Die tägliche Last
Jeder Morgen trägt Gewicht.
Noch bevor der Tag beginnt,
liegt etwas Unsichtbares auf der Brust,
leise, vertraut, unerbittlich.
Es ist keine Last, die man ablegen kann.
Sie folgt den Schritten,
sitzt im Atem,
wartet im Spiegel.
Man trägt sie,
weil niemand sonst es tut.
Die Welt sieht das Funktionieren,
nicht das Tragen.
Sie zählt Stunden,
nicht Gedanken.
Und so lernt man,
mit geradem Rücken zu leben,
während innen etwas müde wird.
Doch zwischen Pflicht und Schwere
gibt es feine Zwischenräume.
Momente, die nicht retten,
aber halten.
Ein Licht, das kurz bleibt.
Ein Gefühl, das sagt:
Du bist noch da.
Vielleicht ist das Leben genau das.
Nicht frei von Last,
sondern fähig, sie jeden Tag
neu zu tragen,
ohne sich selbst zu verlieren.
Und manchmal,
ganz leise,
wird aus der Last
etwas, das uns formt,
nicht bricht.










