2018-08-03
Ein kleines Erdbeben auf der Landkarte
Die Landkarte, mit der ich auf meiner Webseite meinen gegenwärtigen Standort veröffentliche, funktioniert plötzlich nicht mehr. Wenn ich die Seite aufrufe, zeigt Google eine abgedunkelte Karte und eine Fehlermeldung. Mit dem API-Aufruf stimme was nicht. Falls ich der Betreiber der Webseite bin, soll ich einem Link folgen, wo mir erklärt wird, was zu tun ist.
Wie sich herausstellt, kostet die Landkarte jetzt Geld. Ich kann sie nicht mehr einfach so bei Google aufrufen und in meine Webseite einbetten, sondern ich muss einen API-Key generieren lassen (eine Art Passwort), und diesen API-Key bei jedem Aufruf der Landkarte an Google schicken. Google kann diese Aufrufe dann meinem Konto zuordnen und in Rechnung stellen.
Ich glaube, dass sich an diesem kleinen Detail eine große Veränderung abzeichnet: Google wird von einer Werbefirma zu einem Cloud-Dienstleister. Dienste wie Google Maps, woran tausende Menschen arbeiten, wurden bisher weitgehend verschenkt, weil Google das Geld zu ihrem Unterhalt anderswo, nämlich in der Suchmaschinen-Werbung verdiente.
Das ändert sich, und ich bin froh darüber. Dass das Internet bisher weitgehend dadurch funktionierte, Leuten Dinge zu zeigen, die sie eigentlich nicht sehen wollen, kam mir immer wie ein merkwürdiger Konstruktionsfehler vor.
Besonders teuer wird die Sache übrigens nicht. Ein Maps-Aufruf kostet zur Zeit 0,7 Cent. Ich habe eine Obergrenze von hundert Aufrufen pro Tag gesetzt (realistisch sind eher drei oder vier Aufrufe), und außerdem kriege ich für das erste Jahr 300 Dollar von Google gutgeschrieben.
(André Spiegel)
















