trunkene texte die erste: familienfeiern
um den abend nicht schon mit heulkrämpfen willkommen zu heißen, wirft man sich mit verzweifeltem optimismus in seinen einzigen rock und betrachtet einmal am arsch der welt angekommen, die UNMENGEN an hochprozentigem alkohol. das muss man dem onkel lassen: er wusste schon immer, wie er die leute trotz der scheißmusik auf die tanze bewegt.
insgeheim ist die laune etwas versüßt, da man sich heute nacht bei den verkackten nachbarskindern für den alltäglichen lärmterror bedanken kann und alle halbe stunde das telefon zückt, um die sorgfältig an der wand zum kinderzimmer abgestellten festnetz-telefone in den wahnsinn zu klingeln.
der erste schlag in die fresse ist die nachricht, dass in den gemeinde-räumlichkeiten absolutes rauchverbot herrscht. alles gar kein problem, wenn heut nicht die kälteste nacht des jahres wäre.
doch die lebenslust verlässt einen spätestens dann, als die vierte person einem erklärt, dass man überraschender weise aussieht, wie seine eltern. um diesen schock zu verkraften, jetz bitte erst mal einen schnaps.
bunte lichteffekte, verteilte menschengruppen am rande der leeren tanzfläche, peinliche stillen. man fühlt sich wie inmitten eines schlechten deutschen teenie-films, nur dass die süßen kerle fehlen und durch ende-50-bäuche ersetzt wurden, die einem alle 5 minuten anzügliche blicke zuwerfen. jetzt bloß nicht anquatschen lassen.
also erstickt man sein hundertstes “mir gehts gut und dir?” im fünften cuba libre, geht zum buffet um dem mettigel die augen auszustechen (im nachhinein: tschuldige bitte. tat mir dann doch leid, ihn so zu sehn) und holt sich den dritten nachschlag wildgularsch mit kirschkuchen.
während einen die tanten aufgrund der essgewohnheiten neugierig fragen, ob man schwanger sei, weißt einen der alkohol vorsichtig darauf hin, dass er begonnen hat, zu wirken. also beginnt man selbst langsam an seinem uterus zu zweifeln und wirft einen blick auf die frau, deren erstgeborener heute seinen 60. geburtstag feiert. dieser anblick ist jedoch so traurig, dass sich leichte panik ausbreitet. schnell zu oma und sie in den gebrauch eines smartphones einweihen. amüsante 5 minuten.
einer der fremden kerle hebt anklagend den zeigefinger, als man sich eine weitere runde rum nachschenkt, doch man entgegenet nur grinsend mit einem winkenden mittelfinger und betet, dass er nicht näher kommt um einen anzubag- zu spät. “ja, haha. danke. mh, find ich auch. ich muss dann mal.”
nach ungefähr 4 stunden sitzt man schielend auf der toilette, begegnet den gegenüber hängenden psalmen mit sarkastischen kommentaren und philosophiert über die ähnlichkeiten zwischen jesus und hitler.
nachdem auch die polonaise nichts reißen kann, greift man sich die megapackung baconchips und macht sich über die einzigen fans des dj’s lustig: seine frau und sein kind, die ebenso gut tanzen, wie ihr idol auflegt.
aber dann wird alles gut, denn endlich beginnt modern talking. und als man nach 3 wahnsinnig erholenden stunden schlaf zum aufräumen vorbei kommt, erwartet einen der onkel schon mit dem nächsten glas sekt.