Kambodscha - Dschungeltempel, Folterhölle und Baumhausidylle
In Poipet, an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha, verteilt die Buscrew Antragsformulare für Visa und sammelt danach diese sammt Pass ein. Zumindest versuchen sie es. Weil wir uns informiert haben, wissen wir, dass sie auf der Thai-Seite über das Doppelte für das Visa verlangen und die Fahrer zocken davon einen grossen Teil für sich selbst ab. Darum beharren wir darauf unsere Pässe zu behalten. Um nicht für Aufsehen im Bus zu sorgen bzw. die anderen Fahrgäste mit Diskussionen wachsam werden zu lassen, wird unser Nein von der Crew akzeptiert. Einige andere Mitfahrer/innen haben sich ebenfalls informiert und so gehen wir gemeinsam zum kambodschanischen Office, wo wir das Visa zum Normalpreis von 20 US-Dollar erhalten.
Siem Reap ist eine moderne Stadt mit vielen guten Bars und Restaurants. Trotzdem hat die Stadt mit seinen französischen Kolonialbauten etwas Charmantes. Wir spazieren durch die Strassen und kaufen ein paar Schnäppchen (Klamotten und Souvenirs), darunter ein 4 kg schwerer und ziemlich grosser Ganesh. Auch 6 Meter Seide finden noch irgendwie Platz in unserem Gepäck. Siem Reap ist bekannt für seine unzähligen und uralten Tempelanlagen in der Umgebung. So warten wir ab, bis uns einer der vielen Tuk Tuk Fahrer sympathisch ist und vereinbaren eine Tagestour für den nächsten Tag. Bereits um 4:30 Uhr geht's los, da wir dem Touristenansturm möglichst entweichen wollen. Bei Regen (für uns seit Indonesien im Januar zum ersten Mal!) fahren wir in der Dunkelheit am Beat Richner Krankenhaus vorbei.
Die meisten Touristen starten ihre Tour bei Sonnenaufgang beim Angkor Wat Tempel und gehen dann zum Ta Prom Tempel. Wir machen es genau umgekehrt und enfliehen so wunderbar der Masse. Wir sind zusammen mit einem Mann und ein paar streunenden Hunden die einzigen, die um 05:30 beim Ta Prom ankommen. Es ist noch dunkel und so sehen und hören wir den Tag mitten im Tempel erwachen. Der Ta Prom, welchen man unter anderem aus dem Film Tomb Raider kennt ist wunderschön...
Als die ersten Tuk Tuk's einfahren, ziehen wir mit unserem Fahrer weiter Richtung Angkor Wat. Dieser Tempel wird als einer der schönsten der Welt und als achtes Weltwunder bezeichnet. Als wir hineingehen, spazieren viele Leute hinaus, trotzdem hat es um 07:00 Uhr morgens bereits ziemlich viele Leute. Die Anlage ist toll und ziemlich gross (um das Jahr 1200 herum war Angkor, also alle Tempel zusammen, mit 1 Mio. Einwohnern wahrscheinlich die damals grösste Stadt der Welt). Aber der Funken mag bei uns nicht wirklich rüberspringen. Für uns war der Besuch der beiden Tempel Borobudur und Prambanan auf Java einiges schöner. Spannender finden wir, den Hunden und Affen beim Streiten zuzusehen.
Wir sehen noch viele andere Tempel an diesem Tag. Zuerst einige Tempel voller Touristen... danach bitten wir den Fahrer uns zu unbekannteren Tempeln zu fahren. Im Tempel Ta Nei sind wir dann wieder fast ganz für uns. Die Anlage mitten im Dschungel ist noch weitestgehend unrestauriert. Die Stimmung ist sehr speziell und ruhig.
Am nächsten Tag nehmen wir den Nachtbus nach Pnom Penh. Zu unserer Freude gibt es keine Sitze im Bus, sondern richtige Betten! Sauberkeit hin oder her, wir sind froh, uns hinlegen zu können.
Der Bus kommt nur langsam voran, da die Strassen auf dieser Route grösstenteils nicht asphaltiert sind. Es wird eine ziemlich ruppige Fahrt. Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt ist der feine Staub der Strasse, welcher durch die Klimaanlage geblasen wird und die Reisenden immer wieder zum Husten bringt. Wie auch immer - ein bisschen schlafen können wir. Mit eineinhalb Stunden Verspätung kommen wir um 03:30 Uhr nachts in der Hauptstadt von Kambodscha an. Unsere Rucksäcke nehmen wir braun vor Dreck auf unseren Rücken und machen uns trotz starkem Regen zu Fuss zum fünfminütig entfernten Hotel auf. Den Rucksäcken schadets nicht... Das Hotel ist nicht ganz "dicht", der Boden der Lobby und die Treppe sind überschwemmt.
Wir schlafen aus und frühstücken am Ufer des Mekong. Dann lassen wir uns zum Tuol Sleng Genozid Museum fahren. Diese ehemalige Schule mitten in der Stadt wurde unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zu einem Gefängnis und Folterzentrum umfunktioniert. Zwischen 1975 und 1979 wurden hier über 20'000 Menschen systematisch gefoltert und anschliessend umgebracht. Jeder Gefangene wurde fotografiert und registiert, die Verhöre genau protokolliert und selbst die Leichen bildlich festgehalten. Die Bilder hängen nun an den Wänden der Schulzimmer. Die improvisierten Zellen, die Folterwerkzeuge, die Fussfesseln... alles ist noch vorhanden. Es wird uns bewusst, dass diese schrecklichen Verbrechen noch nicht sehr lange her sind. Die Verantwortlichen sind teilweise immer noch am Leben und unverurteilt.
Unter dem Regime wurden schätzungsweise über 2 Mio Menschen umgebracht, fast ein Viertel der gesamten Bevölkerung, vor allem Beamte, Intellektuelle und Mönche. Dabei galt als intellektuell bereits, wer in der Stadt wohnte oder eine Brille trug. Es gab über 100 Vernichtungslager im ganzen Land. Heute gibt es in Kambodscha pro 3333 Menschen nur einen Arzt. Unter dem Regime haben nur 50 Aerzte überlebt.
Am nächsten Tag müssen wir am Mittag aus dem Hotel auschecken, geben aber unser Gepäck ab, da unser Bus nach Sihanoukville erst um acht Uhr abends fährt. Wir hängen an der Promenade des Mekong rum und lassen die Zeit verstreichen.
Spätabends kommen wir in Sihanoukville an. Die Stadt an der Küste von Kambodscha boomt und die Strände sind entsprechend überlaufen. Wir nehmen ein Tuk Tuk und lassen uns zum Otres Beach fahren, dieser liegt etwas ausserhalb der Stadt und konnte seinen ruhigen Charme behalten. Einfachste Bungalows liegen hier direkt am Strand und abends nach 22 Uhr werden die Musikanlagen in den Strandbars ausgeschaltet. Wir bleiben hier ein paar Tage und geniessen feines Essen, Sünnele, Lesen, Spielen und im Meer baden. Die Wassertemparatur liegt bei 31 Grad, Abkühlung ist was anderes...
Leider ist die Wasserversorgung am Otres Beach sehr schlecht und wir müssen mit gelbem, schlecht riechendem Wasser duschen (auch ein Wechsel des Bungalows brachte nichts). Wir entscheiden uns darum, mit dem Boot auf die Insel Koh Rong Samloem zu fahren um dort unsere Reise ausklingen zu lassen.
Ko Rong Samloen liegt ein paar Kilometer vor Sihanoukville: Traumhaft schön, sehr ruhig, langer schneeweisser Strand. Wir haben einmal mehr Glück und erwischen die exklusivste Unterkunft der Insel. Wir wohnen in einem Baumhaus, direkt am Strand über den Wellen. Exklusiv und sehr einfach: Strom gibt es nur abends während ein paar Stunden per Generator, darum auch keine Klimaanlage oder Ventilator. Geduscht wird nur mit (sauberem) Kaltwasser und Internet gibt es auf der ganzen Insel nirgends.
Trotz tropischen Temperaturen holen wir uns beide eine Grippe. Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass uns das Wetter etwas einen Strich durch die Rechnung macht. Jeden Tag zieht ein anderes Gewitter auf, manchmal tagsüber, manchmal nachts. Die Stimmung im offenen Baumhaus mit Blick aufs Meer, zusammen mit dem schnell wechselnden Wetter und den lauten Gewittern ist sehr romantisch.
Auf der Insel findet bei Vollmond jeweils eine grosse Party statt und vom Festland werden Boote voll mit Partygästen geschickt. Diesmal wird zeitgleich noch das Kambodschanische Neujahr gefeiert. Strolch ist fit genug für die Party und stürzt sich ins Getümmel. Simi holt ihn dann etwas später wieder ab.
Nach gut einer Woche nehmen wir das Boot zurück nach Sihanoukville. Weil wir keinen Nachtbus mehr erwischen, reservieren wir uns Plätze im Tagesbus für den nächsten Morgen nach Bangkok. Eine Unterkunft ist schnell gefunden (und erst noch bei einem waschechten Berner). Simi ist immer noch krank und irgendwie merken wir auch, dass es langsam Zeit wird, nach Hause zu gehen. Wir machen darum auch heute nicht mehr allzuviel. Und nach der Ruhe auf der Insel wirkt das feuchtfröhliche Sihanoukville mit den betrunkenen, halbnackten und torkelnden Touristen nicht sehr anmächelig.
Die Fahrt nach Bangkok ist anstrengend. Wir müssen zweimal den Bus wechseln und an der thailändischen Grenze warten wir eine Ewigkeit auf unseren Fahrer. Wir vertreiben die Zeit, indem wir uns mit einem französischen Päärchen unterhalten. Sie sind seit einem halben Jahr in Südostasien unterwegs und führen in verschiedenen Schulen gratis ihre Clownshow auf. In Thailand haben wir zwei verschiedene Fahrer für den Minivan. Beide fahren wie hirnamputierte Idioten. Wer die "Taxi"-Filme kennt, kann sich den Fahrstil in etwa vorstellen. Wir hoffen, dass uns das Glück nicht noch auf unserer letzten Busfahrt verlässt...
Um 21:30 Uhr abends und vierzehn Stunden nach Abfahrt in Sihanoukville kommen wir heilfroh in Bangkok an. Ein seltsames Gefühl, denn Bangkok besuchen wir nun zum vierten Mal. Irgendwie wie heimkommen und doch nicht. Es wird unsere allerletzte Station sein, bevor es definitiv zurück nach Hause geht.
Als erstes am nächsten Morgen lassen wir unsere Wäsche waschen. Das war weder am Otres Beach, noch auf der Insel möglich und ist dringend nötig. Anschliessend fahren wir ins Siam Center, das mit Abstand schönste Shoppingcenter, welches wir je gesehen haben. Das Shoppingcenter wurde bei den Unruhen vor ein paar Jahren in Bangkok verwüstet und nun topmodern renoviert. Das letzte Mal werden Klamotten geshoppt.
In Chinatown kaufen wir Essstäbchen, was zu unserem Erstaunen gar nicht so einfach ist, wie gedacht. Hier gibt es wohl alles, aber Stäbchen (mal abgesehen von der einfachen Bambusvariante) konnten wir erst nach etwa einer Stunde und endlosem Nachfragen finden.
Am Vorletzten Tag lassen wir es uns nochmals gut gehen. Dank gefühlten 49 Grad verbringen wir den Tag nur am Rooftoppool des Hotels. Am späten Nachmittag leisten wir uns ein ausgedehntes Body Treatment und eine Massage. Simi hängt gleich noch ein Face Treatment an.
Morgen abend geht unser Flieger nach Hause. Es bleiben uns noch ein paar wenige Stunden, um unsere neuen-alten Freunde Christine und Chris, mit welchen wir über einen Monat lang gereist sind, nochmals zu sehen. Ein würdiger Abschied einer unvergesslichen Reise, meinen wir.
Übrigens: dies ist unser hochoffizielles Verlobungsfoto.















