Ensslin / Asthenia
Polar Summer
2021
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Ensslin / Asthenia
Polar Summer
2021
Ende
Draußen wütet ein heftiger Sturm. Lenina sitzt am Fenster und raucht eine rote Marlboro von ihrer Mutter. Sie zeichnet. Ihre zarten Finger sind schnell und bestimmt. Immer wieder stippt sie mit ihren roten Nägeln Asche aus dem Fenster in die regnerische Nacht. Sie malt Gudrun Ensslin, weil neben Baader noch Platz ist. Lenina ist langweilig. Sie zündet sich die nächste Zigarette an, mit extra langen Streichhölzern. Ihr ist nicht kalt, obwohl das Fenster schon seit Mittag offen steht. Sie kaut Kaugummi während sie raucht. Wieder klopft sie Asche aus dem Fenster. Der Regen ist zu grauem Schnee geworden. Lenina ist immer noch langweilig. Schließlich legt sie Ensslin weg, wirft die Zigarette aus dem Fenster und zieht ihre warmen, orangenen Wollsocken von Thomas an. Thomas und sie haben nie Klamotten getauscht, nur eben Socken. Seine sind eh viel bequemer. Lenina denkt an die Rose, die sie ihm auf den Unterarm tattoowiert hat. Sie war damals ganz schön stolz drauf. Jetzt fickt er Frida. Frida ist schon zwanzig und blond. Lenina denkt an Ensslin, die sich nicht unterkriegen lassen hätte, und zieht dann grüne Gummistiefel über die orangenen Socken. Die bekommt Thomas ganz sicher nicht wieder. Grün und Orange ist so cool. Dann zündet sich Lenina die nächste Zigarette an, raucht sie im Treppenhaus, murmelt kurz: „Bin unterwegs“, und verzieht sich. Draußen hört sich der Regen noch lauter an, als eben am offenen Fenster. Lenina hat keine Jacke an, aber ihr Pulli ist dick. Sie zieht die Kapuze tief ins Gesicht. Die Straßen sind verlassen. Der Wind pfeift. Lenina schlendert an dem Spießerhaus ihrer Nachbarn vorbei. Nächstes Mal wirft sie ihre Kippen wieder da hin, schwört sie sich, als sie Herrn Schneider dabei zusieht, wie er hektisch versucht, das Garagentor zu schließen, damit der neue BMW nichts von dem Schneeregen abbekommt. Lenina stellt sich vor, wie Thomas mit seinem billigen Graffiti vorbei kommt, und Fahrräder auf die Motorhaube sprüht. Die würden dann wieder nur wie wahllose Kreise aussehen, mit irgendwelchen Stichen dazwischen und Lenina würde ihm dann gelassen durch die langen Haare wuscheln und sagen, dass es ja besser sei, dass er nur Philosophie und nicht Kunstwissenschaften studiere. Lenina erinnert sich plötzlich, dass sie auf Thomas scheißt. Sie beschleunigt ihren Schritt und biegt in die Goethestraße ab, in der die dumme Frida in diesem dummen, rosa Haus wohnt. Mit ihren dummen, heilewelt Eltern, die immer für sie gekocht haben, als sie klein war und ihr jetzt das Studium finanzieren. Weil Medizin ja auch ohne Nebenjob anstrengend genug ist. Das kleine Gewächshaus im Garten schaut sich Lenina genauer an. Vorsichtig klettert sie hinein. Drei winzige Tomaten und sonst nur grünes Gewächs. Plötzlich ist Lenina unfassbar wütend. Vielleicht würden Experten jetzt sagen, Lenina ist eigentlich eher traurig oder frustriert, aber Lenina definiert ihren derzeitigen Zustand einfach nur als wütend. Sie nimmt einen Stein, der neben den Tomaten liegt und wirft ihn durch eine der Scheiben. Das es so laut klirrt, hat sie nicht erwartet. Lenina klettert aus dem winzigen Eingang, stößt sich dabei den Kopf. Sie flucht, hat aber keine Zeit, sich noch selbst Leid zu tun, schließlich ist schon das Licht in dem dummen, rosa Haus angegangen. Leninas Gummistiefel sind etwas groß, das hat sie noch nie gestört, doch jetzt stellt es sich als ziemlich hinderlich heraus. Scheiß Thomas! Wegen dessen beschissener Socken hat sie doch überhaupt erst diese beschissenen Schuhe angezogen. Lenina weiß genau, wo sie hinrennen muss. Sie stolpert die Straße entlang, sie rennt und rennt, fällt mehrmals fast, bis sie endlich das Wohngebiet verlassen hat. Vor ihr tauchen im dumpfen Nebel die Messehallen auf. Oder eher, das, was von den Messehallen noch übrig geblieben ist. Die sind nämlich vor zwei Jahren abgebrannt. Erst jetzt merkt Lenina, dass sie kaum noch Atem hat. Sie lässt sich auf den trockenen Boden in einer der Ruinen fallen. Keucht und schnaubt, aber irgendwie fühlt sie sich gut. Dann zündet sie sich eine Zigarette von den roten Marlboros ihrer Mutter an, die eh viel besser sind als Thomas Selbstgedrehte. Sie schmunzelt. Gudrun wäre stolz auf sie.
Ensslin - Little Crushes
Tagesreste
2017
Ensslin
Fredag. Cocktail. Ok. Jada. Ingen trenger vente helt til fredag for cocktails i Casa Børgesita, som dere vet. Men altså: Når jeg lager meg en cocktail, og mange av dem fra den legendariske bartenderen Hugo R. Ensslins Recipes For Mixed Drinks (1916/17), som nærmest har blitt et standardverk, tenker jeg på (før det har blitt for mange cocktails og all tenking er utelukket) på filmen Julie & Julia, der Julie (Amy Adams) jobber seg gjennom oppskriftene til den legendariske kokken Julia Child (Meryl Streep). Der går alt opp i en stor Mening. Det gjør det kanskje ikke her. Vi starter på A. Absinthe Cocktail. #absinthe #cocktails #ensslin #nickandnora #riedel (ved Grünerløkka) https://www.instagram.com/p/CXT_6fmKfGo/?utm_medium=tumblr