Ein paar Monate hat Wirtschaftsminister Mitterlehner sie mit Verzögerungstaktiken hingehalten. Schlussendlich wurden die Verträge der E-Control Vorstände Boltz und Graf trotzdem nicht verlängert. Wäre Mitterlehner an einer Äquidistanz zu allen Marktteilnehmern interessiert gewesen, hätte er Boltz und Graf gehalten. Das ist er aber offensichtlich nicht. Walter Boltz und Martin Graf machten als E-Control-Vorstände einen ausgezeichneten Job. Im Gegensatz zu Wirtschaftsminister Mitterlehner hatten beide eine Vision für den heimischen Energiemarkt, setzten in punkto Kostenbewusstsein im Sinne der Stromkunden als auch im Bereich Insiderhandel und Wettbewerbsverstoß bei Strom und Gas neue Standards und ließen sich dabei nicht korrumpieren. Genau das wollte Mitterlehner offenbar nicht mehr.
Martin Graf setzte die Stadt Wien in punkto Kostenbewusstsein im Sinne der Stromkunden unter Druck – womit die Stadtregierung wenig Freude hatte. Dafür ziehen die Roten jetzt als neuen E-Control Vorstand Andreas Eigenbauer aus dem Hut. Den Energiebeauftragten der Stadt Wien - Ende der Unabhängigkeit!
Mit ihrer Kritik an der hohen Ökostromförderung brachten Graf und Boltz auch die Bauern gegen sich auf. Eine von der E-Control gestartete Whistleblower-Plattform stieß wiederum auf wenig Freude in der Strombranche. Durch das Engagement der E-Control wurde die Aufrechterhaltung der gemeinsamen Preiszone mit Deutschland erreicht. So konnten negative Effekte von 300 Mio Euro verhindert werden. Diese positive Arbeit für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich zählt am Ende in Proporz-Österreich natürlich wenig. Warum auch die Interessen der Konsumenten und Steuerzahler, oder eine langfristig erfolgreiche Ausrichtung und Positionierung der Stromanbieter im internationalen Wettbewerb fördern? Was für Mitterlehner zählt, sind die kurzfristigen Begehrlichkeiten der eigenen Klientel.
Ich gespannt, wann die ÖVP und ihre Bünde das nächste Mal über den Standort Österreich jammern. Leider können wir uns darauf verlassen, dass die ÖVP über Nacht vergisst, dass sie es selbst ist, die den Wirtschaftsstandort immer wieder ihren Machtinteressen opfert.