⸻ 𝑴𝑨𝒀𝑨𝑹𝑰 𝑽𝑬𝑹𝑨 𝑨𝑬𝑮𝑰𝑺
Gestern waren sie laut. Heute werden sie leiser. Morgen sind sie still. Sie sprechen zu mir. Die Stimmen der Natur. Sprechen sie zu mir, oder ist es ein Gefühl? „Hör nicht genau hin, Mayari, bald kannst du sie nicht mehr von der Realität unterscheiden“, hatten mich die Dorfältesten gewarnt. Was meinten sie damit? Die Wälder seien nicht nur freundlich, hatten sie gesagt. Die Wälder, in denen ich groß geworden bin, sollen gefährlich sein? Eine Gabe, ein Fluch, schemenhafte Gestalten aus Nebel, eine Tür aus Wurzelholz, Visionen, der ewige Nebelwald, und dann… wieder nichts. Bloße Leere, lautes Schweigen. Das war meine Kindheit. „Sie ist noch ein Kind, es ist nicht ungewöhnlich, dass sie imaginäre Freunde hat“, hatte meine Mutter immer wieder gesagt. Ich weiß, dass sie oft versucht hat, darüber hinweg zu sehen, dass ich mit dem Wind geflüstert habe. „Nein, sie hat den Nebelblick.“ Die Worte des Dorfältesten klangen beinahe wie eine Beleidigung und gleichzeitig hörte ich Faszination heraus. Meine Finger zeichneten das spiralförmige Mal auf meiner Hand nach, das ich seit der Geburt trug. Es pulsierte, mein Kopf schmerzte, und dann war alles finster. Das war damals. Heute bin ich kein Kind mehr, das verängstigt die Augen schließt. Ich habe gelernt, den Nebel nicht nur zu sehen, sondern mich in ihm zu verbergen. Die Stimmen sind geblieben, und sie führen mich tiefer in die Wälder, als es jedem Dorfbewohner lieb wäre. Ich suche nicht mehr nach Antworten im Wind. Ich suche nach einer Spur, die elf Jahre alt ist. Nach einer Tür aus Wurzelholz. Und nach ihm.
⸻ balanciert ihr Leben zwischen der Isolation im abgeschiedenen Dorf Windtal und den Hörsälen Schottlands, wo sie sich dem Studium der Pharmazie und Botanik widmet. Doch sobald die Sonne untergeht, weicht die Wissenschaft einem düsteren Handwerk, dem sie Nacht für Nacht nachgeht, um ihre Existenz zu sichern.












