Alles-Ganz-Natürlich
Die Zwillinge sind heute genau zwei Monate alt. Inzwischen sind wir alle weitestgehend im Alltag angekommen, von der schwierigen Anfangszeit reden wir nur mit dem Zusatz"Weißt du noch..." Alles gut also. Auch haben wir herausgefunden, dass das endlose Wickeln, Füttern und die doppelte Beschallung mit ca. 90 Dezibel zu den angenehmeren Seiten gehören. Man möge mich nicht falsch verstehen: jedes Lächeln, fröhliches Glucksen, die Feststellung, dass sie nach dem Spielzeug zu greifen versuchen oder das hochschmeissen der Ärmchen, wenn sie mir vergnügt beim Aerobic zuschauen, erfüllen uns mit unbeschreiblichem Glück und Stolz.
Was wir nicht auf uns haben zukommen sehen, waren tränende Augen, das Spucken nach (fast) jedem Essen, verschiedene Arten von Hautausschlag, das Grunzen im Schlaf (bei dem mir jedesmal das Herz stehen bleibt, weil ich fürchte das Kind würde ersticken) und die unendliche Nießerei. Teilt man seine Sorgen dann mit erfahreren Eltern, Ärzten etc., hört man meistens nur es sei alles "ganz natürlich bei Neugeborenen". Und trotzdem löst es bei noch unerfahrenen Eltern eine mittelschwere Panikattacke aus. Bei mir jedenfalls tut es das. Das einzige, was mich davon abhält dauernd zum Arzt zu rennen, ist die Tatsache, dass ich mit den Beiden dann in der allgemeinen Sprechstunde zwischen älteren Kindern sitzen müsste, die alle weiß Gott was haben und die möglicherweise nicht geimpft sind. Also sitzt man da und wiederholt immer und immer wieder das Mantra Alles-Ganz-Natürlich. Dann lächeln sie glücklich und zufrieden im Schlaf und alle Sorgen sind vergessen. Bis zum nächsten Grunzen.








