Da stand ich doch an einem Bahnhof am Beginn eines verheissungsvollen Wochenendes und genoss die warme Fläche an meinem Rücken: Es war erwartungsgemäss zwar ein kühler Vormittag, und ich musste einen kleinen Buckel machen, um den Stoff meiner von der Morgensonne aufgeheizten Jacke ordentlich an meine Haut zu pressen, aber es funktionierte vorzüglich und überhaupt - Ich war wirklich guter Dinge, voller Elan und ausgeschlafener Ambitionen. Allenthalben kamen Rekruten angelungert, so wie man das als Rekrut samstags halt amigs macht, und das hob meine Stimmung grad nochmals, denn ich wusste, dass mir diese Rekrutenrumlungerei nie mehr passieren würde. Von meinem Platz an der Morgensonne aus fantasierte ich erwartungsvoll bitz in die Zukunft rein, als praktisch total aus dem Nichts ein scheppernder Trompetenstoss in die Höhe geblasen wurde, bevor er kurz danach in sich zusammenfiel und irgendwo spurlos in der Morgenluft aufging, wie ein versehentlich laut geratenes Fürzli. Da stand doch tatsächlich eine Kapelle im eisigen Schatten des Bahnhofgebäudes, aso nicht eine von diesen kleinen Kirchen, sondern ein Marschmusikensemble, uniformiert mit weissen Arztroben und Stethoskopen, die klammen Finger und blauen Lippen um ihre Instrumente gewickelt, den Rücken zum Bahnhofsgebäude respektive der darin neu eröffnenden Apithek und mit dem Gesicht zu einer klaffenden Baustelle gleich gegenüber. Aso, nicht auf der anderen Strassenseite gegenüber, sondern mehr so wie eine durchschnittliche Chriesischteuschpeuzdistanz gegenüber. Neben der Kapelle pumpten zwei, drei Rettungshelfer im Fonds eines Rettungsfahrzeugs Helium in ein paar farbige Luftballöner, und alles zusammen hätte ein festlicher Anlass werden können, hätte die Sonne hingeschienen, wäre da keine Baustelle gewesen, hätte irgendwo ein feister, pausbäckiger Fleischermeister Würste im Akkord gegrillt, hätte ein kleines Festzelt die ersten Rotnasigen zum Höcklen eingeladen, wären ein paar interessierte Zuschauer dagewesen, hätte sich immerhin ein Rentnerpärli für die frierende Schicksalsgemeinschaft der Bläser interessiert oder sich wenigstens ein einziger Mensch für eine einzige Minute in irgendeiner Art der Musikanten und Rettungshelfer erbarmt. Aber ausser mir und den Rekruten irgendwo war da weit und breit keiner - nicht einmal jemand von der Apithek. Uh huere tote Hose, aber sowas von. Und für mich war klar, dass es nicht meine Aufgabe sein würde, hinzugehen und das Eis zu brechen und einen Anfang zu machen. Ich bin ja eh nicht so der Reisser in Mitklatschsachen und Robinson-Club-Animiererei. Ausserdem, jetzt mal ehrli: Wer fragt im Ernst nach einem bitz Blasmusig zum Frühstück? Eben. Der Musiker in mir hätte noch eine Lanze für diese armen Seelen gebrochen, zugegeben. Trotzdem tat ich nichts dergleichen. Stattdessen drehte ich meinen Walkman auf und schaute wieder den Rekruten beim Rumlungern zu.
T.F. aus A. (so was von nicht Z.) gewidmet











