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Viel SpaĂź beim Unterschriften sammeln!
Vortrag und Diskussion mit Dr. Hermann Wieh
Soll es in wenigen Jahren wirklich nur noch 30 Großpfarreien statt jetzt 105 Gemeinden geben? Diese Frage bewegte 150 Gemeindemitglieder aus dem ganzen Bistum auf einem weiteren Treffen. Dechant Dr. Hermann Wieh aus dem Bistum Osnabrück referierte am 26. Oktober über seine Erfahrungen mit Gemeinden und pastoralen Räumen. Der Pfarrsaal von St. Laurentius im Hansa-Viertel reichte gerade aus, alle Interessierten zu fassen.
           Christa Drutschman, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Laurentius Berlin-Mitte, stellte zu Beginn die Petition an den Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki vor. Sie war in Grundzügen schon beim letzten Treffen in Heilige Familie/Prenzlauer Berg erarbeitet worden. Ziele: eine offene und Ziel-offene Diskussion, Pfarreiengemeinschaften statt Fusionen zu Großraumgemeinden, Wortgottesdienste mit Kommunionspendung (wie früher in der DDR und jetzt sogar vom Papst empfohlen), ein synodaler Prozess.
Die Petition im Wortlaut finden Sie unter "Petition" auf dieser Seite.
      „Ich bin unglaublich überrascht, so viele Besucher zu sehen“, begann Dr. Wieh seine Ausführungen. Und stellte gleich klar: „Verschiedene Wege und Methoden führen zu gleichen Ziel.“ Sein erster Rat: „Bestehen Sie darauf, miteinander in einen Dialog einzutreten!“ Neben theologischen seien auch menschliche Grundlagen zu beachten – in Wertschätzung füreinander. Sein zweiter Rat: „Bestehen Sie darauf, dass eine Sekretärin vor Ort bleibt! Lassen Sie so viel wie möglich in den Gemeinden vor Ort passieren!“ Als Ansprechpartnerin vor Ort sei eine Sekretärin oft wichtiger als eine Gemeindereferentin. Der Mensch denke nun mal lokal. Sein dritter Rat: „Sorgen Sie für eine positive Stimmung!“ Dafür könne und müsse man Sorge tragen.
 Aus der Diskussion ergaben sich weitere Überlegungen und Erfahrungen:
Wir schulden den Menschen mehr Transparenz und Offenheit, zum Beispiel Informationen ĂĽber den Pfarrer, der kommt und zelebriert.
Gewalt zerstört Glaube. Auch bischöfliche Gewalt.
Nehmt in Wertschätzung viele in den Dialogprozess mit!
Bischöfe sollen sich hüten, apodiktisch (griechisch: keinen Widerspruch duldend) festzulegen.
Die Glaubenskraft der Gemeinden ist stark – trotz guter und schwieriger Priester.
Schaffen Sie Ventile, um Sorgen loszulassen. Es ist viel Dampf im Kessel.
Lassen Sie sich nicht abschleppen wie ein toter Hai. Starten Sie einen synodalen Prozess.
Werben Sie um Unterschriften fĂĽr die Petition!
Die Leute an der Basis sind doch viel klĂĽger, als man denkt.
Es geht nicht, ohne miteinander zu reden.
Auf Anfrage muss es Wortgottesdienste – auch mit Kommunionspendung - geben.
Absprachen zwischen Gemeinden sind wichtig, auch als Vertrag.
            Im rbb-Kirchenfunk-Beitrag „Babylon“ (27.10.2013, 8:24 Uhr, von Matthias Bertsch) formulierte Pfarrer Dr. Michael Höhle seine Sorgen so: „Der Bischof schneidet die Zahl der Gemeinden entsprechend einer für die Zukunft prognostizierten Priesterzahl zurecht. Und das geht nicht. Er müsste entweder auf breitere Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Amt hinarbeiten oder aber den Laien zutrauen, dass sie selbst ohne eigenen Priester Gemeinde bleiben können. Und das können die. Einfach den Laien ihre Kräfte zutrauen.“
           Katharina Jany vom Pfarrgemeinderat Heilige Familie brachte ihre Enttäuschung vom Kardinal und ihre Ernüchterung auf den Punkt: „Diese Vorgaben, die wir jetzt bekommen haben, die lassen sehr wenig Gestaltungsspielraum. Und man gewinnt den Eindruck, der Kardinal hat sich da eher von Wirtschaftsleuten beraten lassen als von seinen eigenen Mitarbeitern, die ja wirklich die Seelsorge leisten mit all ihren Kräften und versuchen, die Gemeinden lebendig zu halten. Und das finde ich eigentlich sehr schade.“
           Enttäuschung über den bisherigen Verlauf vom „pastoralen Prozess“ war auch aus weiteren Gedanken von Pfarrer Höhle zu spüren: „Das ist ein kaltes Papier. Nur von der Sorge diktiert, im Grunde aus einem Misstrauen, die Laien könnten wir nicht genug kontrollieren, also bilden wir lieber diese Großraumgebilde, wo wir alles noch in der Hand haben.“ Darum die Petition mit der dringenden, aber höflich formulierten Bitte, die Umbaupläne noch einmal zu überdenken und den Weg in die Zukunft mit mehr Weggefährten zu gehen.
           Lob für die Petition kam auch von Wolfgang Klose, Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin, dem obersten Laiengremium: „Ich finde es gut, wenn sich in den Gemeinden Gedanken gemacht wird, was Leute sagen. Wie können wir gemeinsam etwas verändern? Und so lange Leute noch Kritik üben, ist ihnen sehr wichtig, dass es in der Kirche weiter geht. Und das ist ein Mut machendes Zeichen.“
Walter PlĂĽmpe
Prof. Dr. Dr. Zulehner in Berlin
21. September 2013
„Verlangen Sie eine Synode!“ Gemeindetag mit Prof. Zulehner am 21.9.2013
       „Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!“ Dieses Lied aus dem neuen Gotteslob stand am Anfang des Gemeindetages mit Prof. Paul M. Zulehner in der Gemeinde Heilige Familie. Rund 200 Teilnehmer aus dem ganzen Bistum waren gekommen. Statt im Gemeindesaal referierte der Pastoraltheologe aus Wien in der Kirche über sein „Plädoyer für einen mehrfachen Perspektivenwechsel“.
            Patentrezepte? Nein. Eine generelle Ablehnung größerer pastoraler Räume? Auch nein. Aber ein Ermutigen der „Laien“ zu mehr Mitverantwortung und mehr Mitsprache in der Kirche. Gipfel seiner Überlegungen: „Verlangen Sie eine Synode!“ So sei ein Wandel vom Vorgeben zum Vereinbaren, von der Priesterkirche zum Volk Gottes (mit seinen ordinierten Amtsträgern) am besten zu leisten.
            Diesen Aufruf zu einer Diözesan-Synode vermissten viele Teilnehmer bei der vorbereiteten Petition an Kardinal Rainer Maria Woelki. Sie soll darauf hin überarbeitet und bei der nächsten Zusammenkunft am Samstag, 26. Oktober, 10:30 Uhr in der Gemeinde St. Laurentius fertig sein. Dr. Hermann Wieh, Stadtdechant aus Osnabrück, wird dann über seine Erfahrungen mit pastoralen Plänen in seinem Bistum berichten.
            „Wir befürchten das Abschaffen von Gemeinden“, fasste Pfarrer Dr. Michael Höhle in seiner Begrüßung die Stimmung in der Gemeinde zusammen. Der Referent griff diese Sorge in einer „unglaublichen Umbruchzeit der Kirche“ auf und plädierte für Visionen:
 - weg vom Klerikalismus, der sich nur an der Zahl der Priester orientiert
- hin zu Strukturen, die sich am Volk Gottes orientieren
- den „Rahmen“ verändern statt den Untergang zu verwalten
- weg von der „Moralanstalt“, hin zur „Heils-Anstalt“
- Gott mehr zur Rettung der Kirche zutrauen
- durch keine „chemischen Mittel“ aus der Kirche treiben lassen
- Vielfalt ermöglichen, um den Menschen nah zu sein
- nach der „kritischen Masse“ suchen, um gemeinsam stark zu sein
- „Berlin müsste eine Synode machen. Schlagen Sie das dem Kardinal vor!“
- Abendmahl und FuĂźwaschung als Herz der Kirche
- Herabrufung des Heiligen Geistes als Mitte der Eucharistie
- dem Wort Jesu mehr gehorchen als dem Wort der Kirchenleitung
            „Der Papst will das nicht. Das war jahrelang die Argumentation der deutschen Bischöfe. Was tun sie jetzt, wenn der Papst es will?“ Viele solcher pfiffigen Überlegungen stellte Prof. Zulehner an. Mit Beispielen aus der Bibel und aus der Urkirche verstand er es, zu ermutigen, aufzurütteln. Auch kirchenrechtlich begründete er seine Überlegungen zu Alternativen des pastoralen Plans „Wo Glauben Raum gewinnt“. „Was aber alle als einzelne betrifft, muss von allen gebilligt werden“, steht im Kirchenrecht (CIC can 119§3).
            In zwölf Gesprächskreisen tauschten die Teilnehmer nach dem Mittagessen ihre Gedanken über Zulehners Referat aus. In kurzen „Blitzlichtern“ stellten die Moderatoren einige Kerngedanken dem Plenum vor: sonntägliche Wortgottesfeiern mit Kommunionempfang (wie früher praktiziert), mehr Ökumene vor Ort, mehr Mitverantwortung der „Laien“, Stärkung der Rolle der Frau, Alternativen zum Pastoralplan …
            In der anschließenden Diskussion bewies Prof. Zulehner seine Schlagfertigkeit, Souveranität und auch Schlitzohrigkeit. Einige Kostproben davon:
 - Sie als „Laien“ sind verantwortlich dafür, dass eine Gemeinde lebendig ist. Pfarrer kommen und gehen.
- Das Einfallstor Gottes in die Welt ist nicht der Klerus.
- Es ist zu wenig, bei der Taufe bewusstlos Christ zu werden und bewusstlos beerdigt zu werden.
- Die „Laien“ sind Garanten für Kontinuität, nicht der Klerus.
- „Was will die Gemeinde?“ ist das Kernproblem. Nicht: Was will der Bischof?
- Gott wird doch nicht so zynisch sein, die Zukunft der Gemeinden zu verbauen. Sie sind das Volk Gottes, nicht der Klerus.
- Wir brauchen lebendige Gemeinschaften, Biotope des Glaubens. Gemeinschaften, die nähren. Personen, die sie nähren. Wer nur um sich selber kreist, betreibt Wellness-Spiritualität.
- Rechnen Sie mit der Angst des Kardinals, die sich in seinem Nicht-Kommen äußert. Er muss Ängste haben, sonst wäre er heute hier.
- „Man muss im Widerstand baden. Er trägt wertvolle Energie für die Organisation in sich …“ (Eva R. Schmidt) Leisten Sie Widerstand mit Vernunft, Höflichkeit, Fairness. Berliner können das.
- Bilden Sie eine gute Atmosphäre, bilden Sie Vertrauen.
- Verlangen Sie eine Synode. Kämpfen Sie nicht blind, sondern mit guten Argumenten und Klugheit.
- In größeren Räumen gewinnen alle nur. Es geht nicht ohne.
- Reißen Sie Zäune auf, wenn es um das Wohl der Menschen geht.
- Kämpfen Sie bis zum Umfallen dafür, dass lebendige Gemeinden nicht aufgelöst werden. Was lebt, soll man stärken, nicht schwächen.
- Fusionen sind möglicherweise ein Dienst von Stärkeren an Schwächere.
- Gut gestalteter Widerstand kann heilsam sein. Nur wer revolutioniert, ist ein Christ.
- In manchen Fragen hat die Gemeinde mehr Erfahrung als der Kardinal. Hat er Kinder?
- Suchen Sie Verbündete, auf die der Kardinal hört.
- Gehen Sie in die Medien. Dann kriegen Sie sofort Besuch aus Rom.
- Nur wo es Konflikte gibt, findet Entwicklung statt.
- Hätte Paulus dem Petrus nicht widersprochen, müssten wir heute alle beschnitten werden und dürften keine Blutwurst essen.
- Gestalten Sie den Kurs mit, weil es ohne Sie nicht geht!
 Walter Plümpe, 22.09.2013
Beitrag in "Die BrĂĽcke" 09/2013
Nicht ernst gemeint… Im Adventshirtenbrief unseres Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki zum Pastoralen Prozess 2020 „Wo Glauben Raum gewinnt“ hieß es: „Ich ermutige jede und jeden in der Gemeinschaft unseres Bistums, seine Talente und Fähigkeiten einzubringen, damit dieser Weg getragen ist von wechselseitigem Zuhören, von gegenseitigem Verständnis, von geschwisterlicher Zusammenarbeit – von einem wirklich gemeinschaftlichen Geist, der einen Jeden achtet. Damit legen wir ein weithin sichtbares, lebendiges und anziehendes, mutiges, freudiges und solidarisches Zeichen für unseren Glauben und die Gemeinschaft der Kirche ab!“
Juni 2013 Bericht ĂĽber den Theologischen Gemeindetag am 01.Juni 2013 mit Vortrag von Prof. Beinert
26. Mai 2013: Pfarrversammlung in St. Laurentius
25. März 2013: Briefwechsel mit dem Kardinal
20. März 2013 Gesprächsabend in Heilige Familie
Gesprächsabend zu „Pastoralen Räumen“
Es ist noch vieles zu klären auf dem geistigen Weg
17. März 2013 Pfarrversammlung in Heilige Familie
Pfarrversammlung in Heilige Familie zu den „Pastoralen Räumen“:
„Gemeinden sollen ihre Selbständigkeit behalten“
Ein weiterer Brief des PGR Heilige Familie, Prenzlauer Berg
Ein weiterer Brief an den Kardinal
26. Januar 2013
Antwort auf den Adventhirtenbrief des PGR der Gemeinde Heilige Familie, Prenzlauer Berg
Antwort
auf den Adventhirtenbrief 2012 Â "Wo Glauben Raum gewinnt"Â von Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin
Pastoralplan 2020: "Wo Glauben Raum gewinnt"
In seinem Adventhirtenbrief kündigte Kardinal Woelki die pastorale Neugestaltung des Erzbistums Berlin an. Kernbestandteil der Planes ist die Zusammenlegung der bis dato 106 Berliner Pfarreien zu 30 Großpfarreien. Lesen Sie die Details des Plans hier: http://www.erzbistumberlin.de/glaube/wo-glauben-raum-gewinnt/ auf der Seite des Erzbistums nach.