Das “Du” -1-
Was magst du mir erzählen können, wenn nicht einmal deine Taten für dich sprechen?
Ist es Provokation zur Diskussion oder das Urteil des Eingeständnisses?
-Hilf dir selbst, dann hilfst du anderen-

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Das “Du” -1-
Was magst du mir erzählen können, wenn nicht einmal deine Taten für dich sprechen?
Ist es Provokation zur Diskussion oder das Urteil des Eingeständnisses?
-Hilf dir selbst, dann hilfst du anderen-
Du!
Du hast mich angelächelt. Dreimal schon Auf der Straße In der Bahn Auf der Brücke du lächelst ich lächle
nichts geschieht
du lächelst ich lächle du lächelst
sie alle an.
orospu çocuğu
Weißt du noch, als wir am See saßen, in irgendeinem Park? Es war Sommer und ich habe mich beschwert, weil mir die Mücken die Beine zerstachen und du hast dich beschwert weil dir die feuchtwarme Luft den Atem raubte. Ich weiß noch, dass ich dachte, dass du mir meinen Atem raubst und dass mir die Mücken vollkommen egal waren weil du da warst. Weil du alles warst, was ich in diesem Moment glaubte zu brauchen. Und ich weiß noch, dass du irgendwas erzählt hast von Tattoos und Bands und Reisen und wie ich dachte, dass ich mal so sein will wie du. Mit einem Mal waren zwei Jahre vergangen ich wollte noch immer nur so sein wie du dabei redetest du immer noch von Tattoos und Bands und Reisen aber du redetest nur. Du tatest nichts. Alles, was du kannst, ist reden und dir vorstellen, wie es einmal sein soll Doch Tattoos kommen nicht von allein und Musik schreibt sich nicht von selbst. Die Orte kommen nicht zu dir, nein. Und doch redest du nur. Es sind drei Jahre vergangen und alles was ich will, ist niemals so zu sein, wie du. Denn du redest nur und du tust nichts und eigentlich war ich auch nie ein tuer ich war immer nur ein reder und das nie besonders gut. Doch habe ich begriffen, dass mich das nicht weiter bringt; dass ich tun muss, um nicht nur von “was wäre wenn?” zu reden sondern von “es war einmal” und “weißt du noch?” Und ich weiß, dass ich dir keinen Vorwurf machen sollte aber ich tu’s weil du mich in deinen Bann geredet hast und mich hast glauben lassen, Träume erfüllen sich von selbst wenn man nur fest genug an sie glaubt und oft genug davon redet. Dabei muss man etwas für seine Träume tun Und ich weiß, du wirst noch lange reden bevor du etwas tust Denn du hast Angst, das habe ich begriffen. Jetzt, in diesem Moment, in dem ich meine Gedanken in dieses Buch kotze - wie du es immer ‘liebevoll’ genannt hast - dabei ist Kotze absolut nichts gutes so wie du. Und das habe ich begriffen. Jetzt, in diesem Moment, in dem meine Hand mit dem Stift zwischen den Fingern viel zu schnell über das Papier fliegt weil Fliegen etwas gutes ist - solang’s nicht auf die Fresse ist- und mit dir bin ich so oft geflogen und es war so oft so schön aber zu oft sind wir unsanft wieder aufgekommen - und trotzdem kam ich mir so unendlich vor und hätte für immer mit dir im Sommer an diesem See in irgendeinem Park liegen können. Das ist jetzt vier Jahre her und ich vier Jahre älter, vier Jahre anders und du? Du hast dich kein Stück verändert. Redest immer noch von Tattoos und Bands und Reisen redest und redest und redest, während du mir in die Augen siehst und ich erkenne, dass du zwar meinst, was du da sagst, doch sehe ich auch die Angst riesig groß davor, zu tun. Und wenn ich dir irgendwann erzähle, wie toll es war, etwas zu tun und wie ich mich selbst gefunden habe wirst du noch davon reden, dich auf den Weg zu machen - aber vorher wird dir noch einfallen, dass es so viel mehr zu (be)reden gibt, so viel anderes - und wenn ich dir dann in die Augen sehe und sage “Es war so toll..”, dann wirst du sehen, dass meine Angst genau so groß ist, wie deine. Nur bist du feige. Ich habe Angst, irgendwas nicht lernen zu können. Nicht genug tun zu können und irgendwann nicht von genug reden zu können. Deine Angst ist eine andere Du hast Angst, dich selbst zu finden; weil du nicht weißt, was dich erwartet. Weil du nicht weißt wann und wo und ob und überhaupt und deswegen redest du nur. Immer und immer wieder redest du nur von dem Tag am See in irgendeinem Park und es war Sommer.
Irgendwann Anfang 2015