FAQ: Quid est Roma?
Die altercatio, die über jene Sammelhandschriften überliefert ist, in denen man auch die notitia dignitatum findet und die darum auch in einigen Editionen unter diesem Titel mit abgedruckt ist, besteht aus Fragen und Antworten.
Sie ist ein Formular, das in Ansätzen dialektisch ist. Mit den Verfahren, wie sie sich in den sokratischen Dialogen bei Platon finden, hat dieses Formular aber nur entfernte Ähnlichkeit. Schon von einem Dialog zu sprechen passt nur zu einzelnen Passagen, wenn nämlich nicht nur die Antwort sich auf die Frage bezieht (das ist immer der Fall), sondern wenn auch die nächste Frage die Antwort wieder aufgreift. Das ist nur vereinzelt der Fall. Die Regel ist, dass diese altercatio wie eine Liste einzelne Punkte abhakt und dann weiter springt: Frage, Antwort. Nächste Frage. Die Edition, die Peter Goodrich mit der Passage Quid est pictura? Veritas Falsa zitiert und die 1651 in Paris erscheint, setzt den Dialog (wie man das auch in den Handschriften findet) in einzelne Zeilen, pro Zeile eine Frage und Antwort. Diese Edition macht eine Liste aus dem Text. Wieder, denn in den Handschriften war das auch eine Liste (und Fragen und Antworten wurden in unterschiedlichen Farben geschrieben, wodurch sich noch Spalten bilden und eine tabellarische Ordnung deutlicher wird). Die Froben-Edition von Gelenius hat versucht, diese Liste in einen Block umzusetzen, in dem die Fragen und Antworten stärker zusammenfließen, aber ein Fließtext wurde es auch da nicht. Der Listencharakter ist zu stark.
Die Fragen werden Kaiser Hadrian zugeschrieben, die Antworten Epiktet, der in den Handschriften als Philosoph bezeichnet wird. das ist ein technischer Kniff, beide sind artifizielle Figuren in einem artifiziellen Formular. Schon problematisch, ob man dieses Formular überhaupt als verfassten Text beschreiben soll, ist unwahrscheinlich, dass diese Passagen jemals als Quellen eines Dialoges zwischen Hadrian und Epiktet galten. Man sollte unterstellen, was Yan Thomas auch für das römische Recht herausgearbeitet hat, nämlich den Umstand, dass die Schreiber sich der Technizität und Artifizialität ihrer Schreiben bewußt waren - und dass die Autorenschaft von Hadrian und Epiktet fingiert ist.
2.
Eine andere Frage dort lautet: Quid est Roma? Es wird die ganze Liste lang und in jeder Zeile nach etwas gefragt, nachdem mehrere Fragen könnten. Wie mache ich Bohnen, wenn ich mal keinen Speck im Haus habe und die Schwiegermutter auftaucht? Wo kann ich mein Pferd striegeln? Auch diese Fragen könnten häufiger gestellt werden, aber nicht häufig genug, um in dieser Liste aufzutauchen. Diese Liste umfasst wirklich nur VIFAQs, very important and frequently asked questions.
"Quid est Roma? Fons imperii orbis terrarum, Mater gentium, Rei posses-sor, Romanorum contubernium, Pacis aeternae consecratio."
Die Antwort könnte noch 1929 bei dem Abschluss der Lateranverträge gegeben worden sein, ein Teil davon rutscht auch explicit die Versprechen, die dort gegeben werden, die Friedensgarantie. Der Rest musste wohl nicht rutschen, der wird ohnehin vorausgesetzt.
3.
Romanorum contubernium: römische Fisimatenten? Der Römer Konkubinat? Zeltlagerromantik? Dominium wäre ja schon zuviel gesagt, das steht da nicht, '-tubernium' hat eher was mit Kneipen zu tun. Die altercatio hat einen Übungscharacter. Auswendig lernen reicht nicht, insoweit ist dieses Formular eine Checkliste dafür, womit man sich auseinandersetzen sollte.

















