Holland II 2026 - Tag 8
Mannen en vrouwen, dames en heren!
Das Stadzentrum in Woerden zu Fuß zu erobern ist mega entspannt. Vom Campingplatz aus sind es nur wenige Gehminuten bis zur Innenstadt.
Noch vor wenigen Monaten war mir die Stadt in der Provinz Utrecht vollkommen unbekannt.
Dabei ist der Ort zwischen Utrecht und Gouda perfekt für wenig trubeligen Städteurlaub in den Niederlanden!
Die Fußgängerzone in der Innenstadt ist tatsächlich Fahrrad-frei.
Woerden ist eine pitoreske, historische Festungsstadt im Herzen der Niederlande, die bis 1874 militärisch genutzt wurde.
Die alten Wälle, Bastionen und Wassergräben prägen das Stadtbild noch heute.
Viele der durchaus prächtigen Häuser haben hinter ihrem Haus, angrenzend zum Garten, einen eigenen Bootsanleger.
In Woerden mündet der Torffluss Linschoten in den Rhein. Zwischen diesen beiden Flüssen ist durch den von Natur aus angespülten Ton und Sand eine natürliche Höhe ('woerd') entstanden.
Zwischen ca. 47 n. Chr. und ca. 260 n. Chr. stand ein römisches Fort (Castellum) zur Verteidigung der Nordgrenze (Limes) des Römischen Reiches.
Die nächste Erwähnung von 'Woerd' stammt aus dem Jahr 719, als Bonifatius (ermordet 754 bei Dokkum) die Bewohner der heidnischen Siedlung Wyrda (Woerden) zum Christentum bekehren wollte.
In den Archiven wird es wieder ruhig in Woerden, bis zum Bau einer Burg 1160, wo 1407 die Burg Woerden errichtet wurde.
Bereits 1371 wurde eine Mauer aus Erde und Palisaden (Pfählen) errichtet mit einem Graben drum herum.
Ende des 15. Jahrhunderts bestanden die Verteidigungsanlagen aus einer Steinmauer mit Wachtürmen und Stadttoren, und Woerden wurde zum Zentrum der altniederländischen Wasserlinie.
Im 16. Jahrhundert wurde die Festung durch den Bau von Bastionen und Ravelins verstärkt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Verteidigungsanlagen weiter verstärkt.
Der Status als Festungsstadt wurde erst 1874 aufgehoben, aber Woerden hatte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine militärische Funktion.
Sowohl die historischen Wälle des alten Woerden, mit Parks und alten Friedhöfen auf den ehemaligen Bastionen, als auch das ehemalige Anwesen der Familie Bredius, gleich außerhalb der ehemaligen Festung, sind noch auf der Karte zu sehen.
Die Ziegelindustrie war seit dem 13. Jahrhundert die Haupteinnahmequelle von Woerden. Im 17. Jahrhundert stieg die Zahl der Ziegelbrennöfen auf 25 an.
Die Industrie brach zusammen, da moderne Fabriken mit Dampfmaschinen und Elektromotoren die altmodischen Woerdense-Ziegelbrennereien verdrängten.
Die Häuser rechts des Kanals gehörten früher zu einer Fabrik, die Ziegel herstellte, wurden aber in den letzten Jahrzehnten zu Wohnungen umgebaut.
Einen wirtschaftlichen Aufschwung erhielt die Stadt 1885 durch die Einrichtung des Woerdener Käsemarktes.
Bis heute verwandelt sich der Kerkplein von Mitte April bis Mitte August jeden Samstag in einen echten Käsemarkt mit allem, was dazu gehört.
Vom Läuten der Käseglocke über den Handel per Händeklatschen bis hin zur Verkostung verschiedener Bauernkäse und dem Stöbern an Ständen mit regionalen Produkten.
Außerdem kann man die Cheese Experience im Kaaspakhuis (Käsewarenlager) an der Emmakade besuchen, das einzige noch in Betrieb befindliche Käselager der Niederlande!
Das interaktive Erlebnis-Zentrum ist von Montag bis Samstag geöffnet und bietet drei mal täglich spannende Führungen, Verkostungen und sogar Käse-Workshops.
„The Cheese Experience“ beinhaltet eine 45-minütige Führung (auch auf Deutsch verfügbar) inklusive Käseverkostung, bei der man alles über die Produktion und Reifung von traditionellem Käse erfährt.
Im Käselager gibt es auch das Touristeninformationsbüro von Woerden, das von Montag bis Samstag von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet ist.
Wir halten uns in Richtung der weithin sichtbaren Windmühle und kommen dabei an einer Tiefgarage mit Namen "Parkeergarage Castellum" vorbei.
Der lateinische Name deutet schon darauf hin, dass es hier irgend etwas mit den alten Römern zu tun habe muss. Und tatsächlich handelt es sich um ein einzigartiges Konzept: ein Drive-in-Museum!
Eine total abgefahrene Geschichte, die sich da vor uns entfaltet. Bei den Bauarbeiten zu der neuen Tiefgarage im Jahre 2003 stieß man unter dem Kerkplein auf die Überreste eines römischen ehemaligen Armeelagers.
Dieses Thema griff man auf und verwandelte die Tiefgarage in ein befahrbares Museum.
Einige Artefakte wurden dafür speziell präparier und dazu gibt es Rekonstruktionszeichnungen sowie Aufnahmen von den archäologischen Ausgrabungen an dieser Stelle.
In der Nähe der Tiefgarage befindet sich eine im Stadtbild deutlich sichtbare Windmühle.
Die Mühle De Windhond in Woerden ist nicht nur eine hübsche oder museale Mühle, hier wird noch regelmäßig Mehl gemahlen und auch verkauft.
Die Mühle kann Mittwoch und Samstag besichtigt werden, am Samstag sogar im Betrieb. Aktive Mühlen gibt es leider nur noch selten.
Nicht sehr weit ist der Weg zur beeindruckenden Sint-Bonaventurakerk. Eine katholische Kirche, die im Jahr 1892 erbaut wurde.
Wir biegen in Richtung Innenstadt ab und landen direkt vor demm Stadtmuseum, welches sich in einem wunderschönen alten Handelshaus, dem ehemaligen Rathaus von Woerden befindet.
Wir kehren zum Lunch in eines der Lokale ein, die den Marktplatz umringen.
Bis auf die Markstände, die den üblichen Wochenmarkt ausmachen, ist von dem Käsespektakel nichts mehr zu sehen. Unaufgeregt gehen Alle ihren Tätigkeiten nach.
Wir bestellen uns eine kleine, gemischte Fleisch/Fischplatte für 2 Personen und dazu einen Salat.
Das Ganze ist wieder einmal teuer, aber dafür sehr geschmacklos. Micha meinte, wir hätten doch besser auf Burger setzen sollen.
Es ist bereits fortgeschrittener Nachmittag, als wir uns wieder auf den Weg, in Richtung Campingplatz, machen.
Natürlich geht es nicht auf dem ganz direkten Weg zurück, sondern wir machen noch einen Schlenker durch den sehr gepflegten, kleinen Stadtpark.
Auch hier beeindrucken uns die tollen Häuser mit eigenem Bootsanleger.
Im Stadtgarten befinden sich Vogelvolieren, bevölkert von unzähligen Papageien und Sittichen.
Die Vögel sind allesamt "Rescues", die hier ein neues Zuhause fanden, unterhalten von finanzkräftigen Gönnern.
Tot ziens!
Angie, Micha, Honey & der Hasenbär








