14/09/2019 Die ersten Minuten in Myanmar waren schon sehr aufregend. In dem Moment als ich unsere Pässe und Visa vorzeigte, übergab sich Noah-Elias genau am Checkpoint. Dieses war wohl eine Nachwirkung von der kurvigen Busfahrt. Allerdings war der Zeitpunt mehr als ungünstig... Wir hatten nun zwei Optionen von Myawaddy nach Yangon zu kommen. Die günstigere Variante war der Reisebus 2 Stunden später mit einer Dauer von 7-8 Stunden und die zweite Möglichkeit das Fahren in einem privaten Auto. Da wir die Nacht im Bus nicht wirklich geschlafen haben, entschieden wir und für die scheinbar schnellere und komfortable Option, handelten von 100 auf 55 Dollar runter und stiegen ein. Im Auto erwartete uns die vierjährige Tochter des Fahrers und ein großes Schaumstoffkissen statt Autositze. Bevor der Fahrer einstieg, öffnete er erstmal die Motorhaube und füllte Wasser ein. 10 Minuten später ging es los zur ersten Werkstatt in der Motoröl nachgefüllt wurde, anschließend zur nächsten in der ein Reifen gewechselt wurde und die anderen aufgepumt wurden. Im Anschluss daran fuhr der Fahrer zu sich nach Hause um sich weitere Tabaknüsse einzupacken. Leicht genervt waren wir froh, dass es jetzt losgeht als wir mit dem Auto die nächste Werkstatt anfahren und 8 bis 12-jährige Kinder irgendwas am Motor machen. Danach fahren wir dann wieder zum Einstiegspunkt um seine Frau abzuholen -.- Leider war es nun 9:07 und der tägliche Bus bereits abgefahren. Anschnallgurte werden überbewertet und sind erst gar nicht vorhanden, die vierjährige Tochter klettert im gesamten Fahrzeug inklusive auf dem Fahrer herum. Wir starten, Noah-Elias schläft direkt ein, obwohl er wie ein Milchshake geschüttelt wird und die erste Stunde der Strecke führt durch scharfe Kurven. Unser Fahrer wechselt ständig die Fahrbahn um den großen Schlaglöchern auszuweichen, leider auch vor den unübersichtlichen Kurven, wo ich bereits 100 Tode sterbe. Der Fahrstil ist allerdings nicht unüblich, da auch der Gegenverkehr unsere Spur für Ausweichmanöver nutzt.
Dank Google-Offline-Map konnte ich die Fahrt live verfolgen und verzweifeln, da wir nach etwa 4 Stunden gerade mal 150 km geschafft haben, aufgrund der Regenzeit war eine Straße überflutet und wir mussten auf eine längere Route ausweichen. Die nachfolgenden Straßen bargen unzählige Schlaglöcher und riesige "Pfützen". Unser Fahrer überholte jedes Auto und nicht selten war es haarscharf mit dem Gegenverkehr. Im 10 Minuten-Takt spuckte er seinen roten Betelnussspeichel in eine Flasche, sehr angenehm! Als Noah-Elias aufwachte fing er an sich zu übergeben, das ging das bis zum Ende der Fahrt so weiter. Während der Fahrt nahm unser Fahrer erst einen Mann mit, der mit seinem Reisstrauch im Kofferraum Platz nahm und später eine Familie die dehydriert am Straßenrand stand. Die Mutter übergab sich ebenfalls die gesamte Fahrt und die Frau und Tochter des Fahrers taten es ihr gleich. Sämtliche Körperteile knallten gegen Vordersitze, Fensterscheiben und Rückenlehnen. Der Fahrer wartete bis zur kompletten Dunkelheit um seine LED-Autolichter anzumachen. Ich habe wirklich selten Angst, aber auf dieser Fahrt habe ich mein Gebetspensum der letzten drei Jahre nachgeholt und immer nur gehofft dass wir irgendwie heile in Yangon ankommen. Um 9 Uhr abends und 13 Stunden in diesen Auto kamen wir an, leider nicht am vereinbarten Treffpunkt. Laut Googlemap, waren wir vier Kilometer vor der Stadt und ich erklärte, dass dieses nicht vereinbart wurde und sie mich zur verabredeten Busstation bringen sollten. Da mein Burmesisch genau so schlecht war wie deren Englisch riefen sie den Mann an mit dem ich die Fahrt verhandelt hatte. Dieser sagte mir, dass dies richtig wäre und ich einen höheren Preis zahlen sollte. Da wurde ich richtig sauer. Da es in Asien allerdings sehr unangenehm ist wenn jemand in der Öffentlichkeit ärgerlich und laut wird, packten sie uns wieder ins Auto und brachten uns zum ursprünglichen Ziel,wo wir dann noch eine halbstündige Busfahrt zu unserem Ziel hatten... WELCOME TO MYANMAR