Winterreise durch Baden-Württemberg
Zwei Wochen führte mich meine Reise durch Baden-Württemberg und seine nähere Umgebung.
Es ist Dezember, eine Zeit des Rückzugs, der gedämpften Farben und der langsamen Schritte. Eine gute Woche davon verbrachte ich wandernd – durch sanfte Hügel, stille Weinberge, Wälder im Ruhezustand, durch Orte, die eher atmen als sprechen.
Ich wohnte in kleinen privaten Pensionen, fern von Durchgangsverkehr und Betriebsamkeit. Abends kehrte ich ein an heimische Herde, in Stuben mit niedrigen Decken, Holz, Wärme und einfachen Mahlzeiten. In den Weinbaugebieten hatte der Winter die Reben bereits entblößt; sie standen wie feine Linienzeichnungen im Nebel, zurückhaltend und konzentriert. Alles war reduziert auf das Wesentliche.
Der Höhepunkt dieser Reise war Heidelberg – die Stadt am Neckar. Sie empfing mich mit einem stillen, winterhellen Licht. Der Fluss Necker lag ruhig im Tal, trug das Grau des Himmels und spiegelte eine Stadt, die ihre Geschichte in sich trägt.
Ein besonderer Weg führte mich hinauf: der Philosophenweg. Ein Pfad, der mehr ist als eine Strecke. Hier gingen einst Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano und Friedrich Scheffel – Dichter und Denker, die das Gehen als Form des Denkens verstanden.
Es wird gesagt, sie hätten hier oben das Licht anders gesehen. Durchlässiger. Weiter. Als würde der Blick ins Tal den Geist öffnen.
Vom Philosophenweg aus entstand auch das Bild, das diesen Moment bewahrt: der Blick auf das Heidelberger Schloss, das sich aus dem Hang löst, von Nebel umfangen, wachsam und zugleich entrückt. Darunter die Dächer der Stadt, still gelagert, als ruhten sie im selben Atemzug.
Der Pfad selbst war ruhig. Feuchtes Laub unter den Schritten, kahle Äste, ein leiser Wind. Jeder Schritt schien ein stilles Einverständnis zu sein – mit der Landschaft, mit der Geschichte, mit der eigenen Gegenwart.
Diese Reise war ein Gehen nach innen. Ein Verweilen im Winter, im Übergang, im einfachen Dasein.
Zurück bleibt das Gefühl, dass Orte sprechen können, wenn sie langsam genug begangen werden, und dass manche Wege nicht zu einem Ziel führen, sondern zu einer Haltung.
Reiseaufzeichnungen 5.–14. Dezember 2025
Photographie: Raja











