Kaffeeeinkauf
Jedes Jahr beginnt im Herbst der Kaffeeeinkauf. Bei UTAMTSI und der Kooperative sieht dies so aus: Mit einem Jeep fahren die Einkäufer der Genoßenschaft zu den Sammelpunkten der rund 25 Bauerngruppen in der Region Ouest. Die Sammelpunkte sind so gewählt das alle Bauern mit ihren vollen Säcken keinen allzu weiten Weg zurücklegen müssen.
Verabredet ist mit den Bauern jeweils ein Einkaufstag, schon morgens kommen die Bauern dann mit ihrer Ernte zusammen, diskutieren miteinander und warten auf das Eintreffen der Einkäufer. Diese begrüßen am jeweiligen Ort zuerst den oder die Delegierten und stellen ihre Waage auf. Dann werden nach und nach nacheinander die umstehenden Bauern herangerufen ihre Säcke zur Waage zu bringen.
Einer der Einkäufer kontrolliert vor dem wiegen die Qualität des zu wiegenden Kaffees und weist unzureichend getrocknete Kaffeekirschen zurück. Der Delegierte steht beim Wiegen neben dem Einkäufer und bezeugt die von ihm ausgerufene Gewichtsangabe. Die Bauern werden angehalten aus ihrer Gruppe jemanden zu bestimmen der die Messungen der Waage lesen kann und die Richtigkeit des Wiegevorgangs vergewissern kann.
Ein Mitarbeiter notiert die ausgerufene Gewichtsangabe im Stammbuch des Bauern. Hierdrin sind ab dem Eintritt in die Kooperative dessen Verkäufe, aber auch der Zustand und die Anzahl seiner Kaffeepflanzen, die Anzahl seiner Tiere etc. vermerkt. Die Bauern bewahren ihr Buch bei sich zu Hause auf und auch unabhängig vom Einkauf kann so mit Einverständnis der Bauern deren Lebensumstände nachvollzogen und auch über längere Sicht AUswirkungen der fairen Handelsbeziehung betrachtet werden.
Nach dem Wiegen wird der Rohkaffee in die Transportsäcke der Kooperative umgefüllt und diese zugenäht. Die Bauern bekommen ihre Säcke zurück und werden dann der Reihe nach in einen Raum oder eine abgeschirmte Ecke gerufen, in der ein Mitarbeiter den Betrag abzählt welchen der Delegierte vorliest. Dieser prüft gegen und übergibt die Summe in bar dem jeweiligen Bauer. Davon wird bei Bedarf der Betrag abgezogen, den der Bauer gegebenenfalls schon vorab als Zweckgebundenes Darlehen für die Schulkosten seiner Kinder oder ein Investition in seinen biologischen Anbau, bekommen hat. - Die Geldübergabe findet in kleiner Runde statt, damit bei jemandem der besonders tüchtig geerntet hat nicht kurz danach alle anderen die Haustüre belagern und an der Einnahme beteiligt werden wollen. Nur der Delegierte kennt den Verdienst aller Mitglieder aus seinem Dorf. Teil seines Vertrages mit der Kooperative ist es allerdings, vertrauliche Informationen nicht weiter zu geben.
Zum Ende des Einkaufs ensteht öfters ein Gespräch, in dem Probleme und Erfahrungen ausgetauscht werden. Die nächsten Termine werden bekanntgegeben und wenn der dann voll beladene Jeep den Treffpunkt verlässt, sind auch die ersten Bauern schon auf ihrem Heimweg.
(Photos von Katharina Frucht und mir)












