Ein Horn? Oboe? Fagott?
Etwas windet sich durch die Trümmer, umspielt jeden Stein, ein Bodennebel auf der zerstörten Erde.
Etwas verliert sich in der endlosen Fläche der Zerstörung, wird ausgeblendet von einer flauen Sonne hinter atmosphärischen Gasen. Ein Fagott. Oboe. Ein Horn. Als wäre der Ton nie gewesen.
Und doch ist da ein Ohr.
Ein Ohr, das die Signale alter Geräte empfängt. Ein Ohr das auf Wind lauscht, auf Laute von Tieren, auf etwas Menschliches.
Der eigene, starre, monotone Schritt. Der eigene Herzschlag. Der Atem hinter der ewigen Atemmaske.
War der Ton aus der Vergangenheit gekommen? Oder aus der Zukunft?
Die Atemmaske behindert ihn, lässt ihn sparsam mit der wenigen Luft umgehen. Er schleicht langsam durch den ewigen Tag, der wie eine Nacht ist.
Selten kann er durch die flirrende, faule Luft mehr erkennen als Schemen. Schemen von Trümmern. Ein verbrannter Baum. Die versteinerte Sonne.
Doch sein Ohr ist geschärft. Über sich selbst hinaus hört er meilenweit entfernte, knisternde Feuer. Er hört Schnarchen und Atemzüge. Lachen. Schreie.
Er hat diesen Ton gehört. Er ist sich sicher.
Es hat einmal etwas wie Musik gegeben. Daran erinnert er sich nun. Er will singen, doch ihm fällt keine Melodie mehr ein.
Nur Worte.
Er benennt den Staub, die Steine, die Straßen.
Nur selten begegnet er Menschen, mit denen er spricht. Es sind wenige Worte, denn alle haben das Sprechen verlernt und es kostet Kraft. Man beäugt sich, fragt, handelt. Dann geht jeder seine Straße weiter.
Um sie nicht zu verlernen, wiederholt er Worte im Geiste. Spricht sie im Geiste aus.
An manchen Ruinen bricht sich der Wind und klingt wie ein Instrument.
Aber nicht wie das Horn. Die Oboe. Das Fagott.
Er macht sich auf die Suche. Neben seiner täglichen Suche nach Nahrung, Tauschwaren und Unterschlupf sucht er nun auch nach dem Ton.