C&A treibt Schandluder mit Fridays for future Symbolik
Schon den neuen C&A Werbespot gesehen? Für die, die ihn nicht kennen: Wir sehen Kinder, die Schilder hochhalten – Peace Zeichen, Regenbogen, Sonnenblume.[1] Das Ganze läuft unter dem Hashtag „kids4tomorrow“. Klar womit die Werbemacher hier spielen, dem Bild der Bewegung „Fridays for future“. Mein erster Gedanke: „Ernsthaft?“ Jugendliche und Kinder gehen raus, auf die Straßen der Nation und kämpfen für saubere Luft, ein Umdenken und allem voran für Nachhaltigkeit. Und dann kommt ein Unternehmen wie C&A, das im Prinzip genau für das Gegenteil steht und bemächtigt sich dieses Bildes für seine neue Kinderkollektion? Wie passt „fast fashion“ zu „kämpfen fürs Klima“?
Es scheint tatsächlich wie ein Silberstreif: 71% der von C&A bezogenen Baumwolle sind laut eigener Aussage entweder Bio-Baumwolle oder „Better Cotton“. Mehr als 49% der Rohstoffe, die C&A verwendet werden mittlerweile aus nachhaltigeren Quellen bezogen. Das Unternehmen setzt sich dafür ein, dass seine Produktion sauber wird: Bereits 2015 hat C&A PFC Verbindungen aus seiner Lieferkette verbannt. Zudem hat sich das Unternehmen der Greenpeace Detox-Kampagne verpflichtet und zugesagt, seine Produzenten davon abzuhalten, giftige Chemikalien zum Färben, Waschen oder Bedrucken zu benutzen oder gar ungefiltert in Flüssen und Seen zu entsorgen, wie es bis dato der Fall war.[2] C&A kümmert sich!
Aber wie viel bringt das wirklich, wenn bis zu 24 neue Kollektionen jedes Jahr in die Läden rollen, man uns versucht weis zu machen, dass wir diese Basics und It-Pieces BRAUCHEN? Hört sich das nicht eher so an, als würde die Modekette versuchen aus der Not eine Tugend zu machen? Der Gigant verkauft sich als Teil der Lösung, statt als Teil des Problems – 850 Millionen Tonnen CO2 Emissionen gehen jährlich auf die Kappe der Modeindustrie[3]: Herstellung, Warentransport, Werbung, Gebrauch. Eine Kinderstrickjacke verursacht im Laufe ihres "Lebens" einen Kohlendioxid-Ausstoß von gut 13 Kilo.[4] Wie viele Strickjacken braucht ein Kind? 2014 produzierte die Textilindustrie mehr als 100 Milliarden neue Kleidungsstücke. Das Motto: mehr ist mehr – heute Trend, morgen Müll. Weniger als ein Jahr hängt ein Textil i.d.R. bei einem Jugendlichen im Schrank. ‚Nachhaltig‘ geht anders.
Wiegt man das Für und Wider ab, könnte man meinen: Wenn einer der Textilriesen sich die „Fridays for furture“ zunutze machen könnte, dann C&A. Aber ganz ehrlich – nein. Einfach nein. Dafür ist der Schaden zu groß, den Konsum verursacht. Und genau dafür steht C&A. Konsum. Wenn die Bewegung der Jugend Erfolg haben und ein Umdenken stattfinden sollte, dann stehen am Ende nicht ausgerechnet C&A-Filialen da, in denen ausgiebig geshoppt wird, während die ganzen anderen Ketten, die sich kein gutes Image aufgebaut und so getan haben als würden sie sich die gleichen Sorgen machen wie die Demonstranten, aus den Shoppingmeilen verbannt wurden. Wenn die Bewegung Erfolg haben und ein Umdenken stattfinden sollte, dann dürfte es fast fashion eigentlich gar nicht mehr geben und damit auch kein C&A.
Und darum ist es eine kluge, aber perverse Aneignung des Bildes von demonstrierenden Kindern in der C&A-Werbung. Weil es eben genau die Opposition zu „Fridays for future“ bildet, Kleider quer übers Meer zu schiffen und mehr herzustellen, als überhaupt nötig.
[1] Werbespot: https://www.youtube.com/watch?v=8IPeioCjsKA.
[2] C&A Sustainability Report 2018, (http://sustainability.c-and-a.com/fileadmin/pdf-sustainability/generate/en/globalsustainabilityreport2018-en.pdf).
[3] Konsumkollaps durch Fast Fashion. Die Textil-Trends von heute sind der Müll von morgen. Greenpeace Report 2017, (https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/konsumkollaps-durch-fast-fashion).
[4] Otto, (https://www.umweltdialog.de/de/verbraucher/textilien/archiv/2009-11-05_Otto_zeigt_CO2_Fussabdruck_fuer_Textilien.php).
















