Bamberg, 8. September 2022, Donnerstag
Der berühmte Domreiter: eine Sandsteinplastik aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Es ist nicht klar, wen der Reiter darstellt. Die Spekulationen gehen von einem ungarischen König bis zum Messias der Apokalypse.
So unbefriedigend es sein mag, den Hintergrund für dieses Kunstwerk nicht zu kennen, so macht doch gerade die Unbestimmtheit das Faszinierende dieser Figur aus. Sie ist als unbestimmte kein blosses Abbild, das immer hinter dem Vorbild zurückzubleiben droht, sondern ein Urbild, ein absolutes Symbol. Sie steht für nichts, nur für sich selber. Sie ist nicht einer wie auch immer gearteten Sinnzuschreibung unterworfen, sondern trägt den Sinn in sich selbst. Sie überblickt das Gewusel des Kirchenvolks aus ihrer erhöhten Warte. Und so reitet sie in mystischer Verklärung durch die Jahrhunderte.










