Vilnius im Rückblick von Irene Turin
Die 15. Europäischen Sportspiele der Herz- und Lungentransplantierten sind Geschichte. Geblieben sind viele schöne Erinnerungen, gute Eindrücke und ungefähr 3 Kilo(!) Medaillen, die unsere erfolgreichen Sportler nach Hause tragen konnten*. Eine Bilanz, die alle Erwartungen bei weitem übertroffen hat, waren doch sichere Medaillenanwärter daheimgeblieben; im letzten Moment ist auch noch Sigi Meschnig krankheitshalber ausgefallen.
Müßig also, die Taten unserer Helden noch einmal aufzuführen. Was durchaus zum Erfolg beigetragen hat, waren das gute Klima in der Gruppe, der Mannschaftsgeist und die Aufmunterungen der mitgereisten Unterstützer. Nur die Golfer, die weit vom Schuss agierten, mussten sich mit guten Wünschen zufrieden geben. Ein tägliches Training konnten alle absolvieren, die den Weg zu den Sportstätten zu Fuß oder – wie Alois – mit dem Rad zurücklegten. Selbst das Abendessen hatte sportliche Aspekte: Die einen verdienten es sich mit einem 20-minütigen Fußmarsch, die besonders ambitionierten legten beide Wege per pedes zurück.
Die Teilnehmer aus 20 Nationen waren in zwei Hotels untergebracht – zentral die einen, sportlich die anderen (siehe oben), was das lokale Organisationskomitee manchmal ins Schwitzen brachte. Doch die sechs Damen, die den Laden schupften, lösten jedes Problem, und das immer sehr freundlich. Frauen-Power eben.
Was man nicht vergessen darf: Litauen ist erst seit 1993 ein freies Land. Spuren der Sowjetzeit sind in Vilnius natürlich noch zu sehen, angefangen von nicht mehr genützten riesigen Stadien, über ein Dutzend funktionierender russisch-orthodoxer Kirchen bis zu dringend renovierungsbedürftigen Häusern. Die Litauer waren ja die ersten der drei baltischen Staaten, die sich für ihre Freiheit eingesetzt haben. Aber sie waren die letzten, die diese Freiheit bekommen haben. Vielleicht liegt es an dieser Freude über die Freiheit, dass die Menschen so freundlich, herzlich und sympathisch sind. Ganz massiv konnten wir das schon am Eröffnungstag erleben: Menschen säumten die Straßen beim Einzug der Nationen, und keiner schaute grantig!
Meine volle Bewunderung gilt Ugne Sakuniene und ihrem Team, die für England in die Bresche gesprungen sind. In knappster Vorbereitungszeit, mit geringer finanzieller Unterstützung, aber mit unglaublich viel Engagement und Herzblut haben sie und eine großen Schar freiwilliger Helfer möglich gemacht, dass ich sie als besondere Spiele erlebt habe.
*Zum Nachrechnen: Bei 5 goldenen und einer bronzenen Medaille zeigt meine Küchenwaage 531 Gramm