Mein 2. Semester
Nach meinem ersten Semester habe Anfang des Jahres ein kleines Resumé geschrieben und das würde ich nun gern beibehalten. Deshalb erzähle ich heute von meinem 2. Semester Literatur und Englisch.
In den letzten Monaten ging es in meinen Seminaren viel um Sprache, vor allem in linguistischer Hinsicht mit der Sapir-Whorf-Hypothese und mit Lakoff & Johnsons Theorien zu Metaphern. Ich liebe diesen Komplex der Wissenschaft, weil er mir immer wieder die Augen darüber öffnet, was Sprache alles kann und tut. Es kann ein enormer Unterschied sein mit welcher Sprache du aufwächst, sie beeinflusst dein Weltbild. Für manche Kulturen sind Diskussionen wie Kriege (”einen verbalen Schlag versetzen”), für andere wie Tänze – wie sollte sich diese sprachliche Herangehensweise nicht in deiner Ansicht von Diskussionen generell widerspiegeln? Aber auch die Verankerung von Metaphern in unserer täglichen Sprache und warum welche Metaphern für welche Gebiete genutzt werden (oben ist gut, unten ist schlecht), hat mich fasziniert.
Gelesen habe ich viel von E.T.A. Hoffmann (mehr!), Walther Benjamin (eher nicht mein Fall) und Siegfried Kracauer (mehr?). Außerdem eine Handvoll Gedichte aus Tender Buttons von Gertrude Stein. Holla die Waldfee, so etwas Abstraktes, Verwirrendes habe ich lange nicht gelesen. Kostprobe gefällig?
A BLUE COAT. A blue coat is guided guided away, guided and guided away, that is the particular color that is used for that length and not any width not even more than a shadow.
Hmm, was? Mein Dozent war auch etwas ratlos ;) Richtig spannend wurde es in einem Seminar, in dem wir Kurzgeschichten von Stephen King gelesen haben, das war einfach cool. In einer anderen Sitzung wurden außerdem Detektivgeschichten diskutiert. Die Sekundärliteratur dazu fand ich unheimlich interessant, weil sie genau aufgeschlüsselt hat, was alles zu einer typischen Detektivgeschichte gehört, und wie das Ganze aufgebaut sein muss, um zu funktionieren.
Zu schreiben gab es auch wieder einiges. Während des Semesters ein paar lockere Response Papers (diese zwanglosen Meinungsergüsse sind mir die liebsten), aber auch professionellere Essays. Ich finde es beeindruckend wie groß die Unterschiede da im Englischen und Deutschen sind. Im Englischen muss es klar und simpel sein und den Leser an der Hand nehmen mit Sätzen wie “zuerst erkläre ich das, dann sage ich das und am Schluss fasse ich alles zusammen” während die Deutschen es lieber möglichst kryptisch und hochtrabend mögen. Hauptsache es klingt intelligent, mit dem Verstehen muss der Leser sich dann rumschlagen. Zum Glück musste ich die Essays aber fürs Englische schreiben und hatte sogar die Möglichkeit einen zur sprachlichen Gestaltung von Room zu verfassen. In einem anderen Seminar ist die Dozentin richtig ausgeflippt, was die Studentenbeteiligung anging. Dort durften wir uns nämlich an eigenen Stilexperimenten versuchen, indem wir einen vorgegebenen Text für verschiedene Genres und Epochen umgeschrieben haben. Das Schreiben war eine abwechslungsreiche Herausforderung und danach anhand der Texte der anderen zu erraten, um welches Genre oder welche Epoche es sich handelt, war äußerst spaßig.
Und jetzt? Habe ich noch eine Weile Semesterferien. Meine Hausarbeiten befinden sich glücklicherweise schon im letzten Stadium und es steht nur noch ein Ferienkurs an. Den Rest der Zeit verbringe ich mit ein wenig Geldverdienerei und ganz vielen Büchern, die ausnahmsweise mal nichts mit meinem Studium zu tun haben.
Wie lief euer letztes Semester? Oder vermisst ihr die Studienzeit und die langen Ferien schon?











