Kündigung erhalten. Und jetzt?
Nach dem ich meine Kündigung bekommen habe, kam auch irgendwann die Frage: und nun?
Ich wurde direkt freigestellt, sodass ich zwei Monate Zeit hatte, bis ich offiziell arbeitslos wurde. Aber auch die gehen schnell vorbei.
Mitte Juli, also circa 2 Wochen nach der Kündigung, habe ich Stellen gesucht, versucht, eine Bewerbung zusammenzuzimmern.
Und sah mich selbst, wie ich mir eine Kugel in den Kopf schoss.
Nein, weiter in einem Büro arbeiten wollte ich nicht mehr. Versteht mich nicht falsch, ich habe meinen Beruf gerne gemacht. Mein Büro war toll, meine Arbeit auch. Aber irgendwann fehlte mir einfach die geistige Herausforderung und das würde ja nicht besser werden.
Also, was nun?
Studieren gehen wollte ich schon länger. Ich habe mich zu Berufszeiten schon zwei Semester an der FOM eingeschrieben, Fach: Business Administration. Das klang bodenständig. Geldversprechend.
Ich irgendwann in der Führungsetage!
Nach einem Semester neben einem Vollzeitberuf kamen die ersten Zweifel. Ich hatte das erste Semester zwar weitgehend ganz gut gemeistert - im Zweiten standen allerdings Mathe und Rechnungswesen auf dem Plan.
Ich kann diese Fächer einfach nicht. Und schon gar nicht auf dem Niveau. Dazu war der MikroökonomikProf ein ziemlicher Idiot. Er sei ja ganz toll und wer eine Vorlesung verpasse, brauche gar nicht wieder zu kommen und fliegt eh durch.
Ich habe also aufgehört zu studieren und die wichtige Erfahrung gezogen: das war scheiße.
Wenn ich also jetzt nochmal studieren gehen würde, dann etwas, was mir wirklich Spaß macht und etwas bringt.
Meine Mama hat eine Weiterbildung zur Logopädin gemacht und drei Jahre habe ich Versuchskaninchen, Spieletester, Korrekturleser und Abfrager gemimt und ganz nebenbei festgestellt: das wäre auch etwas für mich.
Kurzerhand habe ich ein paar Universitäten hier in erreichbarer Nähe angeschaut. Essen wäre meine nächste Uni, die bietet Linguistik (die studentische Schwester zur Logopädie) leider nicht an. Schade. Das wären nur 20 Minuten Fahrt gewesen.
Bochum bietet Linguistik an und ich fahre eine Stunde. Allerdings als ZweifachBachelor (man muss also noch ein anderes Fach zusätzlich studieren). Zusätzlich dazu hat die RUB mit dem BKL eine Vereinbarung, dass Masterstudenten unter gewissen Voraussetzungen ohne Prüfung die Zulassung zum LiP-Jahr bekommen (das müsst ihr euch wie ein Anerkennungsjahr für Mediziner vorstellen).
In Düsseldorf gibt es Linguistik auch als EinFachBachelor, allerdings hieße das zwei Stunden Fahrt pro Weg.
Bochum hat gewonnen. Und ich brauche ein zweites Fach.
MINT Fächer scheiden aus. Ich bin mathematischnaturwissenschaftlich super unbegabt. Ich habe nicht einmal die Lichtbrechung verstanden, auch wenn sich mein damaliger Physiklehrer wirklich Mühe gegeben hat [Danke, Herr M., dass Sie immer an mich geglaubt haben, trotz meiner katastrophalen Leistungen an der Stelle!].
Medienwissenschaft klang toll, hat aber einen NC von 1,2 gehabt im letzten Wintersemester, was nichts anderes heißt wie: hast du einen Abidurchschnitt von 1,3 - bist du draußen.
Mein Abidurchschnitt beträgt 2,8. ... Allerdings habe ich durch meine nicht studentische Zeit (5 Jahre - 1 Jahr an der FOM = 4 Jahre / 8 Semester) 8 Wartesemester angesammelt und die, so hoffte ich, sind mein Schlüssel zum Glück.
Ich hatte riesigen Dusel, die Bewerbungsfrist war fast abgelaufen für beide Fächer und ich konnte noch schnell meine Bewerbung lossenden.
Ich habe mich also für Linguistik und Medienwissenschaft beworben. An einer Uni. Die meisten Studenten bewerben sich auf die jeweilige Höchstzahl der Bewerbungsmöglichkeiten (nicht selten 10 oder 12) an allen irgendwie verfügbaren Unis und hoffen auf eine Zusage.
Mein Masterplan war: werde ich nicht genommen für Medienwissenschaft, mach ich halt was zulassungsfreies. Slavistik, oder so.
[Ich habe übrigens immer daran geglaubt, dass ich in Linguistik reinkomme. Niemand will freiwillig Linguistik studieren. Okay. Niemand, außer meine knapp 50 Kommilitonen :D]