Filmkritik: Die Päpstin – Fred Feuerstein im heiligen Gewand
Filmkritiken, die auf Filmen basieren die wiederum einen Bestseller Roman zum Vorbild haben sind objektiv wenn der Verfasser – meine Wenigkeit – den Schinken nie gelesen hat. Filme, die auf Büchern basieren spalten die Nation, wenn nicht sogar die Welt. Im Grunde bin ich dann immer glücklich, wenn ich objektiv beurteilen darf, was andere in Hinblick auf wochenlanges Verschlingen von Zeilen- und Buchstabensalat zurückführen. Touché, du subjektive Sphäre der besser Belesenen!
Plot: 814 wird Johanna (Johanna Wokalek) im damals noch ländlichen Ingelheim am Rhein geboren. Als Tochter eines überaus Erz-Konservativen Priesters hat sie es nicht leicht und wird in ihrer Entwicklung enorm gehemmt. Ein Gesandter des Bischofs – der sich eigentlich für die Brüder Johannas interessiert – erkennt schnell ihr außerordentliches Talent und ihre Intelligenz, die sie im raschen Erlernen von Sprachen und ihren Bibelkenntnissen zum Ausdruck bringt. Kurzerhand entschließt er, sie gegen den Willen des Vaters zu unterrichten und ihr ein Studium an einer Domschule zu ermöglichen. Durch eine Verwechslung und der erzwungenen Loyalität der eigenen Mutter erhält ihr weniger begabter Bruder Johannes die Stelle an der Domschule. Johanna flieht aus Ingelheim und gelangt über ihren Bruder auf die Schulbank im entfernten Dorstadt wo beide bis zum Einzug der Normannen unterrichtet werden. Das blutige Gemetzel überlebt Johanna knapp, nicht aber ihr Bruder. Dieser hat mittlerweile erfahren, sollte er an der Schule scheitern, ins entfernte Kloster Fulda abgeschoben zu werden. Johanna, die indess einer Intrige der Gemahlin ihres heimlichen Geliebten Gerold (David Wenham) zum Opfer fiel, beschließt ihren Werdegang als Undercover-Mann im Namen ihres Bruder im Kloster Fulda fortzusetzen. Dort macht sie sich einen Namen als Heilerin indem sie ihre umfangreichen Kenntnisse der Heilkräuterkunde anwendet um anderen zu helfen. Als sie kurz vor der Enttarnung steht flieht sie ins entfernte Rom wo sie auf Grund ihrer Fähigkeiten schnell in die obersten Ränge der katholischen Kirche aufsteigt…
Kritik: Was Volker Schlöndorff, der ursprüngliche Regisseur der “Päpstin”, kritisierte wurde unter Sönke Wortmanns Regie nachhaltig umgesetzt: Die Produktion eines Films im Kino- und TV-Format. Abgestimmt auf beide Zielgruppen und in beide Richtungen auf Directors-Cut vorbereitet. In wieweit dass die Handschrift der Produzenten und die Qualität des Aufgebots beeinflusste, kann ich nicht beurteilen. Die recht ansprechende Erzählung berührt und fesselt. Das Thema mittelalterliche Kirche im Einklang mit absurden und lächerlichen Weltvorstellungen wird hervorragend in Szene gesetzt. Dennoch untergräbt die Vorstellung, eine unter den Fuchteln ihres geistesgestörten Priester-Vaters erzogene, hoch intelligente Frau macht Karriere in der Höhle des Löwen, meine persönliche Erwartung an diese Geschichte. Während echte Revoluzer wie Martin Luther und CO noch Thesen an Kirchenwände nagelten heilt Johanna Menschen und fügt sich in die Gepflogenheiten einer männerdominierende Gesellschaft ein. Dabei erweisen stets die “alten und Weisen” und dick lustigen Bierbauch-Mönche – wie sie von Wortmann besonders klischeehaft in Szene gesetzt werden – ihr die vom Zuschauer erwartete Loyalität während die “jungen Wilden” einen Stein nach dem anderen in den Weg rollen. Warum konservative Weltanschauungen besonders von dieser Zielgruppe personalisiert wurden ist mir ein Rätsel. John Goodman als amtierender Papst wirkt wie ein vertrottelter Franziskaner, der nebst Hopfen und Malz lieber Wollust als weltliche Interessen präferiert. In nur wenigen Minuten metamorphiert er zu einem verständnisvollen und liebevollen “Onkel Papst” der sein anfänglich stures und asoziales Verhalten in offene, moderne Weltanschauungen transferiert. Absurd! Dabei hat der Zuschauer zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass so jemand überhaupt ein Papst hätte werden können. Ohnehin besteht die dargestellte Kirche ausschließlich aus Lügen und Intrigen und selbst nach Ernennung von Johanna zur Päpstin bleiben diese bestehen – obwohl sie das offenkundige Oberhaupt einer Weltorganisation ist. Wie war das mit der Personalpolitik im Vatikan? Wohl kein Einfluss drauf, Frau Papst. Die von Wortmann so propagierte “Liebe zum Detail” scheitert spätestens nach Projezierung der Rom-Kulisse auf die Studiowände. Zwar wurden jene Schauplätze der Päpstin im “authentischen” Marokko gedreht. Römische Authentizität ist dennoch zu keinem Zeitpunkt wirklich spürbar. Vom Antlitz des Vatikans – auf zwei Räume beschränkt – mal ganz zu schweigen. Wie war das mit der TV-Produktion? Inkonsistente Story – sprunghafte Szenenwechsel und außerordentlich unausgereifte schauspielerische Leistungen – zum Beispiel von Johannas Vater (Iain Glen) tragen ihren Teil zur Bestätigung der Schlöndorffschen Kritik bei. Man merkt der Päpstin an, dass sie versucht die Gefühle der Zuschauer all abendlicher Unterhaltungskost heraufzubeschwören. Wer hat noch nicht wer will noch mal.
Fazit: Ist Kino in diesem Format erträglich? Zwar wäre es anmaßend von mir, Gerüchte im Schnibbelversum der Produzenten zu verbreiten – dennoch glaube ich, dass hier sehr viel Potenzial verschenkt wurde und eine meiner Meinung nach ausgezeichnete Story im Kostümierungswahn und der Pseudo-Detailliebe eines Mainstream-Regisseurs zu Grunde geht.
Ich spreche dennoch eine Empfehlung aus. Warum? Mission Unterhaltung ist geglückt. Und das können die letzten Sneak Erlebnisse nicht von sich behaupten! 6/10 Punkten









