Crocefisso. Und obige Beiz übrigens grad auch!
PS: Die US Alessandria Calcio hat heute Abend die U23 von Juventus Turin auswärts 2:1 geschlagen. Challenge accepted, YB, oder? ;)
Bitte entschuldigt mein gestriges Emo-Geblogge, aber ja, ich bin hier offensichtlich am Verarbeiten. Das hatte ich so nicht erwartet, auch wenn im Vorfeld schon die eine oder andere Stimme darauf hingewiesen hatte, dass so ein Trip v.a. auch Selbstfindung sei. Vor Jahren hab ich mal Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ gelesen und fand’s deutlich zu #gschpürschmi. Jetzt weitwandere ich selber und bin keine Flettere besser. 😇
Jedenfalls wollte ich Euch noch etwas Meta-Infos zu meiner Wanderung geben, und das mache ich am besten am Sonntagmorgen:
Die Idee (m)einer Wanderung ans Meer ist wohl schon 15-jährig. Ich wollte anlässlich meines damals noch weit entfernten 40. Geburtstags dem Rotten entlang von Gletsch via VS-Rhonetal, Genfersee, FR-Rhonetal ans Mittelmeer. Diese Idee wurde an verschiedensten FüBi und Kollegenabenden gewälzt und gewälzt, aber eigentlich war klar, dass eine 800km-Wanderung etwas gar viel des Guten wäre.
OK. Aber dann wenigstens von zuhause ans Meer? Via Direttissima, lies: Über die Alpen und dann geradeaus bis ans ligurische Meer? (Wie Ihr wisst, wurde schliesslich Domo - Arenzano draus. Ca. 250km. Immerhin!)
Ausserdem stellte sich die Frage nach erlaubten Hilfsmitteln: Was ist mit Gepäck? Wäre eine Begleitung ok? Gar in einem Camper? Oder sonst ein Velo? Oder wenigstens Rollschuhe? Und beherrsche ich das eine oder wenigstens das andere? Wie lange kann/darf/soll man alleine verreisen, wenn man in einer Beziehung ist? Allzu viele Ferienwochen hat man ja auch nicht pro Jahr. Oder kommt diese mit? Ist das dann das selbe oder ganz etwas anderes?
Viele Fragen, kaum Antworten. Das führte dazu, dass schliesslich mein 40. Geburi ins Land zog und ich weder via Rotten noch anderweitig ans Meer wanderte.
Nun bin ich gut 45, optimistischer Single (mein Bett ist halbvoll 😉), und da ich nach >25 Jahren quasi nonstop in Beziehungen eh nicht wusste, was ich während meiner Sommerferien 2018 tun sollte, kam plötzlich diese alte Idee wieder auf: #aPiedialMare.
Meine Vorbereitung und Planung verliefen ... nun, nennen wir es: #agil. Ich hatte (und habe) einfach das Meer als Ziel, und weiss dank Google-Maps, dass das grundsätzlich möglich ist. Zudem mache ich ja seit gut 1 Jahr viel Sport (#SpeedSpaziering) und bin ganz ordentlich in Form. Aber sonst? Fehlanzeige. Ich kümmerte mich weder um die genaue Route noch um Übernachtungsmöglichkeiten. Ich ging eigentlich komplett blauäugig in dieses Abenteuer.
Google-Maps ist keine Wander-App, muss man ganz klar festhalten. Google-Maps sorgt dafür, dass man zu Fuss irgendwo hinkommt, aber es folgt allermeistens dem öffentlichen Strassennetz. Ich weiss deshalb gar nicht, ob es den #Natischerweg auch als Wanderweg gäbe.
Sämtliche Übernachtungen habe ich via Apps von Booking.com und Airbnb gemacht. Meine 1. Etappe hab ich sehenden Auges eher (zu) lang vorgesehen, weil *wenn* scheitern: Fail fast and cheap! Ich habe die 1. Etappe von Domo nach Ornavasso (> 27 km!) dann jedenfalls irgendwie überstanden, auch wenn ich mich am Ende ziemlich am Wanderstock festhalten musste ...
Apropos Wanderstock: Ja! Umbedingt! Zwingend! Aber besorgt Euch Gummi-Schutz für unten dran, sonst klickts so trümmlig bei jedem Schritt!
Zuhause im Bremgartenwald - ohne Gepäck - laufe ich rund 7.5 km/h. Mit Gepäck jetzt bloss 6 km/h. Probiert das besser aus, falls Ihr ähnliche Pläne habt!
Etappen bis 20 km gehen gut, darüber kann’s harzig werden - gerade, falls es auch noch ebiz obschi geht.
Gepäck: Ich hab nur das allernötigste dabei - kein Zelt, kein Schlafsack, nichts zum Kochen/Nahrungsmittel - und hab immer noch >10kg. Bisher hab ich unghüres Wetterglück und habe - *holz-anfass* - bisher weder Regenschutz noch -schirm benutzt. Aber auch bzgl. Kleidung: Das erste, was ich mache, wenn ich in der Unterkunft angekommen bin, ist Kleider waschen. Im Lavabo. Mit Seife oder Duschmittel. Es braucht also einfach Hose/Shirt zum Wandern und ebensolches für am Abend. Weil ich ja eher der dekadente Wanderer bin, verpflege mich meistens auswärts. Merke: Leichtes Gepäck ist gutes Gepäck.
Pro-Tipp: Flipflops nicht vergessen...! 🙄
Aha, Elektrozubehör schlepp ich ja auch noch allerlei mit: iPhone und iPad inkl. Ladekabel und wireless Tastatur für zweiteres. Dann wireless In-Ears und den Schrittzähler- siehe Bild oben mit dem rekordverdächtigen Schnitt der 1. Woche.
Ich wander(t)e iterativ: Die Route und Übernachtungen hab ich immer nur für max. 2 Tage/Nächte im voraus geplant/gebucht. Man weiss ja nie, was geschieht. Für die nächsten, resp. die nun anstehenden letzten 4 Tage ist nun alles gebucht: Ich werde spätestens am DO-Mittag das Meer sehen und am Nachmittag darin liegen.
Und ich freu mich drauf wie ein kleines Kind! 🤗🤩 #GenteDiMare
PS: DANKE, dass Ihr mich hier und auf den anderen SoMe-Kanälen begleitet. Ohne Euren Support, Eure Likes & Retweets, Euer Daumendrücken, Euer Zuhören, Euer Mitleiden/-fühlen und - last but not least - Eure Musikvorschläge!! wäre das alles unmöglich. MERSSI TÜÜSIG!! 😘
Eine solche Wanderung ohne Musik wäre möglich - aber sinnlos.
Die Dinger mögen zwar Bed & Breakfast heissen, aber meist hats einfach eine Kaffeemaschine und Tee. Aber comunque, dann geh ich halt alben noch auf einen Cappuccio und ein Brioche in eine Bar. Heute wars aber immerhin ein Brioche mit Käse und Crudo drin und kein süsses wie sonst meistens.
Um 10.10 Uhr verliess ich Mirabello Richtung San Salvatore Monferrato, dem Kulminationspunkt der heutigen Wanderung, 120m höher gelegen. Ich war etwas übereilt losgelaufen und hatte noch gar keine Musik für den heutigen Tag ausgewählt. Also versuchte ich es mit offiziellen Playlists von Spotify, die extra für Road-Trips oder fürs Mitsingen im Auto angeboten werden. Mir war das aber zu ami-haft, es hörte sich immer alles nach dem ollen Ed Sheeran oder der trümmligen Beyoncé an, und das mag ich nicht. Mitsingen schon gar nicht. Also landete ich schliesslich bei „Mix Italia 1970 - 2000“ mit bekannten und unbekannteren Stücken verschiedenster Künster und Cantautori. Mit ein paar grossen Hits und mit einigen überaus pathetischen Liedern, z.T. nur mit Gitarre oder Klavier begleitet, die von Guerra, Galera, la Mamma, il Mare und natürlich Amore handelten. Ein paar Songs waren überaus emotional, mein Herz ging auf wie ein verdammtes Scheunentor, und ich hatte Liebe in mir bis Oberkante Unterlippe. „Das sind nur die Hormone, das legt sich gleich wieder“ hatte Frau B. neulich bei anderer Gelegenheit gesagt, und tatsächlich, spätestens als ich etwas später in einer Bar bei Caffè&Aqua den Strassenarbeitern ebiz zuhören musste, implodierte diese Stimmung komplett.
Davor hatte ich vor lauter Musik die Abzweigung nach San Salvatore Monferrato verpasst und stand plötzlich vor einem Tunnelportal. Ich hatte schon Bedenken, dass ich umdrehen müsste, aber es gab eine Leitplanke im ganzen vielleicht 300m langen und gut beleuchteten Tunnel, hinter der ich gut laufen konnte. Ein entgegenkommender Autofahrer grüsste als ich ins Tunnel lief, wendete offenbar danach, überholte mich im Tunnel wieder und wartete dann am anderen Tunnelportal auf mich. Ob ich eine Zigarette hätte, fragte der Typ, der optisch an Raymond Domenech erinnerte, dem ehemaligen Trainer der französischen Fussballnationalmannschaft. Nein, antwortete ich, als ich merkte, dass mein Päckli nicht mehr im Hosensack war. Offenbar war es mir bei der ganzen Suche nach brauchbarer Musik rausgefallen. „Non fumi? OK. Ma, dove via?“ „Al Mare“, rief ich übereuphorisch und lief wieder weiter. Und er fuhr dann auch weiter, aber das Ganze war schon ziemlich seltsam ...
Hinter dem Tunnel konnte ich dann auf die ursprünglich geplante Route zurückkehren und erreichte Alessandria schliesslich nach 2 Kurzpausen und einigen leicht halsbrecherischen Passagen gegen 14 Uhr. In der örtlichen Citadella findet heute offenbar ein Comic-Festival statt, was mir wie eine ungewöhnliche Combo aus Open-Air, Fasnacht und Mittelalter-Festival vorkam. Fehler am Platz konnte ich mich nicht fühlen und darum verliess ich das Festival bald wieder um zu meiner heutigen Unterkunft, der Suite Vogue, zu laufen.
Überhaupt. Alessandria. Hmm. Übermorgen jährt sich 9/17 zum ersten mal, und es wäre gelogen, wenn ich sagte, dass ich nicht jeden Tag mal an sie denke. Aber bon. Ich denke auch jeden Tag an viele andere Menschen und Dinge. 🤷🏻♂️
Meine Welt - und ich - haben sich in dem Jahr stark verändert, in den allermeisten Bereichen zum besseren, wie ich finde: Ich ernähre mich gesunder, treibe viel Sport und bin deutlich gelassener geworden. Und manchmal hab ich sogar ebiz Verständnis für CRonaldo, wenn der nach einem Tor sein Shirt auszieht und mit seinen Muskeln prahlt ... *hüstel*. (Ich war die ersten 45 Jahre ... naja ... voluminöser.)
Jetzt sitze ich beim FüBi in meinem Studio und werde gleich die weitere Route planen und die nächsten Übernachtungen buchen. Seit der heutigen Playlist weiss ich auch, welches Lied ich hören werde, sobald ich das Meer sehe: Gente di Mare. In Endlosschleife. Überhaupt nimmt mich schon wunder, wie ich reagieren werde, sobald ich ans Meer komme: Werde ich alles fallen lassen und reinspringen? Oder mich cool hinsetzen und einen Negroni ordern? Oder losheulen wie nicht mehr seit ... dem Meistertitel der berühmten Berner Young Boys...? Lo vediamo.
PS: Ja, es fällt mir auch auf, dass meine Texte länger und persönlicher werden ...
Für heute wurde mir nach der gestrigen Misere gänzlich andere Musik empfohlen: Mit „The Road Hammers“ laufe es sich von ganz alleine, meinte Frau M. Das ist so Country-Sound, etwas, was ich sonst überhaupt nicht höre. Aber klar, einen Versuch wars sicherlich wert.
Wie inzwischen üblich ging’s um 10.30 Uhr und nach einem italienisch-süssen Frühstück in einer Bar - die gestrige Unterkunft liess auch diesbezüglich einige Wünsche offen - los Richtung Alessandria. Dorthin wärens 30 km, aber nach den beiden langen Etappen von gestern/vorgestern wollte ich es etwas gemütlicher angehen. Mein Weg führte dann rasch aus Casale hinaus und an einen Kanal, dem ich die nächsten ca. 6 km entlang laufen konnte. Auf Naturstrasse, ganz allein im allgemeinen Fahrverbot - herrlich ruhig, kein Verkehr, frische Luft. Ja, klar, so wärs natürlich noch viel schöner zu wandern! Bei der Musik im Ohr ging’s um Trucks, Freundschaft und Liebe, und ich wanderte frohen Mutes weiter. Ein Rudel Reiher begleiteten mich ein Stück weit - es hat also auch wieder Vögel.
Dann war aber fertig mit Kanal, und ich musste zurück auf die Strasse. Dort stand dann grad die Bar „Emily“, und für mich wars just Zeit für Caffè&Aqua. In der Bar sassen ein paar wenige Seelen, die sich mit mässigem Erfolg an so einer nagelneuen Alexa - da dieses Google-Assistenz-Ding - versuchten. Dann ging plötzlich rechts die Türe zur Küche auf, und herein trat Emilia, die Besitzerin der Bar.
*BÄM*! Sonnenaufgang!! *kiefer-runterklapp*!!!
Wir schauten uns in die Augen - Ciao, Buon Giorno - und die Bedienung erzählte Emilia, dass ich drum ans Meer wandern würde. „So wirst du aber nicht zunehmen...“, sagte sie, und musterte mich von oben bis unten.
„Läufst du wirklich von den Alpen bis ans Meer? Dafür hätte ich nie il Coraggio.“
„Dann komm mit mir mit“, entgegnete ich, „oder warst du diesen Sommer schon am Meer...?“
„Dammi un‘ attimo“, sagte sie grinsend und drehte sich um, um schnell ein paar Sachen einzupacken. „Andiamo al Mare!“
Naja, fast. So wärs jetzt in einem Song da dieser Road Hammers verlaufen. Ihr merkt, dieses Country-Zeug färbt sofort ab ... 😉
Jedenfalls erreichte ich - weiterhin ohne eine „Emilia“ o.ä. - Mirabello dann schon vor 14 Uhr. Das ist ein ziemlich übersichtliches Dorf, aber immerhin mit Katze. Heute bewohne ich eine 3,5-Zimmerwohnung im Haus von Carla, eine sympathische Müema, die sich offenbar kürzlich Schulter und Arm gebrochen hat, die Ärmste. Der Gegensatz zu der Bleibe gestern könnte grösser nicht sein ...
Znacht gibts jetzt dann drüben im Antico Bistrot. Ich war vorher schon mal dort, weil ich Wasserflaschen einkaufen wollte. Das Birra Artigianale gabs leider nicht mehr. Es sei ganz schlecht gelaufen, sagte die Dame hinterm Tresen. Janu. Voraussichtlich gibts jetzt dann einen Burger, die Speisekarte sah ganz danach aus. Offenbar sind sie im Bistrot Tifosi des Torino FC - dann kann ich heute ja ruhig mal im YB-Shirt ausgehen.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, Euch heute etwas über Planung und Ausrüstung meiner Wanderung zu erzählen, aber der Country kam dazwischen, sorry. 😇
Das Wetter macht weiterhin mit, der Körper grösstenteils auch, auch heute hab ich mein Ziel erreicht, die Reis- wird glaubs deutlich besser als die Maisernte, und der Verkehr war heute sehr übersichtlich.
Manchmal überrasche ich mich selber, wie ich statt zu Jammern/Lästern zuerst das Positive sehe/suche. Im vergangenen Jahr hab ich mich gläubi schon ebiz verändert. Herzliche Grüsse an die hierfür Verantwortlichen! 👋🏼
Heute hab ich nämlich ziemlich gelitten! Die Temperaturen sind zwar konstant - ich schätze so um die 30 Grad - aber das viele Wasser in den Reisfeldern macht die Hitze wohl auch feuchter, und das hat mich heute eindeutig mehr gebraucht als die letzten Tage. Die 1. Pause musste ich schon am Stadtrand von Vercelli einlegen. Eine Aqua-aus-dem-Rucksack-Pause, weil Bars hatte es schon da keine mehr. Auch merkte ich körperlich, dass ich gestern schon eine längere Etappe gelaufen war, Rücken und Hüfte waren noch müde von gestern.
Da die Autobahn quasi parallel zur heute belaufenen Strasse verläuft, wars mit dem Verkehr sehr angenehm, auch war die Strasse deutlich breiter. Andererseits gabs abseits der Strasse kaum was zu sehen, auch der Strassengraben fasziniert schon nicht mehr allzu sehr. Und bei den Reisfeldern ist es ebiz wie damals bei meiner Reise anno `94 nach Bali: Hast du eines gesehen, kennst du sie alle. Und sonst gabs eben eher wenig. Auch keine Dörfer und keine Verpflegungsmöglichkeiten. Als ich das erste Mal wünschte, ich wäre bald am Ziel, wars erst grad 12.15 Uhr, ich hatte gerade mal 12km, also die Hälfte des Tages geschafft, und ich stand im Schatten der 2 einzigen Bäume weit und breit. Irgendwie heiterte mich auch die House-Musik, zu der ich heute lief, nicht auf, und mein Wasservorrat ging auch schon langsam zur Neige ...
Da entdeckte ich die Hopfendolden an einem der beiden Bäume. Genau hier verlief eindeutig der #Natischerweg! 🤗😎 Und weiter ging’s!
Neue Musik musste her - also wechselte ich mal zu Electro Swing. Damit läuft es sich beswingter! Zumindest wieder ein paar Kilometer weit. Die Reisfelder nahmen kein Ende, links und rechts lief weiterhin genau gar nichts, und als dann rechts ein Burger-King-Schild „in 10 minutes“ stand, hätt ich zu sabbern begonnen, wenn ich nicht so einen trockenen Mund gehabt hätte. Burger King hab ich dann zwar keinen gesehen, aber immerhin kam irgendwann wieder ein Dorf mit Tankstelle. Also nichts wie rein: „Un caffè, per favore, e una grande bottiglia di aqua gasata“. Die Tanke wird von zwei Zwillingsschwestern geführt und diese schauten mich an, als ob ich direkt vom Mars hergekommen wäre. Das sagte ich ihnen dann auch und erklärte meine „Mission“, aber ihr Verständnis war eher überschaubar. Die ganze Szenerie wirkte wie in einem Tarantino-Film, und bevor ein allfälliges Gemetzel losgehen würde, lief ich dann auch wieder weiter. Noch 6 Kilometer.
Die Jovanotti-Playlist, auf die ich nun wechselte, entpuppte sich eher als Italo-HipHop-Playlist mit mir meist unbekannten KünstlerInnen, aber italienischer Sprechgesang hat gegenüber deutschem den grossen Vorteil, dass ich den Text nur teilweise verstehe ...
Die letzten Kilometer zogen sich etwas in die Länge, aber bei Articolo31s „Dammi Volume“ begannen meine müden Beine trotzdem zu tänzeln. Dann erreichte ich endlich den Po und Casale Monferrato, fand eine Bar, die mir das schmackhafteste „Poretti Bianca“ der Welt verkaufte, und gleich danach auch meine heutige Bleibe. 2 Stockwerke steile Treppen, quasi als Dessert ...
Vielleicht waren Beschreibung und Fotos auf Airbnb etwas gar optimistisch, aber comunque. Der Vermieter ist Sarde, hat Ichnusa non filtrata im Kühlschrank („Bevi tutti!“) und verabschiedete sich in die Nachtschicht nach Turin. Security bei einem Filmdreh, wenn ich’s richtig verstanden habe. Ich muss davon ausgehen, dass ich heute in seinem eigenen Bett schlafe ...
Morgen gehts weiter Richtung Mirabello Monferrato. Ich darfs ja auch nicht übertreiben. Und jetzt geh ich mal kurz den örtlichen Palazzo dei Paleologi anschauen und etwas essen. Herr Google kennt da ein paar Knellen im Quartier! Buon Appetitto zäme!
Mittwochs ist ja immer Rock-Special, deshalb lief ich heute zu Helloweens Lebenswerk. Während meiner Metal-Zeiten war ich schwer Fan von denen - so mit Walls-of-Jericho-Cover auf der Kutte ... *hüstel* ... und letzten November sah ich die ja endlich auch mal live in der Samsung-Hall. War prächtigstmöglich! 🤘🏼
Nach einem reichhaltigen Frühstück im bisher ... auffälligsten Frühstücksaal ging es heute wieder um 10.30 Uhr los, raus aus Novara, Richtung Südwesten. An meinem Wander-Skistock (*gandalf-alarm*!) ist der Gummischutz schon seit Ornavasso durch, und ich mache ziemlich einen Lärm, wenn ich auf Asphalt u.ä. laufe. Aber weder im Ortho-Zubehör- noch im Sportgeschäft gab es Ersatz zu kaufen. Janu. Es hat ja auch Vorteile, wenn die Leute mich kommen hören. Das Sportgeschäft war zudem mehr ein Shop für Fussball-Fans, gleich beim Stadio von Novara Calcio. Dieser spiele inzwischen wieder bloss Serie C. Offenbar hat der etwas überambitionierte Präsi in der einen(?) Saison in der Serie A die Löhne nicht bezahlt, und dann sind die Spieler, die was konnten, schnell wieder weg. Erzählte neulich auch Raffaella.
„Lucertole“ heissen Eidechsen auf Italienisch, hab ich heute extra nachgeschaut. Aber das half nicht sehr, denn wenn man sie ruft, kommen sie doch nicht zu einem. Ein bisschen wie Katzen also. ;)
Katzen hat es im Vergleich zu Hunden übrigens auffällig wenig. Hunde hats immer und überall, und offenbar geben Hundebesitzer in Italien viel Geld für die Tiere aus: Einerseits in den ebenso zahlreichen Haustier-Läden und andrerseits für den Hunde-Coiffeur. Ich muss immer ebiz grinsen, wenn da wieder so ein frisch gestriegelter und schamponierter Hund Gassi geführt wird. Inkl. Baby-/Hunde-Sprache der Besitzenden. Naja. Jeder so, wie er gerne mag.
Gleich hinter Novara begannen aber schon die Reisfelder. Die mutmasslich chinesischen Arbeiter gleich im ersten Feld gaben ein perfektes Fotosujet ab. Wegen des Reises wurde die Landschaft aber feuchter, was auch daran abzulesen war, dass weniger Lucertole am Wegesrand sünnelten und mehr überfahrene Frösche zu sehen waren. (Das diesbezügliche „Highlight“ war dann aber ein nur teilweise erhaltenes Wildschwein, das ich bloss aufgrund des Kiefers als solches erkannte, aber wir wollen hier vor dem Znacht nicht in die Details gehen ...)
Die Strasse war anschliessend wegen Baustelle unangenehm eng, aber die Arbeiter liessen mich auf ihrer Seite der Absperrung laufen. Ausserdem - auch hier eine Parallele zur Schweiz - war die Strasse auch noch viele hundert Meter nach der eigentlichen Baustelle verengt, was ich sicherlich deutlich angenehmer fand als die andern Verkehrsteilnehmer. „Vado al Mare!“, rief ich einem Arbeiter zu, der mich verwundert beäugte. „Ha raggione!“, wollte ich zumindest verstanden haben.
Heute war ich ganztägig mit Warnweste unterwegs, weil es auf dem ersten Streckendrittel heute noch mehr Verkehr hatte und die Strasse für zusätzliche Fussgänger wirklich nicht gebaut ist. Velofahrende fahren ja quasi ausschliesslich derenweg herum, und ich verstehe „Gümeler“ deshalb jetzt noch weniger. (Aber natürlich auch hier: JedeR so, wie sie/er mag.)
Die 1. Caffè&Aqua-Pause gabs nach 1,5 Std. in Cameriano, wo ich 1,5 Liter Wasser quasi ausexte - es war wieder schön warm heute - und die zweite Pause dann erst in Borgo Vercelli, weil dazwischen gabs nichts. (Also zumindest nichts zum Einkehren. Ein Möbel-Outlet interessierte mich weniger.) Der Besuch der Bar dell‘amicizia & edicola war dann aber eines der schönsten Erlebnisse der bisherigen Reise: Die von Chinesen geführte Bar war um ca. 13 Uhr überraschend gut besucht. „Santiago?“, fragte mich ein Senior, als ich den Rucksack abstellte, und ich antwortete „al Mare“. Umgehend war ich DAS Thema in der ganzen Bar inkl. Gartenbeiz, musste an allen Tischen dazusitzen, meine Geschichte erzählen und erfuhr allerlei über Region, Calcio („Il Messia è arrivato alla Juve!“) und Ciclismo (Rominger! Zulle! Cancellara!). Die Leute in Borgo Vercelli kennen jetzt auch die berühmten Berner Young Boys. 😉
Genau wie geplant um 15.30 Uhr erreichte ich dann Vercelli. 23km sind bei diesen Temperaturen kein Pappenstil. Und morgen warten ähnlich viele. Ich werde evtl. einen kleinen Umweg laufen um dem Verkehr etwas auszuweichen.
Meine Bleibe heute Nacht ist einfach unglaublich - siehe Fotos - und kostet etwa gleich viel wie die Besenkammer gestern. Ich fand dieses Bijou übrigens sowohl auf Airbnb als auch auf Booking.com, aber bei Booking kostete sie 1/3 weniger ... 🤔
Dann geh ich jetzt mal etwas essen. Pasta wär glaub mal wieder nachen!
PS:
- Prosciutti di Cervo e Cinghiale
- Gnocchi con crema di tartufo bianco
- Gelato fior di panna, caramello e mandorle
- Barolo chinato
Es war stupendo!
PPS: Ristorante Il Paiolo. Morgen werde ich wohl ebiz Sport machen müssen! 😇
Heute benötigte ich für die 16km lange Strecke gut 18.5, weil wer kein Hirn hat, hat Beine: Ich liess meinen Wanderstock (-> Gandalf?) bei einer Caffè&Aqua-Pause stehen und musste ein Stück zurück ...
Nach dem Frühstück mit einem Brioche gefüllt mit Aprikosenkomfitür (meine Lieblings-) ging’s um 10.30 Uhr auf der Direttissima Richtung Novara. Direttissima hiess halt eben auch Hauptstrasse, und diese war wiederum ziemlich gut befahren und eher mittel-abwechslungsreich. Ausnahmsweise liess ich mich heute mit Fitbit tracken und weiss nun, dass ich den Km in 9.5 Minuten laufe - gut 6km/h also. Dazu gabs heute die Playlist von 883, einer italienischen Band, von der ich mal ziemlich Fan war. Die Lieder konnte ich also fast alle auswändig und sang mitunter laut mit. (Nun weiss ich auch, weshalb die Hunde immer bellen, wenn ich vorbeilaufe.) Meine Stimmung war darob jedoch deutlich besser als gestern, auch wenn die anfangs recht enge Strasse wiederum ein paar suboptimale Rencontres mit Autos und Brummis mit sich brachte. Grazie tanto auch an den SUV-Fahrer (ich spreche das ‚Suff‘ aus), der mir den Vogel zeigte, weil er mich erst im letzten Augenblick sah, weil er seinem Vorfahrenden am Arsch klebte. Andrerseits gabs auch den Brummi-Fahrer, der fröhlich zurückwinkte, als ich mich mit Handzeichen dafür bedankte, dass er gehörig Abstand hielt. Die heutige Strecke hatte übrigens genau 1 Kurve: einen Kreisel.
Dies gab mir Gelegenheit, die regionale Fauna und Flora zu beobachten: Es hat weiterhin unglaublich viele Eidechsen, die meinetwegen ebiz gestresst werden. Ansonsten hats alben allerlei Überfahrenes und Verdorrtes auf dem Asphalt, heute neben Schnecken und Würmern auch einen Hasen, einen Vogel und zwei Mini-Schlangen. Fliegende Vögel hingegen seh ich kaum welche. (Wo sind die denn alle hin? Hier ist doch der Süden?! ;)
Ich sah aber auch eine wilde Hopfe - ich bin also weiterhin auf dem #Natischerweg. :)
Bäche sind oft komplett ausgetrocknet und Flüsse nur Rinnsale, und ganz offensichtlich litt auch der Mais sehr unter dem trockenen Sommer `18. Der Verkehr verpestet die Luft natürlich auch stark und Autofahrer schmeissen ihren Abfall prinzipiell in den Strassengraben. Das gibt einem schon ziemlich zu denken. Wir verhalten uns so, als hätten wir einen Zweitplaneten griffbereit ...
Meine Wanderung unterbreche ich jeweils nach ca. 1 Std. mit einer Caffè&Aqua-Pause und einen Schwatz mit den Leuten in der jeweiligen Bar. Dass ich ans Meer laufe, sorgt immer wieder für Staunen/Amüsement/Kopfschütteln. Im Auto-Land Italien bin ich damit halt schon ein Exot. Wenn schon wandern, dann in den Bergen. (Naja, nicht ganz zu unrecht...)
Kurz vor Novara hätt’s am Strassenrand ein Spa gehabt mit Pool und Massage und so, und ich kämpfte stark gegen den Drang, dieses zu besuchen. Andrerseits wollte ich vor der allergrössten Hitze in Novara sein. Was mir auch gelang - trotz der eingangs erwähnten Extrarunde. Novara hat offenbar ca. 100‘000 EinwohnerInnen und sieht aus wie viele italienische Städte: Einkaufsstrassen, Bars & Ristoranti, etwas Fussgängerzone und natürlich Kirchen. Eine gewisse Redundanz also. Novara hat aber auch noch einen netten Park mitten im Zentrum. Dafür konnte ich nicht auf den Campanile, weil der ist nur DO bis SO geöffnet. Bisschen Flanieren, ein Gelato essen oder in der Gartenbeiz Sitzen geht natürlich immer.
Heute wohne ich im Albergo Italia. Von aussen sieht es aus wie ein Gefängnis und drinnen wie ein Museum, das ein Facelifting benötigen würde. Der Check-In geschah überaus humorlos und mein Zimmer ... naja, es hat einen Grund, weshalb es nur 60.- kostet ... :) „Wer Tramper-Ferien bucht, muss damit rechnen, Tramper-Ferien zu erhalten“, wie wir damals im Reisebüro SBB am Bahnhof Visp zu scherzen pflegten.
Für morgen hab ich wiederum ein B&B gebucht in Vercelli und für übermorgen eines in Casale Monferato - das sind dann gleich zwei >20km-Etappen hintereinander. Ich hoffe einfach, dass Füsse und Schultern weiterhin so gut mitmachen, sonst würds übel. Sälpferstäntli unternehm ich aber auch alles, damit das so bleibt.
Und jetzt ist Zeit per la Cena - ci vediamo domani.
PS: Crudo aus dem Val d‘Ossola mit Occhio di Bue und Risotto mit Zucchine konnten nicht ganz mit gestern mithalten, aber jetzt gibts noch warmen Apfelkuchen mit Glace und Marsala. Salute!
„Una catedrale nel deserto“. So hatte mich Raffaella am Nachmittag im Caffè Vanoglio in Agnellengo di Momo begrüsst. Und sie hätte es nicht treffender ausdrücken können.
Es war schon fast 11 Uhr, als ich nach ausgiebigem Frühstück und ebensolchem Verlauern endlich in Borgomanero loslief. Heutiges Tagesziel wäre Momo. Ein Ort, von dem ich noch nie gehört hatte, aber dessen Name ich noch witzig fand, wegen des Films damals und weil der eine Hund der ex-Nachbarn so hiess. Um nicht wieder in allzu viel Verkehr zu geraten wanderte ich indes nicht der Hauptstrasse entlang, sondern lief etwas westlicher via Cureggio und Barengo. Lustig fand ich, als in Cureggio ein Auto anhielt und mich fragte, wo es denn zur Autobahn ginge. In Fontanetto d‘Agegno gabs dann eine Caffè-&Aqua-Pause, und die Müema der örtlichen Bar empfahl mir, eben via Barengo weiterzulaufen, weil diese Strasse schattiger sei. Nun ja, wenn man über Mittag gen Süden läuft, ist es halt immer etwas schwierig mit Schatten, auch wenns mal Bäume u.ä. hätte. es wurde jedenfalls je länger desto wärmer - über 30 Grad - und Verkehr hatte es auch. Immer wieder eindrücklich, wenn ein 40-Tönner oder ein PW mit über 100km/h ca. 1m neben einem durchbraust ...
Ausserdem gabs auch wenig Ablenkung oder Abwechslung neben der Strasse und so schwitzte ich mich mit ähnlich eintönigem Ibiza-Live-Radio im Ohr Barengo entgegen. House geht zum Laufen ähnlich gut wie die Italo-Disco neulich - und enthält deutlich weniger Dieterbohlen. :)
Kurz vor ebenjenem Agnellengo baggerten 2 Bagger ausgiebig an einem Baggersee, und ich hätte viel gezahlt, um mich in das Wasser zu stürzen. Aber es war grossräumig abgesperrt. Dann ging’s aber eben direkt zum schon von weitem sichtbaren Kirchturm von Agnellengo, also auf den Platz davor, dort hatte es eine Bar, und - SIE WAR SOGAR OFFEN. Eben eine Kathedrale in der Wüste. Selten (NIE) hat ein Panaché mit Forst-Bier so gut geschmeckt. Ich plauderte gut 1/2 Stunde mit Raffaella über alles mögliche. Interessant, wie mein Italo-Voca, das ich damals anno 1999 in Firenze lernte, nadisna wieder hervorkommt - obwohl ich es seither eher selten benutze. Raffaella ist Bergamasca und Atalanta-Fänin, aber nein, die berühmten Berner Young Boys kannte sie nicht. Aha, Champions League gegen Juve? Sie wünscht uns jedenfalls viel Glück gegen CRonaldo & Co., wir könnten es brauchen, meint sie ...
Nach Momo wars dann nur noch wenige km, und die heutige Unterkunft „La Chioccola“ fand ich auf Anhieb: Ein vor 1 Monat frisch renoviertes Haus mit 3 Gästezimmern, modern und sehr schön eingerichtet. Frühstück gibts morgen übrigens in einer benachbarten Bar. ;)
Nach einem kurzen Einkauf empfahl mir die Bedienung beim Apero im Antico Caffè del Vapore rüber in die Osteria Goblin znachtessen zu gehen. Ein weiser Rat: Ich habe mehrere, ganz hervorragende Primi gegessen - Mozzarella di bufala, Vitello tonnato und Carpaccio - und danach ein geradezu verboten feines, piemontesisches Schokolade-Flan(?) mit Amaretti. Der fittlablutte Wahnsinn, ehrlich. Dann gabs auch noch caffè und einen Grappa, resp. ich erhielt grad eine Auswahl an 3 hausgemachten Grappe auf den Tisch. Also wenn Ihr nächstes mal zu Fuss ans Meer wandert und in Momo vorbeikommt - esst umbedingt in der Osteria Goblin Znacht.
So erhielt der bisher ödeste Tag, der zeitweise durchaus auch ebiz auf die Moral schlug, einen wunderbaren Abschluss, und ich freue mich auf die weitere Reise. Morgen gehts weiter nach Novara, dann wieder in ein Hotel, weil B&B war grad aus. Es soll allerdings morgen noch heisser werden ...
PS: Was antwortet man eigentlich auf „In Bocca al lupo“?
Selten so viele attraktive Menschen auf einem Haufen gesehen wie eben an dieser Festa dell‘Uva in Borgomanero! Aber dazu später ... ;)
Sicherheitshalber hatte ich den Wecker auf 7.30 Uhr gestellt, und tatsächlich war er nötig. Im Albergo hatten sie eine Penalty angekündigt, falls man sein Zimmer nicht per 10 Uhr räume, und da ich ja auch noch spörtlen und frühstücken wollte, war das besser so. Morgenturnen bei aufgehender Sonne auf dem Balkon macht natürlich grad noch mehr Spass!
Das Ristorante des Albergos bekleckerte sich auch beim Frühstück nicht mit Ruhm, und so ging es um 10 Uhr erst mal den Berg hinunter nach Pettenasco, weil mein Albergo lag ja eher oben auf dem Berg. Ich Göich hatte meine elektrische Zahnbürste in Ornavasso liegen lassen und musste ergo erst noch in einen Supermarkt. Ja, die sind in Italien offenbar auch an Sonntag geöffnet. Dazu hab ich eine ziemlich zwiespältige Haltung: Einerseits finde ich, dass man dann arbeiten sollte, wenn es Arbeit hat, andrerseits ist Familienleben natürlich anders, wenn jemand unregelmässig arbeitet.
Nun ging’s dem See entlang Richtung Orta. Das war eher so mittel-ideal, weil sonntags nun definitiv jedeR aus der Region mit Velo, Töff oder Auto unterwegs war und entsprechend Verkehr auf der Strasse herrschte. Einen Spazierweg dem See entlang gabs leider nur ca. 500m lang. Normalerweise laufe ich auf der linken Strassenseite - links gehen, Gefahr sehen, nicht wahr? - aber wenn links der Berg ist, gibts in Kurven immer unangenehme Überraschungen für die Entgegenkommenden, und darum lief ich rechts. Halt mit Warnweste am Rucksack, damit mich die teilweise im Valentino-Rossi- oder Guiseppe-Moser-Fahrstil an mir Vorbeifahrenden anderen rechtzeitig sahen. (Mir scheint, einige Autofahrende fühlen sich bemüssigt, diesem seltsamen Fussgänger durch sehr nahes Vorbeifahren pädagogische Lektionen erteilen zu müssen, aber hab ich denn für die Benutzung der Strasse nicht gleich viel bezahlt wie alle anderen...?) Auch der teilweise üblen Abgase und des vielen Abfalls im Strassengraben wegen wars tatsächlich kein Vergnügen, dem Ortasee entlang zu laufen. Ob es auf der anderen Seeseite wohl besser gewesen wäre...?
Kurz vor Seeende stürzte ich mich dann natürlich noch in den Ortasee, resp. ich schwomm eine Runde, nachdem ich mich innert Sekunden des T-Shirts und der Schuhe entledigte. HERRLICH!
Ab Seeende wurde der Verkehr dann schlagartig besser, resp. ich konnte endlich die Hauptstrasse verlassen und lief durch ziemlich verlassene Strassen und Quartiere via Gozzano und Briga(!) Richtung Borgomanero. In einem weiteren sonntags geöffneten Ipercoop gabs dann eine kleine Stärkung bevor ich um 14.30 Borgomanero erreichte. Mich empfing eine Polzeieskorte, Absperrgitter und übelster 90er-„Techno“ - offenbar da diese Festa dell‘uva. Die heutige B&B-Vermieterin Annalisa erwartete mich schon vor ihrem Haus: Heute bewohne ich eine sehr sympathische Bleibe im Parterre mit 2 Zimmern und Badezimmer. Inkl. Sonos-Soundsystem und Playstation, und es hat fürs Frühstück morgen alles griffbereit! Und ja, es kostet weniger als der Albergo nächti ...
Diese Festa dell‘uva hab ich natürlich jetzt auch noch besucht. Es war eine Mischung aus Fasnacht, kantonalem Musikfest und Streetparade - herrlichst tanzbaren BumBum ab dem Wagen auf dem Foto oben - es herrschte eine ausgelassene Stimmung bei Jung & Alt und eben, siehe Einleitung ... *hüstel* ... Jedenfalls neigt sich nun, da ich im örtlichen Irish Pub das WLAN nutze um den Bericht zu schreiben, die Party langsam dem Ende zu. Nebenan hats praktischerweise eine Pizzeria. :)
Am Nami hab ich jetzt noch die Logien für die nächsten zwei Nächte gebucht: Ich bleib glaubs bei B&B.
Gänsehaut-Moment des Tages: Als die Alpen plötzlich komplett verschwunden waren.
Weiter gehts nach Momo und dann nach Novara. E poi vediamo!
Natürlich hatte ich gestern noch auf diesen Luna-Park gemusst, war Tutschauto und Kettenkarussell gefahren und habe in der Bar Naters sogar una „Birra Walser“ getrunken, ein Craft Beer aus der Region. Und ja, es schmeckte deutlich besser als das Poretti-„IPA“, das es danach auch noch gab.
Trotz des Besuchs dieser Sause erwachte ich pünktlich um 6.30 Uhr. Der Bio-Wecker gewöhnt sich ja an allerlei, sogar an diese für mich frühe Uhrzeit, die ich mir in den letzten Monaten zwecks Morgenturnen angeeignet habe. In der Wohnung von Müema* Sonia gabs so ein Bialetti-Generikum und ergo tiptop Kaffee. Dazu gabs nichts - ich würde mir subito angewöhnen müssen, Frühstück für B&B-Übernachtungen einzukaufen. (*Müema ist übrigens ein altwalliserdeutsches Wort für Tante, aber ich benutze es gern ganz allgemein für nicht mehr gänzlich jugendliche Damen.)
Um 10 Uhr war dann Wohnungsabgabe und ich wanderte weiter Richtung Gravellona Toce und Omegna. Es herrschte deutlich mehr Verkehr als gestern und die Strassen waren noch enger, und so war v.a. das Teilstück bis Gravellona kein grosses Vergnügen. Beinah wär ich auch noch auf der Autobahn gelandet! Ossolaner verbringen Samstage offenbar überaus ähnlich wie Schweizer: Ausfahrt mit Velo, Töff oder Auto, letzteres waschen gehen und/oder Einkaufen.
In Gravellona gabs dann nach ca. 1 Std. Marsch eine Pause in einer Bar zwecks Montieren eines Blasenpflasters am linken Fuss. Neinein, (noch) nichts passiert, aber es wär etwas daraus geworden. Aber da ich ja nicht im Militär bin, kann ich in solche Situationen auch einfach anhalten und gegensteuern. Es hätte mehrere (neuseeländische) Birre Artiganale gegeben, aber da wars noch deutlich zu früh für. Dafür konnte ich mich sehr nett mit der Bardame unterhalten. Dass da ein Schweizer zu Fuss ans Meer will, sorgt allenthalben für Verwunderung ...
Auf dem Weg nach Omegna setzte ich dann die Kopfhörer ein, weil es war wirklich nicht so abwechslungsreich, resp. ausser Verkehrslärm gabs nichts zu hören. Zuhause im Bremgartenwald laufe ich alben zu Minimal oder sogar Goa, aber für längere Wanderungen wär das zu schnell. Also spotyfiete ich in einem Anflug von Masochismus eine 80er-Italo-Disco-Playlist. Die ist einerseits in gemächlicherem Tempo und andererseits zaubert es einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und man fühlt sich zurückversetzt ins Jugi in Brig ... Andererseits war dann etwas gar viel Dieterbohlen dabei und so war ich froh, als der Akku des Kopfhörers schliesslich leer wurde.
Omegna liegt am Ortasee, und seine Seepromenade ist wirklich nett anzuschauen. Es promenierte jedoch niemand, dafür waren die Gartenbeizen gut besucht. Ich hatte aber in Gravellona Toce etwas gegessen und wanderte darum weiter, den Berg hoch Richtung Agrano, wo ich dann doch ziemlich ins Schwitzen kam!
Schliesslich erreichte ich den Albergo Madonna della Neve um 14.15 Uhr, wo mich an der Eingangstür ein Schild empfing, dass ein Check-In heute um 17 Uhr möglich sei. Tja gut, dann würde ich den Nami wohl oder übel in der leeren Gartenbeiz verbringen müssen! Und nein, das Resto war natürlich genauso geschlossen wie der Rest des Hotels. Im Nebengebäude erspähte ich auch Tische auf der Terrasse und lief hin, um zu schauen, ob es sich auch um ein Resto handelt. Dort war jedoch alles aufgestuhlt und verschlossen und bis auf den Nonno des Hauses kein Mensch. Nein, sie hätten geschlossen wegen Ferien, aber ja, ich könnte etwas „über die Gasse“ einkaufen. Schnell kamen wir ins Gespräch, offenbar war er früher Bergführer und konnte sich für meine Wanderung begeistern. Er kannte ausserdem die Schweizer Berge sehr gut, sein Sohn arbeite in der Nähe von Sitten. Letztlich plauderten wir etwa 1/2 Stunde über hochalpine Bergtouren und mögliche künftige Wanderrouten.
Als ich zurück zum Hotel kam, standen plötzlich 2 Damen vor dem Haus und wunderten sich über den Rucksack, der vor ihrer Türe stand. Die Damen gehörten zum Hotel und so war ein Check-In dann doch viel früher möglich als erst um 17 Uhr. Das würden gleich mehrere Einträge auf meiner Liste mit positiven Dingen, die mir unerwartet passieren.
Nun sitze ich in der Gartenbeiz des Albergos und warte darauf, dass die Bedienung die Karte bringt. Vorhin kam sie an meinen Tisch und fragte, ob ich auch essen möchte, weil sie bräuchte dann eine Reservation ... jetzt hab ich sie aber 20 Minuten nicht mehr gesehen. Tja, es liegt auch in Italien nicht immer am Wechselkurs, wenn die Gäste ausbleiben ... Vermutlich hat sie ihren 1. Arbeitstag hier. ;)
Naja, on verra, wie hier ausser mir niemand sagt. Morgen gehts weiter nach Borgomanero. Dann wieder in ein B&B. Das war gestern deutlich gastfreundlicher. (Ach so, das 2. B&B in Nonio, das ich eigentlich reserviert hatte, annullierte meine Buchung, weil sie schon anderweitig vermietet hatte und ihre Verfügbarkeit im AirBnB-System nicht angepasst hatte. Also lief ich auch nicht auf der westlichen sondern auf der östlichen Ortaseeseite.)
PS: Die Speisekarte kam dann doch noch, enthält allerlei Gluschtiges und die andere Bedienung versteht ihren Job deutlich besser. Buon appetito zäme!
PPS: Das Affetato misto und der Gnocco an Gorgonzola-Sauce schmeckten vorzüglich!
Den Zug um 9.40 Uhr ab Brig erwischte ich dann doch noch. Es nieselte leicht, aber ich war mir ziemlich sicher, dass die Tropfen auf der Fensterscheibe des Region-Alps-Interregios für ein paar Tage die letzte sein würden. Und tatsächlich: Schon in Iselle schien die Sonne ab einem quasi wolkenlosen Himmel.
In Domodossola ging’s dann erst auf einen vero caffè in eine örtliche Bar. Inzwischen war mir eingefallen, was ich vergessen hatte: Adiletten für abends. Leider fand ich im OVS aber nichts Entsprechendes, und so machte ich mich auf den Weg Richtung Villadossola, Piedimulera, Vogogna und Ornavasso, meinem 1. Etappenziel. Distanz: 26km.
Gepäck: Obwohl ich mich (vermeintlich?) aufs Allerwichtigste konzentriert hatte, wiegt mein Rucksack rund 10 Kilo. Noch vor 1 Jahr hätte ich dieses Mehrgewicht als Biopren-Anzug anderweitig mitgetragen, aber comunque. Ich habe Ersatzkleider, Hygiene- und Medizin-Artikel und das nötige elektronische Equipement dabei.
Ich laufe übrigens hauptsächlich der Strasse entlang und mache dabei Thomas-Eyer-Gedenk-Märsche inkl. zahlreicher Wechsel der Strassenseite. (Thomas Eyer gehts hoffentlich gut - die Bezeichnung ist eine Hommage an den Transfer vom Bahnhof zur Unterkunft während eines Guggen-Ausflugs nach Amsterdam, bei dem wir sehr häufig die Strassenseite wechselten...)
Was tut man so, während man wandert? Man schaut in 1. Linie auf den Verkehr, damit man nötigenfalls in den Strassengraben hechten könnte, wenn einen ein Auto übersieht. Dies scheint mir beim Fahrverhalten des Italieners an sich nötig, denn Geschwindigkeitsbeschränkungen werden als unverbindliche Empfehlung wahrgenommen und auch Mobile am Ohr feat. Zigarette im Mund/in der Hand scheint üblich. Ansonsten geniesst man die Landschaft, denkt über die Geografie, die Geschichte („I Caduti di ...“), Potenziale der regionalen Industrie oder das Leben überhaupt nach oder lehnt auch mal Angebote am Strassenstrich kurz vor Ornavasso ab. Getroffen hab ich ziemlich wenig Leute, dafür zahlreiche bellende Hunde und - wohl am allermeisten - Eidechsen, denen das warm-trockene Klima des Val d‘Ossola auch gefällt.
Den 1. Gänsehaut-Moment erlebte ich, als nach Vogogna das erste Mal das Ende der Alpen zu erahnen war und dann natürlich beim Strassenschild von Ornavasso, als ich wusste, dass ich das Tagessoll bald erreicht hatte. Das grosse Shandy (aka Panaché, mit Lemonsoda!) in der 1. geöffneten Bar schmeckte vorzüglichstmöglich!
Meine Unterkunft heute Nacht ist eine ganze Wohnung, die ich via AirBnB gebucht habe. Dies werde ich auch die nächsten Tage so halten. Oder sonst auch mal ein Allbergo via Booking.com buchen, wenns sein muss oder nötig ist.
Heute Abend gibts in Ornavasso eine Party - ich nehme an, meinetwegen. ;) Es gibt verschiedene Ess- und Trinkstände und einen prima Tingel-Tangel. (So nannte Vater Natischer Lunaparks.) Bon, es hat eigentlich einfach ein paar Schiessstände und eine Tutschautobahn, aber ich hab zB auf Zypern damals anlässlich eines YB-Auswärtsspiels schon sehr gute Erfahrungen gemacht mit eher trümmligen Tingel-Tangel. :)
So. Der grosse Tag ist gekommen: Noch heute Abend reise ich ins Wallis, um morgen in Domodossola meine Wanderung zu starten. Vorfreu! Und danke fürs Daumendrücken! Dann sollte ich jetzt wohl langsam packen gehen, glöibi. Die Sachen liegen allerdings bereit, eine Checkliste gleich daneben, und ich hoffe, dass ich derenweg wirklich nichts Überlebenswichtiges vergesse. Ladekabel zum Beispiel ... ;) Via AirBnB hab ich die drei ersten Übernachtungen gebucht: Es geht nach Ornavasso - der città gemellata von Naters! - dann nach Nonio und am Sonntag nach Borgomanero. Und bezüglich Wetter siehts schon mal ganz ordentlich aus.