Tabellen sind Polobjekte
Tabellen operieren mit dem Schreiben, den Graphismen (als Zahl, Schrift, Zeichen und Linien) und mit dem Schreibgrund, also demjenigen, was im römischen Recht als tabula oder carta von scriptura, pictura und imago abgegrenzt wird. Nicht nur das Zeichen, sondern auch seine Stellung auf einer Fläche operiert durch Tabellen. Eine Tabelle ist schon insofern stratifiziert, sie hat Schichten, nutzt auf der zweidimensionalen Fläche aber noch weiter Schichten, zum Beispiel Zeilen und Spalten, Blöcke oder Diagonalen. Tabellen sind darüber hinaus Polobjekte, weil sie erstens der Polarforschung dienen, d.h der Ermittlungen von Skalen, Kehren, Wenden, Kippen oder Scheitelpunkten. Solche Verläufe werden in der Geschichte auf der einen Seite als Schicksal, mal als Glück oder Gelegenheit, mal als Zufall, Konjunktur oder aber auch als Kippsal oder schlicht entsicherter, vager und polarisierter Lauf der Dinge betrachtet. Auf der anderen Seite kann man sie, auch mit Warburg, als astrologische, meteorologische, psychologische, affektive oder astronomische Konditionen würdigen.
Zweitens dienen Tabellen nicht nur der Polarforschung. Als Objekt sind die Tabellen selbst wendig, kehrbar oder kippbar. Entweder bilden sie ein Formular, in dem zum Beispiel Zahlen verkehren oder in unterschiedlichen Linien lesbar werden, und die damit unterschiedliche Vergleiche, auf- und absteigende Werte (zum Beispiel die Länge des Sonnenlichtes und des Tages) aufzeichnen können. Man kann einmal Ziegen mit Schafen Oder aber ihren Bestand im Februar mit dem im März vergleichen, oder aber schauen, wieviel Wolle sie wann abwerfen und wie ihre Preise und oder die ihrer Haltung sich entwickeln. Tabellen sind schon darauf angelegt, auch als Objekt insgesamt gedreht und gewendet, umgekehrt werden zu können.
Der Codex Pal. lat. 1370 (oben die Abschriften stammen aus Südwestdeutschland und Elsaß , 15. Jh.) ist von den päpstlichen Computern oder Computisten erstellt worden, die unter anderem für die Datierung der Festtage nach dem Mondkalender zuständig waren, in christlichen Zeiten also zum Beispiel für die Datierung des Osterfestes.
















