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Berlin-Cocktail-Tour mit Gin Mare: Küche Bar, Slate & GRACE Bar
Vor der Siegessäule glänzt ein hellblau-weißer VW-Bulli in den letzten Sonnenstrahlen eines Berliner Sommers, der traumhaft war, aber langsam zu Ende geht. Das perfekte Timing für die „MedTransfers Tour“ von Gin Mare aus Spanien, um nach Lissabon, London und Bilbao auch einen (ersten) Zwischenstopp in Deutschland zu machen.
Die Route für die Hauptstadt? Zuerst geht es zur Küche Bar ans Tempelhofer Ufer in Kreuzberg, dann ins Fine-Dining-Restaurant Slate Berlin nach Mitte und zu guter Letzt auf den Kurfürstendamm in die GRACE BAR des Hotel Zoo Berlin. Für die „Gin Mare MedTransfers Tour“ haben sich die Bartender dieser kulinarischen Hotspots jeweils drei mediterran-inspirierte Cocktail-Kreationen einfallen und von spannenden Foodpairings begleiten lassen.
Tourstopp 1: Küche Bar
Unser letzter Besuch in der Küche Bar, die von den Mixology Bar Awards 2019 als „Neue Bar des Jahres“ nominiert wurde, inspirierte ein paar Gedanken über Bars ohne Tresen. Und auch der Start in diesen Abend erfolgt wunderbar hürdenlos: mit einem „Triple Orange G&T“ mit Tonic Water, Bitterorangen-Marmelade, Orangenbitter und -zeste, den Barchefin Nina Zilvar im Ballonglas serviert.
Um einiges komplexer ist da schon der „La Luminosa“, eine Red-Snapper-Variante, perfekt abgestimmt auf das Foodpairing von Stephanie von Seggern („Deutsche See“). Zu italienischer Burrata mit Kaisergranat kombiniert Zilvar das Mediterrane des Gin Mare mit weißem Port, frischer Zitrone, Zucker, geklärtem Tomatensaft, ihrer geheimen Bloody-Mary-/Red-Snapper-Gewürzmischung und frischem Thymian. Zum Abschluss schickt die Gastgeberin noch einen „Spanish Hipster“ in die Runde: eine rote Erfrischung, in der Gin Mare mit frischem Rosmarin, Zitrone, ein bisschen Amer Picon und Hibiskusmarmelade anstelle von Zucker harmoniert.
Tourstopp 2: Slate Berlin
An der Fine-Dining-Adresse in Mitte kommt es erstmal zur Cocktail-Pause, um Gin Mare zur Abwechslung pur zu verkosten. In der Distillerie in Vilanova i la Geltrú nahe Barcelona werden Basilikum aus Italien, die Arbequina-Olive aus Spanien, Thymian aus der Türkei und Rosmarin aus Griechenland separat destilliert, mit Zitrusnoten verfeinert und um weitere, gin-typische Botanicals wie Wacholder, Kardamom und Anis ergänzt. Für den maximalen aromatischen Geschmack lässt man die Botanicals zwischen 36 bis 48 Stunden im Agraralkohol liegen, während die Zitrusfrüchte sogar zwölf Monate lang ihren Beitrag zum Wiedererkennungswert des Gin Mare leisten.
Danach wird ein Mar(e)tini-Glas mit Gin, Freimeister Rosmarin, Zitronensaft, Zuckersirup, Fino Sherry, Orangenbitter und einer Zitronenzeste fürs Auge gereicht – ein simpler, sommerlicher Mix mit mediterranen Referenzen, die den speziellen Geschmack von Gin Mare angenehm unterstreichen. Nach „Rosemary’s Calling“ beweist Bartenderin Jessica Pike aus Leeds erneut ein besonders gutes Händchen für den Weniger-ist-mehr-Ansatz. Für ihren Gimlet braucht es lediglich Gin, hausgemachten Thymian-Kräuterlikör, Orangenbitter – und zwei grüne Oliven auf einem Zahnstocher.
Tourstopp 3: GRACE Bar
Auf der Dachterrasse des „Hotel Zoo Berlin“, die stimmungsvoll über den Dächern des Westens thront, startet Bar-Manager Koset „Scotty“ Prajob mit einem „Banyan Buster“, für den Gin Mare im Ballonglas mit einer Reduktion aus frischem Feigensenf und Mandeln, weißem Port und einem Schuss Tonic zur Geltung kommt. Richtig gut ist auch der Signature-Snack des Hauses: Popcorn mit Kräuter-Flavour wird hier gerne zu Cocktails serviert.
Im Anschluss werden unten an der Bar zwei weitere, sehr ausgeklügelte Drinks gemixt: Während hinter „Himmelblau“ eine feine Mischung aus Gin, dem Likör Crème de Violette, Lavendel und Sparkling Sake steckt, kommt die dritte Kreation dank Mosto Verde pisco-ähnlich daher. Sie geht auf die Improvisationskunst von Scottys Kollegen Evelio zurück. Ebenso wie der Schuss Mezcal, der diesem orangefarbenen Gin-Drink eine spannende, leicht rauchige Note verleiht.
Volevo ringraziare per l’invito tutta l’amministrazione Comunale di San Cesareo e l’associazione Le capanne coinvolgenti, ragazzi eccezionali pieni di voglia di fare. Vi aspetto al Full Dance ITALIA 🇮🇹😘😘 Tutti i nostri Genitori sempre presenti, i nostri Atleti e infine ma non per ultimo il nostro Stefano Baldini. #bartour #sancesareo #fulldanceitalia #stepgang #graziegenitori #lecapannecoinvolgenti (presso San Cesareo) https://www.instagram.com/p/Bnf6WdoA1aI/?utm_source=ig_tumblr_share&igshid=mkihh8wcj0bs
Siete pronti per il #bartour SABATO 8 ore 18.00 Piazza Giulio Cesare ??? (presso San Cesareo) https://www.instagram.com/p/BnSMgOKgln8/?utm_source=ig_tumblr_share&igshid=zs2807zlp4g
Lange hielten Retsina und Ouzo als Aushängeschilder von Griechenlands Trinkkultur her. Heute ist Trinken gehen in der Hauptstadt Athen so spannend wie noch nie. Unsere Autorin Jasmin Tomschi folgte einer Einladung der griechischen Spirituose Metaxa und hat sich mit den Athenern über ihre Barszene unterhalten. Ein persönlicher Erfahrungsbericht, hier der zweite Teil.
Athen ist das perfekte Pflaster für alle, die anstelle von Bier oder Wein gerne mal öfter richtig gute Cocktails trinken wollen. Im ersten Teil meiner Tour ließ ich mir diese tagsüber in der strandbar-ähnlichen Location von „Ipitou“ und abends welche in der sechsbesten Bar der Welt mixen. Ebenso überraschend wie die Quantität an Bars ist in Athen die Qualität, die international immer mehr für Aufsehen sorgt. Die Konzepte der hiesigen Bartender fallen bis hin zum ausgefinkelten Design der Cocktailkarten ganz unterschiedlich aus, doch das Ziel ist ähnlich: Menschen zusammenbringen und mit einzigartigen Signature-Drinks überraschen.
Baba Au Rum: Platz 30 der weltbesten Bars
Je später es wird, desto mehr verlaufen sich die Leute, die den ganzen Tag durch die Straßen des Zentrums spaziert sind. Man trifft sich in einer der vielen Bars oder konzentriert sich traubenweise vor ihren Türen. Das ist problemlos bis in die Abendstunden möglich, weil man als Gastronom im historischen Kern von Athen meist keine Nachbarn hat, die schlafen wollen. Vom Glück, seine Gäste nicht in einem Wohnviertel empfangen zu müssen, profitiert auch Thanos Prunarus. Seine „Baba Au Rum“ sticht, nur drei Gehminuten von „The Clumsies“ entfernt, als weiteres international gefeiertes Highlight aus Athens vielseitigem Nachtleben hervor.
Würde man rein nach der Dichte der Bars gehen, die sich in dieser Nachbarschaft angesiedelt haben, hätte Prunarus haufenweise Konkurrenz. Doch „Baba Au Rum“, aktuell auf Platz 30 der World’s 50 Best Bars, ist schon auf den ersten Blick etwas ganz Besonderes: gemütlich eingerichtet, angenehm beleuchtet und bis in die letzte Ecke mit gut gelaunten Besuchern gefüllt. Was macht das Lokal aus – mal abgesehen vom Rum, der an dieser Adresse in einer Vielfalt vertreten ist, welche junge Gäste ohne viel Vorwissen ebenso glücklich macht wie einen Connoisseur, der die Spirituose am liebsten genießt wie einen reifen Cognac?
Von der Avantgarde inspiriert
„Die größte Inspiration war tatsächlich die Liebe zu Old-School-Cocktails aus dem 19. Jahrhundert, die in den 2000er-Jahren noch kaum jemand kannte“, erklärt Prunarus. „Baba Au Rum sollte nie eine Institution für nur eine bestimmte Klientel werden. Stattdessen wollte ich eine Bar aufmachen, wo jeder herzlich willkommen ist, der unsere Fine-Drinking-Vision und den Spaß dahinter teilen kann.“ Eröffnet hat Prunarus diese 2009 – mit elf Jahren Bartender-Erfahrung. „Damals war unser Nachtleben sehr lebendig, aber die Trinkszene gab relativ wenig her“, erinnert er sich zurück. Ich frage mich, wann bzw. ob die Athener im Laufe der Zeit aktiv nach einer anständigen Barkultur verlangt haben. „Sie haben etwas Neues erwartet“ – und Prunarus hat mit einer der ersten Cocktailbars der Stadt abgeliefert.
Wer diese nicht gleich auf Anhieb entdeckt, sollte die Suche definitiv nicht aufgeben. In der Mitte einer unscheinbaren Seitengasse lässt sie sich dann doch irgendwann erkennen. Ich komme am Freitag kurz nach Mitternacht. Vor der Bar sind alle Sitz- und Stehplätze besetzt, auch im Innenbereich ist einiges los. Erster Eindruck: Das gesamte Ambiente ist wie Instant-Urlaub in Südamerika, eine wahre Experience. Hier finden ganz ungleiche Paare zusammen – große Freundesgruppen und erste Dates, junge und ältere Leute, Griechen und Touristen.
Beste Spirituosen, Bio-Kräuter & exotische Gewürze
Servicekräfte bahnen sich ihren Weg durch das Publikum, aber wohl nur, um das Menü zu verteilen und leere Gläser abzuräumen. Ich bestelle direkt an der Bar, einer der drei anwesenden Bartender beginnt zu mixen und wenig später habe ich zwei sehr stimmige Kreationen vor mir stehen: Der Signature-Cocktail ist laut Karte ein komplexer, aber dennoch ausbalancierter Umami-Daiquiri mit Vanille, süßem Sherry, Limette, Botanicals wie Basilikum und Barcelo Imperial Rum aus der Dominikanischen Republik. Als perfekter Kontrast hält der Smokin’ Mexican her: Mezcal mit frischer Avocado, Agavensirup, geräuchertem Paprika und Limette sowie einem Mix aus schwarzem Rauchsalz und Chilipulver am Glasrand.
Um seinen Drinks das gewisse Etwas zu verleihen, grast Thanos Prunarus die Welt nach den besten Spirituosen ab, bezieht Zutaten von einer Bio-Farm außerhalb von Athen und lässt in einem rund 50 Quadratmeter großen Lab einen Koch und Lebensmitteltechnologen werken. Zum Status-Quo der Athener Barszene meint er: „Gerade junge Leute fanden sehr kreative Wege aus der Krise, sodass es mittlerweile einfacher ist, in Athen einen guten Negroni mit einem Lächeln serviert zu bekommen als in Paris.“ Und wem der Sinn zwischenzeitlich doch nach etwas Antialkoholischem steht, findet in der Karte ein paar spannende Alternativen zu klassischen Cocktails und avantgardistischen Drinks.
MoMix Bar: Molekularvergnügen
Wer ein weiteres Highlight besuchen und im Zuge dessen in die erste Molecular Bar von Athen möchte, muss ins Viertel Kerameikos. Bei Tageslicht, so wird mir erzählt, treiben sich hier Schauspieler und andere Künstler inmitten von kleinen Theatern, Galerien und unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden herum. An einem Samstag kurz vor Mitternacht ist von diesem Charme ehrlicherweise wenig übrig. Dunkle Straßen wirken verlassen – und auch die eben erwähnte Bar scheint auf den ersten Blick vollkommen leer zu sein. Ich werde von einem Seater empfangen, der mich selbstbewusst durch den Innenbereich des Lokals führt, um mich mit dem richtig gut besuchten, bunt dekorierten und mit Bäumen bepflanzten Hinterhof der „MoMix Bar“ zu überraschen.
Die Bar von Aris Chatziantoniou gibt’s hier schon seit 2012. Ihr Schwerpunkt liegt auf Molecular Mixology – also dem Gast außergewöhnliche Cocktails zu präsentieren, die er teilweise vielleicht gar nicht trinken kann, sondern essen soll. Mit diesem Konzept mussten die Athener – insbesondere zu Krisenzeiten – erst warm werden: „Es war eine harte, aber auch kreative Periode für Griechenlands Barszene. Wenn man davon ausgehen muss, dass insgesamt viel weniger Leute ausgehen, muss man innovativ sein, was das eigene Angebot angeht“, so Chatziantoniou.
MoMix Lab: Experimente von Experten
Was hat sich denn seither wirklich geändert? „Athen war immer schon voll mit Bars. Der Unterschied ist, dass diese Bars in den letzten zehn Jahren im Zusammenhang mit ihrem Angebot viel professioneller geworden sind.“ Wie schon Prunarus spricht auch der Mixologe Chatziantoniou eine Fine-Drinking-Kultur an, die sich maßgeblich darauf auswirkt, aus welchem Grund man eine Bar besucht. Früher spielte Musik eine große Rolle, es wurde viel getanzt. Heute kommt man vor allem wegen der guten Drinks. Diesbezüglich geht Chatziantoniou mit seiner Molecular Mixology einen sehr eigenwilligen Weg – und natürlich kommt auch hier ein bareigenes Labor ins Spiel.
Im Rahmen meines Besuchs darf ich einen Blick ins MoMix Lab werfen. Dahinter steckt ein küchenähnlicher Ort, wo ein Innovationsteam – bestehend aus Konditoren, Sommeliers, Chemikern, Biologen und sogar einem Arzt – u.a. mit Destilliergeräten, Zentrifugen, Öfen, Evaporatoren, einem Thermomix und Homogenisiergerät experimentieren darf. Hier werden auch die sogenannten Bubbles hergestellt, für die Hydrokolloide miteinander reagieren. Kurzum: Der Cocktail kommt in Shotgröße, verpackt in einer ballförmigen Gelhülle, präsentiert auf einem Löffel. Das Resultat ist überraschend andersartig und eine komplexe Geschmacksexplosion im Mund.
Das Auge trinkt mit
Ich nutze die Tatsache aus, dass Chatziantoniou offizieller Metaxa-Ambassador ist und bestelle einen Megroni, für den Metaxa seinen speziellen, süßen Wein zur Verfügung stellt, den man regulär gar nicht kaufen kann. Wem das an einer heißen Athener Sommernacht zu schwer ist, ist mit einem Metaxa-Sour wie dem 12 Stars of New York besser dran. Was wird bei MoMix sonst noch serviert? Cocktails, die wild vor sich hinrauchen. Holzboxen, in denen mehrere Reagenzgläser mit buntem Inhalt stecken. Und ein kleines Spektakel namens Saganaki in a pan – ein Crossover aus Dessert und Cocktail, direkt am Tisch vom Kellner (ja, die gibt es hier) in einer Pfanne flambiert.
Mehr als in den Bars, die ich zuvor besucht habe, hat man im „MoMix“ das Gefühl, dass sich die Leute – auch Service und Gäste – gut kennen. Das Miteinander ist auffällig herzlich. Spätestens in diesem Environment wird mir klar, wie wenig die Griechen in Gruppen, tagsüber genauso wie abends, im Gegensatz zu anderen Städten ihre Handys zücken. Was erstmal etwas banal klingt, trägt definitiv zum einzigartigen Vibe innerhalb der Athener Barszene bei. Mein Fazit: Sie steckt voller Tatendrang und Einfallsreichtum, Liebe zum Detail und einem Gemeinschaftsgefühl, das einem Konkurrenzkampf erst gar keine Chance lässt.
Was uns noch empfohlen wurde:
Noel: The Holiday Bar mit gutem Essen
Drunk Sinatra: All-day-Bar voller Referenzen an die Hollywood-Legende
The Bank Job: stylisches Lokal mit Hang zum Verbrecherischen
Lange hielten Retsina und Ouzo als Aushängeschilder von Griechenlands Trinkkultur her. Heute ist Trinken gehen in der Hauptstadt Athen so spannend wie noch nie. Unsere Autorin Jasmin Tomschi folgte einer Einladung der griechischen Spirituose Metaxa und hat sich mit den Athenern über ihre Barszene unterhalten. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.
Von Athens Stadtberg Lykabettus, wo wir mit Huity Konstantinidou, Metaxas Hospitality, Heritage & Special Events Director im Restaurant Orizontes zum Dinner verabredet sind, genießt man einen traumhaften Ausblick über die griechische Hauptstadt. Dazu empfiehlt uns Konstantinidou, die unsere Gruppe zuvor mit Metaxa Master Constantinos Raptis durch das Headquarter der 130 Jahre alten Traditionsmarke geführt hat, einen erfrischenden Cocktail mit Metaxa 12 Stars, Ginger Ale, ein bisschen Bitter und ganz viel Eis.
Ich bin das erste Mal in Athen und noch etwas unsicher, was ich von der Stadt erwarten darf. Ginge es nach politischen Entscheidungsträgern, so Konstantinidou, soll Athen ja das neue Berlin werden. Die Athener selbst sind wirklich kein unfreundliches Volk, aber über solch lieblose Marketingmaßnahmen können sie nur beleidigt schmunzeln. Verständlich: Berlin ist über viele Jahrzehnte zu dem Berlin geworden, das wir heute kennen. Und so steht es auch um Athen – eine Stadt, deren alte Dekadenz ganz bewusst mit großflächigen Graffiti übermalt bzw. noch nicht wieder davon bereinigt wurde.
Es gibt Metropolen, die richten ihre Barkultur ganz offensichtlich an der Kaufkraft ihrer Elite und gut betuchter Touristen aus. In Athen fühlt sich die treibende Kraft anders an. Krise hin oder her – was sich die Griechen nie nehmen ließen, ist das Ausgehen. Sie sind sehr sozial und lieben es, sich unter Leute zu mischen. Tagsüber wird in aller Ruhe Kaffee getrunken, nach einem ausgiebigen Dinner trifft man sich mit Freunden. Je nach Wetterlage verschlägt es die Athener gegen 22 Uhr in Richtung Zentrum, an heißen Sommertagen auch erst um Mitternacht. Dort kostet ein guter Cocktail im Schnitt zehn Euro. Für alle, die früher kommen, aber trotzdem eine Weile bleiben wollen, läuten viele Bars zuvor eine Happy Hour ein.
Mehr Variation für die eigenen Leute
Während laut Konstantinidou in den 1990er-Jahren abends noch sehr viel Bier ausgeschenkt wurde, sind spannende, aufwändig inszenierte Cocktailkreationen seit ein paar Jahren kaum noch aus dem Athener Nachtleben wegzudenken. Die Stadt investierte in eine ernstzunehmende Barszene – und diese Bewegung gleicht nicht wie andernorts einer Krönung der lokalen Genusswelt, etwa aus Prestige-Gründen, sondern in erster Linie einer weiteren Unterhaltungsmöglichkeit für die eigenen Leute.
Klar wird diese Barszene zu einem wesentlichen Teil vom Tourismus getragen. Die Athener sind sich sehr bewusst darüber, dass aus diesem Trend längst ein fester Bestandteil ihres kulturellen Angebots geworden ist. Junge Griechen sind motiviert, sowohl ihren Landsleuten als auch Gästen aus aller Welt etwas Besonderes zu bieten. So entstand eine Bewegung und gesunde Competition, die Talente hervorbrachte, welche sich bei Wettbewerben messen können und sich mittlerweile auch auf internationaler Ebene einen Namen gemacht haben.
Die Qual der (Bar-)Wahl
Läuft man durch das Zentrum von Athen, findet man viele Straßen, in denen sich eine Bar an die nächste reiht. Fenster und Türen stehen offen, oftmals stehen DJs an Turntables – die Einladung ist sehr direkt. Für viele Athener wird es zum Lifestyle, sich in bestimmten Bars blicken zu lassen. Nicht unbedingt, weil man Cocktails mehr liebt als Bier und Wein, sondern weil man sich mit einem Vibe und der hiesigen Crowd identifiziert – gleiches Alter, gleiche Interessen und dergleichen mehr. Oder weil man schon viel von dem neuen Barmann gehört hat und auch mitreden will.
Ipitou: Insel mitten in Athen
Athen ist voll von flexibel konzipierten Etablissements, die ihren Charakter mit der jeweiligen Tages- und Nachtzeit verändern können. In einer ruhigen, autofreien Gasse nur zwei Minuten vom geschäftigen Syntagma-Platz findet sich unter gestreiften Markisen versteckt eine Bar, die von ihrer Aufmachung her eigentlich an einen Strand gehört.
Ipitou wurde 2015 eröffnet – als Cocktailbar, die im Winter nur sechs Tische, dafür im Sommer einen großen Außenbereich zur Verfügung hat. An einem heißen Freitag im Juli könnte man hier gegen 16.30 Uhr einen schwarzen Kaffee auf Eis trinken und dazu ein Buch lesen – oder an einem schattigen Plätzchen eine frühe Cocktailhour einläuten.
„Ipitou ist wie eine kleine Insel mitten in Athen“, so bringt es der prämierte Head-Bartender und heutige Mitbesitzer Dionysis Polatos treffend auf den Punkt. „Wir verwenden spezielle Premium-Spirituosen aus der ganzen Welt und mixen damit unsere Lieblingsklassiker – mit Twist.“
Die Hausempfehlungen reichen in der Karte über zwei Seiten. Ich entscheide mich für einen „Under the Bridge“ mit London Dry Gin, M DRY Mastiha (dem berühmten Likör aus dem Baumharz der Mastiha-Pistazienbäume, ein Produktbeispiel hier, Anm. d. Red.) , Salbei, Ananas, Birne und dem Vermerk, dass dieser Mix die Konzentration und das Gedächtnis fördert. Der „Pan’s Zombie“ mit exotischen Früchten, gealtertem Rum und Gewürzen hingegen ist ein Tribut an Griechenlands vergessene Götter.
Was schon an dieser ersten Adresse positiv auffällt: Noch bevor bestellt wird, kommt ein Glas Wasser auf den Tisch. Eine Geste, welche die Athener ebenso konsequent durchziehen wie das Servieren von Popcorn zu ihren Drinks. Präsentiert werden diese im Ipitou in kunstvoller Aufmachung, die ihren eigenwilligen Namen gerecht wird – inklusive Trinkhalm aus Bambus.
Erfolgreicher Export der Athener Barkultur: The Clumsies
2014 eröffneten Vasilis Kyritsis und Nikos Bakoulis ihre Ganztagsbar in einer strategisch günstigen Nachbarschaft nahe Monastiraki, wo es zu keiner Uhrzeit langweilig wird. Tagsüber gibt’s Kaffee und Lunch – etwa für diejenigen, die in der Gegend arbeiten. Abends präsentiert sich The Clumsies als geräumiger und trotzdem gemütlicher Hotspot für gute Drinks und als Teil einer Barszene, die ihre Identität in den letzten fünf Jahren komplett überdacht hat. „Begonnen hat alles, als griechische Bartender gemerkt haben, dass Bartending ein richtiger Job sein kann. Danach wurde viel gereist, gekostet und der Fokus auf die Qualität der Cocktails gelegt“, erinnert sich Kyritsis.
„Wir wollten eine Cocktailbar eröffnen, die sich zuerst an den Gepflogenheiten der Griechen und danach an einer internationalen Crowd orientiert“, setzt der unter anderem von „Tales of the Cocktail“ mehrfach ausgezeichnete Bartender fort. Mittlerweile lockt sein Lokal im Sommer wesentlich mehr Touristen als Einheimische an (70 vs. 30 Prozent). Kein Wunder: The Clumsies gelten als einer von Athens erfolgreichsten Exporten, dessen Erfolge bereits seit drei Jahren von „World’s 50 Best Bars“ ausgezeichnet wurden: 2015 mit Platz 22, 2016 mit Platz 9 und 2017 mit Platz 6.
Grundsätzlich entscheiden sich Gäste für The Clumsies, weil die Bar meist gut voll und die Atmosphäre entspannt ist. Man kann sich unterhalten, aber auch zur elektronischen Musik tanzen, die durch die modern dekorierten Räumlichkeiten schallt. Ein Pluspunkt: Die Kreationen sind sehr speziell, gehen aber trotzdem schnell über die Theke. „Wir sind ein High-Volume-Place. In einer guten Nacht schicken wir schon mal bis zu 600 Cocktails raus.“ Damit die Qualität nicht leidet, so Kyritsis, passiert im hauseigenen Lab viel Vorarbeit. Die steht dann in Flaschen mit Negroni-, Zombie- oder Old-Fashioned-Branding griffbereit. Und 2017 kam sogar ein eigener Wermut, Otto’s Athens Vermouth, ins Sortiment hinzu.
Am Freitagabend kurz nach ein Uhr wirkt diese Bar fast wie ein Club, der sich langsam füllt. Am Tresen frage ich nach dem Signature Drink, doch an dieser Adresse wird jeder Cocktail als Signature Drink gehandelt. Dann eben einen Mediterranean Gimlet – laut Karte mit der Zutat Greek Salad. Es handelt sich um einen Cordial aus Tomatenwasser, Gurke, Paprika, Oliven und Oregano, dem griechischen Salat nachempfunden.
„Das Gericht ist typisch für unser Land. Die Griechen lieben es genauso wie die Touristen. Wir spielen mit dem Geschmack und imitieren ihn in einem Cocktail“, erzählt Kyritsis. In Anspielung auf das Brot, das als Beilage zum Salat gereicht wird, stäubt der Bartender das gekühlte Glas sogar mit leicht salzig schmeckendem Mehl ein. „Uns ist es wichtig, einen stimmigen Gesamteindruck zu hinterlassen“, so Kyritsis. Dazu gehört eine jährlich wechselnde Liste aus komplexen und einzigartigen Mixen, für deren Konzeption sich The Clumsies einige Monate Vorlaufzeit nehmen.
Was uns noch empfohlen wurde:
Baba au Rum: Bar von Rum-Connoisseur Thanos Prunarus (mehr dazu in Teil 2)
The Gin Joint: Real Drinks For Genuine People
Barreldier: gute Adresse für Drinks mit Metaxa
The 7 Jokers Coffee & Cocktail Bar: Afterhour-Bartender-Treff mit Sperrstunde zwischen 4.30 und 6 Uhr