25. Juni 2024
Ein neuer Workaround für das Bargeldproblem
Vor dem Edeka sitzt ein Mann und wartet auf Bargeld. Ich sage wie immer an dieser Stelle in den letzten Jahren, dass ich leider keins dabei habe, aber gern was mit einkaufen kann. (Ich weiß, dass das blöd ist und die Leute sicher lieber selbst entscheiden würden, was sie genau kaufen, aber ich habe eben kein Bargeld dabei und das ist die zweitbeste Lösung.)
Der Mann versteht meine Frage offenbar, kann sie aber nicht auf Deutsch beantworten. Er sagt etwas, das Sonka oder Szynka oder Šunka sein könnte. Das ist eigentlich erratbar, ich sage aber aus der Erinnerung an eine Käse-Schinken-Verwechslung in Ungarn vor zwanzig Jahren vorsichtig "... Käse?" Er holt sein Handy heraus (ein normales Smartphone) und redet so lange hinein, dass ich zuerst denke "Übersetzungssoftware" und dann "vielleicht doch ein Mensch, mit dem er da redet, der es mir dann erklären soll". Es ist aber doch ein Übersetzungstool, er dreht dann das Handy um und zeigt mir das schriftliche Ergebnis: Eine detaillierte Anleitung zum Kauf von Schinken und Brötchen. Leider bin ich zu verwirrt von dem ganzen Geschehen, um zu erkennen, was er dafür benutzt hat.
Beim Einkaufen denke ich: Wenn er ein Smartphone hat, damit umgehen kann und auch bereit ist, es vorzuzeigen (denn meines Wissens haben auch Obdachlose schon lange eines, sie zeigen es nur nicht gern, weil hartherzige Menschen dann denken könnten, sie bräuchten gar kein Geld), dann müsste es doch eigentlich auch eine Möglichkeit geben, bargeldlos zu spenden. Aber das kommt bestimmt auch bald.
(Kathrin Passig)
















