Das "Was" -1-
Der Schaum auf meinem koffeinhaltigen Heißgetränk löste sich nach und nach unter den geschmeidigen Rührbewegungen des Löffels in meiner rechten Hand.. "Die ganzen Menschen mit ihrer Hektik im Gepäck die sie von A nach B rennen lässt", murmelte ich leise. Ich saß am Fenster, auf einem Platz den ich mir per mündlichem Vertrag zu meinem Stammplatz ernannt habe. Von hier aus hatte ich die Straße gut im Blick. Ich sah die Wäscherei auf der anderen Straßenseite, wo zum dritten Mal innerhalb einer Stunde die alte Frau Helmke ein und aus rannte. Sie vergisst zu oft zu viel. Wahrscheinlich hat ihr der Herr Marks erneut garantieren müssen das sie ihr Blusen schon abgegeben hat. Drei Häuser weiter war ein kleiner Laden in dem man sogar am Sonntag noch Brot und Aufstrich kaufen konnte und vor dem die üblichen verdächtigen, wir nannten sie die drei Grauen, ein Rentnertrup der alten Schule, ihren Kaffee mit ein zwei Flachmännern runter kippten. Die Ordnung in dieser Straße schien perfekt. Der Milchschaum auf meinem Kaffee hatte wohl den Traum eines festen Aggregatzustandes aufgegeben und färbte die eben noch dunkle Brühe jetzt karamellig braun. Auf der Suche nach einem Aschenbecher wanderte mein Blick von den kleinen liebevoll angeordneten Teelichter über die dezente Tischdekoration in Form kleiner künstlicher bunter Blumen bis hin zu dem glänzenden Serviettenhalter. "Ob das Rauchen hier jetzt auch verboten ist...", dachte ich während mein Blick den beschwerlichen Weg zurück fuhr. "Suchst du den hier?", hörte ich jemanden schräg hinter mir fragen. Ich schwenkte um, so gut wie es auf der kleinen Bank ging, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. In dem kleinen Wintergarten hinter mir saß ein kleiner grauer Mann, die Stirn in Falten legend und verunsichrt schimmernden braunen Augen. Ich bedankte mich als ich sein Angebot an nahm und nach seiner Hand griff die mir zitternd das kleine Glasgefäß reichen wollte. "Warten Sie auch auf jemanden?", fragte er mich, wohl behutsam eine Konversation beginnen wollend. Ich nickte. "Ich warte jetzt seit fast 20 Jahren", fügte er hinterher während ich den wackeligen Wendeversuch unternahm und aprubt auf halbem stoppte. "...oder sind es jetzt schon 25 Jahre?..." Ich atmete einmal tief durch, leicht verunsichert und nicht wissend was ich darauf erwidern sollte. Schließlich stand ich auf. Mich trieb wohl die Neugier, die Langeweile oder das geteilte Leid, welches ich für diesen kleinen Mann empfand. "Ich warte auch", erzählte ich ihm als ob es nicht von meinen Lippen, sondern von meiner Seele fallen würde. "Auf wen warten Sie?", fragte er, jetzt wohl motivierter. "Ich weiß es noch nicht..." -Ende-












