BAUHAUS? ABER: WOW [2] –Haus Esters und Haus Lange
[Dies ist der zweite Teil einer losen Serie zum Bauhaus-Jubiläum in NRW. Hier geht es zum ersten Teil.]
Bauhausiger geht es im Westen kaum. Wo man andernorts eine Art Bauhaus-Prequel mit Peter Behrens oder Henry van de Velde in den Hauptrollen inszeniert oder wie bei Zeche Zollverein die Traditionslinien etwas zurechtbiegt, um das rotgeklinkerte Stahlfachwerk als “Neue Sachlichkeit” angeschlossen und somit das feine Weltkulturerbe in den Jubiläumskanon zu bekommen, kann man hier Original-Bauhaus an zwei tatsächlich von Ludwig Mies van der Rohe geplanten und von seiner Partnerin Lilly Reich innengestalteten Häusern bestaunen.
Wäre schnell wieder in Stand gesetzt: Das Bad.
Haus Esters. (Foto: Dirk Rose)
Bauwerke besonderen Ranges
Die beiden Industriellenvillen Haus Esters und Haus Lange profan “Häuser” zu nennen, ist dabei untertrieben: die Anwesen sind Inszenierungstätten bürgerlichen Lebens sondergleichen, vom Orgelzimmer bis zur großzügigen Vorfahrt und von Herren- und Damenzimmern bis zum Zimmer für die “Leute”, womit wohl das Personal gemeint sein muss. Vom Wohnstandard passen sie sich ein in das sie umgebende Villenviertel, aber in ihrer doppelgeschössigen Stahlskelettbauweise, die erst die markant großen Fensterflächen ermöglicht, sind sie bahnbrechend. “Gesamtkunstwerk” ist ein ein großes Wort, das die Krefelder Museen zur Charakterisierung des Ensembles mit den weiten Blicken in den Garten nutzen - aber es fühlt sich schon ganz richtig an, dass man hier stolz im weltweiten Club der “Iconic Houses” mitmischt.
Zwei Ausstellungsräume mit starkem Charakter
Es ist ein großes Glück, dass die Krefelder Kunstmuseen diese beiden Häuser schon seit gefühlter Ewigkeit als Ausstellungsräume nutzen können. Je nach eingeladener Künstlerin sind sie mal Kontrapunkt, mal Ergänzung, mal Hülle, mal Teil des Werks. Die bis Januar laufende Ausstellung “Anders Wohnen” betreibt die zeitgenössische Auseinandersetzung mit dem Bau und besteht aus einer ganzen Reihe Positionen, die man auf den ersten Blick teils läppisch oder teils sperrig finden kann: Da steht eine Wand aus schäbig gemalten Marmorimitat auf Holz herum, die an Mies` Barcelona-Pavillon erinnert - und sich zugleich bei zweitem Blick auf die Rückseite als Bausatz für Gruppenworkshops mit Hockern, Tischen und literaturbestücktem Regal entpuppt (Raumlabor Berlin), andernorts stolpert man über eine Sammlung aus in Krefeld gesammelten Altmöbeln, die für den Laien recht überzeugend mit neuen Farbakzenten versehen Bauhaus-Ikonen spielen.
Installation aus Fundmöbeln von Frank Bragigand (Foto: Dirk Rose)
Hier wird das Bauhaus-Jubiläum von der Stilwerk-Betuchtheit und Exklusivität zurückgeholt auf das Level Massenproduktion, deren Impulsgeber jenseits der heutigen Verkitschung teurer Klassiker es vor allem im Objektdesign war (Frank Bragigand). Das New Eelam-Projekt von Christopher Kulendran wiederum erfindet gleich ein ganz neues Wohnkonzept: Elitäre Apartments, die man als Mitglied in einem Club temporär weltweit an allen kosmopolitischen Hotspots nutzen kann, Orchideen in einem wartungsfrei abgeschlossenem Mini-Ökosystem inklusive.
Eröffnung in drei Akten
Die Eröffnung der Ausstellung erfolgt aufeinanderfolgend in drei Akten: Utopie, Mobilität und Dystopie. Die derzeitige Leere des Haus Esters, das erst ab September düstere Ideen zum neuen Wohnen präsentiert, ist dabei für Architekturpuristen ein Glücksfall, sein Besuch ist wie eine erste Hausbesichtigung mit einem Makler. Der kritische Claqueur wurde sofort einziehen, freut sich aber auch auf einen Wiederbesuch zum 2. Akt dieser vor allem auch in Anbetracht der knappen Ressourcen des Hauses hervorragend gelungenen und im Jubiläumstaumel erfrischend gegenwartsrelevanten Präsentation.
Besuch mit Maklerin Kuratorin: Magdalena Holzhey steckt mit ihrer Begeisterung an.