#Blitzgeschichten: Flash Fiction auf Deutsch (German Flash Fiction Event)
Die Idee
Hallo liebe deutschsprachige Schreibcommmunity! Nach langer Pause sind wir wieder zurück. Ihr kennt bestimmt @flashfictionfridayofficial, unser verbundenes Schreibnetzwerk. Blitzgeschichten ist ein Schreibevent, das euch regelmäßig neue Stichwörter bietet, die euch zum Schreiben von Kurzgeschichten inspirieren sollen. Gerne könnt ihr auch selbst neue Stichwörter einreichen.
Die Hosts
Wir sind Cirianne @cirianne und Lexi @lexiklecksi, zwei deutschsprachige Autorinnen, mit viel Spaß am Kurzgeschichten schreiben. Ein Dank geht raus an unseren ehemaligen Host @eluari für die Unterstützung. Wir freuen uns sehr, wenn viele von euch gemeinsam mit uns fleißig in die Tasten hauen.
Das Konzept
Jeden zweiten Donnerstag posten wir ein neues Stichwort. Bis Sonntag um 12 Uhr (GMT+1) habt ihr Zeit, einen Text von 100 bis 1000 Worten zu einem vorgegebenen Thema zu schreiben und unter #Blitzgeschichten und unter Erwähnung von @blitzgeschichten zu posten. Alle Einreichungen teilen wir auf unserem Blog und freuen uns schon darauf, jeden Sonntag neue, spannende Geschichten von euch zu lesen. Kommentiert, wenn wir euch zu unserer Leseliste hinzufügen sollen, damit ihr kein neues Stichwort verpasst. Vergesst auch nicht, die Geschichten der anderen zu lesen und zu kommentieren.
Helft uns, die frohe Botschaft unserer Rückkehr zu verbreiten! Teilt diesen Beitrag und merkt euch schon mal den Donnerstag, 13.04.23 vor. Wir freuen uns auf euch und eure Geschichten!
Lust auf Flash Fiction auf Englisch? Besucht @flashfictionfridayofficial!
Die folgende Leseliste beinhaltet writeblr, die in der Vergangengheit Blitzgeschichten geschrieben haben sowie proaktiv deutsche writeblr, die wir kennen und hoffen, dass ihr Lust auf Blitzgeschichten habt. Kommentiert + wenn ihr hinzugefügt oder - wenn ihr entfernt werden wollt.
Diesmal mit einer Steampunk-Maschine und einem meiner Lieblings-Settings aus einem meiner WIPs.
Vielleicht ein bisschen melodramatisch, aber. Tja.
Der eiserne Friedhof glänzte im trüben Mondlicht - Metallteile, die zwischen dem wuchernden Unkraut und der allgegenwärtigen Korrosion hervorblitzten wie die verzweifelten Hände Ertrinkender in einem Sumpf.
Die wenigen verwitterten Steinbögen, die sich noch über das Gestrüpp erhoben, passten besser an einen so melancholischen Ort als die weißen Rosen, die um diese Jahreszeit am ganzen Gelände blühten, rein und schimmernd und in makellosem Kontrast zu den verwesenden Automatenteilen.
Die Rosen dufteten, so hieß es bei den wenigen lokalen Dichtern, nach Schwermut und Vergangenheit, aber das konnte Martine McGuir nicht beurteilen, als sie über den Friedhof wanderte und ihr Kleid immer wieder den Dornen entzog. Sie hatte keine Chemorezeptoren.
Es war selten, dass ein Kriegsautomat ihrer Bauart am eisernen Friedhof landete, schon aus Geheimhaltungsgründen. Doch manchmal fand auf welchen Umwegen auch immer ein Bauteil wie ihre seinen Weg auf die Schrotthalde, längst aus seinem ursprünglichen Körper und Kontext gerissen; sein letzter Besitzer womöglich unwissend, was er da vor oder in sich hatte.
Aber Martine McGuir war ohnehin nicht auf der Suche nach Ersatzteilen. Seit sie dem Militär entflohen war, hatte sie sich mit großer Sorgfalt gewartet, gerade weil sie wusste, wie schwer selbige zu bekommen waren.
Warum genau sie den eisernen Friedhof besuchte, hätte sie nicht sagen können; es hätte sie aber auch niemand zu fragen gewagt, selbst wenn einer ihrer Schergen davon gewusst hätte.
Jemand musste es wohl tun. Auch wenn die volkstümliche Bezeichnung der Schrotthalde in Anbetracht der achtlos Weggeworfenen wie blanker Hohn wirkte, schien es doch richtig, sie hin und wieder zu besuchen.
Nach ihren Geschwistern zu sehen, die weniger Glück gehabt hatten.
Martine McGuir war sich nicht sicher, ob sie sich mit diesem albernen Verhalten nicht ebenjenen Menschen anglich, die ihresgleichen so verachteten - Automaten hatten keine Geschwister, ebensowenig wie Gräber. Aber in manchen Nächten überkam sie das Bedürfnis, und wer sollte sie schon aufhalten?
Das Mondlicht verfing sich an etwas Goldglänzendem, und Martine McGuir war froh, in dieser Nacht gekommen zu sein. Ein so seltenes Fundstück wäre sicher nicht lang hier herumgelegen.
Es war ein Herz.
Ein Herz wie ihres.
Von den fünf winzigen Glasbläschen, die einmal die alchemistischen Substanzen beheimatet hatten, die den Automaten ihr Leben verliehen, waren zwei gesprungen - wahrscheinlich der Grund, warum die Einheit hier gelandet war.
Die Ventilklappen und zierlichen Messingröhrchen, die sie verbanden und umringten, schienen jedoch unbeschädigt. Selbst an den Kupferdrähten, die nach außen und nun ins Nichts führten, hatten sich kaum noch Spuren von Grünspan gebildet. Das Herz - und sein Besitzer - mochte gestern noch lebendig gewesen sein.
Nun, vielleicht war sein Besitzer es noch.
Das Herz jedoch war wohl verloren.
Martine McGuir hob es sacht auf. Kurz überlegte sie, es mitzunehmen. Möglich, dass sie einen verschwiegenen Glasbläser und einen verschwiegenen Alchemisten auftrieb. Andererseits aber…
Sie kniete sich nieder und vergrub es.
Vielleicht wurde sie zu menschlich, aber wer sollte sie schon aufhalten?
Es ist fast so, als würden sich die Augen an die Finsternis gewöhnen. Aber es sind nur meine Stimmen und ich würde dich gerne singen hören. Aber ich glaube, heute Nacht ist es so weit. Ich verlasse dich bereits. Schatten ziehen mich in die Abwesenheit. Ich werde, was mich umgibt. Die kalte Luft umarmt mich und nimmt alles in sich auf. Ich atme ein. Aber alles ist bereits vergeben. Die Schuld zerfällt, der Rest wird brennen, wenn die Zeit gekommen ist. Ich spüre die Wärme, dich ich hinterlasse. Ich war genug. Ich war alles. Ich atme aus. Fühle meinen Körper. Und in der Stille ist der letzte Gedanke gedacht.
Ich schließe die Augen und die Finsternis löst sich auf.
So Freunde! Ausnahmsweise mal pünktlich hähä. Irgendwie schreib ich nur Nachtgeschichten lel Aber et is wie et is. Thematisch baut es auf "Von der Asche in den Wind" auf. Gehörn irgendwie zusammen, aber bla kein Plan.
Im Schutze der Dunkelheit versammelten sie sich. Eine Rotte aus absonderlichen Gestalten kroch die Anhöhe hinauf. In den Schatten am Waldrand gepresst, wankten sie gespenstisch trunken um das verhasste Haus herum. Doch noch bekam er von diesen sonderbaren Treiben nichts mit. Der Versuch zu schlafen, schien auch diesmal fruchtlos zu bleibeb. Schon am Tage stieg eine unbestimmte Angst in ihm auf, des Nachts verstärkte sie sich. Das Treiben des Tages war zwar komplett verstummt, doch in seinem Kopf ging der Tumult weiter. Er durchlebte jede einzelne Interaktion, analysierte, beurteilte und kam zu keinem Ergebnis. Oh wie schön wäre ein traumloser all immerwährender Schlaf. Ein willkommener Gast wäre Schlafes Bruder.
Die Uhr kroch langsam gegen 3. Der Schneewind und die Weide klopfen beharrlich gegen das Fenster und verlangten Einlass in das bedrückend warme Zimmer. Er beschloss aufzustehen und mit seinen Gedanken durchs Haus zu wandern. Sein Freund schnarchte leise vor sich hin. Unbekümmert und ungerührt schlief dieser weiter.
Er wagte kein Licht anzumachen, schlich durch die Gänge, navigierte mit wissender Routine in die Küche. Wie jede Nacht warf er einen ziellosen Blick in den Kühlschrank. Die Reste des Abends, die Reste des vorletzten Tages und glibbriger Pudding. Seine Mutter hat in ihrer lieblosen Art Essen über Essen kredenzt, welche sich in ihrer Ekligkeit versuchten zu übertrumpfen. Er schenkte seine volle Konzentration dem Festtagsbraten, der nichtssagend nach Pappe schmeckt. Die zerfallende Struktur und fahle Haut erinnerte an seine Schwägerin.
Ein leises und sanftes Klopfen riss ihn aus der Konzentration. Beinahe hätte er es überhört bei dem grellen Licht und penetranten Summen des Kühlschrank Lichtes. Suchend gleiten seine Sinne über den Raum, doch jetzt war es wieder verschwunden. War es die Weide? Oder doch die Insomnie, die seiner Sinne Streiche spielte. Wie lange hat er nicht mehr geschlafen? Wer weiß das schon.
Doch, doch! Da war es wieder! Ein leises deplatziertes Klopfen. So recht bestimmen konnte er es nicht. Rätselhafte Schatten warfen sich durch die Fenster, konturiert durch eine mysteriöse Lichtquelle. War Vollmond? Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Ein Blick durchs Fenster machte ihn auch nicht schlauer. Der frisch gefallene Schnee der Nacht kaschierte die Spuren des Tages, der Wald zeigte keine Anzeichen von Bewegung und der Himmel war dunkel und sternbehangen wie eh und je. Aber woher kam dann die Schatten?
Da war es wieder! Das Klopfen. Es schien von der Haustür zu kommen.
Vor der Tür begrüßte ihn aber nur die Kälte. Die einzigen Geräusche, die er wahrnahm, waren das Knacken und Surren des Schnees. Ein leichter Wind kam wieder auf und wiegte die Bäume leicht in den Schlaf. Das sanfte Wippen zog ihn in den Bann. Es füllte seinen Kopf mit einer angenehmen Leichtigkeit, die die Kälte der Außenwelt vergessen ließ. Süß und verlockend wirkte diese weihnachtliche Schneelandschaft. Oh, wenn er nur wüsste, was da kreucht und fleucht im Schutze der Dunkelheit. Begierig auszubrechen aus der Kälte des Waldes und einbrechen in das warme Haus.
Da war es wieder das leise Klopfen. Es machte ihn wahnsinnig, hat es ihn doch aus seinem friedlichen Nichtssein heraus gerissen. Da war, aber noch was anderes. Die Angst. Er wollte nicht zurück ins Haus, auch wenn dieses mehr Sicherheit versprach, schien der Wald verlockender. Eine widerwärtige Abscheu ergriff ihn. Die Übelkeit zog sich in die tiefsten Gedärme. Er entschied sich nun doch, reinzugehen, auch wenn das Gefühl nicht verschwand.
Die Nachtpilger standen weiterhin unbemerkt und stumm am Waldrand. Er hat sie gesehen und doch nicht erkannt. Sie waren ein Stück weiter. Bald, sehr bald wird sich die Tür für sie öffnen.
Der Leutchturm wiederstand seit Urzeiten auf der kleinen, trostlosen Insel. Drei Leuchtturmwärter waren dort auf Posten. Die Arbeit war schwer aber, wenn doch nicht jede Nacht aber ganz knapp, fuhren Schiffe am Horizont vorbei. Ihre Lichter brannten warm und gelb.
Aber das wichtigste Schiff fehlte jetzt schon drei Monate. Jede Nacht stand einer der Wärter am Kai unde schaute in die Finsternis hinaus. Wäre der Leuchturm kaum genutzt hätte es kein Problem gegeben. Aber die Schifffahrtsstraße wurde von Handelsschiffen regelmäß durchstriffen.
Und jetzt waren das Öl und das Holz fast komplett verbrannt. Sie hatten genug Holz gelagert aber die Abdichtung war von Rissen durchzogen und so war Nassfäule eingedrungen. Mit Glück könnten sie ein Schiff benachichtigen das sie fast kein Holz mehr hatten.
Das Schiff schickte ein Singal.
„Wir lassen den Hafenkomandant wissen.“
In der letzen Nacht verbrannten sie all holzhaltigen Möbel. Und das Fueur muss weiter brennen. Und so, weitab dem Hafen standen nun zwei Wärter vor dem Feuer. Zwei Jahre dienten sie zusammen. Zwei Jahre voll mit Streit und Freundschaft.
Der Leuchtturm durfte nicht ausfallen. Sie zündeten den mit Öl besteuten Leichnam an. Das Leucht wird die ganze Nacht brennen. Und am Morgen, wenn die ersten Sonnenstralen den Turm treffen wird seine Asche dem Wind gewidmet.
Als das Versongungschiff eines Morgens ankam, empfing Sie der letze Wärter. Sie hatten es geschafft das Licht zu erhalten. Und er hoffte das die nächsten Wächter seinen Kameraden ebenbürtig sind.
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Na, meine zweite Blitzgeschichte und gleich etwas Horror.
Danke @blitzgeschichten für das Stichwort. Es ist gut mein Deutsch ein zu üben.
250 wörter für @blitzgeschichten :) habe heute erst bemerkt, dass man ja bis sonntags schreiben kann, also einmal purely ~ vibes ~ ohne kontext, bevor ich es doch nicht mehr schaffe ^^
Als Selina so mühevoll ihre Augen öffnete, erblickte sie einen wolkenverhangenen Himmel durch das graugrüne Laub des Baumes, unter dem sie saß.
Die Rinde fraß sich durch ihre dünne Bluse hindurch in ihren Rücken, die Borke so schroff wie der Schorf ihrer Wunden. Sie nahm es wahr, doch der Schmerz erreichte sie nicht. Nicht wirklich.
Wäre es auch nur ein bisschen kälter gewesen--es hätte Schnee um sie herum sein können. Dreckiger, alles bedeckender Schnee. Aber die Hitze glühte noch in ihren Adern und wurde dort von ihrer endlosen Wut weiter angefeuert.
Vorsichtig stellte sie sich hin, ihre Beine immer noch wackelig. Die Pause war genug gewesen, ihr das Mindeste an Kraft zu geben, doch inmitten der Asche um sie herum war es schwierig, nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Ihre Arbeit war noch nicht getan. Ob sie erschöpft war, spielte keine Rolle. Mit einer bewussten Handbewegung rief sie sich eine Krähe aus der Asche.
Das Tier ließ sich auf ihrem ausgestreckten Arm nieder, sortierte seine Flügel, zwischen dessen Federn der schwarze Ruß zu Boden rieselte.
“Weise mir den Weg”, flüsterte Selina, ihre Stimme trocken und staubig.
Der Vogel krächzte ebenso zurück und erhob sich in die Luft.
Erste Tropfen entflohen den Wolken und hinterließen schmierige Spuren auf Selinas Haut. Ihr neuer Gefährte würde im Regen nicht allzu lange halten, aber für den Rest des Tages sollte es genügen.
Das Wasser begann sich mit der Asche zu grauem Schlamm zu vermengen, und doch setzte sie einen Schritt vor den Nächsten. Noch wollte sie nicht aufgeben.
Ein neuer Morgen für @blitzgeschichten
Eine Kurzgeschichte / 737 Wörter
Es hätte anders laufen sollen. Leichter. Stattdessen kauerte er in der verfluchten Dunkelheit und starrte über die Schneise hinweg; jenem Schlachtfeld das in jeder Nacht erneut zum Leben erwachte und das nur ein Wahnsinniger ohne Tageslicht überquerte.
Hinter ihm erstreckte sich die verlorene Stadt, wie ein alles verschlingender, schwarzer Schatten. Darin gab es sie noch, Rückstände von Magie, frei zugänglich für jeden, der es wagte, die Schneise zu übertreten und sie aus jener Welt zu holen, in der die Kriege der Vergangenheit auf ewig weiter tobten. Über die Jahre hatte er gelernt, wie man sich unter den Schemen bewegte, als sei man einer von ihnen, für immer verdammt und so fühlte er sich auch.
Heute war es anders gekommen und der Grund dafür hockte neben ihm im Schutze des Walls und presste sich eine Hand auf die verwundete Seite. Er kannte die, die ebenfalls kamen, doch er war ihm nie zuvor aufgefallen. In den Schemen des Geisterlichtes hatte er sein Gesicht gesehen, bevor er ihn mit sich gezerrt hatte. Zu unschuldig, um hier zu sein. Zu jung, um zu sterben.
Er war kein Unmensch, löste seinen Umhang und legte ihn um die zitternden Schultern des Mannes. Mehr konnte er nicht tun. Was in ihm tobte, schwand entweder gemeinsam mit den Schemen oder tötete ihn, bevor die Sonne aufging.
»Danke.«
Er glaubte, zu sehen, dass der Mann lächelte, doch er wusste es nicht mit Gewissheit. »Was hast du so weit drinnen gemacht? Niemand geht so weit rein.«
Ein leises Lachen. »Außer dir.«
»Aber ich mache das auch schon seit –«
»Sechs Jahren und drei Monaten. Keiner macht es länger als du.«
Er hielt inne, hatte längst aufgehört zu zählen. Woher zum Henker wusste dieser Mann, was er vergessen hatte?
»Ich habe sie über dich reden hören«, beantwortete der Mann seine nicht gestellte Frage. »Du bringst mehr zurück als jeder andere und beanspruchst nichts für dich selbst. Sie sagen, du bist so gut darin, weil du dich in der verlorenen Stadt bewegst als seist du bereits ...«
»Tot?«
»Ja, verzeih.«
»Schon gut. Hierher zu kommen, ist das Einzige, was mich am Leben hält.«
Ein Geständnis, das er noch nie ausgesprochen hatte. Wieso sprach er mit einem Mal so offen, wo er doch seit Jahren mit kaum jemandem mehr sprach?
»Nicht der schönste Ort zum sterben.« Der Mann setzte sich ein wenig auf und atmete aus zusammengepressten Zähnen.
»Du wirst nicht sterben.« Er deutete in die Nacht hinaus. »Dort drüben hinter den toten Bäumen wird die Sonne aufgehen. Es dauert nicht mehr lange. Schone deine Kräfte.«
»Erzählst du mir ... deine Geschichte?«
Er hatte nie von jenen Dämonen gesprochen, die ihn noch immer heimsuchten, aber ihm würde er davon erzählen, um ihn wachzuhalten. »Unter einer Bedingung. Danach erzählst du mir deine.«
»Abgemacht.«
Während er sprach, blieb sein Blick auf die Schneise gerichtet, auf jenen ewigen Kreislauf des Todes. Und so tat er es, gestand seine Fehler und berichtete von denen, die gestorben waren, weil er einst nichts getan hatte. Einzig ihre Namen nannte er nicht, denn sie wollten ihm nicht über die Lippen kommen und der Mann fragte nicht danach. Stattdessen ergriff er seine Hand und nach allem, was er eingestanden hatte, spendete ihm diese Berührung Trost, obwohl er dem Verletzten hatte Trost spenden wollen.
Er atmete tief ein. Die Nachtluft strich über seine Haut. Ihm war, als fände er Frieden nach all der Zeit. Das erste, trübe Licht erhob sich hinter den toten Ästen. »Siehst du«, sagte er leise. »Du hast es fast geschafft.«
»Nein ... du hast es geschafft«, sagte sein Gegenüber sanft.
Ein Schmerz durchzuckte ihn. Seine Hand schoss an seine Seite und legte sich über die Wunde, die sich unter seiner zerfetzten Kleidung in seinen Körper fraß. Er blickte auf. Nicht der junge Mann war verletzt. Er selbst war es. Im Dämmerlicht betrachtete er sein Gegenüber. Sein Aussehen war jugendlich, doch seine Augen sahen aus, als hätten sie die Welt gesehen. Augen, die ihn durchbohrten. Augen, von denen er erst zu spät begriff, dass er sie nie hätte anblicken dürfen. Er kannte die Mythen.
»Du bist das Schicksal ...«
Sein Gegenüber nickte. »Bist du bereit zu gehen?«
Er würde den neuen Morgen nicht mehr sehen. Es war in Ordnung so. »Erzählst du mir deine Geschichte?«, fragte er dennoch und verlor sich in den Augen des Mannes. »Nur so lange wir noch Zeit haben.«
Schicksal lächelte. »Also gut.«
~700 Wörter; da ich normalerweise nie auf Deutsch schreibe, war das hier eine ziemliche Herausforderung, aber trotzdem recht spannend. Viel Spaß beim Lesen!
Sie drehte sich nicht um als ein nicht unvertrautes Geräusch sich in der Nachtluft erhob. Und doch schoss ihre Hand zu dem Dolch an ihrer Hüfte. Eine Gewohnheit wahrscheinlich.
Das abgenutzte Leder des Griffes war beinahe warm als sie ihn mit ihren kalten Fingern umschloss. So oft zuvor hatte sich ihre Faust um diesen Griff beballt. So oft, dass ihre Handfläche nun schwielig war. So oft, dass sie in manchen Nächten keinen Schlaf fand.
Es war vorbei. Zumindest war das was die Leute in den Straßen jubelten. Sie sangen und tanzten und fielen sich um die Arme. Leute die sich kaum kannten gaben sich Küsse auf die Wangen oder Stirn. Aber war es wirklich vorbei? Wenn die Erinnerungen für immer blieben, würde es jemals vorbei sein?
Hinter ihr knirschte der Kies immer lauter und verstummte. Der harsche Wind verriet die Frau die hinter ihr stand. Das süße Öl, welches sie hinter ihre Ohren tupfte, wehte um sie herum, genauso wie ihr Kleid, dass um ihre Knöchel flatterte.
„Ich kann nicht schlafen.“ Aus irgendeinem Grund hatte sie das Bedürfnis sich verteidigen zu müssen.
„Ich weiß.“ Ihre Stimme war sanft, verständnisvoll wie immer.
Sie zuckte zusammen als sich etwas Schweres um ihre Schultern legte. Eine Decke, die sofort die Schärfe des Windes abschwächte und ein wenig Wärme spendete.
„Ich hatte gehofft du würdest zurückkehren,“ sagte Tara und ließ sich neben ihr auf den Stein nieder. Sie hatte sich ebenfalls in eine Decke gehüllt. „Ohne dich wird das Bett so schrecklich schnell kalt.“ Sie lachte leise.
„Tut mir leid“, sagte sie und schenkte ihr ein kleines Lächeln, das einzige was sie ihr geben konnte. Erst dann sah sie sie an.
Das Mondlicht ergoss sich auf ihrem dunklen Haar und schimmerte silbern auf ihrer gebräunten Haut. Auf ihren Lippen lag ein Lächeln, zaghaft, und doch sagte es so viel. Sie war so schön, so klug und so mutig. Zu viel hatte sie verloren; ihr Zuhause, einen Teil ihrer Familie, einen Freund, und dennoch lächelte sie. Sie lächelte genauso wie sie es tat als sie sie das erste mal gesehen hatte. Der Tag an dem sie eine fiese Wunde an ihrem Arm genäht hatte. Die Narbe würde sie für immer daran erinnern.
Aber es war unmöglich sie zu vergessen. Sie war so dankbar für all das was sie getan hatte. Wann immer sie dachte, die Dunkelheit würde sie verschlucken, war sie da, mit einer nicht endenden Wärme die der Sonne glich. Womit sie das verdient hatte, wusste sie nicht.
Als ob sie ihre Gedanken lesen konnte, rutschte Tara noch dichter und umschloss ihre Hand mit ihrer. „Nein, mir tut es leid.“
Verwirrt starrte sie sie an. „Du hast nichts falsches getan.“
„Nein, vielleicht nicht.“ Sie hielt inne. „Ich habe deine Wunden genäht, aber die Wunden in deinem Inneren kann ich nicht heilen.“
„Du hast mir schon so unendlich viel gegeben“, antwortete sie als sie über ihren Handrücken strich. „Ich kann nicht noch mehr verlangen.“
Tara hob ihre verschränkten Finger und hauchte einen warmen Kuss auf ihre Haut. Etwas in ihr regte sich. Wärme strömte durch ihre Brust während ihr Herz schneller schlug.
Der See vor ihnen schwatzte leise als würde er ihnen seine eigene Geschichte erzählen wollen. In der Schwärze der Nacht schien er endlos wie der Ozean. Nur der Teil der ihnen am nächsten war schimmerte wie eine seidige Decke aus gesponnenem Silber. Für einen Moment versuchte sie dem See zuzuhören damit sie ihre eigenen Gedanken nicht hören musste die wie ein Sturm in ihr tobten.
„Danke“, sagte sie dann, den Blick auf den See gerichtet. „Ohne dich wüsste ich nicht was ich tun sollte.“
Sie stupste sie mit der Schulter an. „Ich fürchte, du wirst mich nie mehr los. Jetzt nicht mehr.“
Das ließ sie schmunzeln. „Damit kann ich leben.“
Und so saßen sie nebeneinander, eine Hand hielt die andere. Für eine Weile sagte niemand ein Wort bis der tief blaue Horizont sich erhellte, die Sterne verblassten und die Schleierwolken sich rosa färbten.
„Es ist so lange her seitdem ich den Sonnenaufgang beobachtet habe“, sagte Tara, fast ehrfürchtig.
Ja, dachte sie, ich kann mich auch nicht mehr daran erinnern. Sie lehnte ihren Kopf an Taras Schulter und schloss die Augen.