Sag mal haben wir denn eigentlich schon das Thema Thiel als "Vorhöllen Beamter" thematisiert? Aus irgendeinem Grund hat mir das nämlich absolut nicht gefallen. Und ich vermute fast, es ist auch der Grund warum wir ihn nicht noch mehr trauernd an Boernes Seite gesehen haben. Er wäre sonst einfach in der Folge überpräsent gewesen. Ich hätte also lieber dort einen anderen "Mitarbeiter" und Thiel als sich enorm sorgenden Freund gehabt...
Hallo!
Thiel als “Vorhöllen Beamter” ist ein interessantes Thema, das ich seit der Ausstrahlung von “Limbus” auch noch einmal aufgreifen wollte.
Ich habe mich gerade ein wenig durch die Folge geklickt, um seiner genauen Funktion auf den Grund zu gehen. Allerdings ist mir dabei aufgefallen, dass er sich zu keinem Zeitpunkt irgendwie vorstellt. Er taucht auf, als Boerne auf dem Feld steht, wird als “Thiel” angesprochen und korrigiert diese Annahme auch an keiner Stelle. Er erklärt lediglich, dass sie sich im Limbus, also in der Vorhölle, befinden und erweckt durch seine Arbeit mit den Formularen den Anschein, als sei er für bürokratische Abläufe zuständig; als sei die Vorhölle eine Art Wartezimmer und er der Sekretär.
Er reagiert also auf die Anrede “Thiel”, macht sich jedenfalls nicht die Mühe, einen möglicherweise anderen Namen zu nennen, und spricht auch mit Boerne, als würde er ihn kennen. Wenn Boerne von “Alberich” spricht, weiß er auch direkt, dass damit “Frau Haller” gemeint ist. Nun wissen wir natürlich nicht, ob er sich vielleicht so intensiv mit Boernes Akten beschäftigt hat, dass ihm die Namen seiner näherstehenden Kontakte ein Begriff sind, aber auch der beiläufige Scherz mit dem Leberwurstbrot beispielsweise erinnert an Thiel.
Dann wiederum ist er Boerne gegenüber relativ distanziert eingestellt und scheint von dessen baldigen Ableben auch nur mäßig berührt zu sein. Er geht sehr sachlich mit dem Thema um und wirkt auch generell gut mit den Gepflogenheit der (Vor)hölle vertraut.
Meiner Meinung nach ist es dadurch ziemlich kompliziert, die Rolle es Beamten sinnvoll einzuordnen. Ich glaube nicht, dass es sich dabei um Thiel handelt, aber es scheint eine Art Alter Ego zu sein, die vielleicht Boernes Unterbewusstsein entsprungen ist. Was aber, wenn wir davon ausgehen, dass nichts davon mit Boernes Unterbewusstsein zu tun hat und es sich einfach um die allgemeingültige Vorhölle handelt? Auch das ergibt eigentlich keinen Sinn, allein schon deswegen, weil Boerne die erste Wartenummer zieht und bis zum Ende des Films keine weitere gezogen zu werden scheint. Unwahrscheinlich bei derart vielen Menschen, die jeden Tag sterben. Also doch ein individueller Warteraum? Es will sich mir einfach nicht gänzlich erschließen. Es könnte sich natürlich auch einfach um einen Thiel aus einer anderen Dimension handeln, aber ich verstehe auch nicht, was genau der Tatort Münster damit ausdrücken wollte. Ob es überhaupt irgendeinen anderen Sinn hatte, als ein bisschen vermeintlichen Witz in die Folge zu bringen.
Dass der “wirkliche” Thiel dadurch weniger Screentime bekommen hat und deshalb auch weniger in Sorge um Boerne zu beobachten war, das kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Diese Lücke haben sie ja aber erfolgreich mit Alberich zu füllen gewusst ...
Versteh’ mich nicht falsch: Es gab durchaus Momente zwischen dem Beamten und Boerne, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Allein das Schnick-Schnack-Schnuck-Spiel war natürlich beinahe eine Hommage an frühere Episoden, wo die beiden ja schon öfter um etwas gespielt haben (in “Ruhe sanft” um die Reihenfolge beim Duschen zum Beispiel).
Insgesamt muss ich aber leider sagen, dass ich das Potential der Thematik unter anderem durch diese komische Thiel-Karikatur nicht vollständig ausgeschöpft finde.
Vielleicht gibt’s hier ja noch ein paar erleuchtende Theorien?
Liebe Grüße
Cornchrunchie









