12. Dezember 2017
Neues aus der Schatzkammer
Die herrlichen Schätze im Hinterzimmer des Observatoriums in St Andrews wurden hier schon häufiger beschrieben und werden in der Zukunft, wenn die Gegenwart mal Vergangenheit ist, noch viel häufiger Thema sein. Letzte Woche begutachtete ich ein paar alte Kisten unter den Arbeitsflächen und fand eine Art Reisetasche im Design der 1980er. Ungefähr so sah eine Weile meine Schultasche aus.
Diese hier enthält einen Laptop, einen Amstrad PPC512, ein IBM-kompatibler tragbarer Computer, den ich auf frühe Achtziger schätze, aber dann ist er doch eher aus den späten Achtzigern, ein Zeitgenosse des Amiga 500 zum Beispiel.
Er sieht älter aus, insbesondere, nachdem man ihn aufklappt. Es dürfte einer der wenigen Laptops der Welt sein, bei dem die Tastatur im Deckel ist und bei dem der Bildschirm nur halb so groß ist wie das Gerät. Und was für ein Bildschirm das ist, ausklappbar, grün, LCD, kaum lesbare Buchstaben.
Ich sage Buchstaben, weil der Amstrad PPC512 natürlich noch funktioniert. Man könnte ihn auch von der Autobatterie aus betreiben, aber eine normale Steckdose tut es auch. Nach Bruchteilen von Sekunden ist er hochgefahren. Besonders hoch ist es nicht, denn das dumme Ding kann nicht viel mehr als nach einer Diskette zu verlangen, auf der das Betriebssystem ist. Leider habe ich keine Diskette mit MS-DOS 3.3 zur Hand. Der Computer bleibt dumm.
Ich befrage Roger Stapleton, den Hüter der Schatzkammer, zu diesem Thema. Es stellt sich heraus, dass es sich um sein Privatgerät handelt, mit dem er Auf- und Untergangszeiten von Himmelskörpern berechnete, mit Hilfe eines entsetzlich langwierigen Programms. Es war der einzige Computer, den er sich leisten konnte. Womit programmierte man denn diesen Computer, frage ich, und die Antwort hätte ich mir denken können: Assembler oder BASIC. “We ran BBCBasic on it and compared with a real BBC Micro it was VERY FAST.”
Aus dem Amstrad PC512 erwuchs der Sinclair PC200, die IBM-kompatible, chancenlose Konkurrenz zu Atari und Amiga, aber das ist eine andere Geschichte. “BBC Micro” hießen Heimcomputer, die die BBC in den 1980er Jahren flächendeckend an Schulen verteilte. BBC Micros gibt es in der Schatzkammer natürlich auch, aber sie haben nicht mal einen Henkel.
(Aleks Scholz)











