Heute muss ich mich einem sehr speziellen Thema zuwenden: Conventions. Ich bin seit 2014 Cosplayerin und liebe dieses Hobby. Ich bin gerne Teil von bunten Phantasiewelten, ich liebe es zu basteln, zu nähen, zu malen, kreativ zu sein.
Um sich mit anderen Cosplayern zu verknüpfen, um Kostüme zu bewundern und zu zeigen, geht man auf Conventions. Meine allererste Con war die Dokomi in Düsseldorf. Und seit 2014 bin ich jedes Jahr dagewesen. Ich habe dafür Urlaub genommen, Wochen vorher am Kostüm gearbeitet. Meine Cousine und ich sind immer bereits freitags angereist, dann Sushi essen gegangen und hatten Samstag und Sonntag jeweils die Zeit unseres Lebens. Diese Wochenenden zählen zu meinen Jahreshighlights. Es gab Zeiten, in denen waren die Cons das einzige, worauf ich mich freuen konnte.
Aber dieses Jahr ist alles anders. Warum, muss ich wohl niemandem sagen. Als im März der große Lockdown kam, haben die meisten großen Conventions ihre Veranstaltung für dieses Jahr abgesagt. Nicht aber die Dokomi. Ausgerechnet Deutschlands größte Convention, hat sich dazu entschieden stattzufinden, komme was wolle. Zunächst wurde die Con in den September verschoben. Das große Umbuchen von Hotels ging los. Kaum zwei Wochen später kam ein Dämpfer: Der Termin war in der Halle nicht frei. Die Con wurde auf einen anderen Termin verschoben. Spätestens jetzt wurde Kritik laut. Warum nicht gleich absagen? Warum ständig verschieben?
Die Dokomi hat ein verhältnismäßig junges Publikum und gerade für dieses sollte eine so große Veranstaltung ein Vorbild sein. Stattdessen werden junge Leute, die lange isoliert waren, mit der Hoffnung gelockt, endlich ihre Freunde treffen zu können. Es fallen außerdem Argumente wie: Wir müssen Künstler und Aussteller supporten. Unsere Community verändert sich, wer weiß, ob wir nächstes Jahr noch eine Community sind.
1. Geld ist nicht alles. Mir tut es auch im Herzen für jeden Künstler und Aussteller weh, wirklich. Ich habe jedes Jahr Artworks auf der Dokomi gekauft, weil ich Künstler unterstützen möchte, aber es gibt Dinge, die wichtiger sind als Geld. Zum Beispiel Gesundheit und das Leben. Und wenn ich auf so eine Großveranstaltung gehe, gefährde ich nicht nur mein Leben, sondern ich riskiere auch das Virus zu übertragen ohne es mitzubekommen und entweder auf der Con oder später daheim Leute anzustecken. Ich gefährde also auch das Leben der anderen. Und die Besucher gehen ja nicht hin, weil sie Geld brauchen, sondern zum Vergnügen. Ich riskiere also Leben für mein eigenes Vergnügen.
2. Ich bin der Ansicht, dass ich Fan von etwas bleiben kann, auch wenn ich mal ein Jahr lang auf keine Veranstaltung gehe. Ich höre dann nicht plötzlich mit meinem Hobby auf. Und gerade in der stets wachsenden Cosplayszene, bin ich komplett unbesorgt. Wir sind längst keine Minderheitengruppe mehr, keine Außenseiter, die sich in Kellern treffen. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass auch unsere Community Verantwortung trägt.
Ich bin also enttäuscht. Enttäuscht, dass Menschen so wenig gewillt sind sich einzuschränken, um zu helfen das Virus zu beschränken.
Was an dieser Stelle gesagt sei: ich würdige die Bemühungen, die Arbeit, die die Dokomi in ihr Hygienekonzept gesteckt hat. Ich bedanke mich bei allen, die ihre Masken korrekt tragen. Dennoch glaube ich, dass die Dokomi schon vorher versagt hat. Vielleicht geht alles gut. Aber ist es das Risiko wert?
Und übrigens, da ich ein paar Mal gelesen habe “Wieso beschweren sich alle über die Dokomi, aber Fußball darf stattfinden? Da sagt keiner was?”
1. Es gibt genug Leute, die auch das verurteilen. Ich z.B. Ich bin der Ansicht jede Großveranstaltung ist eine Großveranstaltung zu viel.
2. Wenn ich Teil einer Community bin, versuche ich natürlich als erstes in dieser eine Verhaltensveränderung voranzutreiben. Ich versuche zuerst Menschen, die mir näher sind, zu überzeugen. Das ist natürlich.
3. In einer Diskussion über die Dokomi, die aktuell gerade stattfindet, werden Leute nun mal hauptsächlich auf die Dokomi eingehen.
So. Das musste mal gesagt werden. Ich werde niemanden, der hingegangen ist, persönlich anmeckern, aber ich würde mir wünschen, dass Menschen mal über Risiken und Auswirkungen nachdenken. Darüber nachdenken, ob es das echt wert ist. Für mich ist ein Leben sehr viel mehr wert als ein Wochenende voller Spaß. Und es geht nicht darum, dass ich nur für mich Verantwortung übernehme, sondern auch für andere.