In scheinbar immer hektischer werdenden Zeiten, in denen Menschen ihr Smartphone nur äußerst widerwillig aus der Hand legen, gibt es Momente, die entschleunigen. Wer ...

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@silviambergmann
In scheinbar immer hektischer werdenden Zeiten, in denen Menschen ihr Smartphone nur äußerst widerwillig aus der Hand legen, gibt es Momente, die entschleunigen. Wer ...
Bei der Vielzahl an englischsprachigen Begriffen kann man leicht den Überblick verlieren: Früher studierte man an der Fachhochschule Wiesbaden, heute führt die ...
Uni sei Dank: Wie aus Wissenschaftlern Unternehmer werden
Arm an Rohstoffen braucht Deutschland innovative Unternehmer für eine wachstumsstarke Volkswirtschaft. Umso wichtiger ist es, neue Produkte und Dienstleistungen, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basieren, in die Wirtschaft zu transferieren. Wie Hochschulen den Transfer von Ideen und Technologien fördern, zeigen die Beispiele der Technischen Universitäten in Aachen und München.
Damit sich Forschungsergebnisse noch besser in für die Unternehmenspraxis verwertbare Geschäftsideen ummünzen lassen, brauchen Hochschulen gründungsförderliche Strukturen: Lehrstühle oder Institute für Entrepreneurship (Unternehmertum) bringen Studierenden unternehmerisches Denken und Handeln bei, Transferstellen beraten gründungsinteressierte Forscher und hochschulnahe Gründerzentren unterstützen angehende Unternehmer.
Zu den forschungsstarken Hochschulen in Deutschland zählen die im „TU9“-Verband organisierten Technischen Universitäten (TU): Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH), TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, DU Dresden, Leibniz Universität Hannover, Karlsruhe Institute of Technology (KIT), TU München, Universität Stuttgart. Das KIT, die TU München und die RWTH Aachen haben zudem den Sprung in den Kreis der Exzellenz-Universitäten geschafft.
Die Phase der „Mobilisierung“ nennt Professor Malte Brettel den ersten Schritt, in dem Studierende die Unternehmensgründung als Alternative zum Angestelltenverhältnis kennen lernen. Brettel hält an der RWTH Aachen nicht nur den Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler, sondern leitet auch das hochschuleigene Gründerzentrum. „Unsere Aufgabe in der Lehre ist es, Studierende für das Unternehmertum zu interessieren und ihnen die Kenntnisse zu vermitteln, die sie als Entrepreneure brauchen – also zu mobilisieren“, so der Professor.
Auch an der TU München (TUM) lernen Studierende früh was es heißt, ein Unternehmen zu gründen. „Entrepreneurship-Kurse sind für Studierende aller Fächer wichtig“, erklärt Carolin Bock, Habilitandin am Lehrstuhl für Entrepreneurial Finance. Die Gründungskultur zu stärken sei fächerübergreifend wichtig, denn es seien nicht nur Betriebswirte, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen: „Viele Ideen werden von Ingenieuren auf den Weg gebracht“, weiß die Gründungsexpertin.
Ein weiterer Baustein auf dem Weg zu mehr Ausgründungen (Spin-offs) ist die Einrichtung von Transferstellen: Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter, die prüfen lassen wollen, ob sich ein Forschungsergebnis oder eine Idee in Kapital ummünzen lässt, finden an vielen Hochschulen Wissens- und Technologietransferstellen. Dr. Alexandros Papaderos leitet den Bereich Technologietransfer bei „TUM ForTe“, der Stelle für Technologietransfer an der TU München. „Speziell bei Ausgründungen aus der TUM sind wir Ansprechpartner zu den Themen Patente, Lizenzen und Intellectual Property Rights – zum Schutz der geistigen Eigentumsrechte. Wir betreuen zudem die TUM-Patentportfolios, handhaben die Beteiligungen der TUM an Ausgründungen und sind eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“, fasst Papaderos zusammen. Das Patent- und Lizenzbüro bei TUM ForTe prüft, ob Erfindungen wirtschaftliches Potenzial haben und übernimmt Patentanmeldungen sowie die damit verbundenen Kosten. Der Patent-Fachmann rät Wissenschaftlern, sich frühzeitig von der Transferstelle beraten zu lassen. Es sei beispielsweise sehr problematisch, eine Erfindung zum Patent anzumelden, über die ein Forscher bereits auf einer Konferenz referiert habe. Dieses Problem kennt auch Dr. Regina Oertel, Dezernentin Technologietransfer, Forschungsförderung und Karriereentwicklung an der RWTH Aachen. Über eine Erfindung zu sprechen, ohne sie zuvor schützen zu lassen, sei eine typische Stolperfalle. Ebenso, wie „manch ein Wissenschaftler seine Idee überschätzt, sie zu wenig ausarbeitet oder blauäugig auf mögliche Investoren zugeht,“ so Oertel.
Sehen die Experten der Transferstellen Potenzial und soll aus einem wissenschaftlichen Forschungsergebnis ein Unternehmen entstehen, kommen die an vielen Universitäten eingerichteten Gründerzentren ins Spiel. Dr. Helmut Schönenberger, Geschäftsführer des Zentrums für Innovation und Gründung „UnternehmerTUM“ an der der TU München: „Wir schulen einerseits angehende Gründer beispielsweise in der Erstellung von Business-Plänen, Vertriebs- und Marketingstrategien und im Aufbau von Kundenkontakten. Andererseits sprechen wir die emotionale Ebene an und vermitteln den Geist und die Kultur von Gründungen.“ Gründerzentren helfen dabei, aus der Erfindung ein marktfähiges Produkt zu entwickeln und mit potenziellen Geldgebern ins Gespräch zu kommen. Außerdem sind sie häufig mit Gründungsinitiativen in ihrer Region vernetzt und kennen sich aus mit Fördermöglichkeiten, wie etwa dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Programm „EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft“ und dem „High-Tech Gründerfonds“.
Der Bergbau-Ingenieur Dr. Reik Winkel, der im Themenfeld Automatisierungstechnik an der RWTH Aachen promoviert hat, ist Mitgründer der indurad GmbH, einem Unternehmen, das Sensorlösungen für Bergbaubetriebe und Anlagenbauer entwickelt. Er hat den Sprung aus der Wissenschaft in den Chefsessel geschafft. Wie auch Ferdinand Heindlmeier, Maschinenbau-Ingenieur und Mitgründer der Roding Automobile GmbH. Beide wurden bei den Ausgründungen ihrer Ideen von „ihrer“ Hochschule unterstützt und haben vom EXIST-Gründerstipendium profitiert. Heindlmeier hat als Absolvent der TU München zunächst zwei Jahre bei der UnternehmerTUM GmbH gearbeitet, bevor er den Schritt in die Unabhängigkeit wagte. Beide Gründer loben vor allem die gute Infrastruktur der Hochschulen und die Unterstützung bei der Beantragung des EXIST-Gründerstipendiums. Aber so wichtig ein gründerfreundliches Klima an Hochschulen und ein umfassendes Expertennetzwerk seien: „Man muss sich als Gründer selbst engagieren“, weiß Heindlmeier aus eigener Erfahrung. „Nur wer selbst etwas anpackt, wird unterstützt“.
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“Uni sei Dank” von Silvia M. Bergmann im Auftrag der vdi nachrichten, 2011
„Alle hassen Lena“
Mobbing unter Schülern nimmt im Zeitalter von Whatsapp, Instagram, Ask.fm und Facebook deutlich zu. Smartphones, Tablets und günstige Internetzugänge machen es möglich, dass rund um die Uhr verleumdet, beschimpft, erpresst und tyrannisiert wird. Wo Eltern und Lehrer häufig überfordert sind, verfolgen Initiativen wie der Weiße Ring oder die Digitalen Helden einen vorbeugenden Ansatz: Sie bilden Jugendliche zu Medienscouts aus, die Mitschülern helfen.
Sophie, 16, Schülerin eines Gymnasiums in Bayern, antwortet prompt. „So etwa 3.700“. In den Sommerferien hatte sie ihr Handy eine Woche lang nicht eingeschaltet, als sie wieder online war, übermittelte ihr allein der Dienst Whatsapp rund 3.700 Nachrichten. „Ich geh‘ duschen“, „bin so müde“, „es regnet“. „Wer bei Whatsapp viele Kontakte hat, bekommt viele Nachrichten“, bestätigt ihr Mitschüler Felix, 16. Und wer massenhaft Kontakte vorweisen kann, gehört dazu. „Viele nehmen ihr Smartphone mit ins Bett“, weiß Sophie.
„Was haben wir in Mathe auf“, „nachher Englischtest“, „morgen fällt die erste Stunde aus“. Mobile Kommunikation hat auch ihre guten Seiten, wie Alfons Hrubesch vom Weißen Ring bekräftig. „Wir sind nicht gegen neue Technologien, wir brauchen aber mehr Medienkompetenz, um junge Menschen zu schützen“, so Hrubesch, der sich bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring für Prävention einsetzt. Gemeinsam mit Schülern, Lehrern, Psychologen, Internetexperten und dem Bundeskriminalamt hat er ein vom bayerischen Kultusministerium unterstütztes Programm realisiert, das im Schuljahr 2014/2015 erstmals greift. An 15 Schulen in Bayern stehen mit Schulbeginn über 70 im Mai dieses Jahres ausgebildete Medienscouts in Sachen Mobbing hilfesuchenden Mitschülern zur Seite. Sie haben ein offenes Ohr, klären auf und beraten, welche Hilfe im Einzelfall angebracht ist.
Den Vorteil des Peer-to-Peer-Ansatzes – Schüler schulen Schüler – erklärt Matthias Schneider, Lehrer am Frankenwald-Gymnasium Kronach, so :„Gleichaltrige sprechen auf Augenhöhe miteinander. Wie Kinder und Jugendliche heute kommunizieren, kann, wer ohne Handy aufgewachsen ist, nur schwer nachvollziehen.“ Jugendliche, die selbst in eine digitale Welt hineingeboren sind, täten sich da leichter und seien gute Ansprechpartner für Gleichaltrige, so Schneider, der das Programm des Weißen Rings unterstützt.
Das Bündnis gegen Cybermobbing hat herausgefunden, dass 17 Prozent der im Rahmen einer Studie 2013 befragten Schüler bereits Opfer von Cybermobbing waren, 19 Prozent gaben zu, schon einmal Täter gewesen zu sein. Fast 60 Prozent der befragten Lehrer kannten Cybermobbingfälle unter ihren Schülern. „Lena ist fett“, „Finn geht gar nicht“, „schick mir ein Foto von dir oben ohne, sonst…“ ist über Dienste wie Whatsapp oder soziale Netzwerke zu lesen. „Jeder einzelne Fall ist zu viel, Mobbingopfer gehen kaputt“, weiß Felix. Deshalb hat auch er sich, gemeinsam mit Sophie, vom Weißen Ring zum Medienscout ausbilden lassen.
Auch Gregory Grund, Medienpädagoge und Lehrbeauftragter an der Goethe Universität Frankfurt am Main, unterstützt Schulen bei der Präventionsarbeit gegen Mobbing. Den Peer-to-Peer-Ansatz hält auch er für den richtigen Weg. Deshalb ist er Mitbegründer der Digitalen Helden Schul-AG, die Jugendliche zu Medienscouts ausbildet. Die Helden-AG startet, gefördert vom hessischen Kultusministerium, im neuen Schuljahr mit der Ausbildung „Digitaler Helden“ an insgesamt 36 weiterführenden Schulen in Hessen. „Wir bilden nicht nur aus, wir möchten Schulen miteinander vernetzen, mit Partnern – Anwälten, Medienrechtlern, Psychologen, Polizei – in Kontakt bringen und den Erfahrungsaustausch fördern.“
Auch in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz gibt es ähnliche Projekte. „Das ist ein guter Anfang“, sagt Alfons Hrubesch vom Weißen Ring. Aber: „Wir brauchen noch mehr solcher Initiativen, denn Cybermobbing macht sich nicht mehr nur an weiterführenden Schulen breit. Auch an Grundschulen gibt es erste Fälle.“
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“Alle hassen Lena” von Silvia M. Bergmann im Auftrag des Evangelischen Pressendienstes (epd), 2014
Sebastian Hansel schnappt sich eine dicke Wurst in weiß-blau bedruckter Hülle vom Haken, legt sie auf ein Schneidebrett und teilt sie mit einem großen Fleischermesser ...
Wenn Celia Wang morgens gegen halb neun im Großraumbüro der Kion-Zentrale an der Abraham-Lincoln-Straße ihren Computer startet und ihre Sprachnachrichten auf der Mailbox ...
Auch Halswirbel lassen sich mit einem 3D-Drucker herstellen.
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“Zugeflogene Idee”, Silvia M. Bergmann für die Financial Times Deutschland (FTD) / enapble, Ausgabe Juli 2011, Seite 12 - 15
Zugeflogene Ideen
Unternehmen leben von Innovationen. Der Automatisierungskonzern Festo engagiert dafür externe Forscher – und spart so viel Zeit und Geld
Peter Posts Augen glänzen, wenn er sein Lieblingsspielzeug vorführt. „So bewegt sich der Rüssel nach links und so wieder zurück“, sagt er und freut sich wie ein kleiner Junge. Post steht vor einem schwarzen Sockel, auf den ein silberner Roboterarm montiert ist, der einem Elefantenrüssel ähnelt. Ein Knopfdruck, und der Roborüssel beginnt zu tanzen, drei Finger greifen in die Luft, als wollten sie nach etwas schnappen. „Das Material gibt nach, verletzen können Sie sich nicht, das ist das Besondere“, schwärmt der 51-Jährige.
Was anmutet wie die Requisite aus einem Science-Fiction-Film, ist in Wahrheit ein Meilenstein der Automatisierungstechnik. Und er steht nicht in einem Studio in Babelsberg, sondern im Forschungslabor des Technologiekonzerns Festo in Esslingen am Neckar. Post leitet die Entwicklungsabteilung des Unternehmens, führt Regie bei der Entstehung neuer Produkte. Und der silberne Rüssel, der im Fachsprech „bionischer Handlingassistent“ heißt, ist sein ganzer Stolz. Der Greifer aus Kunststoff sortiert Blumenzwiebeln, ohne die empfindliche Außenhaut zu verletzen, pflückt Äpfel, ohne Druckstellen zu hinterlassen, und verpackt für Ferrero Überraschungseier, ohne die dünne Schokohülle zu zerbrechen. Vor einem halben Jahr verlieh Bundespräsident Christian Wulff Peter Post und seinem Team für diese Erfindung den renommierten Deutschen Zukunftspreis für Technik und Innovation. Nur etwas mehr als ein Jahr hat die Entwicklung des sanften Greifrüssels gedauert, und dass es so schnell ging, hat System bei dem schwäbischen Unternehmen: Innovationen sind Teamarbeit bei Festo. Und in den Teams arbeiten nicht nur eigene Angestellte, sondern auch Forscher von außerhalb.
Viele Unternehmen kooperieren heute in der Produktentwicklung mit Universitäten und Forschungsinstituten, doch kaum eines hat diese Zusammenarbeit derart verinnerlicht und institutionalisiert wie der Automatisierungsspezialist Festo. Schon 2006 rief das Unternehmen mit 1,8 Mrd. Euro Umsatz und mehr als 14 000 Mitarbeitern weltweit das Bionic Learning Network ins Leben, ein Bündnis aus Hochschulen, wissenschaftsnahen Instituten, Entwicklungsfirmen und Ingenieurbüros. Das prägende Kennzeichen des Innovationsverbunds: Dynamik. Ähnlich wie lebende Organismen in der Natur versucht Festo, seine interdisziplinären Entwicklerteams den ständig wechselnden Anforderungen anzupassen.
Bei der Entwicklung des Rüssels waren zum Beispiel Bioniker nötig, das sind Experten, die von der Natur abschauen, was sich in die Welt der Technik übertragen lässt. Die idealen Partner fanden Post und Network-Leiter Markus Fischer beim Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. Die Fraunhofer-Experten sind für Festo aber nur ein Partner von vielen: Bei der Erforschung künstlicher Intelligenz arbeiten sie zum Beispiel auch eng mit der Universität Stuttgart zusammen, beim Thema Strömungsverhalten mit Experten von der TU Berlin.
Forschung und Entwicklung haben bei Festo eine lange Tradition. 1925 gegründet, ist der Konzern heute in der Automobilindustrie ebenso zu Hause wie in der Verpackungs-oder der Biotechbranche. Festo-Komponenten stecken nicht nur in den Hochleistungsbremsen von Audi, sondern auch in den Verpackungsmaschinen des italienischen Kaffeeproduzenten Illy. 8,5 Prozent seines Umsatzes steckt das Unternehmen in die Entwicklung neuer Produkte – ein Spitzenwert in der Industrie. Stark sind die Schwaben vor allem bei Druckluft- und Vakuumsystemen. „Festo ist in der Pneumatik Weltspitze. Ich kenne kein Unternehmen, das in diesem Bereich erfolgreicher wäre“, sagt Hannes Hesse, der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinenund Anlagenbau (VDMA).
Festos Innovationsmethode bietet handfeste Vorteile: Weil er die Ingenieure aus dem eigenen Haus mit externen Wissenschaftlern zusammenspannt, umgeht der Technologiekonzern zum einen das Problem, ständig viele Spezialisten aus den unterschiedlichsten Fachgebieten vorhalten zu müssen. Das wäre selbst für ein forschungsintensives Unternehmen auf Dauer viel zu kostspielig. Zum anderen verbessern und beschleunigen solche Kooperationen den Entwicklungsprozess neuer Produkte erheblich, weil beide Partner auf ihr ganz spezifisches Know-how und die Forschungsergebnisse vorangegangener Projekte zurückgreifen können.
Die Idee, einen sensiblen Greifrüssel zu entwickeln, verdankt Bionikexperte Fischer einem glücklichen Zufall. Auf einem Fachkongress lernt der 44-Jährige 2008 Andrzej Grzesiak, 38, kennen, den Fachmann für 3-D-Druckverfahren beim Fraunhofer-IPA. Grzesiak präsentiert ihm eine Erfindung, die auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, Fischer aber noch heute fasziniert: Grzesiak hat einen Faltenbalg entwickelt, einen faltbaren Schlauch, wie man ihn von einem Akkordeon oder einem Blasebalg kennt.
Außergewöhnlich ist aber nicht nur der Schlauch als solcher. Es ist das neuartige Herstellungsverfahren, das Grzesiak zu dessen Herstellung ersonnen hat. Das macht es möglich, den Balg aus Polyamid in einem Stück zu produzieren, mithilfe eines neuartigen 3-D-Druckverfahrens. Das Ergebnis: Beweglichkeit in alle Richtungen. Die aufwendige Montage von Einzelteilen entfällt. „So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen“, erinnert sich Fischer.
Das Prinzip des geordneten Zufalls nennt der Forscher seine Arbeitsweise. Oft läuft er ohne konkretes Ziel über Messen und Veranstaltungen aus seinem Fachgebiet, um sich von den Ideen seiner Kollegen überraschen und inspirieren zu lassen – im günstigsten Fall wird eine neue Kooperation daraus. Das klappt natürlich nicht immer, deshalb hilft Fischer dem Zufall auch gezielt auf die Sprünge. Er pflegt enge Kontakte zu ausgewählten Hochschulen und trifft sich regelmäßig mit Experten, die Fachwissen besitzen, das hilfreich für aktuelle Festo-Projekte sein könnte.
Es dauert noch mehrere monate, bis sich daraus eine feste Zusammenarbeit zwischen Grzesiak und Fischers Forschern entwickelt. Anfang 2009 arbeiten die Experten bei Festo gerade an einem sogenannten bionischen Tripod, einem Greifarm, den man sich wie ein dreibeiniges Stativ vorstellen muss, mit drei Fingern zum Zupacken an den Enden. Betrieben wird der Roboter mit Druckluft. Und von diesem Punkt an nimmt die Erfolgsgeschichte des mechatronischen Rüssels ihren Lauf.
Was wäre, fragt sich Fischer, wenn man Grzesiaks Faltenbalg mit der Festo-Erfindung kombinieren würde und ihn pneumatisch antreiben würde, also mit Druckluft? Ein Greifer aus Kunststoff wäre nicht nur flexibler und beweglicher. Er wäre außerdem auch noch viel leichter. „Im Vergleich zu Metall haben wir rund 90 Prozent der Masse gespart“, sagt Fischer. „Weniger Gewicht bedeutet weniger Energieverbrauch und damit geringere Kosten.“ Im Sommer 2009, nach mehreren weiteren Treffen zwischen Fischer und Grzesiak, gründen das schwäbische Technologieunternehmen und das Fraunhofer-Institut dann ein Gemeinschaftsprojekt.
Arbeitstitel: „Elefantenrüssel“. Jeweils vier Mitarbeiter betreuen die Kooperation auf beiden Seiten. Hinzu kommen je nach Entwicklungsphase etwa 30 unterschiedliche Spezialisten der Festo-Gruppe: Forscher, Entwickler, Programmierer, Mechatroniker, Ingenieure, Maschinenbauer, Regelungstechniker, Bioniker, Biologen, Designer, Fertigungsspezialisten und Mediziner. Dazu Auszubildende, Studenten, Doktoranden. Weil im Laufe des Projekts immer neue Erkenntnisse zu immer neuen Aufgaben führen, wird das Team immer wieder neu zusammengewürfelt. „Projektarbeit bedeutet, beweglich zu bleiben“, sagt Fischer.
Damit auch die Kommunikation im Team stimmt, achten Fischer und Entwicklungschef Post auf den direkten und persönlichen Austausch der Projektmitglieder. Es bringt nichts, immer nur E-Mails hin- und herzuschicken, diese Überzeugung teilen die beiden. „Der persönliche Austausch unserer Mitarbeiter mit den externen Partnern ist die Basis für unseren Erfolg“, sagt Fischer. „Erst wenn die Leute physisch zusammenkommen, erst wenn sie ihre Köpfe zusammenstecken, geht es voran.“
Zur Hannover Messe im April 2010 ist der Rüssel fertig. Von Esslingen bis Stuttgart sind es rund 25 Kilometer. Diese räumliche Nähe erleichtert den ständigen Kontakt mit dem Fraunhofer-Institut während des Projekts. In der „aktiven Phase“, wie Grzesiak es nennt, trifft man sich zunächst monatlich, später alle ein bis zwei Wochen zum Jour fixe. Vor wichtigen Terminen wie der Messe noch öfter, dann zwei- bis dreimal in der Woche. „Wir haben einfach so flexibel zusammengearbeitet, wie es das Projekt erforderte“, sagt Grzesiak.
Mit Wissenschaftlern, die weiter entfernt arbeiten und mit denen ein direkter Austausch nicht ohne Weiteres möglich ist, treffen sich die Festo-Leute nur alle zwei bis drei Monate – dann allerdings gleich für eine ganze Woche, um sich so intensiv wie möglich auszutauschen. Die neue Fertigungstechnik von Fraunhofer-Forscher Grzesiak verschafft dem Konzern handfeste Wettbewerbsvorteile.
Prototypen werden auf einem speziellen 3-D-Drucker ganz schnell und in einem Stück erstellt. Das spart mächtig viel Montagezeit. „Früher haben wir vier Wochen auf einen Prototyp aus Stahl gewartet“, sagt Fischer. „Mit dem neuen Fertigungsverfahren dauert es gerade mal noch eine Woche, bei manchen Kunststoffen sogar nur ein bis zwei Tage. Wir können also die vierfache Geschwindigkeit fahren und unsere Entwicklungsarbeit deutlich beschleunigen.“
3-D-Druckverfahren gelten als Fertigungsmethode der Zukunft: Die Produkte können dünn wie Papier sein, elastisch wie Textilien, filigran wie Gehörmuscheln und individuell wie ein Halswirbel – und sind dazu auch noch reißfest.
Und Festo rüsselt weiter. Die Entwicklung eines mechatronischen Systems sei ein langer Prozess, erklärt Post. Das Ergebnis von Forschungen, Entwicklungen, Rückschlägen – und immer wieder neuen Ideen. Schon bald soll aus dem bionischen Assistenzsystem ein vollwertiger Helfer werden. Einer, der gelernt hat, welche Aufgaben er übernehmen kann, und weiß, wie fest er zupacken darf. Der beispielsweise auf einem fahrbaren Untersatz durch Orangenplantagen fahren wird, mittels einer eingebauten Kamera erkennt, welche Orangen reif sind und sie obendrein gleich selbst pflückt.
Auch bei der nächsten Aufgabe nehmen sich die Festo-Forscher Post und Fischer wieder die Natur zum Vorbild. Ziel des Projekts „Smartbird“ ist es, mit einer Maschine den Flügelschlag eines Vogels nachzuahmen. Mitentwickelt hat das auf der Hannover Messe 2011 vorgestellte Ultraleichtmodellflugzeug Wolfgang Send, ein bekannter Physiker und langjähriger Strömungsexperte beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Wohin diese Kooperation am Ende führen wird, vermögen Post und Fischer noch nicht zu sagen. Das konkrete Ergebnis steht für sie nicht im Vordergrund. Wichtig ist am Ende nur, dass das Projekt fliegt.
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“Zugeflogene Idee”, Silvia M. Bergmann für die Financial Times Deutschland (FTD) / enable, Ausgabe Juli 2011, Seite 12 - 15
Arbeitswelt im Wandel
Steigendes Arbeitsvolumen, strenge Zielvorgaben, maximale Einsatzbereitschaft einerseits und sinkender Handlungsspielraum, wenig Anerkennung und gestresste Führungskräfte andererseits – nicht selten werden Arbeitnehmer krank, wenn der Frust am Arbeitsplatz unerträglich wird, kündigen innerlich oder werfen ihren Job gleich ganz hin. Wer seine Stelle nicht aufgeben will oder kann, braucht vor allem eines: Verständnis.
Jeder vierte Mitarbeiter hat schon einmal wegen seines Chefs gekündigt, zu diesem Ergebnis kommt der Gallup-Index 2014. Dabei ist nicht nur bedenklich, dass Druck am Arbeitsplatz die Gesundheit von Beschäftigten gefährdet, so eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des demographischen Wandels sollten Firmen fähige Mitarbeiter halten. Ein autoritärer Führungsstil und verletzende Ansagen wie diese verstärken den Frust: „Sie müssen erst mal lernen, bedingungslos zu folgen, bevor Sie in Ihrem Job wieder mitdenken dürfen.“
Dass solche Sätze fallen, kann eine Personalerin bestätigen, die für die Europazentrale eines internationalen Automobilkonzerns im Rhein-Main-Gebiet arbeitet und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ein autoritärer Führungsstil kommt meiner Erfahrung nach eher bei älteren Generationen vor.“ Aber auch jüngere Chefs haben ihre Tücken, weiß die Personalerin. „Ältere Vorgesetzte mögen zwar ein ausgeprägtes Hierarchiedenken haben, dafür sind sie, so erlebe ich es, häufig entscheidungsfreudiger, konsequenter und verantwortungsbewusster.“ Jüngere Vorgesetzte neigen nicht selten dazu, in kritischen Situationen „wegzutauchen, sich selbst, zugunsten der eigenen Karriere aus der Schusslinie zu bringen und Mitarbeiter auch mal im Regen stehen zu lassen“.
Für Sylke Schröder, langjähriges Vorstandsmitglied eines Finanzinstituts, muss eine gute Führungskraft vor allem drei Kriterien erfüllen. „Sie muss loyal sein, darf Mitarbeiter nicht im Beisein von Kollegen kritisieren. Außerdem muss ein Chef Zusagen einhalten und er sollte seine Mitarbeiter zur Weiterentwicklung motivieren und befähigen.“
Aber auch Mitarbeiter sieht Schröder in der Pflicht in Sachen gutes Betriebsklima. „Stimmt zum Beispiel die Chemie nicht zwischen zweiter und dritter Führungsebene, wirkt sich das auch auf die Mitarbeiter aus, weil ihr Vorgesetzter vielleicht Zusagen nicht einhalten kann, obwohl er möchte.“ Wer die Arbeitsbedingungen seines Vorgesetzten nicht kenne, von Spannungen nichts mitbekäme und nicht verstehe, dass sein Chef Druck von oben bekommt, könne weniger Verständnis für die andere Seite aufbringen, so Schröder.
Empathie auf beiden Seiten und sich in die Rolle des Chefs hineinversetzen können, das hält auch Maren Lehky für wichtig. „Im Coaching schauen wir zunächst, welchen Anteil der frustrierte Mensch selbst an einer unbefriedigenden Arbeitssituation hat“, sagt Lehky, die einen Abschluss in Soziologie und Psychologie hat und Firmen und Mitarbeiter in Sachen Führungskultur berät. „Kaum ein Chef schreit grundlos herum.“ Häufig gelte es, eigene Schwächen zu kaschieren, stünden Vorgesetzte selbst mit dem Rücken zur Wand oder hätten private Probleme. Lehky rät Mitarbeitern, sich frühzeitig Hilfe zu suchen, noch bevor ein Konflikt eskaliert.
Hilfe kann aus dem Betriebsrat kommen, vom Coach oder, wenn die Gesundheit bereits angeschlagen ist, vom Arzt oder Psychotherapeuten. Aber auch Kollegen können Betroffene zurate ziehen. „Möchte ein Arbeitnehmer vor Gericht gehen, weil er sich zum Beispiel von seinem Vorgesetzten beleidigt fühlt, liegt die Beweislast beim Mitarbeiter“, erläutert Ewald Thedens, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Häufig gingen Eigen- und Fremdwahrnehmung auseinander, so Thedens. „Auch wer Zeugen für eine vermeintliche Beleidigung zu haben meint, sollte die Bewertung Dritter einholen. Wer emotional zu involviert ist, neigt unter Umständen dazu, eine Bemerkung seines Vorgesetzten in den falschen Hals zu bekommen.“ Es könne hilfreich sein, eine Situation mit Kollegen zu besprechen. „Ist ein Arbeitsverhältnis jedoch vergiftet, bleibt oft nur die Kündigung. Hier haben es Arbeitnehmer einfacher als Unternehmen und nicht selten ist eine fristgerechte Kündigung die Chance zum Neuanfang.“
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“Arbeitswelt von morgen”, Silvia M. Bergmann für den Evangelischen Pressedienst (epd), 2015
Der Sommerurlaub steht vor der Tür und für viele Deutsche damit die Frage: Wie lange, wie weit, wohin? Die Zahl der Menschen, die sich in den Ferien erholen wollen und gleichzeitig an die Umwelt denken, steigt.
Um sich von Geld- und Machtgier in der Finanzbranche abzugrenzen, schwören Harvard-Absolventen einen Eid auf Rechtschaffenheit. Nun erreicht der Trend auch Deutschland.
Geld verdienen allein reicht so manchem Unternehmen nicht mehr. »Grün« soll der Umsatz sein, sozial gerecht verdient und umweltschonend noch dazu. Tue Gutes und rede darüber, das gilt heute mehr denn je. Doch ganz neu ist dieser Ansatz nicht. Vorbildliches Engagement für Mensch und Umwelt gab es auch schon, bevor Nachhaltigkeit als Unternehmensphilosophie in Mode kam.
Bezahlbarer Wohnraum, angemessener Wohnraum, geeigneter Wohnraum – wer in Ballungszentren eine Bleibe sucht, braucht mitunter einen langen Atem. Dabei können die ...
Laub auf dem Bürgersteig, Parkplatznot in der Innenstadt, das kaputte „Kling Klong“ auf der Kirchgasse, eine längere Ampelphase vor der Kita, die unzufriedene Kundin ...
Türen schließen, warten bis alle Fahrgäste sitzen, ein Blick in den Rückspiegel, ein zweiter und dritter in die Außenspiegel, Blinker links, los geht es. Und dann das: ...
Seinen Arbeitsplatz trägt Stefan Weigl unter dem Arm. Laptop und Smartphone, mehr braucht der 41-Jährige meist nicht, um mit Kunden zu sprechen, Mitteilungen für Medien ...