Reich blüht der Dichtung stetserneute Flora: Glycin' und Malv' und Tulp' und Haideblume Vereint des Frühlings und des Herbstes Hora; Schön prangt ihr bunter Chor im Heiligthume, Und Myrt' und Eichenhain verklärt Aurora Den Gärtnern hell, zu süßem Lohn und Ruhme; Weit glänzt die Pracht, vom götterfrohen Pindus, Bis fern zum Bett des urahnlichen Indus. Doch in des heil'gen Hayns umlaubten Hallen, In bunter Blüthen hochzeitlichem Reih'n, Wohnt gern ein Chor tonreicher Nachtigallen, Mischt buntgeschwingter Sylphen Schaar sich ein; Wo Blüthenhymnen still aus Düften wallen, Sucht jedes Leben fröhlichen Verein: Libellen nahn, und bei dem muntern Pfittig Schwingt ernstes Flugs Zeus Aar den mächt'gen Fittig. Und aus dem Hain, aus schönumblühter Wohnung, Läßt die Cicad' ihr ländlich Lied ertönen, Gewohnt der alten, liedergünst'gen Schonung Bei Nordens Volk und Hellas' Frühlingssöhnen; Ein horchend Ohr ist des Gesangs Belohnung, Der Freunde Gunst wird mehr als Ruhm sie krönen; Und ohne Furcht vor Zoilus' Armada Beginnt in Phöbus Hain ihr Lied Cicada.
August Apel: Cicaden (1810)






