In vielen antirassistischen Kreisen ist es verpönt, Demokratie und Freiheitsrechte zu verteidigen. Überhaupt gehört es zum guten Ton, sich einem Pessimismus hinzugeben, der für reale Menschenrechte nur mehr ein zynisches Lächeln übrighat. Oder schlimmer: wenn im Namen des Kampfes gegen den weißen Imperialismus (natürlich nur des westlichen) kultureller Respekt vor Barbareien wie der weiblichen Genitalverstümmelung verlangt wird. Die Mischung aus ideologischen Grundsatzkämpfen und den Fragen nach Identität bringt statt Vernunft Ungeheuer hervor. Kulturrelativismus ist, wenn Menschen meinen, dass es den Weißen nicht zustehe, voraufklärerische Praktiken in der Migrationsgesellschaft zu kritisieren statt zu respektieren. Und dass solche Praktiken eben zur Identität einer Gruppe gehörten. Eine solche Haltung ist nicht respektvoll, sondern rassistisch. Was in aller Welt ist so kompliziert daran, universalistisch zu denken? Die Freiheit, in der Demokratie über die eigene Identität selbst entscheiden zu können und so erwachsen zu werden, wie man es eben vermag, ist ein großartiges Verdienst der Aufklärung
Kahane, Anetta: Identität und Ideologie.



















